Joh 17:2
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Grundtexte
GNT Joh 17:2 καθὼς ἔδωκας αὐτῷ ἐξουσίαν πάσης σαρκός ἵνα πᾶν ὃ δέδωκας αὐτῷ δώσῃ αὐτοῖς ζωὴν αἰώνιον
REC Joh 17:2 καθὼς +2531 ἔδωκας +1325 αὐτῷ +846 ἐξουσίαν +1849 πάσης +3956 σαρκὸς +4561, ἵνα +2443 πᾶν +3956 ὃ +3739 δέδωκας +1325 αὐτῷ +846, δώσῃ +1325 αὐτοῖς +846 ζωὴν +2222 αἰώνιον +166.
Übersetzungen
ELB Joh 17:2 wie du ihm Vollmacht gegeben hast über alles Fleisch, daß er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben gebe!
KNT Joh 17:2 so wie Du Ihm Vollmacht über alles Fleisch gegeben hast, damit Er alles, was Du Ihm gegeben hast, ihnen gebe, auch äonisches Leben.
ELO Joh 17:2 Gleichwie du ihm Gewalt gegeben hast über alles Fleisch, auf daß er allen, die du ihm gegeben, ewiges Leben gebe.
LUO Joh 17:2 Gleichwie +2531 du ihm +846 Macht +1849 hast gegeben +1325 (+5656) über alles +3956 Fleisch +4561, auf daß +2443 er das ewige +166 Leben +2222 gebe +1325 (+5661) allen +3739 +3956, die du ihm +846 gegeben hast +1325 (+5758).
PFL Joh 17:2 dementsprechend wie Du Ihm wesenhafte Vollmacht gabst über alles Fleisch, damit Er alles, was Du Ihm gegeben hast, ihnen gebe, nämlich ewiges Leben.
SCH Joh 17:2 gleichwie du ihm Vollmacht gegeben hast über alles Fleisch, auf daß er ewiges Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast.
MNT Joh 17:2 gleichwie du ihm gabst +1325 Vollmacht +1849 über alles Fleisch, +4561 damit alles, was du ihm gegeben +1325 hast, er ihnen gebe: +1325 ewiges +166 Leben. +2222
HSN Joh 17:2 wie du ihm [ja] Vollmacht4 verliehen hast über alles Fleisch, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben gebe5.
WEN Joh 17:2 so, wie du ihm Autorität über alles Fleisch gabst, auf dass er allen, die du ihm gegeben hast, äonisches Leben gebe.
Vers davor: Joh 17:1 --- Vers danach: Joh 17:3
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Erste Gedanken
Dadurch, dass Jesus als das Lamm Gotte, die Sünde der ganzen Welt weggenommen hat (Joh 1:29), hat er auch die Vollmacht über alles Fleisch bekommen. Allein infolge dieses Ereignisses konnte auch Paulus in 2Kor 5:19 schreiben, dass Gott der Welt die Übertretungen nicht mehr anrechnet.
Als Mose die Herrlichkeit Gottes sehen wollte und "diese" an ihm vorbeizog, sagte Gott:
- "Ich werde gnädig sein, wem ich gnädig bin, und mich erbarmen, über wen ich mich erbarme (2Mo 33:19)."
Golgatha schuf die rechtliche Grundlage für die Vollmacht über alles Fleisch, so dass Jesus sich auch über den ersten von allen Sündern (Paulus) erbarmen konnte! Gnade und Erbarmen ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der inneren Herrlichkeit Gottes!
👉 Siehe auch:
✏️ Vollmacht über alles Fleisch
🔦 Stichworte*: §Vollmacht über §alles §Fleisch
Informationen
Fußnoten aus HSN
4 o. Gewalt, Herrschaft, Autorität, Verfügungsgewalt (vgl. Mt 28:18)
5 vgl. Joh 3:15 mit Anm. 17!
Interlinear-Übersetzung
| Grundtext | Transliteration | Übersetzung | Strong-Nr. |
|---|---|---|---|
| καθὼς | kathōs | wie, gleichwie, so wie | G2531 |
| ἔδωκας | edōkas | du gabst, du hast gegeben | G1325 |
| αὐτῷ | autō | ihm | G846 |
| ἐξουσίαν | exousian | Vollmacht, Macht, Autorität, Gewalt | G1849 |
| πάσης | pasēs | alles, jedes, ganz | G3956 |
| σαρκός | sarkos | Fleisch, Leib | G4561 |
| ἵνα | hina | damit, auf dass, dass | G2443 |
| πᾶν | pan | alles, jedes | G3956 |
| ὃ | ho | was, welches | G3739 |
| δέδωκας | dedōkas | du hast gegeben | G1325 |
| αὐτῷ | autō | ihm | G846 |
| δώσῃ | dōsē | er gebe, er wird geben | G1325 |
| αὐτοῖς | autois | ihnen | G846 |
| ζωὴν | zōēn | Leben | G2222 |
| αἰώνιον | aiōnion | ewig, äonisch | G166 |
Versanalyse & Erläuterungen
1. Grammatikalische Struktur
Der Vers beginnt mit der Konjunktion καθὼς (kathōs, "wie/gleichwie"), die eine Vergleichsbeziehung herstellt und auf die vorherige Aussage in Joh 17:1 zurückverweist.
Das Verb ἔδωκας (edōkas) steht im Aorist Aktiv Indikativ, 2. Person Singular und bedeutet "du gabst/hast gegeben". Der Aorist drückt eine abgeschlossene Handlung aus - die Vollmachtsübertragung ist bereits geschehen.
Das Substantiv ἐξουσίαν (exousian, "Vollmacht/Autorität") ist der Akkusativ Singular von ἐξουσία und bezeichnet die vom Vater übertragene Autorität. Dieses Wort erscheint häufig in den Evangelien in Bezug auf Jesu Autorität (Mt 28:18, Mk 1:22).
Der Ausdruck πάσης σαρκός (pasēs sarkos, "alles Fleisches") ist ein Genitivus partitivus und bezeichnet den Bereich der Vollmacht. "Fleisch" (σάρξ) bezieht sich im johanneischen Sprachgebrauch auf die gesamte Menschheit in ihrer Geschöpflichkeit (Joh 1:14).
Die Finalkonjunktion ἵνα (hina, "damit") leitet einen Zwecksatz ein und erklärt das Ziel der Vollmachtsübertragung.
Der Ausdruck πᾶν ὃ δέδωκας αὐτῷ (pan ho dedōkas autō, "alles, was du ihm gegeben hast") verwendet das Perfekt δέδωκας, das eine abgeschlossene Handlung mit fortdauernder Wirkung ausdrückt - die Gläubigen sind dem Sohn gegeben und bleiben es.
Das Verb δώσῃ (dōsē, "er gebe") steht im Aorist Aktiv Konjunktiv, 3. Person Singular und drückt den Zweck aus: dass er gebe.
Der Ausdruck ζωὴν αἰώνιον (zōēn aiōnion, "ewiges/äonisches Leben") ist ein zentraler Begriff im Johannesevangelium und bezeichnet nicht nur zeitlich unbegrenztes, sondern qualitativ göttliches Leben (Joh 3:16, Joh 17:3).
2. Theologische Schlüsselbegriffe
Vollmacht (ἐξουσία): Dieser Begriff bezeichnet nicht rohe Gewalt (δύναμις), sondern legitimierte Autorität. Im AT entspricht dies der Herrschaft, die Gott dem Menschensohn in Dan 7:13-14 überträgt. Jesus empfängt diese Vollmacht vom Vater als der messianische König.
Alles Fleisch (πᾶσα σάρξ): Dieser Ausdruck stammt aus der alttestamentlichen Sprache und bezeichnet die gesamte Menschheit (1Mo 6:12, Jes 40:5, Joe 3:1). Die universale Reichweite von Jesu Autorität wird betont.
Ewiges Leben (ζωὴ αἰώνιος): Im Johannesevangelium ist ewiges Leben nicht primär eine zukünftige Hoffnung, sondern eine gegenwärtige Realität für diejenigen, die an Jesus glauben (Joh 3:36, Joh 5:24, Joh 6:47). Es ist das Leben des kommenden Äons, das bereits in der Gegenwart erfahrbar wird.
3. Kontext im Hohepriesterlichen Gebet
Vers 2 steht in direkter Verbindung zu Vers 1, wo Jesus um die Verherrlichung durch den Vater bittet. Die Begründung dieser Bitte liegt in der vom Vater übertragenen Vollmacht und dem damit verbundenen Auftrag, ewiges Leben zu geben.
Das Hohepriesterliche Gebet (Joh 17) gliedert sich in drei Teile: Jesus betet für sich selbst (V. 1-5), für seine Jünger (V. 6-19) und für alle zukünftigen Gläubigen (V. 20-26). Vers 2 gehört zum ersten Teil und legt die Grundlage für alles Folgende.
Die Spannung zwischen universaler Vollmacht ("alles Fleisch") und partikularer Gabe ("allen, die du mir gegeben hast") ist charakteristisch für das johanneische Denken: Jesus hat Autorität über alle, aber nur diejenigen, die der Vater ihm gibt, empfangen das ewige Leben (Joh 6:37-40, Joh 10:27-29).
4. Alttestamentlicher Hintergrund
Die Übertragung von Vollmacht über "alles Fleisch" erinnert an Dan 7:13-14, wo dem Menschensohn Herrschaft, Ehre und Königtum gegeben wird. Diese messianische Vision prägt das johanneische Verständnis von Jesu Autorität.
Der Begriff "alles Fleisch" erscheint im AT oft in eschatologischen Kontexten, wo Gott sich der gesamten Menschheit offenbart (Jes 40:5, Jes 66:23, Joe 3:1).
Die Gabe des Lebens ist ein göttliches Vorrecht. Im AT ist es allein Gott, der Leben gibt und nimmt (5Mo 32:39, 1Sam 2:6). Dass Jesus diese Vollmacht erhält, unterstreicht seine einzigartige Beziehung zum Vater.
5. Parallelen im Johannesevangelium
Die Thematik der vom Vater übertragenen Vollmacht durchzieht das gesamte Evangelium: Joh 3:35 ("Der Vater hat alles in seine Hand gegeben"), Joh 5:22-27 (Vollmacht zu richten und Leben zu geben), Joh 13:3.
Die Gabe des ewigen Lebens wird in mehreren Passagen thematisiert: Joh 3:15-16, Joh 5:21-24, Joh 6:27, Joh 10:10, Joh 10:28.
Das Motiv der vom Vater Gegebenen erscheint besonders in Kapitel 6 (Joh 6:37, Joh 6:39, Joh 6:44) und wird in Kapitel 17 weiter entfaltet (Joh 17:6, Joh 17:9, Joh 17:24).
6. Theologische Bedeutung
Christologie: Der Vers unterstreicht Jesu göttliche Autorität und seine Rolle als Mittler des Lebens. Seine Vollmacht ist nicht selbst genommen, sondern vom Vater gegeben - ein Ausdruck seiner einzigartigen Sohnschaft.
Soteriologie: Das ewige Leben ist eine Gabe, die Jesus denen gibt, die ihm vom Vater gegeben wurden. Dies betont sowohl die göttliche Initiative im Heilsgeschehen als auch die zentrale Rolle Christi als Heilsmittler.
Eschatologie: Das ewige Leben ist bereits gegenwärtig verfügbar durch Christus, auch wenn seine volle Entfaltung noch aussteht. Diese Spannung zwischen "schon jetzt" und "noch nicht" ist charakteristisch für die johanneische Eschatologie.
Erwählungslehre: Die Formulierung "allen, die du mir gegeben hast" wirft Fragen nach göttlicher Erwählung und menschlicher Verantwortung auf. Im johanneischen Denken sind beide Aspekte untrennbar verbunden (Joh 6:37, Joh 15:16).
Parallelstellen
- Vollmacht über alles Fleisch (Dan 7:13-14 / Mt 28:18 / Joh 3:35 / Joh 5:27)
- Ewiges Leben geben (Joh 3:15-16 / Joh 5:21 / Joh 6:27 / Joh 6:40 / Joh 10:10 / Joh 10:28)
- Die vom Vater Gegebenen (Joh 6:37-39 / Joh 6:44 / Joh 10:27-29 / Joh 17:6 / Joh 17:9 / Joh 17:24)
- Alles Fleisch (1Mo 6:12 / Jes 40:5 / Jes 66:23 / Joe 3:1)
- Verherrlichung des Sohnes (Joh 17:1 / Joh 17:5 / Joh 13:31-32)
- Gott gibt Leben (5Mo 32:39 / 1Sam 2:6 / Joh 5:21)
- Vollmacht zu richten (Joh 5:22-27 / Apg 10:42 / Apg 17:31)
- Erwählung durch den Vater (Joh 15:16 / Eph 1:4 / 1Petr 1:2)
