Joh 10:10

Aus Bibelwissen

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Grundtexte

GNT Joh 10:10 ὁ κλέπτης οὐκ ἔρχεται εἰ μὴ ἵνα κλέψῃ καὶ θύσῃ καὶ ἀπολέσῃ ἐγὼ ἦλθον ἵνα ζωὴν ἔχωσιν καὶ περισσὸν ἔχωσιν
REC Joh 10:10+3588 κλέπτης +2812 οὐκ +3756 ἔρχεται +2064 εἰ +1487 μὴ +3361 ἵνα +2443 κλέψῃ +2813 καὶ +2532 θύσῃ +2380 καὶ +2532 ἀπολέσῃ +622 ἐγὼ +1473 ἦλθον +2064 ἵνα +2443 ζωὴν +2222 ἔχωσι +2192, καὶ +2532 περισσὸν +4053 +4053 ἔχωσιν +2192.

Übersetzungen

ELB Joh 10:10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen und zu schlachten und zu verderben. Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und [es in] Überfluß haben.
KNT Joh 10:10 Der Dieb kommt lediglich, um zu stehlen, zu schächten und umzubringen. Ich bin gekommen, damit sie äonisches Leben haben und es überfließend haben.
ELO Joh 10:10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen und zu schlachten und zu verderben. Ich bin gekommen, auf daß sie Leben haben und es in Überfluß haben.
LUO Joh 10:10 Ein Dieb +2812 kommt +2064 (+5736) nur +3756, daß +1508 +2443 er stehle +2813 (+5661), +2532 würge +2380 (+5661) und +2532 umbringe +622 (+5661).
PFL Joh 10:10 Der Dieb kommt nicht, als damit er stehle und schlachte und verderbe; [Ich] kam, damit sie Leben haben und Überfluß haben.
SCH Joh 10:10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu töten und zu verderben; ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es im Überfluß haben.
MNT Joh 10:10 Der Dieb +2812 kommt +2064 nicht, außer damit er stehle +2813 und schlachte +2380 und zugrunderichte +622; ich kam, +2064 damit sie Leben +2222 haben +2192 und reichlich +4053 haben. +2192
HSN Joh 10:10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen und zu schlachten und zu verderben. Ich bin gekommen, damit sie Leben und Überfluss haben37.
WEN Joh 10:10 Der Dieb kommt nicht, außer, auf dass er stehle und schlachtopfere und verderbe. Ich, ich kam, auf dass sie Leben haben und es überfließend haben.

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Erste Gedanken

Informationen

🪔 Ein Hirte der alles gibt (Jer 23:3 / Joh 10:10) (D. Muhl)
📕 Der ideale Hirte und die Tür (PDF) (W.Einert) (Joh 10:1-18)

Fußnoten aus HSN

37 d.h. überfließendes, überströmendes (göttliches) Leben

Interlinear-Übersetzung

Grundtext Transliteration Übersetzung Strong-Nr.
ho der G3588
κλέπτης kleptēs Dieb G2812
οὐκ ouk nicht G3756
ἔρχεται erchetai kommt G2064
εἰ ei wenn, als G1487
μὴ nicht, nur G3361
ἵνα hina damit, auf dass G2443
κλέψῃ klepsē er stehle G2813
καὶ kai und G2532
θύσῃ thysē er schlachte, opfere G2380
καὶ kai und G2532
ἀπολέσῃ apolesē er verderbe, zerstöre G622
ἐγὼ egō ich G1473
ἦλθον ēlthon kam, bin gekommen G2064
ἵνα hina damit, auf dass G2443
ζωὴν zōēn Leben G2222
ἔχωσιν echōsin sie haben G2192
καὶ kai und G2532
περισσὸν perisson Überfluss, reichlich G4053
ἔχωσιν echōsin sie haben G2192

Versanalyse & Erläuterungen

Grundtextanalyse

Struktur des Verses:

Der Vers besteht aus zwei kontrastierenden Teilen, die durch die Konjunktion "ἐγὼ" (ich) eingeleitet werden und Jesus von dem Dieb unterscheiden:

  • Teil 1 (Der Dieb): ὁ κλέπτης οὐκ ἔρχεται εἰ μὴ ἵνα κλέψῃ καὶ θύσῃ καὶ ἀπολέσῃ
  • Teil 2 (Jesus): ἐγὼ ἦλθον ἵνα ζωὴν ἔχωσιν καὶ περισσὸν ἔχωσιν

Schlüsselbegriffe:

  • κλέπτης (kleptēs, G2812): "Dieb" - Im Kontext von Joh 10:1-18 bezieht sich dies metaphorisch auf falsche Hirten, religiöse Führer oder geistliche Feinde, die nicht durch die Tür (Jesus) kommen. Der Begriff erscheint auch in Mt 24:43-44, 1Thes 5:2 und 2Petr 3:10 in eschatologischem Kontext.
  • θύσῃ (thysē, G2380): "schlachten, opfern" - Dieses Verb wird normalerweise für rituelle Opferungen verwendet (vgl. Apg 14:13, 1Kor 10:20). Hier beschreibt es die zerstörerische Absicht des Diebes, der die Schafe nicht nur stiehlt, sondern auch tötet.
  • ἀπολέσῃ (apolesē, G622): "verderben, zerstören, zugrunde richten" - Ein starkes Wort für totale Vernichtung (vgl. Mt 10:28, Lk 15:4-32 für verschiedene Nuancen). Der Dieb will nicht nur materiellen Schaden anrichten, sondern vollständige Zerstörung.
  • ζωὴν (zōēn, G2222): "Leben" - Im Johannesevangelium bezeichnet dies fast immer das "ewige Leben" oder "göttliche Leben" (Joh 1:4, Joh 3:16, Joh 5:24, Joh 6:35, Joh 11:25, Joh 14:6). Es ist qualitativ, nicht nur quantitativ - eine neue Art von Existenz in Gemeinschaft mit Gott.
  • περισσὸν (perisson, G4053): "Überfluss, reichlich, im Übermaß" - Dieser Begriff beschreibt nicht nur "mehr" Leben, sondern Leben in seiner Fülle und seinem Reichtum (vgl. Röm 5:20, 2Kor 9:8, Eph 3:20). Es geht um ein Leben, das über das bloße Existieren hinausgeht.

Grammatikalische Beobachtungen:

  • Die dreifache Verwendung von "ἵνα" (hina, "damit, auf dass") zeigt Zweck und Absicht an - sowohl beim Dieb als auch bei Jesus ist das Kommen zielgerichtet.
  • Die drei Verben im ersten Teil (stehlen, schlachten, verderben) stehen alle im Aorist Konjunktiv und bilden eine Klimax der Zerstörung.
  • Die Betonung "ἐγὼ" (ich) am Beginn des zweiten Teils unterstreicht den starken Kontrast zwischen Jesus und dem Dieb.
  • Das zweifache "ἔχωσιν" (sie haben) mit "ζωὴν" und "περισσὸν" betont sowohl das Vorhandensein als auch die Qualität des Lebens.

Hintergrundinformationen

Literarischer Kontext:

Johannes 10:10 ist Teil der Hirtenrede Jesu (Joh 10:1-21), die sich an die Heilung des Blindgeborenen und die Auseinandersetzung mit den Pharisäern in Kapitel 9 anschließt. Jesus verwendet das Bild des guten Hirten, um seine Beziehung zu seinen Nachfolgern zu beschreiben und sich von den religiösen Führern seiner Zeit abzugrenzen, die er als "Diebe und Räuber" bezeichnet (Joh 10:8).

Alttestamentlicher Hintergrund:

Das Bild des Hirten und der Schafe ist tief im Alten Testament verwurzelt:

  • Ps 23:1-6 - Der HERR als fürsorglicher Hirte
  • Hes 34:1-31 - Gott verurteilt die falschen Hirten Israels, die die Schafe ausbeuten, und verspricht, selbst ihr Hirte zu sein und einen davidischen Hirten zu senden
  • Jer 23:1-4 - Wehe den Hirten, die die Herde zerstreuen
  • Sach 11:4-17 - Der verworfene Hirte und der törichte Hirte

Historischer und kultureller Kontext:

Im antiken Palästina war das Hirtenwesen eine zentrale wirtschaftliche und soziale Realität. Hirten waren für den Schutz und das Wohlergehen ihrer Herden verantwortlich. Diebe und wilde Tiere stellten ständige Bedrohungen dar. Ein guter Hirte kannte jedes seiner Schafe persönlich und war bereit, sein Leben für sie zu riskieren (Joh 10:11, 1Sam 17:34-36).

Die religiösen Führer zur Zeit Jesu hatten die Rolle von Hirten über Gottes Volk, aber viele nutzten ihre Position zum eigenen Vorteil aus, anstatt dem Volk zu dienen (Mt 23:1-36, Lk 11:37-54).

Theologische Bedeutung:

  • Der Kontrast: Jesus stellt zwei grundlegend verschiedene Absichten gegenüber - Zerstörung versus Leben, Raub versus Gabe, Tod versus Fülle.
  • Missionsverständnis: Jesu Sendung wird klar definiert - er kam, um Leben in seiner Fülle zu bringen, nicht um religiöse Lasten aufzuerlegen (Mt 11:28-30).
  • Qualität des Lebens: Das "Leben im Überfluss" bezieht sich nicht primär auf materiellen Wohlstand, sondern auf die reiche Gemeinschaft mit Gott, Frieden, Freude und Sinn (Joh 17:3, Röm 14:17).
  • Eschatologische Dimension: Das Leben, das Jesus bringt, beginnt jetzt, findet aber seine Vollendung in der zukünftigen Herrlichkeit (Joh 5:24, 1Jo 3:2).

Weitere relevante Parallelstellen:

  • Joh 3:16-17 - Gott sandte seinen Sohn nicht zur Verurteilung, sondern zur Rettung
  • Joh 6:33-35 - Jesus als das Brot des Lebens
  • Lk 19:10 - Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist
  • 1Petr 5:2-4 - Hirten sollen die Herde Gottes weiden, nicht aus Eigennutz
  • Offb 7:17 - Das Lamm wird sie weiden und zu Wasserquellen des Lebens führen

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