Märtyrer der Endzeit

Aus Bibelwissen

Die Stunde der Finsternis
Abschrift der Schrift von Ludwig Katzenmeier (1979)

Selbstverlag des Verfassers
Die Schrift ist ggf. antiquarisch noch erhältlich

siehe weitere Abschriften:
Inhaltsverzeichnis:

In Bearbeitung

Die Stunde der Finsternis

V. Märtyrer der Endzeit

Offb 6:9-11: "Und als das Lamm das fünfte Siegel öffnete, sah ich unter dem Altar die Seelen derer, die hingeopfert worden waren um des Wortes Gottes willen und um des Zeugnisses willen, das sie (abgelegt) hatten. Diese riefen mit lauter Stimme. und sprachen: Herr, Du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest Du nicht und rächst. unser Blut nicht an denen, die auf der Erde wohnen? Und es wurde einem jeden von ihnen ein weißes Kleid gegeben, und es wurde zu ihnen gesagt, sie sollten noch eine kurze Zeit ruhen, bis vollends ihre Mitknechte und Brüder dazukämen, die ebenso wie sie getötet werden sollten."

Als das Lamm, der Herr JHesus, das fünfte Siegel öffnet, sieht Johannes in den Vorhof des Tempels hinein. Dort sieht er den beherrschenden Gegenstand dieses Gebiets, einen Brandopferaltar. Indem er ihn mit seinen Augen näher erfasst, sieht er aus den vier Hörnern, zu welchen die vier Ecken des Altars ausgebildet sind, Blut herabfließen, das sich in der Rinne unterhalb des Altars (Lippe genannt) sammelt. Immer mehr verdichtet sich das Bild seiner Schau. Es wird ihm deutlich: Das ist kein Blut der Opfertiere, das ist Menschenblut, Blut von solchen, die unschuldig getötet worden sind. Es ist das Blut von Märtyrern, die um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses, das sie hatten, hingerichtet worden sind. Nun hört er, wie dieses Blut schreit: "Herr, Du Heiliger und Wahrhaftiger..."

Was sind das für Märtyrer und gegen wen erheben sie ihre Klage? Zunächst wollen wir noch einmal ihren Standpunkt festhalten. Sie erscheinen unter dem Altar, in der Blutrinne, als Seelen, die um Rache schreien. Von vornherein müssen wir feststellen: Was noch in der Seele, im Blut, ist, das ist noch nicht erlöst. Gottes Wort sagt deutlich, dass "Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können" (1Kor 15:50), auch wenn sie noch so edel sind. Was nicht Geist geworden ist, kann nicht ins Reich Gottes eingehen. Vom Fleisch zum Geist kommt man aber nur auf dem Wege des Sterbens. was wir also hier unter dem Altar sehen, sind Seelen und nicht Geister, sind solche, die noch keine Erlösung erlangt haben und darum auch nicht zum Frieden gekommen sind. Sie sind in Gottes heiliger Nähe, sie sind edle Wesen, die unschuldig leiden mussten, dem ersten Märtyrer der Menschheit, Abel, vergleichbar. Als dieser von Kain ermordet wurde, schrie sin Blut von der Erde (1Mo 4:10).

Das Blut hat eine Stimme. Diese Stimme ist die Seele oder das Leben. Das Leben ist im Blut (3Mo 17:11) und wird von seiner Wärme festgehalten. Beim Erkalten des Blutes wird das Leben frei und kann sich von ihm lösen. Etwas aber von seiner Wesenheit bleibt immer im Blut, weshalb es den Juden verboten ist, irgendwelches Blut zu genießen. Die Stimme des Blutes ist ein Geheimnis, und nur Gott ist es, der sie vernehmen kann. Er hört die Stimme eines jeglichen Blutes, sowohl das des Ermordeten, des Gefallenen, des Verunglückten, des Sterbenden, wie auch des in den Anfängen seines Lebens erstickten, erwürgten und abgetriebenen Kleinkindes. Die Stimme des Blutes wird von den Alarmanlagen der unsichtbaren Welt aufgenommen und an Gott weitergeleitet. Dadurch werden jede böse Tat und jedes Sterben augenblicklich offenbar. Die Stimme der Ermordeten schreit. Betroffen. und angstvoll schwingt in ihr der Augenblick höchster Not des abreißenden Lebens. Das Blut aller Märtyrer hat so zu Gott geschrieen und schreit immer noch. Es schreit das Blut von Patriarchen, es schreit das Blut jüdischer Zeugen und das Blut der ersten Christen, bis zu dem Märtyrern unserer Tage, den verfolgten Christen im Oste und den Blutzeugen in Afrika. Es schreit aber auch das Blut Jesu. Die Art des Schreiens ist sehr verschieden, denn sie entspricht der Art des Sterbens.

Wie ganz anders ist das Sterben Jesu und derer, die IHM zugehören, gegenüber dem Sterben alttestamentlicher Gotteszeugen. Haben jene ihre Peiniger verflucht, so bittet Jesus für seine Feinde: "Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun" (Lk 23:34). Und Stephanus ruft niedersinkend unter den Steinwürfen seiner Mörder: "Herr, behalte ihnen diese Sünde nicht!" (Apg 7:59). Die Seelen dieser Märtyrer sind von ihrem Blut gelöst, denn sie haben ihr Leben nicht lieb gehabt bis in den Tod (Offb 12:11). Darum ist die Stimme ihres Blutes eine versöhnende. Darum hat das Blut Jesu eine so reinigende und erlösende Kraft. Sein Leben wurde ihm, trotz des gewaltsamen Todes, den er erlitt, nicht geraubt. Er hat es freiwillig von sich gelassen (Joh 10:17-18).

Wessen Leben nicht im Blut gebunden ist, der ist nach dem Tode wahrhaft frei. Die um ihres Glaubens willen hingerichteten christlichen Märtyrer brauchen nimmer an den Ort des Grauens ihrer Hinrichtung zurückzukehren. Anders ist es bei den Seelen, die unter dem Altar in der Blutrinne erscheinen. Sie sind zwar u m des "Wortes Gottes willen. und des Zeugnisses, das sie hatten", getötet worden, aber sie sind noch nicht von sich gelöst. Die Angst und das Grauen der schweren Stunde klingen aus ihrer Stimme, zugleich aber auch die Sehnsucht n ach Rechtfertigung und Erlösung. In der Zeit langen Wartens, gewissermaßen vor der Tür, sind sie ungeduldig geworden. Sie spüren, dass ihnen Entscheidendes fehlt und erwarten es in der Rache an ihren Feinden. Sie sehnen sich danach, dass n ach dem Gesetz "Auge um Auge, Zahn um Zahn" (2Mo 21:24) vergolten wird. Darum erwarten sie die Rache und sagen: "Herr, wie lange noch richtest du nicht".

Es ist furchtbar, in der Geisterwelt angelangt zu sein ,und dort keine Heimat. zu haben. Wer auf Vergeltung wartet, kennt n och keinen Erlöser. "Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger..." so sagen sie und erkennen damit Gottes unumschränkte Herrschaft an. Seine Heiligkeit, das ist sein Totalitätsanspruch, steht für sie fest, und ebenso gibt es für sei keinen Zweifel, dass jedes Verheißungswort Gottes sich erfüllt. Sie nehmen teil am irdischen Geschehen, wissen um das prophetische Wort und ahnen, dass die Stunde des großen Gerichts für die Menschheit da ist. Sie folgern: Jetzt wäre es an der Zeit, dass Gott handelt; jetzt müsste er eingreifen: "Herr, räche unser Blut an denen, die auf Erden wohnen".

Wie nah ist uns die jenseitige Welt. Wir sind von einer Wolke von Zeugen umgeben (Hebr 12:1). Sichtbares und Unsichtbares greift ineinander. Was wir tun und lassen, geschieht vor unsichtbaren Zeugen. Es ist nichts vergessen. Was wir in der Kammer uns gegenseitig ins Ohr flüstern, wird auf den Dächern hinausgeschrieen werden (Lk 12:3b). Alle Schuld fordert Sühnung, alle Ungerechtigkeit kommt unsers Gericht. Nur wer sich in tiefer Reue über seine Schuld gebeugt und den Kreuzestod Jesu als stellvertretendes Leiden für seine Sünde im Glauben dankbar angenommen hat, der darf sein Haupt frei erheben und kann furchtlos dem Tod entgegensehen.

Aufgrund der bis jetzt angestellten Betrachtungen über die Seelen unter dem Altar können wir annehmen, dass es sich hierbei nicht um christliche Märtyrer handelt. (In meiner Schrift "Die Endzeit" habe ich schon darauf hingewiesen). Die von ihnen geführte Sprache gleicht den Rachepsalmen des Alten Testaments, und der Ort ihrer Erscheinung ist der Tempel. Es kann sich hiernach nur um Juden handeln. Auch diese haben das Wort Gottes, nämlich das Alte Testament, und sie haben ein Zeugnis, das ist ihre Existenz. Das musste selbst Friedrich der Große seinem Husarengeneral Ziehten zugestehen, als er auf die frage: "Nenne er mir einen Beweis für die Wahrheit der Bibel!", die Antwort bekam: "Majestät, die Juden".

Das fünfte Siegel, mit seinen Ereignissen, gehört in unsere Tage. Im zweiten Weltkrieg ereignete sich der größte Judenmord aller Zeiten. Viele Millionen haben unter der Herrschaft des Dritten Reiches ihr Leben lassen müssen. Jedoch nicht nur Deutschland, auch die anderen Völker der Erde sind schuldig geworden am Volke Gottes. Sie haben ihre Grenzen den verzweifelten nicht geöffnet, sie haben ihre Vollmachten nicht genutzt, um den Schutzlosen beizustehen. Seit der Zerstörung Jerusalem und der Zerstreuung des jüdischen Volkes unter alle Nationen der Welt gab es immer wieder Verfolgungen und grausame Niedermetzelungen. Sie waren dahingegeben wie Schlachtschafe (Ps 44:23; Röm 8:36), sie waren wie eine Herde ohne Hirten (Mt 9:36).

Dann aber geschahen Dinge, die eine Wende herbeiführten. Unter einem prophetisch begabten Mann, Theodor Herzl, entstand der Zionismus. Dieser gab den Anstoß zu einer jüdischen Neubesiedelung des Landes der Väter. Trotz großer Wiederstände und unüberwindlich erscheinender Hindernisse konstituierte sich dein jüdischer Staat. Darüber habe ich unter dem Thema "Israel - oder Prophetie in der Erfüllung" in meiner Schrift "Die Endzeit" berichtet. Nach dem prophetischen Wort der Heiligen Schrift ist nun der Zeitpunkt gekommen, dass Gott seinem Volk wieder beisteht und mit seinen Feinden abrechnet (5Mo 30:3-7).

Das Geschrei der Märtyrer, die wegen ihres langen Wartens auf Rechtfertigung enttäuscht sind, ist etwa so zu übertragen: "Herr, wie lange hast du Geduld mit unseren Mördern? Den Deutschen hast Du ein Wirtschaftswunder geschenkt und denen in der Schweiz eine Hochkonjunktur. Die Völker Europas, unter welchen wir lebten, hatten. uns preisgegeben. Ihnen hast du Aufstiegsmöglichkeiten geschenkt. Ist das Deine Art. zu vergelten? Hast Du das unschuldig vergossene Blut der Kinder Deines Volkes für gering geachtet? Herr, gib uns Antwort!"

Nach der Schrift wurde ihnen eine Antwort gegeben, die auch für uns wichtig ist. Sie wurden reichlich getröstet durch den Empfang eines weißen Kleides (Offb 6:11). Dieses Weiße Kleid ist die Gerechtigkeit Jesu und ist als ein Angeld für die Auferstehung anzusehen. Somit haben sie einen wirksamen Trost. und ein sichtbares Zeichen der Zueignung Gottes. Noch eine kurze Zeit müssen sie warten, bis ihre Mitknechte (Christen) und ihre Brüder (Juden) zu ihnen kommen, die gerade so wie sie getötet werden sollen. Eine kurze Zeit, das bedeutet, dass wir im Anbruch großer Ereignisse stehen, dass bald der Friede endgültig von dieser Erde hinweggenommen ist.

Nach der wohl schon geschehenen Eröffnung des fünften Siegels ist eine weitere Judenverfolgung zu erwarten. Sie bereite sich z. Zt. vor in der Zusammenballung aller Feindmächte gegen den neuenStaat Israel. Der Satan ist auf die Vernichtung dieses Zeichens der Erfüllung göttlicher Prophetie in besonderer Weise bedacht. Die Existenz des Staates Israel ist ein alarmierendes Zeichen für die ganze gläubige Christenheit. Leider beachten es die dem prophetischen Wort sich verschließenden theologischen Strömungen und eine Reihe von Sektenkaum und doch hätte sie sich wundern müssen, dass der kleine Staat gegen eine ungeheure Übermacht bis heute sein Lebensrecht behalten hat. Dies ist ein Wunder, das während aller kriegerischen Auseinandersetzungen immer wieder deutlich in Erscheinung tritt. Das bevorstehende Ringen, das gemäß Gottes Wort unumgänglich ist, wird weit schwerer sein als alle seitherigen Auseindersetzungen darauf weisen alle militärischen Vorbereitungen sowohl auf der Seite der Feinde als auch auf der Seite Israels hin. Da Russland sich auf die Seite der Feinde Israels stellt, werden sich alle Völker unter der Sphäre des russischen Einflusses an der Verfolgung der Juden beteiligen.

Der Kreis um Israel wird immer enger. Das von Friedensangeboten und Drohungen verunsicherte Volk sucht verzweifelt nach einem Ausweg und findet ihn nicht. Wie schwere Erdstöße künden Inflation und Unruhen das Erdbeben der kommenden Katastrophe an. Freunde von gestern werden zu Feinden. Die westliche Hure verkauft sich um des Öles willen und gibt Israel preis. Der Islam erhebt frech das Haupt zu unverschämten Forderungen. Der Osten wartet waffenstarrend, seines Sieges gewiss, auf den Tag X. Ägyptens Rolle ist nicht zu durchschauen. Bald wird erneut das Blut jüdischer Märtyrer zum Himmel schreien. Weh' allen Feinden, wenn Gott erst zuschlägt.

Viele in Europa schauen - aus sicherer Ferne- diesen Ereignissen zu. Es ist kaum zu fassen, wie unbekümmert und blind, gerade unser deutsches Volk, der nahen Zukunft einer weltweiten Auseinandersetzung entgegengeht. Besonders aber aus den Reihen der "Frommen" - d. h. solcher, die es sein wollen, - kommen immer wieder beruhigende Worte einer falschen Sicherheit, die uns geradezu einnebeln. Man spricht von großen bevorstehenden Erweckungen. Diese werden in Deutschland jedoch durch den Geist der Unbußfertigkeit verhindert. Wie streiten und verleumden sich sich die Gläubigen untereinander. Jawohl, es wird schon noch eine Erweckung geben, nämlich ein schreckliches Erwachen, wenn über Nacht eine Christenverfolgung über uns hereinbricht.

Täuschen wir uns nicht! Auf jede Judenverfolgung kommt einen Christenverfolgung. Juden und Christen sind mehr miteinander verbunden, als wir es ahnen, denn die Wurzeln des Christentums liegen im Judentum,. Unser ursächlichster Feind aber ist der Satan.

Weh' all den Christen, die sich jetzt den Genüssen dieser Welt hingeben, die die von Gott gegebene Gnadenzeit nicht. nutzen, um ihr Heil in Christus Jesus festzumachen. Wi torkelt man geistlich dahin, berauscht sich an Festen und Feiern oder eingebildeten Gaben; doch wenn die Not aufbricht, ist alles dahin.

Werden wir den Herrn bekennen, wenn man uns gefangen nimmt? Werden wir die Brüder und Schwestern nicht verraten, wenn man uns foltert? Sind wir bereit für Jesus und das Evangelium unser Leben zu lassen? (Siehe auch die Schrift "Kurz vor der Christenverfolgung!" Verlag Ev. Marienschwesternschaft Darmstadt). Auch die Entrückungsgemeinde muss noch einen Teil dieser Trübsal durchstehen, dreht es doch um die zukünftigen Könige und Priester, die dem Tode Jesu gleichgestaltet werden sollen, um dann auch seiner Auferstehung als einer Vorausauferstehung teilhaftig werden zu können (Phil 3:10-11).

Nur die werden überwinden, die in der Liebe vollkommen sind und die durch das prophetische Wort erleuchtet, sich auf das Kommen unseres Herrn Jesu haben zubereiten lassen. Doch werden sie zu Beginn des atomaren Abschlüssen, beim Kommen Jesu in die Lufthimmel (am "Tag Jesu Christi")a, von dieser Erde hinweggenommen, um mit IHM vereinigt zu werden. (Siehe auch meine Schrift "Die Endzeit" unter Kap. V. - Abschnitt 5a und 6a).

Darum fürchten wir uns nicht, Die IHN liebhaben, dürfen vertrauensvoll der Zukunft entgegensehen. Gott kennt die Seinen (2Tim 2:19) und hat alles zu ihrer Errettung getan. Ohm wie dürfen wir danken für die Liebe des göttlichen Lammes, das sich für uns hingegeben hat, damit wir - erlöst von Sünden - Heil und unvergängliches Leben empfangen. Im Hause des Vaters sind viele Wohnungen (Joh 14:2), und dort wird es an nichts fehlen, was das Herz begehrt. Das unaussprechlich Große aber wird sein, dass wir IHN von Angesicht zu Angesicht sehen dürfen. Und Seine liebende Hand wird selbst die Tränen von unseren Augen wischen, die aus vergangener Erdennot und -leid hervorgepresst worden sind. Wollen wir es doch nie vergessen, gerade in den Trübsalszeiten nach der verheißenen Herrlichkeit Gottes auszuschauen; denn Trübsal und Herrlichkeit gehören nach dem Ratschluss des himmlischen Vaters zusammen.

Trotzdem sind damit die Verfolgungen nicht zu Ende. Die eigentliche große Trübsal, mit dem Höhepunkt des Martyriums von Juden und Christen, wird unter dem Antichristen und seinem falschen Propheten (Offb 13) eine nie dagewesene Form erreichen.

Dann wird ein großer Teil Israels an Jesus, den wahren Messias gläubig geworden sein. Diese Verfolgungszeit wird in der Schrift mit der "Drangsal Jakobs" bezeichnet. Es ist die große Trübsal für das Volk Gottes, in welche der letzte Rest seiner Gottlosigkeit durch Leiden ausgepresst wird, in welcher es aber auch die größten Gotteswunder erleben wird, die seit dem Kommen Jesu geschehen sind.

Weh' dann Laodicea, der Kirche der Endzeit! Sie muss in schwerste Verfolgungen hinein, um durch Trübsale n och eine Auferstehungsherrlichkeit zu erlangen. Ihre Leiden verlagern sich mehr in das Gebiet seelischer Folterungen. Es gibt heute Mittel, die Struktur des Denkens eines Menschen völlig zu verändern. Das bedeutet Kampf bis aufs Blut. Zurückgebliebene Christen, die sich zuvor nicht entscheiden konnten, die Schmach Christi auf sich zu nehmen, wissen dann, dass es nur noch um Sein oder Nichtsein geht. Ihre Gnade besteht im Martyrium, und Gott gibt ihnen die Kraft, durchzustehen, ums so, wenn auch verspätet, noch gekrönt zu werden (Offb 20:4). Eine Mahnung für uns, wach zu bleiben und der Heiligung nachzujagen, ohne welche niemand den Herrn sehen wird (Hebr 12:14).

Nach Gottes Wort werden sowohl im kommenden Weltkrieg (6. Siegel der Offb 6:12-17), als auch bei der letzten Auseinandersetzung (Harmargedon Offb 19:11-21) Israels Feinde alle zuschanden gemacht. Jetzt wird zunächst der Materialismus und der Atheismus gerichtet, der sich im Kapitalismus und Kommunismus präsentiert, hernach aber der Okkultismus, der in einer weltweiten Religionsverbrüderung unter dem Antichristen Ausdruck findet.

Welche Kraft und Gnade der Herr den Märtyrern unserer Tage verleiht, versetzt immer wieder in Erstauen. Sowohl die Feinde als auch die Leidenden selbst sind überrascht von der Offenbarung und dem Zufluss großer Gnadenkräfte. Durch ihr Zeugnis wird einerseits Gott die Ehre gegeben und andererseits mancher erweckt, der noch auf der Feindseite steht, um Jesus persönlich als seinen Herrn anzunehmen. Was an einem Saulus geschah, der mit Wohlgefallen an der Steinigung des Stephanus teilnahm dun dann bei Damaskus sein entscheidendes Erlebnis hatte, um Jesus nachzufolgen (Apg 9), vollzieht sich immer wieder. Da bleibt nur staunendes Anbeten.

VI. Der Aufbruch zu Gott

Gott ist Liebe (1Jo 4:16). Aus Liebe schuf er die Welt (Röm 11:36). Aus Liebe hat er den Menschen nach seinem Bilde erschaffen (1Mo 1:27). Es ist alles zu Gott hin erschaffen, darum kann ohne IHN nichts bestehen. Loslösung von IHM bringt Unruhe.

Die Völker werden in der Schrift mit einem Meer verglichen (Dan 7:2-3). Dieses Bild ist sehr zutreffend. In ewiger Unruhe bewegen sich die Wasser. Ebbe und Flut schaffen ein Hin. und Her. Die Ursache dieser Bewegung ist der Mond. Er zieht die Wasser an.

Auch die Völker sind in Bewegung. Sie werden von großen Männern angezogen, dirigiert und dann wieder allein gelassen.Doch sind es die Männer nicht selbst, sondern starke Geistesmächte, die hinter ihnen unsichtbar ihr Wesen treiben. Gottfeindlich ziehen sie die Menschen an sich, wie der Mond das Meer, und schaffen dadurch Unruhe und Bewegung unter den Völkern. Die Geschichte der Völker ist eine Geschichte des Hochmuts, des Ungehorsams, der Schuld, der Angst und der Strafe. Die Strafe besteht im Verlust der Gemeinschaft mit Gott. Eine härtere Strafe gibt es nicht, denn ein Leben ohne Gott ist ein Leben ohne Orientierung, ohne Ziel und ohne Sinn, ist ein Hin- und Hergeworfenwerden. Davon ist unsere Zeit in besonderer Weise gekennzeichnet. Die Menschen haben sich von Gott abgewandt und kommen trotzdem nicht los von ihm. Wie auf Ebbe immer wieder eine Flut kommt, so auf jede Gottesferne eine Rückbewegung zu IHM. Der Atheismus und Materialismus unserer Tage sind Zeichen dafür, dass bald eine Wende eintreten muss. Doch zuvor muss der Höhepunkt oder äußerste Punkt des Verlorenseins erreicht sein.

Wir sind mitten drin in dieser Entwicklung. Die Meinungen - jetzt noch verschieden - werden sich eines Tages uniformieren. Glaube und Religion werden unter eine Kontrolle gebracht. In. gewissen Ländern jenseits des Eisernen Vorhanges ist es zum 21. Lebensjahr verboten, sich mit Religion zu beschäftigen. Tyrannische Machtmenschen manipulieren unter Vorschiebung pseudowissenschaftlicher Argumente die Leute, wie sie sie haben wollen. Eine solche Entwicklung der Menschheitsgeschichte ist schon lange in Gottes Wort vrausgesagt. Sie wird als Endzeit bezeichnet. Endzeit ist immer dann, wenn die gesamte Menschheit in ihrem Denken und Handeln sich gegen Gott einig wird und ihn damit zu einem unmittelbaren Eingreifen herausfordert. Vor der Katastrophe der Sintflut war eine ähnliche Situation.

So schwer die kommenden Gerichte sein werden, - es geht nicht um eine Totalvernichtung der Menschheit, sondern. um ein Durchsieben und Durchläutern, sowohl des Einzelnen als auch der Völker. Da das Gericht dem Herrn Jesus übergeben ist, ist es selbst in seinen schwersten Schlägen von seiner Retterliebe, die er am Kreuz offenbarte, durchdrungen. Er ist der Weltvollender und wird die Irrgeister und Verführer absetzen und hinweg nehmen, um die Völker zu einer neuen Gemeinschaft mit Gott wieder fähig zu machen.

Womit jemand sündigt, damit wird er gestraft. Strafe erscheint immer am wunden Punkt, denn sie soll zum Nachdenken führen. Sünde zeigt sich im Vergeuden von Besitz und im Verschleudern von Gnade. Am Ende steht der Bankrott und somit der Zeitpunkt einer Gottesbegegnung. Schuld kann zur Gnade führen, wenn sie erkannt und eingestanden wird. Gott hat alle Menschen unter den Unglauben beschlossen, damit er sich aller erbarme (Röm 11:32).

Viele sind sich dessen bewusst, was auf uns zukommt, aber sie wollen es nicht wahrhaben und streiten es ab, bis sie schließlich der Lüge glauben. Nach 2Tim 3:1 sind die letzten Tage durch eine gefährliche Zeit gekennzeichnet, die zu leichtsinnigem Leben verleitet und nach 1Thes 5:3 "Frieden und Sicherheit" vortäuscht. In dieser Situation, so sagt uns die Schrift, kommt dann unmittelbar der Ruin, "Denn wie der Schmerz eine schwangere Frau überfällt, so werden auch sie vom Verderben überfallen, und keiner wird entrinnen".

Viele verlassen sich auf falsche Sicherheiten. Sie sprechen mit Laodicea (Offb 3:17): "Ich bin reich und habe gar satt und bedarf nichts!". Mit dem reichen Kornbauern vertrauen sie auf ein langes, noch vor ihnen liegendes Leben, während der Herr schon vor der Tür steht und anklopft: "Heute nacht wird man deine Seele von dir fordern, und wem wird das gehören, was du bereitet hast?" (Lk 12:13-21).

Eine ganze Reihe von Menschen, die sich Christen nennen, haben keine eigene Meinung. Sie verlassen sich auf die Theologen und Schriftgelehrten und schreien mit der Masse heute "Hosianna" und morgen "Kreuzige ihn". Wie irrende Schafe, die keinen Hirten haben, werden sie von den Wölfen erhascht und zerrissen. Sie hören gerne, was ihnen in den Ohren juckt (2Tim 4:3) und stürzen mit den blinden Blindenleitern in die Grube (Mt 15:13). Um solche bemühen sich vornehmlich Sekten, aber auch die Massenmedien. Sie sind hohl wie ein Füllfederhalter, welcher gestern mit einer braunen, heute mit einer roten und morgen mit einer andersfarbigen Tinte schreiben wird. Ihnen ruft Jesus durch Paulus zu (Eph 5:14): "Wache auf, der du schläft, und stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten". Und Joh 5:29: "Suchet in der Schrift, denn ihr meinet, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist's die von mir zeuget."

Manche verlassen sich auf ihre Erfolge, ihre Gesundheit, ihren Verstand oder auf das sogenannte Glück. Die Schrift aber sagt jedem hochmütigen und von seinem Erfolg berauschten Menschen (Jes 25:10-11): "Du wirst am Boden niedergetreten werden, wie ein Strohbündel in der Lache einer Düngerstätte niedergetreten wird; und wenn du deine Arme darin ausbreitest, wie der Schwimmer ausgreift, um zu schwimmen, so wird der Herr dein Aufstreben niederdrücken trotz des geschickten Ruderns deiner Arme".

Jer 17:5: "Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt und hält Fleisch für seinen Arm und mit seinem Herzen vom Herrn weicht".

Spr 3:5-6: "Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an IHN in allen deinen Wegen, so wird ER dich recht führen", denn (Dan 2:21): "Er gibt den Verständigen ihren Verstand" und kann (1Kor 1:19): "Den Verstand der Verständigen als nichtig abtun."

Denen, die ihr eigenes Glück suchen und nicht nach dem Herrn fragen, verheißt Gott (5Mo 28:28-29): "Der Herr wird dich mit Wahnsinn, Blindheit und geistiger Zerrüttung schlagen, so dass du am hellen Mittag umhertappen musst, wie der Blinde im Finstern tappt; und du wirst bei deinen Unternehmungen kein Glück haben, sondern allezeit nur vergewaltigt und beraubt sein, ohne dass dir jemand hilft".

Es gibt Menschen, die glauben, dass es einen lebendigen Gott gibt. Sie wollen keinesfalls verlorengehen. Aber ihr Leben dünkt ihnen zu schade zu sein, um es Gott mit ihrer ganzen Kraft schon in der frühen Jugend zu weihen. Sie vergessen die Mahnung (Spr 8:17): "Ich liebe, die mich lieben; und die mich frühe suchen, finden mich". Sie verlassen sich auf die sogenannte Schächergnade, vergessen aber dabei, dass es 2 Schächer waren, die mit Jesus gekreuzigt wurden. Nur einer empfing die Gnade, errettet zu werden. Sie kannten zuvor beide den Heiland nicht, während solche, die sich an der Gnade vorbeidrücken, ihn kennen. Versäumte Gnadenzeit ist nicht wieder einzuholen. Es gibt ein "zu spät". Das Herz erstarrt, und die Fähigkeit, glauben zu können, geht verloren. Ja selbst, wenn jemand in Jesu Nähe gelegt hat, jedoch, wie ein Judas, nur mit halbem Herzen dabei war, ist er vor dem Verlorengehen nicht bewahrt. Darum "halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme" (Offb 3:11). Wem viel gegeben ist, von dem wird auch viel gefordert (Lk 12:48).

Nachdem wir einige falsche Sicherheiten miteinander betrachtet haben, wollen wir zur Betrachtung der echten Sicherheiten übergehen. Alle Gottesverheißungen sind in Jesus Ja und Amen (2Kor 1:20). Es sind so viele Verheißungen in der Schrift, dass ich sie jetzt gar nicht alle aufzählen kann. Zu jeder Verheißung ist eine Gebrauchsanweisung als Schlüssen beigefügt. Unser Herr sagt: "Suchet mich, so werdet ihr leben" (Am 5:4). Dieses Suchen muss ein ernstliches Suchen sein, "denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet" sagt Gott, "So will ich mich von euch finden lassen" (Jer 29:13-14). Es geht immer um das Ganze, um das ganze Herzl um den ganzen Willen, um das ganze Leben. "Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt", sagt unser Heiland, "von dessen Leibe werden sTröme lebendigen Wassers fließen" (Joh 7:38). Das ist eine ausstrahlende Herrlichkeit, wie er sie selber hatte. An Jesus glauben, heißt, mit Jesus eins sein, 3wo wie er mit seinem Vater eins ist (Joh 10:30). Nicht stand zwischen ihm und seinem Vater. Es war ein totales Vertrauensverhältnis, und wer dieses Vertrauen zu Jesus hat, kann mit dem Psalmisten David in Ps 23 sprechen: "Der Herr ist mein Hirte..."

Mit den in diesem Psalm erwähnten Sicherheiten lässt es sich leben. So deutlich sagt uns die Heilige Schrift, wie wir den Weg zur Seligkeit finden. "Aber wer glaubt unserer Predigt und wem wird der Arm des Herrn offenbar?" (Jes 53:1; Joh 12:38; Röm 10:16). So müssen auch wir mit Jesaja und Paulus sprechen.

Falsche Sicherheiten einiger Gotteskinder bringen der Gemeinde Jesu Niederlagen und zuweilen sogar den geistlichen Tod. Die Geschichte Achans, wie sie uns in Jos 6:18 bis Jos 7:21 geschildert ist, zeigt uns deutlich, welche Kettenreaktionen von Verderben durch die Sünde eines einzigen Menschen ausgelöst wird. Nach dem gewaltigen Sieg, den Israel durch die Gnade Gottes über Jericho errungen hatte, wurde Befehl gegeben, eine kleiner Stadt namens Au zu erstürmen. Doch endete alles mit einer völligen Niederlage. Was war die Ursache. Achan hatte, wohl zur finanziellen Sicherung für sich und seine Familie, obwohl es ausdrücklich verboten war, aus der in Jericho gemachten Beute sich einiges angeeignet und dies im Boden seines Zeltes vergraben. Darum lag ein Bann auf dem ganzen Volk. Israel konnte nicht siegen. Eines einzigen Menschen Ungehorsam brachte 36 Männern aus der Volksgemeinschaft den Tod. Alle fragten nach der Ursache. Erst als Achan durch das Los als der Schuldige ermittelt worden und er mit seiner ganzen Familie durch Steinigung aus. Israel ausgerottet war, konnte Gott wieder segnen. So furchtbar ist die Sünde mit all ihren Folgen. So furchtbar sind die Folgen auch unserer Sünde für uns und für die andern.

Es kann in vielen Gemeinden keine Erweckung geben, weil ein Bann auf ihnen liegt. Wenn Gotteskinder Sünden mit sich herumschleppen, so ist das weit schlimmer, als wenn Ungläubige sündigen. Die Sünden einzelner Frommen übertragen sich auf die ganze Gemeinde. Es gibt dann einfach keinen Sieg. Alles Beten ist umsonst. Die Feinde der Kirche freuen sich, und am meisten freut sich Satan. Sollte uns da nicht zutiefst treffen? Es will mir scheinen, als läge ein Bann auf den Gemeinden in der Bundesrepublik. Jede Gemeinde denkt an die Sünde der andern. Keine will sich selbst schuldig bekennen. Niemand will den ersten Schritt tun. Doch merken wir uns, eine Erweckung fängt nur bei uns selber an!

Frommen Betrieb gibt es genug in unseren Tagen. Das rettet uns nicht. Das ändert auch nichts an Gottes Urteil über uns. Sein Angesicht stellt sich hart, wenn er fordert: "Tu den Bann von Dir weg!"

Wir stehen heute vor einem unausweichlichen Entweder-Oder, wie ich schon einmal erwähnte. Entweder Bekehrung und damit ein offener Himmle mit größeren Segnungen als je zuvor für die ganze gemeinde - oder Festhalten an den Sünden. und damit einlangsames, aber sicheres Veröden des von Gott geschenkten inneren Lebens.

Ein tiefes Erschrecken sollte über. uns kommen, denn das ist Gottes Todesurteil über uns. Der Bann muss weg! Der Pharisäismus muss auch unseren Herzen heraus, die Feindschaft gegeneinander muss aufhören. und ebenso das lieblose Richten und Urteilen über die Gotteskinder einer anderen Gruppe. Jeder meint es besser. zu wissen und besser zu können. Warum willst Du ein Hindernis bleiben, wo Gott so deutlich in Deinem Herzen redet, dass Du es bist, der den Sieg aufhält? Es gibt nur eine Rettung: Tu Buße, kehre um, bekenne Deine Sünden, gibt Gott die Ehre, so wird Dein und unser aller Unheil wenden. Wenn einer damit anfängt, dann kommen die anderen nach. Wer ist es, der Gottes Segen zuerst empfangen will? Komme zu Jesus, beuge Deinen stolzen Nacken, bleibe unter dem Kreuz stehen, und bekenne dich schuldig, bevor dich Gott im letzten Gericht schuldig sprechen muss. Jetzt ist noch Gnadenzeit. Noch gilt das Wort für Dich: "Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen" (Joh 6:37). Darum siehe an die Güte und den Ernst Gottes; die Güte an denen, die sich zu ihm wenden, den Ernst aber an jenen, die sein Angebot verachten (Röm 11:22).

Es hätt4e auch für Achan noch eine Rettung gegeb en, wenn er freiwillig hervorgetreten wäre, wenn er auf die Stimme seines Gewissens geachtet hätte. Wer seine Schuld bekennt und sie lässt, der soll gerettet werden (Spr 28:13). Dann wäre die Schlacht zu Ai nicht verloren gegangen. Hernach aber war es zu spät. Die Lose wurden geworfen. Der Kreis wurde immer enger, bis sich Achan Gottes Zugriff nicht mehr entwinden konnte. Vielleicht hoffte er, dass ein anderer für ihn schuldig gesprochen würde. Welch ein Selbstbetrug - auch für Dich. Gott findet Dich in Deinem Versteck und zieht Deine Schuld ans Licht. Die Stunde kommt gewiss.

Es gibt nur eine Sicherheit: Bekenne Deine Schuld! Dann liegt die Strafe auf IHM, der stellvertretend das Opferlamm der ganzen Welt geworden ist. Welche ein friede ist für Dich von Gott schon vorbereitet. Willst Du weiter in Deiner Unruhe bleiben? Es kost nichts, ein Christ zu werden. Du brauchst keine guten Taten mitzubringen; keine Leistung wird von Dir gefordert. Gott will nur von Dir, dass Du aufrichtig bist.

Und es kostet doch etwas, ein wirklicher Christ zu werden. Es kostest den ganzen alten Menschen. Der Weg z um Himmel ist ein Zerrissenwerden, ein Riss, der mitten durch Dich hindurchgeht: "Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen vom Leibe dieses Todes? (Röm 7:24) - dann aber: "Gott aber sei Dank, der uns allezeit Sieg gibt in unserem Herrn Jesus Christus" (1Kor 15:57)

VII. Die Buße

(Dieser Artikel ist die Abschrift der Aufzeichnung eines mir unbekannten Autors)

Für die Worte "Tut Buße" steht im alten Testament das Wort "schub" und im Neuen Testament das Wort "metanoein". Beide Worte kann man auch übersetzen mit hinwenden, zurückkehren oder umsinnen oder seinen Sinn ändern. Alle Worte wollen aussagen, dass hier eine Tiefgreifende, bis in den Sinn des Herzens, und eine durchgreifende, bis in das praktische Leben hinein erfolgende Umkehr stattfindet.

Die verschiedenen Schritte der Buße lassen sich sehr gut an Beispielen und Gleichnissen des Neuen Testamentes veranschaulichen, und wir wollen sie kurz aufzeigen.

1. Auf die Stimme Gottes hören

Der Mensch muss in sich gehen und zur Besinnung kommen und auf die Stimme Gottes hören und achten.

Gott redet in mancherlei weise, durch seine Knechte im Bußruf, durch das Wort der Schrift, durch Schicksalsschläge, durch Krankheit usw. Die wahre Buße fängt dann an, wenn der Mensch den Kommandoruf Gottes: "Halt" in seinem Leben hört und beachtet, wenn er zur Besinnung kommt, wenn er aus aller Vielgeschäftigkeit herausgerissen wird oder sich heraus begibt, zur Ruhe und zum Nachsinnen kommt und erkennt: so geht es nicht weiter! Diese Situation beschreibt Jesus so schön in seinem Gleichnis mit den Worten m"da er aber in sich schlug" (Lk 15:17). Wenn der Mensch anfängt, "In sich zu schlagen", und damit aufhört, "um sich zu schlagen", wenn der Mensch, anstatt bei andern die Schuld zu suchen, bei sich selbst anfängt zu suchen und sagen lernt: "Ich bin der Mann", dann hat die Buße begonnen. Bei den Säuen kam der verlorene Sohn zu Besinnung. In jener Stunde, da er beim Hüten der Schweine Zeit hatte zum Nachsinne, da begann die Umsinnung im Herzen.

2. Sein Gewissen erforschen

Der Mensch muss anfangen, seine Schuld zu suchen und sein Gewissen zu erforschen.

Seine Schuld suchen hieß im Alten Testament auch: "Kommt, wir wollen wieder den Herrn suchen". Wenn man nämlich vom Herrn weggegangen oder von seinem Weg abgekommen ist, dann muss man wieder umkehren und dorthin gehen, wo man abgewichen ist, wo der Anfang unserer Schuld liegt. In dieser Umkehr zeigt uns das Gewissen genau den Weg. Das Gewissen ist ein "Geh-Wissen" d.h. ein Wissen, das über unser Gehen verfügt, ein Mitwisser aller unserer Schuld und auch ein Ankläger, es ist Verkläger und Zeuge zugleich. Sobald nun der Mensch aus aller Vielgeschäftigkeit des Lebens zur Ruhe und zur Besinnung kommt und sich einmal einiger Stunden oder mehrere Tage von aller Arbeit zurückzieht und es in seinem Inneren stille werden kann, hört er sofort die Stimme des Gewissens. Dasselbe kann ihm alles sagen, wo er gefehlt hat, er muss nur fein zuhören lernen. Da wir aber nicht nur unser Gewissen hören wollen, sondern auch vom Worte Gottes her geleitet werden müssen, da unser Gewissen auch irren kann, ist es gut, wenn wir dasselbe lesen. Besonders eignet sich dazu das Gesetz, da durch dasselbe Erkenntnis der Sünde kommt und auch die schlafende Sünde aufgeschreckt, lebendig und kräftig wird (Röm 3:20 u. Röm 7:7-7; 1Kor 15:56). Besondere Hilfsmittel sind auch die sogenannten Gewissenspiegel, die fromme Knechte Gottes für diese Gewissenserforschung angefertigt haben.

3. Sünden erkennen

Nun heißt es zu sehen, dass man gegen Gott und Menschen gesündigt oder denselben sehr übel getan hat, damit Gottes Geist eine Traurigkeit wirken kann, die niemand gereut (2Kor 7:10)

Die Bibel spricht oft davon, dass die Menschen im Alten Bunde beim Buß-Tun traurig waren (manchmal sogar drei Wochen lang), oder dass sie weinten. Auch im Neuen Bund spricht Jesus vom Leid-tragen. Und Petrus weinte bitterlich. Sobald wir wie der verlorene Sohn sehen, dass wir uns an Gott und Menschen in massiver Weise durch unsere Sünde vergangen haben, kommt über uns jene göttliche Traurigkeit, die niemand gereut. Diese Traurigkeit ist notwendig, damit die Buße genügend Tiefgang gewinnt. Man spricht in gewissen Kreise zu gerne von einer fröhlichen Buße und dann geht das alles so schnell und oberflächlich, und nachher muss man erkennen, es hat doch keine Änderung gegeben. Die tiefe Reue gibt Tiefgang in der Buße und verleiht ihr darum auch Festigkeit und Beständigkeit.

4. Sünden bekennen

Buße tun heißt auch, seine Sünden Gott zu bekennen.

Der verlorene Sohn sprach: "Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und will sagen, dass ich gegen den Himmel und gegen ihn gesündigt habe" (Lk 15:18). In diesem Worten weist Jesus zunächst hin auf das Bekenntnis der Sünde, die man gegen den Himmel getan hat. Dieses Bekenntnis findet vor dem Vater statt. Der Herr denkt hier offensichtlich an das Bekenntnis der Sünden vor einem Seelsorger, wie es allgemein damals in Israel üblich war. Wollte der Israelit sein Schuldopfer darbringen, dann musste er zuvor seine Sünde dem Priester bekennen. Dieses offene Sündenbekenntnis wird auch an mehreren Stellen des Neuen Bundes erwähnt:

Mt 3:5-7: "Dann aber ging zu ihm hinaus Jerusalem und das gesamte Judäa und die ganze Umgegend des Jordan und ließen sich taufen im Jordan, ihre Sünden offen bekennend."

Apg 19:18: "Auch viele, die da glaubten, kamen, ihre Handlungen offen bekennend und kundtuend."

Jak 5:16: "Bekennet nun einander offen die Sünde, und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet."

Suche dir also einen seelsorgerlichen Menschen, der schweigen kann, und bekenne ihm offen deine Sünden.

Sünden die man vor der Gemeinde bekennen kann, darf man auch dort bekennen uns sich öffentlich beugen und demütigen.

Auch gibt es Sünden oder Verfehlungen, die man dem Herrn allein bekennen kann. Darinnen führ uns die Heilige Schrift und der Geist Gottes.

5. Beugung und Wiedergutmachung

Wo wir an Menschen schuldig wurden, haben wir uns vor denselben zu beugen und die Sache, so weit wie möglich, wieder in Ordnung zu bringen.

Der verlorene Sohn musste auch bekennen, dass er gegen den Vater übel gehandelt hatte. Als Zachäus seine Buße tat und sich zum Herrn bekehrte, wollte er sofort vierfältig wieder zurückgeben, wo er betrogen hatte (Lk 19). Wir sehen, der Mensch muss auch die Dinge wieder in Ordnung bringen, die er an Menschen gefehlt hat. Haben wir gestohlen, müssen wir zurückgeben. Haben wir gelogen, müssen wir es wieder geradestellen. Haben wir verleumdet, müssen wir wieder die Ehre des andern herstellen. Haben wir unrechtmäßig vorgeworfen, so müssen wir zurücknehmen.

Wohl den Seelen, die auch an diese Seite der Buße denken. Der Alte Bund ist ja ein sichtbares Gleichnis für die Wahrheiten und das Wesen des Neuen Bundes, und dort lesen wir immer wieder, dass der Israelit beim Opfern auch sein Unrecht an Menschen wieder gutmachen musste, soweit ihm das möglich war.

6. Seinen Sinn ändern

Buße tun heißt auch umsinnen oder seinen Sinn ändern.

Damit Gott einen neuen Sinn durch den Geist in unsere Herzen geben kann, muss der alte Sinn hinausgetan werden. Dieses ist. unsere Aufgabe. Alle verborgenen Wünsche. und der versteckte Fleischessinn oder die Lüste und Begierden des Fleisches oder des Ichwesens, müssen vom Mantel der Selbstentschuldung und Selbstverschönerung befreit und vom Licht Gottes gestraft werden. Wenn wir noch sinnen oder trachten nach den Freuden dieser Welt, wenn wir noch nach dem Irdischen sinnen, wenn wir noch fleischliche und ichhafte Gesinnung haben, dann muss sie hinausgetan werden. Paulus kreuzigte sein Fleisch samt seinen Lüsten und Begierden" (Gal 5:24). Das fleischliche Sinnen, dieses heimliche und verborgene Sinnen nach gutem Essen und Trinken, nach Huren und Unreinheit, nach Zank und Streit, nach Eifersucht und Neid, nach Parteilichkeit und Rechthaberei, nach Befriedigung seiner Natur, nach Ehre und Anerkennung, nach Freiheit von Kreuz und Leiden usw. muss in uns gekreuzigt werden. Solange wir dieses Sinnen nicht kreuzigen, nicht ablegen und hassen, kann uns der Herr nicht Christi Sinn geben. Hier dringt die Geistestaufe bei vielen nicht in das Allerheiligste hinein, weil sie den alten Sinn nicht kreuzigen. Wir machen heute oft die Entdeckung, dass in Kreisen, wo man oberflächlich die Geistestaufe erlebt, wo man sich hoch freut und jubelt in den Versammlungen, gewaltig in der Salbung predigt und weissagt, herrlich in Zungen betet und singt und mächtig zu beten vermag, doch dann im Alltagsleben eine derart fleischliche und ichhafte Gesinnung in Erscheinung tritt, die man selbst bei guten Weltmenschen nicht findet. Diese Seelen haben zwar Geisterfüllung in den Leib und in die Seele oder in den Vorhof und das Heiligtum erlebt, aber zu wenig in den Geist und das Allerheiligste. Der Sinn oder das verborgene Wünschen. und streben liegt nämlich nicht im bewussten Willen, sondern in dem Halbdunkel des Geistes. Solange dasselbe nicht in gründlicher Buße ans Licht gezogen und gekreuzigt und in den Tod Jesu gegeben wird, kann nicht das Sinnen des Geistes in uns einkehren. Petrus hat darum den Juden unmissverständlich gesagt (Apg 2:38): "Tut Buße und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes". Wo durchgreifende und tiefgreifende Buße getan wird, da git es nicht nur eine alttestmentliche und körperlich-seelische Geisteserfüllung, sondern eine neutestamentliche, die bis in das Innerste des Menschen, bis in seinen Geist eindringt.

7. Unser Leben ändern

Buße tun heißt auch, dass wir unser Leben ändern.

Wenn uns der neue Sinn des Geistes oder Christi Sinn zuteil wurde, werden wir auch diesen Sinn gehorsam werden müssen, und da bringt den Wandel im Geist oder die Geistesfrüchte (Gal 5:22).

Auch vor der Geisteserfüllung kann man schon eine Lebenänderung durchführen. Das sehen wir deutlich bei den Jüngern. Die Apostel taten am Jordan Buße, bekehrten sich und folgten dem Herrn Jesus nach, sie änderten also total ihr ganzes Leben. Wer nicht be reit ist, auch sein Leben zu ändern, der lässt den letzten Schritt der Buße dahinten, der bringt nach den Worten des Täufers keine wahrhaften Früchte der Buße. Wenn Buße heimkehren bedeutet und nicht nur Umkehr oder Umwenden, dann muss man den entgegengesetzten Weg wie bisher auch gehen. Wer sich nur umdreht und nicht geht, der bleibt im Tor zum Reich Gottes stehen und kommt nicht in die Gnaden und Gaben des Reiches hinein.

Abschließend wollen wir noch darauf hinweisen, dass Buße zunächst einmal grundlegend geschehen muss im sinne einer Heimkehr und dann später aber immer wieder neu in Dingen, die wir bisher nicht als Sünde erkannt haben. Paulus spricht von der letzten Buße in Röm 12:2, wenn er sagt, dass wir uns verwandeln sollen durch die Erneuerung unserer Sinne. Die Sinneserneuerung bei einem Christen, der die grundlegende Buße hinter sich hat, erfolgt auf Teilgebieten seines Lebens, über die er bisher kein Licht gehabt hat. Kommt er darüber zur Besinnung - dass es also bei ihm einschlägt -, dann legt er auch sein fleischliches Sinnen auf diesem Teilgebiet ab und kreuzigt es im Tode Jesu, und der Herr schenkt ihm dort dann eine neue Gesinnung des Geistes. Auf diesem Wege erfolgt die Umwandlung, die aus der Raupennatur des Menschen eine neue Kreatur macht, die sich von der Erde zu erheben vermag.

Gnade und Gericht

O mein Gott, hast du vergessen
gnädig meinem Tag zu sein?
Sieh, ich habe mich vermessen,
noch einmal zu Dir zu schrei'n.
Lass mich nicht im Tränentale
mit verhülltem Angesicht,
zeig mir Christi Nägelmale
und big meiner Seele Licht.
Sinnlos hat der Schmerz zerrissen
mein verängstetes Gemüt.
Ein zerschlagenes gewissen
zweifelt schon an Deiner Güt'
Bleibt es denn ein trübes Wissen,
was zutiefst im Herzen lebt,
wird die Wolke nicht zerrissen,
die zu meinen Häupten schwebt?
O, ich weiß, Du hörst mein Flehen,
wenn Du auch im Zorne schweigst.
Meinen Jammer wirst Du sehen,
wenn Du auch nicht Hilfe zeigst.
Deine Stunde muss ja kommen,
die Du mir verheißen hast,
und dann wird mir weggenommen
ohne Zweifel alle Last.
Drum will ich mich darein finden
gleichwohl, wie der Schmerz auch wägt.
Deine Hand wird mich verbinden,
die mich jetzt so hart zerschlägt.
Nach dem Kreuze folgt die Krone
und der Friede nach der Pein.
Dass ich dereinst sicher wohne,
muss mein Haus zerschlagen sein.
L. K.

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VIII. Wo stehen wir heute?