Zwischen Schuld, Verlorenheit und Hoffnung

Aus Bibelwissen

Freitag, 20. März 2026 - von Daniel Muhl

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Sieh an meinen Jammer und mein Elend und vergib mir alle meine Sünden!

Psalm 25,18

Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes? Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!

Römer 7,24 - 25


Als junger Mann fiel mir ein Schuld-Eingeständnis oft schwer, weil es das Gefühl verstärkte, unbedeutend oder minderwertig zu sein. Für Menschen mit Minderwertigkeitsgefühlen ist es schwierig zuzugeben, dass sie schwerwiegende Fehler gemacht haben und auf Gnade angewiesen sind, sodass sie einen Erlöser brauchen, um vor Gott bestehen zu können (Röm 3:23-24). Überhebliche Personen tun sich meist noch schwerer damit, weil sie sich aus verschiedenen Gründen besser als andere fühlen. Das liegt daran, dass sie sich – durch den subjektiven Vergleich mit anderen – als überlegen empfinden (Lk 18:9-14).

Traurigerweise entsteht das Selbstwertgefühl oft durch das, was wir erreicht oder nicht erreicht haben. Es wird durch unsere Leistung oder Stellung in der Gesellschaft definiert.

Wer sich mit Gott und seinem Wort beschäftigt, fühlt seine eigene Schuldhaftigkeit intensiver. Ihm wird seine Unfähigkeit, das göttlich Vollkommene zu tun, noch klarer vor Augen geführt (Röm 7:18-19). Das verstärkt das Gefühl vermeintlicher Wertlosigkeit. Darum meiden viele – bewusst oder unbewusst – einen intensiven Umgang mit Gott und seinem Wort. Selbst diejenigen, die Gott lieben, spüren ihre eigene Kleinheit und Verlorenheit, wenn sie Gott begegnen oder ihn in seiner Erhabenheit sehen. So schreibt Jesaja, als er den HERRN auf seinem himmlischen Thron sitzen sah:

"Wehe mir, denn ich bin verloren. Denn ein Mann mit unreinen Lippen bin ich, und mitten in einem Volk mit unreinen Lippen wohne ich. Denn meine Augen haben den König, den HERRN der Heerscharen, gesehen." (Jes 6:5)

Je intensiver wir uns mit Gott und seinem herrlichen Wesen beschäftigen, desto fehlerhafter und kleiner kommen wir uns vor. Doch die Schlussfolgerung, wir seien deshalb für Gott wertlos und unbedeutend, ist völlig falsch. Wir ziehen diesen Rückschluss nur, weil wir unser menschliches Denken auf Gott übertragen – die Annahme, dass nur derjenige wertvoll sei, der etwas geleistet hat und Gottes Anforderungen genügen konnte.

David und Paulus erkannten beide, dass sie Gottes vollkommenen Anforderungen niemals genügen können. Ohne Gottes Gnade wären sie verloren gewesen. David sah seine Sündhaftigkeit klar vor Augen und schrieb darum in Psalm 25:18: „HERR, sieh an meinen Jammer und mein Elend und vergib mir alle meine Sünden."

Paulus beschreibt in Römer 7 seinen inneren Kampf zwischen dem Wunsch, das Richtige zu tun, und der praktischen Umsetzung, die ihm nicht gelingen will. Das lag unter anderem daran, dass er eine Zeit lang versuchte, ein Gott wohlgefälliges Leben aus eigener Kraft und Frömmigkeit zu führen. Der Versuch, durch die Kraft seiner Seele das göttlich Vollkommene zu erreichen, scheiterte vollständig. Das verstärkte sein Gefühl der eigenen Verlorenheit – bis hin zur absoluten Kapitulation, in der er sagen musste:

"Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes?" (Röm 7:24)

Doch genau an diesem Punkt kommt die alles überwältigende Gnade Gottes ins Spiel. Der letzte Vers aus Römer 7 lautet im Griechischen „charis de to theo". Das bedeutet nicht nur „Dank aber (sei) Gott", sondern wörtlich auch „Gnade aber (ist bei) dem Gott" (Röm 7:25). Die Gnade Gottes ist so groß, dass er uns durch den Glauben „in seinen Sohn hineinversetzt", sodass wir nicht mehr verurteilt werden – obwohl wir es verdient hätten (Röm 8:1). Wer in Christus ist, ist in die absolute Gerechtigkeit und göttliche Vollkommenheit hineinversetzt (2Kor 5:21).

Darum schreibt Paulus weiter: „Also ⟨gibt es⟩ jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind" (Röm 8:1). Der Apostel entfaltet diese Gnade in den darauffolgenden Versen weiter, bis er zu einer universalen Hoffnung gelangt, in der er schreiben darf, dass auch selbst die ganze Schöpfung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit frei gemacht werden wird, um zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes zu gelangen (Röm 8:21). – Das ist die ultimative Hoffnung für alle! Dafür sei unserem himmlischen Vater allen Dank und die Anbetung!


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