Behütet wie der Augapfel und untrennbar geliebt
Montag, 6. April 2026 – von Daniel Muhl
Er behütete sein Volk wie seinen Augapfel.
Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.
An unserem Leib gibt es wohl kaum ein Körperteil, auf das wir mehr achten, als auf unseren Augapfel. Einerseits ist das Auge äußerst sensibel, andererseits lassen sich schwere Verletzungen kaum noch heilen. Für viele ist schon die Vorstellung, das Augenlicht zu verlieren, bedrückend.
Wenn der Allmächtige sein auserwähltes Volk wie seinen Augapfel schützt, beschreibt das keine distanzierte Fürsorge, sondern eine wache, zärtliche und zugleich entschlossene Bewahrung. Gott ist nicht nur ein Begleiter am Rand, sondern der Hüter, der sofort reagiert, wenn Gefahr naht. (Ps 121:3)
Gerade dann, wenn wir uns klein, verletzlich oder überfordert fühlen, ist dieses Bild vom „Augapfel“ so tröstlich. Wer sein Auge schützt, zögert nicht. So ist Gott nicht gleichgültig gegenüber dem, was dich trifft. Seine Liebe ist wachsam und umgibt dich. Er bleibt nicht fern, wenn du leidest. Seine Nähe ist real — auch dann, wenn deine Umstände etwas anderes zu sagen scheinen. (Ps 34:19 / Jes 41:10)
Das ist eine Wahrheit, die man nicht nur einmal im Kopf „abhakt“, sondern die immer wieder ins Herz sinken darf. Manchmal erleben wir Bewahrung sichtbar: Türen öffnen sich, Gefahren bleiben aus, Hilfe kommt zur rechten Zeit. Und manchmal erleben wir Bewahrung verborgen: Gott führt durch schwere Wege, gibt Kraft zum Ausharren, schenkt Trost im Innern und bewahrt den Glauben, wenn alles wankt. (Ps 46:2 / 2Kor 4:16)
Die innige Verbundenheit, die Paulus gegen Ende von Römer 8 beschreibt, zeichnet ein ähnliches Bild. In 1. Korinther 12 macht er zudem deutlich, dass die Gläubigen Glieder am Leib des Christus sein dürfen. Aus dieser Zugehörigkeit zum Herrn der Herrlichkeit darf jede und jeder Gläubige wissen: Auf nichts gibt Gott zurzeit mehr Acht als auf seine Kinder und sein Volk. (1Kor 12:12)
Doch genau hier entsteht eine Spannung, die wir nicht übersehen dürfen: Wenn wir den Zustand der Christen weltweit betrachten, die derzeit zu Hunderten von Millionen unter Diskriminierung und Verfolgung leiden, scheint sich die Tatsache, dass Gott seine Kinder beschützt, nicht unbedingt zu bestätigen. Ähnliches gilt, wenn wir den Antisemitismus betrachten, der seit fast viertausend Jahren mehr oder weniger stark präsent ist. (Joh 16:33 / 2Tim 3:12)
Der Apostel Paulus war sowohl Jude als auch Christ, und seine Lebensgeschichte war – was die äußeren Umstände betrifft – vermutlich deutlich schwerer als unsere. Er wurde häufig verfolgt. Zeitweise litt er unter Hunger und Kälte, wurde verleumdet und geschlagen. Nicht selten war er auch von Traurigkeit und Verzweiflung geprägt. (2Kor 11:23)
Stellt man sich so ein „Behütetsein“ vor? Wie kam Paulus zu der Überzeugung, dass ihn nichts von der Liebe Gottes trennen konnte? Warum konnte er angesichts dieser Nöte dennoch schreiben: „Freut euch allezeit“? Weshalb wusste sich Jesus von seinem Vater unendlich geliebt, als er in Johannes 17 betete und ihm zugleich klar war, welch leidvoller Weg ihm bevorstand?
Da Jesus bereits existierte, bevor er von Maria geboren wurde, und die unendliche Liebe seines Vaters für ihn die Kraft war, die ihn aus der Ewigkeit heraus trug, spielten die zeitlich begrenzten Leiden eine untergeordnete Rolle. Zugleich war ihm klar, dass gerade durch dieses Leid eine unfassbare Herrlichkeit entstehen würde. (Hebr 12:2)
Auch Paulus durfte die tiefe Liebe Gottes erkennen und immer wieder neu erfahren – trotz und inmitten seiner Bedrängnisse. Deshalb konnte er schreiben:
- „Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?“ (Röm 8:35)
Der Apostel war sich absolut gewiss: Gott ist für uns — und deshalb gibt es keine Kraft im ganzen Universum, die uns von ihm und seiner Liebe trennen kann.
Gottes Liebe lässt sich nicht an unserem momentanen Wohlbefinden messen. Sie trägt gerade dort, wo wir am wenigsten „Beweise“ dafür sehen.
Paulus konnte sogar in die Zukunft blicken und sagen:
- „Denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ (Röm 8:18)
Mit anderen Worten: Das Leid ist real — aber es ist nicht das Letzte. Die Liebe Gottes ist nicht an die Wetterlage unseres Lebens gebunden. Sie ist ein fester Anker, der in Christus selbst verankert ist. (Hebr 6:19)
Die Liebe Gottes bleibt: still, unerschütterlich und untrennbar — selbst dann, wenn wir sie kaum noch spüren.

