Die Herrlichkeit Christi in den Seinen: Unterschied zwischen den Versionen

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====Klare Unendlichkeit====
====Klare Unendlichkeit====
Herrlichkeit verträgt sich nicht mit bedrückender Begrenzung, herzloser Enge und undurchsichtigem Wesen.
Was von der Erde ist, kann sich keinen unbegrenzten Höhenflug leisten. Alles endet zwischen den 6 dünnen Brettern und in dem schmalen Schacht, den wir Grab nennen, und muss wieder Erde werden. Gottes Herrlichkeit aber endet nicht im Grab. Christus hat den Tod, diesen letzten Feind Gottes, besiegt!
Aber der Sohn Gottes ist nicht gekommen die werke des Teufels zu zerstören (wie man [[1Jo 3:8]] schlechthin übersetzt), denn das wäre  dem König der Herrlichkeit viel zu gering. Er beantwortet nicht Gehässigkeit mit Bosheit und Zerstörung mit Vernichtung oder Schimpf mit Schande ([[1Petr 2:21]]-24), sondern er l ö s t die Werke Satans auf! Durch Ihn ist der Tod verschlungen in den Sieg, denn das Verwesliche hat Unverweslichkeit angezogen, [[1Kor 15:54]]-56. Aus Asche ist durch. Christus Licht und aus Vergänglichkeit ist Unendlichkeit geworden. Es ist eine Ewigkeit voller Herrlichkeit und eine Herrlichkeit voller Ewigkeit.
Zur Endlichkeit gehört auch Undurchsichtigkeit, denn alles was zerfällt, hört auf herrlich zu sein. Der Unendlichkeit aber gebührt Klarheit. So kommt zu der unaufhörlichen Weite auch die ungetrübte Klarsicht.
Wer einmal bei schönstem Sonnenschein auf einem hohen Berggipfel stand, der wird diese strahlende Weite nie vergessen. Eines solchen Anblicks bediente sich der Versucher, um dem Sohn alle Herrlichkeit dieser Welt vorzuführen, [[Mt 4:8]]. Aber Jesus erkannte ihre Hohlheit und die hinter der frommen Fassade lauernde Selbstvergötterung.
Als Katharina II. wieder einmal ihr großes Reich besichtigten wollte, zeigte ihr der russische Fürst Grigorij Potemkin (sprich patjomkin) auf der Reise durch Südrussland Dörfer, die aus Attrappen bestanden. Solche Potemkinsche Dörfer ohne Fenster sind die Herrlichkeitsschöpfungen dieser Welt. Das gilt besonders von dem Betrug des Reichtums, der das Wort erstickt und die Augen blendet, [[Mt 13:22]].
Um die Unzulänglichkeit aller menschlichen Schau auszudrücken (von seinem und vollkommenen Wesen ganz zu schweigen) sprechen wir zuweilen von der Frosch-Perspektive. Gerade diese menschlich allzu menschliche Schau, diese Froschperspektive, wird einmal das entscheidende Moment sein, bei der Verführung der ungöttlichen Trinität [[Offb 16:13]]. Nicht anders ist es aber auch mit der Maulwurfs- und Fledermaus-Perspektive. Was weiß der schon von Herrlichkeit, der nur Erde schaufelt oder in der Nacht herumflattert? Unser Augen finden einfach keinen Vergleich und unsere Zungen ermangeln der Worte, um das zu beschreiben, was Gott denen bereitet hat, die Ihn lieben - mit anderen Worten - um das auszudrücken, was Herrlichkeit ist. Uns aber, so fährt Gottes Wort in [[1Kor 2:10]] bei dieser Betrachtung fort, hat es der Geist offenbart. Denn nur der Geist Gottes kann Herrlichkeit, welche zu den Tiefen der Gottheit gehört, gebührend darlegen.
Alles, was ohne den Gottesgeist als herrlich bezeichnet wird, ist mehr als enttäuschend. Jes 2 zeigt, wie alles Hehre, Stolze, Erhabene und Hoffärtige, alle Höhe und jeder Glanz am Tage des Herrn so zusammenschrumpft, dass man sich bücken muss, um diese Herrlichkeit überhaupt zu erkennen. Es ist nichts als hohler, erbärmlicher Götzendienst gegenüber der majestätischen Herrlichkeit Gottes. An jenem Tage wird man allen Herrlichkeitsersatz dahin werfen, wohin er gehört, nämlich zu den Malwürfen und Fledermäusen, [[Jes 2:20]].<br/><br />
====Ein Strahlenbündel====
Unser deutsches Wort Herrlichkeit ist abgeleitet von Herr, germanisch haira, was graues Haar bedeutet (vergleiche engl. hair - Haar). Graue Haare sind eine Krone der Ehren ([[Spr 16:31]]), wie auch dem Weibe eine Ehre (Herrlichkeit) ist, wenn sie langes Haar hat, [[1Kor 11:15]]. Diese Benennungen hehr und herrlich, von Herr abgeleitet, sind fein empfunden, denn nur im HErrn liegt alle Herrlichkeit. Ein jeder durch Gottes Gnade aber geadelte Mann, ist Abbild der Herrlichkeit [[1Kor 11:7]].
Das neutestamentliche Wort für Herrlichkeit heißt doxa und hat es mit einer inneren Würde zu tun, die bis zum äußeren Ansehen (Erscheinung) gelangt. Luther hat diesem Weinen Wort doxa in seiner Übersetzung vielfältigen Ausdruck verschafft. So z.B. als
::Klarheit - [[Lk 2:9]]
::Ruhm - [[Röm 3:23]]
::Ehre - [[Joh 5:44]]
::Lob - [[2Kor 1:20]]
::verklären - [[Joh 17:1]]
::Majestät - [[2Petr 2:10]]
::Preis - [[Offb 7:12]]
Der Hebräer hat eine ganze Anzahl Worte für Herrlichkeit. So wird in [[Jes 42:21]] prophezeit, dass Christus das Gesetz herrlich machen wird, und dieses "adar" meint weit. Wer in [[Mt 5]] vernimmt , was der Herr Jesus unter Mord und Ehebruch versteht, der sieht, welch eine Tiefe und Weite der Herr diesen Geboten gibt.
Das imAlten Testament am meisten gebrauchte Wort für Herrlichkeit, "kabod", ist von schwer abgeleitet; und auch [[2Kor 4:17]] spricht von einem äonischen Gewicht der Herrlichkeit.
Herrlichkeit, das ist ein ganzes Strahlenbündel erlesenster Begriffe, die uns erst dann einigermaßen einen Eindruck der unvergleichlichen Kostbarkeit, unvergänglichen Schönheit und heiligen Allgewalt vermitteln können, wenn wir sie uns alle zusammen in eins denken, nämlich Ansehen, Ehre und Erhabenheit, Hoheit, Glanz, Glorie und Großartigkeit, Lob und Preis, Pracht und Klarheit, Majestät, Ruhm und Verfügungsgewalt, Würde, Schmuck und Zierde. Wer aber hätte jemals auf dieser Erde etwas erschaut, dem alle diese 17 Eigenschaften zu eigen wären?<br/><br />
==='''Wir sahen seine Herrlichkeit'''===
Und doch hat es Menschen gegeben, die da sagen konnten: Wir sahen die Herrlichkeit! Die das bezeugten waren keine dichter und Philosophen, weder Sonderlinge noch Schwärmer, sondern einfache, unverbildete Gesellen, in Wind und Wetter erprobt. Und einer dieser Fischer fasst das erlebte in zwei Merkmale: voll von Gnade und Wahrheit! Das alles sahen sie in dem Jesus von Nazareth. Scheinbar einer der ihren, und doch aus einer anderen Welt. Denn aus diesem jüdischen Rabbi leuchtete die Herrlichkeit des Einzigeinen, der Er vor Erschaffung der Welt war, und der uns allein vom Vater berichten kann. "Kein Mensch hat Gott jemals gesehen; der einzig gezeugte Gott, der am Busen des Vaters ist, der hat Ihn uns nahe gebracht." [[Joh 1:14]] u. 18 nach dem Grundtext. Dieses Wort bezeugte durch den Heiligen Geist der Busenfreund Jesu. Gerade er sieht trotz allem vertraulichen Umgang den Gottessohn, dem als Einzigen im Vollsinn die Bezeichnung Menschensohn gebührt.
Und selbst als der Menschensohn in seiner tiefsten Erniedrigung vor dem römischen Prokurator als Angeklagter steht, muss dieser Vertreter der Weltmacht gestehen: "Ecce homo! - sehe d e r Mensch!" [[Joh 19:5]]. Welch eine Herrlichkeit muss das gewesen sein, die aus dem übel zugerichteten und geschändeten Jesus dennoch herausstrahlte! Skrupellose Fanatiker, der aufgewühlte Mob und eine verrohrte Sodateska taten alles, um diesen Gütigsten und edelsten der Menschen zu schmähen. Er hätte die Macht gehabt, sie mit einer einzigen Handbewegung wegzuwischen, aber Er ließ sich nicht herausfordern und ging auch in die Erniedrigung. In Schmach und Hohn bliebt er der Herr, der zu dem, Der über alle ist, sprechen konnte: "Und nun Vater, verherrliche Du Mich bei Dir mit der Herrlichkeit, die Ich bei Dir hatte, ehe die Welt war." [[Joh 17:5]].
Noch nach 19 Jahrhunderten ist diese Würde Christi trotz der damaligen Erniedrigung so durchschlagend, dass ein so unbestechlicher Geschichtsschreiber wie Leopold von Ranke im 2. Band seiner Weltgeschichte bekennen muss: "Unschuldiger und gewaltiger, erhabener, heiliger, hat es auf Erden nichts gegeben, als Seinen Wandel, Sein Leben und sterben. Das Menschengeschlecht hat keine Erinnerung, welche dieser nur von ferne zu vergleichen wäre."<br/><br />
====Uns gegeben====
Welche unvergleichliche Wucht auch alle Worte unseres Herrn haben, obenan steht das herrlichste aller Gebete, mit der in alle Ewigkeit hineinragenden Erklärung: Vater, Ich will, dass wo Ich bin, auch diese mit mir sind, die Du Mir gegeben hast, auf dass sie schauen Meine Herrlichkeit!" ([[Joh 17:24]]).
Und gleichsam als größtes Geschen,, das einzige, das alle offene und geheime Sehnsucht des Menschen zu stillen vermag, erklingen die feierlichen Worte: "Und I c h habe I h n e n die H e r r l i c h k e i t gegeben, die Du M i r gegeben hast." [[Joh 17:22]]. Was diese Worte in sich schließen, dazu reicht diese Weltzeit nicht aus, denn erst die zukünftigen Äonen w erden diesen überschwänglichen Reichtum Seiner Gnade und Güte enthüllen, den uns Gott in Christo erwiesen hat [[Eph 2:7]]. Noch ist diese ganze Herrlichkeit wie auch jeder Gläubige selbst, in dem Christus verborgen, [[Kol 3:3]]. Was nach außen dringt, und darum auch von der Welt gesehen werden kann, das ist die Herrlichkeit, verachtet und geschmäht, gelästert und verspottet, geschlagen und gemartert zu werden. Aber gerade dann bricht auch die innerliche Hoheit bei aller Demut und Erniedrigung hindurch; und sie bezeugt, dass in denen, die den Weg Christi gehen, nichts mehr von Bosheit und Bitterkeit zu finden ist. In aller dieser Not wissen sich die Glieder mit dem Haupt voll Blut und Wunden unzertrennlich vereint.<br/><br />
====Liebeseinheit====
Der einzig angegebene Zweck dieser Herrlichkeit ist: "Dass sie alle eins seien"! Es ist die größte und wunderbarste Verbindung, die es überhaupt geben kann. "Ich (Christus) in ihnen und Du (Vater) in Mir." Der in u ns wohnende Christus wird als ein ganz neuer, gravierender Einfluss spürbar. Da ist kein Einigwerden aufgrund gleicher Interessen oder um gemeinsame Forderungen durchzusetzen, sondern das gerade Gegenteil. Es ist die Hingabe des sündigen und des frommen Ich, um ganz für die Schechina, das heißt, für die Herrlichkeits-Innewohnung Christi offen zu sein.
Das ist kein Verzücktsein, sondern die Einsseins- Herrlichkeit mit Gott im Fleisch und im Alltag. "Ich bin mit Christus an den Schand- und Marterpfahl gebracht, und  nichtmehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich durch den Glauben des Sohnes Gottes", [[Gal 2:20]].
Gerade das Leben im Fleisch soll vom Gottesgeist durchdrungen zu einem Zeugnis der Herrlichkeit aller nachgezeugten Gottes söhne werden. "Wer nicht geistlich ist bis in sein Fleisch, der wird fleischlich bis in den Geist", sagt der bekannte Kirchenvater Augustinus. In u n s wird der entscheidende Sieg erkämpft, weil das Fleisch wider den Geist gelüstet. So ist ein Christ ins Fleisch gesetzt und dennoch nicht fleischlich, mit ganzer Seele wirkend und doch nicht seelisch.
Durch den Glauben des Geistes und Blutes Christi teilhaftig geworden ([[Joh 6:56]]; [[Röm 8:9]]) verbindet alle über Jahrtausende hinweg und gleich welchen Geschlechts oder welcher Rasse, so unterschiedlich ihre Veranlagung und ihre Erziehung, ihr Lebenskreis oder Beruf und ihre Sprache auch sein mag, immer das gleiche Band der Liebe, [[Kol 3:14]]. Wie gegensätzlich ihre Aufgabe auch war, da ist keine menschliche Absprache, sondern die eine Gesinnung Christi die sie befähigt, an Freund und Feind sich zu verströmen.<br/><br />
====Herrlichkeit ist Christusgesinnung====
Weil alle der gleich machtvolle Strahlenkranz göttlichen Wohlgefallens erfüllte, haben sie auch alle teil an derselben Ganzheit der Herrlichkeit Christi.
Wir sehen das bei dem Hirten Abel, und bei Henoch, dem Nomadenfürsten Abraham, dem Reichsverweser Joseph oder dem ägyptischen Kronprinzen Moses. Es leuchtet heraus aus der ehemaligen Hure Rahab und der Moabitin Ruth, und bezeugt durch die Richter Jephta und Samuel.
Ob Könige wie David oder Hiskia, den Völkerpropheten Jeremia oder den Kleintierzüchter Amos, den Kanzler Daniel oder den Mundschenk Nehemia, sie alle bewegte der Geist Christi. Ebenso auch die Priester Mattathias und Zacharias, wie Johannes den Täufer und Johannes den Fischer, die Jungfrau Maria und die ehedem besessene Maria von Magdala.
Diese Herrlichkeit erfasste einen Petrus und seinen Bruder Andreas, einen Gerber Simon und einen Hauptmann Cornelius. Und um nur wenige weiter zu nennen, einen Armenpfleger Stephanus, den Leviten Barnabas, den Pharisäer Paulus, den Arzt Lukas, Phöbe, die Diakonissin und das römische Teppichwirker-Ehepaar Aquilla und Priscilla. Wir denken an Polikarp von Smyrna, den Offizier Sebastian, die Sklavin Felicitas von Karthago, den Goten Wulfila, oder Basilus von Cäsarea. An Peter Waldus und Franz von Assisi, der Rechtsanwalt Jacopono, Nikolaus von der Flühe und Filippo Neri. Weitherhin Johannes Huss und Johannes Denk, den Adeligen Kaspar von Schwenkfeld und den Seifensieder Sebastian Frank. Erinnert sei auch an Paul Gerhardt, den französischen Mathematiker Blais Pascal und den englischen Kesselflicker John Bunyon, Johan Abrecht Bengel und Graf von Zinsendorft. Nicht vergessen sei Vianney, der unbegabte Pfarrer von Ars, der Waisenvater Georg Müller, Christoph Blumhard und Hudson Tylor.
In lebendiger Erinnerung sind Friedrich von Bodeschwingh und der Textforscher Lobegott, Friedr. Konstantin Tischendorf, Forstmeister Eberhard von Rothkirch, Sadhu Sundar Sigh, Theodor Böhmerle, Dietrich Bonhoeffer, Dora Rappard und Hedwig von Redern , sowie der Japaner Kagawa und der Chinese Watschman Nee.
Ach, wie viele Träger seiner Herrlichkeit sind bei dieser wahllos herausgegriffenen Zahl ungenannt, denn wer könnte die Tausende von bekannten Namen aufzählen, an denen auch die Welt nicht vorübergehen kann. Wieviel größer ist die Zahl der vielen namenlosen Zeugen, die Hunderttausende von unbekannten Heiligen, die alle die gleiche flammende Liebe zur Bruder, die unbestechliche Geradheit und das standhafte Erdulden aller Widerwärtigkeiten, oftmals bis zum Scheiterhaufen oder Schafott bewegte.
Als der Präfekt von Rom im Jahre 258 den Diakon Laurentius aufforderte, ihm den Reichtum der Kirche auszuliefern, da brachte dieser ihm die Greise, Kraken, Witwen, Waisen und Armen seiner Gemeinde, denn das, so erklärte er, ist unser größter Reichtum - weil in ihnen die unvergängliche Herrlichkeit Christi ist. Auch Laurentius durfte daraufhin Gott verherrlichen, denn er wurde bei niedrigem Feuer geröstet.y<br/><br />
==='''Die fünf Herrlichkeiten Christi'''===


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Version vom 21. Juni 2024, 10:12 Uhr

Abschrift der Schrift:
Leiden und Herrlichkeit für den Christus
Baader F. H. - Pasedag W. J. (1975)

Schriftenmission Willy Pasedag
Die Schrift ist antiquarisch noch erhältlich

siehe weitere Abschriften
Inhaltsverzeichnis

In Bearbeitung

3. Die Herrlichkeit Christi in den Seinen

W. J. Pasedag

Wer nach Geist, Seele und Leib ein Eigentum Christi geworden ist, dem ist alle Selbstherrlichkeit vergangen, weil er nicht mehr seine Seele allein liebt, sondern Gott über alles und seinen Nächsten wie sich selbst. Damit hat das Leben des elenden Ichmenschen aufgehört, "denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes", Gal 2:20. Christus Jesus ist es, der nun in jedem glaubt, liebt und hofft. Damit manifestiert sich auch Christi Herrlichkeit in den Seinen, Gott zu einem Lobpreis.

Im Anfang war das Wort in und bei Gott, denn es ist der aus der Herrlichkeit Gottes herausgezeugte und eingeborene Sohn. Und dieses Wort wurde Fleisch. Zuerst in der Knechtsgestalt des Einzigeinen, dann aber auch in allen denen, die durch das Wort von neuem gezeugt und wiedergeboren sind Joh 1:13; 1Petr 1:23. Darum heißt es in 2Kor 1:20 mit eindeutiger Folgerichtigkeit: "So viele nun der Verheißungen Gottes auch sind, es ist Ja und so auch Amen i n C h r i s t o, Gott zu Herrlichkeit d u r c h u n s". Die erste Zeugung geschah a u s der Herrlichkeit Gottes, die nachfolgenden sind durch Christus wieder in die Gottesherrlichkeit h i n e i n.

Herrlichkeit als Gnadenziel

Christus in uns, die Hoffnung der Herrlichkeit (Kol 1:27), das ist Freudenkunde (Evangelium) von einer unzerbrechlichen Einheit zwischen Wort und Fleisch, Eckstein und Gemäuer, Wurzel und Baum, Haupt und Gliedern, Christus und Menschen. Diese Begegnung Gottes mit uns nennen wir Gnade. Gnade ab er bereitet Herrlichkeit. Dass Gnade und Herrlichkeit zusammengehören, das war bereits den Kinder Korah Ps 84 gemäß, bewusst. Ihr Vater hatte sich einst gegen Gottes Führung durch Moses empört, und so fuhren 250 Männer lebendig in den Erdeinsturz, den der Herr als Gericht sandte. Alle aber, die sich abgesondert hatte, fanden Gnade, und "die Herrlichkeit des Herrn erschien vor der ganzen Gemeinde", 4Mo 16:19. Erst nach der Auferstehung Christi und die dadurch gegebene Vollendung des Wortes, konnte dem Apostel Paulus das Evangelium der Gnade und der Herrlichkeit zur Verkündigung aufgetragen werden, Apg 20:24; 1Tim 1:11. Damit aber wurde sie kostbarster Besitz der ganzen Gemeinde, denn auch Petrus sagt: "Wenn ihr um Wohltat willen leidet und duldet, das ist G n a d e bei Gott ... So freuet euch, dass ihr der Leiden des Christus teilhaftig seid, auf dass ihr auch in der Offenbarung seiner H e r r l i c h k e i t Freude und Wonne haben möget. Glückselig seid ihr, wenn ihr geschmäht werdet über den Namen Christi, denn der Geist, der ein G e i s t der H e r r l i c h k e i t ist, ruht auf euch." 1Petr 2:20; 1Petr 4:13.14.

Pauli Schreiben an die Epheser (eigentlich ein Rundschreiben), auch Brief der Herrlichkeit des Leibes Christi genannt, verkündet in Eph 1:6, dass wir "zum Preise der H e r r l i c h k e i t Seiner G n a d e angenehm gemacht worden sind in dem Geliebten"..... Eph 1:12 sagt, "dass wir nun dienen zum Lob Seiner Herrlichkeit", und Eph 1:14, "dass wir Sein Eigentum sind zum Lob Seiner Herrlichkeit", denn "Gott ist der Vater der Herrlichkeit (Eph 1:17) Prof. Ströter erklärt, hier sei "kein müßiger Schmuck der Rede, sonder der bezeichnende Hinweis auf die einige, ewige Quelle, aus welcher alle Herrlichkeit fließt, die in Christo Jesu an der Gemeinde offenbar werden soll." Gott ist nur Vater durch den Sohn - des Sohnes Herrlichkeit ab er ist in den Seinen, damit der Vater der Herrlichkeit auch Kinder der Herrlichkeit habe!

Die Notwendigkeit der Herrlichkeit

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern vom Worte Gottes, diesem Ausfluss der Herrlichkeit. Denn Gott hat Seinen Namen über alles herrlich gemacht durch Sein Wort Ps 138:2. Jedes Geschöpf dürstet nach dieser Herrlichkeit wie die Blume nach Sonnenschein, denn sie allein kann in Wahrheit alle Not wenden. "Wir sind allesamt wie die Unreinen (nämlich die Aussätzigen) und alle unsere Gerechtigkeit ist wie ein unflätig Kleid", Jes 64:5. Wenn schon unsere Gerechtigkeiten Unflat sind, oder wie Zunz übersetzt "ein Gewand der Befleckung alle unsere frommen Werke", welche Ausdrücke müssten dann für unsere Ungerechtigkeiten stehen? Solang wir in einem solchen Gewand umhergehen, das vom Mottenfraß der Sünde durchlöchert und mit Schandtaten besudelt ist, können wir nie recht froh werden, sondern müssen uns allerwege schämen. Und wer sich nicht mehr zu schämen vermag, der ist noch viel mehr zu bedauern.

Wir alle brauchen ein neues Kleid der Gerechtigkeit, um vor uns selbst und vor unserer Umwelt, vor allem aber um vor Gott bestehen zu können. Der Mensch ist im Bilde Gottes erschaffen, und er wird solange keine Ruhe finden, bis er wahrhaft göttlich ist. Hier ist ein unabdingbares göttliches "§Muss" sichtbar. Darum wurde unser Schöpfer auch zum Erlöser. Und als solcher ist Er es, der da spricht: "Weil du so wert bist vor meinen Augen geachtet, (nämlich durch das Blut Jesu), darum m u s s t du auch h e r r l i c h sein, denn Ich habe dich lieb! Jes 43:4.

Es war Mangel an Herrlichkeit, der Satan bewog, sich neidvoll zu rauben, was nur Liebe zu geben vermag. Zu einem innerlich verfinsterten Intriganten des Hasses geworden, nahm er Zuflucht zum Herrlichkeits-Ersatz: er schillert als Schlange und blendet als Engel des Lichts. Sobald das herrliche Wort durch Satans Zweifel beschmutzt war, denn der erste Satz der Schlage lautete: "Sollte Gott gesagt haben?", fing das Elend an, und dieses Elend wird solange bleiben, bis die Herrlichkeit des Wortes wieder hergestellt ist. Denn es ist, so sagt die Schrift, "kein Unterschied,; alle sündigten und und ermangeln der Herrlichkeit Gottes", Röm 3:23. So hat durch Untreue (Unglaube) alles Fleisch diese von Gott verliehene Herrlichkeit verderbt. Doch das göttliche Muss fand den Weg z u seiner Erneuerung: "Das Wort ward Fleisch und zeltete unter uns und wir schauten Seine Herrlichkeit", Joh 1:14. Wie wichtig wird hier das Wort unseres Herrn und Heilandes: "Ach, dass du glauben könntest, auch du würdest die Herrlichkeit Gottes sehen", Joh 11:40. Denn diese Freudenkunde von der wiedergebrachten Herrlichkeit durch Jesus Christus ist nur in den Ungläubigen verdeckt, "bei welchen der Gott dieser Weltzeit die Gedanken verblendet hat, damit nicht ausstrahle der Lichtglanz der frohen Botschaft der Herrlichkeit des Christus, welcher das Ebenbild Gottes ist", 2Kor 4:4.

Unglaube (diese Wort bedeutet immer zugleich auch Untreue und Misstrauen) bringt Finsternis; jeder ab er der glaubt, in dem wird Herrlichkeit gestaltet.

Was ist Herrlichkeit eigentlich?

Ernst Freiherr von Feuchtersleben sagte einmal in dem Schlusswort eines Lehrbuches: "Aber alles Herrliche ist schwierig und ist selten". Jeder, der ein Lexikon besitzt, kann feststellen, wir dürftig er bei dem Worte "Herrlichkeit" abgespeist wird, vorausgesetzt, dass es überhaupt zu dem vielbändigen Vokabular gehört. Ist das aber bei der bloßen Erwähnung eines Wortes schon so, um wieviel trauriger sieht es dann erst bei der Verwirklichung dieser Sache im Leben aus!

Herrlichkeit ist der höchste Berg der Menschheit, und dieser Gipfel ist so schwierig, dass ihn noch keiner in seiner natürlichen Beschaffenheit erzwungen hat, noch je ersteigen wird. Gewiss, der Mensch kann zu Ruhm und Anerkennung, zu Ämtern und zu hohen Ehren, ja zu höchsten Würden vor seinen Mitmenschen gelangen. Aber dadurch ist aus dem Wurm noch kein Adler, und aus der Menschenmade noch kein Gott geworden. Wie hoch der Mensch auch seine Technik bis zum Raketenflug entwickelt, zum Gipfel der göttlichen Herrlichkeit wird sie ihn nie bringen, wohl aber in den tiefsten Abgrund des Massenmordes stürzen, Ob 1:4.

Würdest du zu einer überaus einflussreichen und maßgebenden Person, so stiege damit nicht allein deine Verantwortlichkeit, sondern immer auch dein Schuldkonto. Das schon allein ist ein Grund, warum wir für a l l e Obrigkeit Fürbitte einlegen sollen bei Gott 1Tim 2:1.2. Vielleicht wärst du, sobald dir alle Rücksichtnahme überflüssig erscheint, sogar ein solche Tyran wie Stalin oder Hitler.

"Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und näghme doch Schaden an Seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse?", Mt 16:26. Doch angenommen, du könntest ein recht edler König oder gar ein mit allem Schein der Heiligkeit umgebener weiser Papst werden, auch dann noch würden dir dieselben Worte gelten, die jedem Papst bei seiner Krönig zugerufen werden: "Sic transit gloria mundi -. so geht die Herrlichkeit der Welt vorbei!" Alles irdische Gepränge ist der Eitelkeit und Vergänglichkeit unterworfen. Und der Sünder bleibt in der Niedrigkeit, so hoch er sich auch reckt.

Je höher erkommt, umso gefühlicher wird es, denn Gott widersteht dem Hoffärtigen und schenkt nur dem Demütigen Gnade. Weder Anmaßpung und Wahn, noch Anmut und Großzügigkeit, und nicht einmal das beste und wohtätigste Gesetz, mit irdischen Mitteln erzwungen, können zuzr Herrlichkeit werden, weil viel zu viel Unrecht, Blut und Tränen (sei es auch ungewollt) aran kleben. Eine einzige Stechmückie vermag darum auch die ganz6e angemaßte Herrlichkeit des Menschen in Moder zu verwandeln.

Klare Unendlichkeit

Herrlichkeit verträgt sich nicht mit bedrückender Begrenzung, herzloser Enge und undurchsichtigem Wesen.

Was von der Erde ist, kann sich keinen unbegrenzten Höhenflug leisten. Alles endet zwischen den 6 dünnen Brettern und in dem schmalen Schacht, den wir Grab nennen, und muss wieder Erde werden. Gottes Herrlichkeit aber endet nicht im Grab. Christus hat den Tod, diesen letzten Feind Gottes, besiegt!

Aber der Sohn Gottes ist nicht gekommen die werke des Teufels zu zerstören (wie man 1Jo 3:8 schlechthin übersetzt), denn das wäre dem König der Herrlichkeit viel zu gering. Er beantwortet nicht Gehässigkeit mit Bosheit und Zerstörung mit Vernichtung oder Schimpf mit Schande (1Petr 2:21-24), sondern er l ö s t die Werke Satans auf! Durch Ihn ist der Tod verschlungen in den Sieg, denn das Verwesliche hat Unverweslichkeit angezogen, 1Kor 15:54-56. Aus Asche ist durch. Christus Licht und aus Vergänglichkeit ist Unendlichkeit geworden. Es ist eine Ewigkeit voller Herrlichkeit und eine Herrlichkeit voller Ewigkeit.

Zur Endlichkeit gehört auch Undurchsichtigkeit, denn alles was zerfällt, hört auf herrlich zu sein. Der Unendlichkeit aber gebührt Klarheit. So kommt zu der unaufhörlichen Weite auch die ungetrübte Klarsicht.

Wer einmal bei schönstem Sonnenschein auf einem hohen Berggipfel stand, der wird diese strahlende Weite nie vergessen. Eines solchen Anblicks bediente sich der Versucher, um dem Sohn alle Herrlichkeit dieser Welt vorzuführen, Mt 4:8. Aber Jesus erkannte ihre Hohlheit und die hinter der frommen Fassade lauernde Selbstvergötterung.

Als Katharina II. wieder einmal ihr großes Reich besichtigten wollte, zeigte ihr der russische Fürst Grigorij Potemkin (sprich patjomkin) auf der Reise durch Südrussland Dörfer, die aus Attrappen bestanden. Solche Potemkinsche Dörfer ohne Fenster sind die Herrlichkeitsschöpfungen dieser Welt. Das gilt besonders von dem Betrug des Reichtums, der das Wort erstickt und die Augen blendet, Mt 13:22.

Um die Unzulänglichkeit aller menschlichen Schau auszudrücken (von seinem und vollkommenen Wesen ganz zu schweigen) sprechen wir zuweilen von der Frosch-Perspektive. Gerade diese menschlich allzu menschliche Schau, diese Froschperspektive, wird einmal das entscheidende Moment sein, bei der Verführung der ungöttlichen Trinität Offb 16:13. Nicht anders ist es aber auch mit der Maulwurfs- und Fledermaus-Perspektive. Was weiß der schon von Herrlichkeit, der nur Erde schaufelt oder in der Nacht herumflattert? Unser Augen finden einfach keinen Vergleich und unsere Zungen ermangeln der Worte, um das zu beschreiben, was Gott denen bereitet hat, die Ihn lieben - mit anderen Worten - um das auszudrücken, was Herrlichkeit ist. Uns aber, so fährt Gottes Wort in 1Kor 2:10 bei dieser Betrachtung fort, hat es der Geist offenbart. Denn nur der Geist Gottes kann Herrlichkeit, welche zu den Tiefen der Gottheit gehört, gebührend darlegen.

Alles, was ohne den Gottesgeist als herrlich bezeichnet wird, ist mehr als enttäuschend. Jes 2 zeigt, wie alles Hehre, Stolze, Erhabene und Hoffärtige, alle Höhe und jeder Glanz am Tage des Herrn so zusammenschrumpft, dass man sich bücken muss, um diese Herrlichkeit überhaupt zu erkennen. Es ist nichts als hohler, erbärmlicher Götzendienst gegenüber der majestätischen Herrlichkeit Gottes. An jenem Tage wird man allen Herrlichkeitsersatz dahin werfen, wohin er gehört, nämlich zu den Malwürfen und Fledermäusen, Jes 2:20.

Ein Strahlenbündel

Unser deutsches Wort Herrlichkeit ist abgeleitet von Herr, germanisch haira, was graues Haar bedeutet (vergleiche engl. hair - Haar). Graue Haare sind eine Krone der Ehren (Spr 16:31), wie auch dem Weibe eine Ehre (Herrlichkeit) ist, wenn sie langes Haar hat, 1Kor 11:15. Diese Benennungen hehr und herrlich, von Herr abgeleitet, sind fein empfunden, denn nur im HErrn liegt alle Herrlichkeit. Ein jeder durch Gottes Gnade aber geadelte Mann, ist Abbild der Herrlichkeit 1Kor 11:7.

Das neutestamentliche Wort für Herrlichkeit heißt doxa und hat es mit einer inneren Würde zu tun, die bis zum äußeren Ansehen (Erscheinung) gelangt. Luther hat diesem Weinen Wort doxa in seiner Übersetzung vielfältigen Ausdruck verschafft. So z.B. als

Klarheit - Lk 2:9
Ruhm - Röm 3:23
Ehre - Joh 5:44
Lob - 2Kor 1:20
verklären - Joh 17:1
Majestät - 2Petr 2:10
Preis - Offb 7:12

Der Hebräer hat eine ganze Anzahl Worte für Herrlichkeit. So wird in Jes 42:21 prophezeit, dass Christus das Gesetz herrlich machen wird, und dieses "adar" meint weit. Wer in Mt 5 vernimmt , was der Herr Jesus unter Mord und Ehebruch versteht, der sieht, welch eine Tiefe und Weite der Herr diesen Geboten gibt.

Das imAlten Testament am meisten gebrauchte Wort für Herrlichkeit, "kabod", ist von schwer abgeleitet; und auch 2Kor 4:17 spricht von einem äonischen Gewicht der Herrlichkeit.

Herrlichkeit, das ist ein ganzes Strahlenbündel erlesenster Begriffe, die uns erst dann einigermaßen einen Eindruck der unvergleichlichen Kostbarkeit, unvergänglichen Schönheit und heiligen Allgewalt vermitteln können, wenn wir sie uns alle zusammen in eins denken, nämlich Ansehen, Ehre und Erhabenheit, Hoheit, Glanz, Glorie und Großartigkeit, Lob und Preis, Pracht und Klarheit, Majestät, Ruhm und Verfügungsgewalt, Würde, Schmuck und Zierde. Wer aber hätte jemals auf dieser Erde etwas erschaut, dem alle diese 17 Eigenschaften zu eigen wären?

Wir sahen seine Herrlichkeit

Und doch hat es Menschen gegeben, die da sagen konnten: Wir sahen die Herrlichkeit! Die das bezeugten waren keine dichter und Philosophen, weder Sonderlinge noch Schwärmer, sondern einfache, unverbildete Gesellen, in Wind und Wetter erprobt. Und einer dieser Fischer fasst das erlebte in zwei Merkmale: voll von Gnade und Wahrheit! Das alles sahen sie in dem Jesus von Nazareth. Scheinbar einer der ihren, und doch aus einer anderen Welt. Denn aus diesem jüdischen Rabbi leuchtete die Herrlichkeit des Einzigeinen, der Er vor Erschaffung der Welt war, und der uns allein vom Vater berichten kann. "Kein Mensch hat Gott jemals gesehen; der einzig gezeugte Gott, der am Busen des Vaters ist, der hat Ihn uns nahe gebracht." Joh 1:14 u. 18 nach dem Grundtext. Dieses Wort bezeugte durch den Heiligen Geist der Busenfreund Jesu. Gerade er sieht trotz allem vertraulichen Umgang den Gottessohn, dem als Einzigen im Vollsinn die Bezeichnung Menschensohn gebührt.

Und selbst als der Menschensohn in seiner tiefsten Erniedrigung vor dem römischen Prokurator als Angeklagter steht, muss dieser Vertreter der Weltmacht gestehen: "Ecce homo! - sehe d e r Mensch!" Joh 19:5. Welch eine Herrlichkeit muss das gewesen sein, die aus dem übel zugerichteten und geschändeten Jesus dennoch herausstrahlte! Skrupellose Fanatiker, der aufgewühlte Mob und eine verrohrte Sodateska taten alles, um diesen Gütigsten und edelsten der Menschen zu schmähen. Er hätte die Macht gehabt, sie mit einer einzigen Handbewegung wegzuwischen, aber Er ließ sich nicht herausfordern und ging auch in die Erniedrigung. In Schmach und Hohn bliebt er der Herr, der zu dem, Der über alle ist, sprechen konnte: "Und nun Vater, verherrliche Du Mich bei Dir mit der Herrlichkeit, die Ich bei Dir hatte, ehe die Welt war." Joh 17:5.

Noch nach 19 Jahrhunderten ist diese Würde Christi trotz der damaligen Erniedrigung so durchschlagend, dass ein so unbestechlicher Geschichtsschreiber wie Leopold von Ranke im 2. Band seiner Weltgeschichte bekennen muss: "Unschuldiger und gewaltiger, erhabener, heiliger, hat es auf Erden nichts gegeben, als Seinen Wandel, Sein Leben und sterben. Das Menschengeschlecht hat keine Erinnerung, welche dieser nur von ferne zu vergleichen wäre."

Uns gegeben

Welche unvergleichliche Wucht auch alle Worte unseres Herrn haben, obenan steht das herrlichste aller Gebete, mit der in alle Ewigkeit hineinragenden Erklärung: Vater, Ich will, dass wo Ich bin, auch diese mit mir sind, die Du Mir gegeben hast, auf dass sie schauen Meine Herrlichkeit!" (Joh 17:24).

Und gleichsam als größtes Geschen,, das einzige, das alle offene und geheime Sehnsucht des Menschen zu stillen vermag, erklingen die feierlichen Worte: "Und I c h habe I h n e n die H e r r l i c h k e i t gegeben, die Du M i r gegeben hast." Joh 17:22. Was diese Worte in sich schließen, dazu reicht diese Weltzeit nicht aus, denn erst die zukünftigen Äonen w erden diesen überschwänglichen Reichtum Seiner Gnade und Güte enthüllen, den uns Gott in Christo erwiesen hat Eph 2:7. Noch ist diese ganze Herrlichkeit wie auch jeder Gläubige selbst, in dem Christus verborgen, Kol 3:3. Was nach außen dringt, und darum auch von der Welt gesehen werden kann, das ist die Herrlichkeit, verachtet und geschmäht, gelästert und verspottet, geschlagen und gemartert zu werden. Aber gerade dann bricht auch die innerliche Hoheit bei aller Demut und Erniedrigung hindurch; und sie bezeugt, dass in denen, die den Weg Christi gehen, nichts mehr von Bosheit und Bitterkeit zu finden ist. In aller dieser Not wissen sich die Glieder mit dem Haupt voll Blut und Wunden unzertrennlich vereint.

Liebeseinheit

Der einzig angegebene Zweck dieser Herrlichkeit ist: "Dass sie alle eins seien"! Es ist die größte und wunderbarste Verbindung, die es überhaupt geben kann. "Ich (Christus) in ihnen und Du (Vater) in Mir." Der in u ns wohnende Christus wird als ein ganz neuer, gravierender Einfluss spürbar. Da ist kein Einigwerden aufgrund gleicher Interessen oder um gemeinsame Forderungen durchzusetzen, sondern das gerade Gegenteil. Es ist die Hingabe des sündigen und des frommen Ich, um ganz für die Schechina, das heißt, für die Herrlichkeits-Innewohnung Christi offen zu sein.

Das ist kein Verzücktsein, sondern die Einsseins- Herrlichkeit mit Gott im Fleisch und im Alltag. "Ich bin mit Christus an den Schand- und Marterpfahl gebracht, und nichtmehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich durch den Glauben des Sohnes Gottes", Gal 2:20.

Gerade das Leben im Fleisch soll vom Gottesgeist durchdrungen zu einem Zeugnis der Herrlichkeit aller nachgezeugten Gottes söhne werden. "Wer nicht geistlich ist bis in sein Fleisch, der wird fleischlich bis in den Geist", sagt der bekannte Kirchenvater Augustinus. In u n s wird der entscheidende Sieg erkämpft, weil das Fleisch wider den Geist gelüstet. So ist ein Christ ins Fleisch gesetzt und dennoch nicht fleischlich, mit ganzer Seele wirkend und doch nicht seelisch.

Durch den Glauben des Geistes und Blutes Christi teilhaftig geworden (Joh 6:56; Röm 8:9) verbindet alle über Jahrtausende hinweg und gleich welchen Geschlechts oder welcher Rasse, so unterschiedlich ihre Veranlagung und ihre Erziehung, ihr Lebenskreis oder Beruf und ihre Sprache auch sein mag, immer das gleiche Band der Liebe, Kol 3:14. Wie gegensätzlich ihre Aufgabe auch war, da ist keine menschliche Absprache, sondern die eine Gesinnung Christi die sie befähigt, an Freund und Feind sich zu verströmen.

Herrlichkeit ist Christusgesinnung

Weil alle der gleich machtvolle Strahlenkranz göttlichen Wohlgefallens erfüllte, haben sie auch alle teil an derselben Ganzheit der Herrlichkeit Christi.

Wir sehen das bei dem Hirten Abel, und bei Henoch, dem Nomadenfürsten Abraham, dem Reichsverweser Joseph oder dem ägyptischen Kronprinzen Moses. Es leuchtet heraus aus der ehemaligen Hure Rahab und der Moabitin Ruth, und bezeugt durch die Richter Jephta und Samuel.

Ob Könige wie David oder Hiskia, den Völkerpropheten Jeremia oder den Kleintierzüchter Amos, den Kanzler Daniel oder den Mundschenk Nehemia, sie alle bewegte der Geist Christi. Ebenso auch die Priester Mattathias und Zacharias, wie Johannes den Täufer und Johannes den Fischer, die Jungfrau Maria und die ehedem besessene Maria von Magdala.

Diese Herrlichkeit erfasste einen Petrus und seinen Bruder Andreas, einen Gerber Simon und einen Hauptmann Cornelius. Und um nur wenige weiter zu nennen, einen Armenpfleger Stephanus, den Leviten Barnabas, den Pharisäer Paulus, den Arzt Lukas, Phöbe, die Diakonissin und das römische Teppichwirker-Ehepaar Aquilla und Priscilla. Wir denken an Polikarp von Smyrna, den Offizier Sebastian, die Sklavin Felicitas von Karthago, den Goten Wulfila, oder Basilus von Cäsarea. An Peter Waldus und Franz von Assisi, der Rechtsanwalt Jacopono, Nikolaus von der Flühe und Filippo Neri. Weitherhin Johannes Huss und Johannes Denk, den Adeligen Kaspar von Schwenkfeld und den Seifensieder Sebastian Frank. Erinnert sei auch an Paul Gerhardt, den französischen Mathematiker Blais Pascal und den englischen Kesselflicker John Bunyon, Johan Abrecht Bengel und Graf von Zinsendorft. Nicht vergessen sei Vianney, der unbegabte Pfarrer von Ars, der Waisenvater Georg Müller, Christoph Blumhard und Hudson Tylor.

In lebendiger Erinnerung sind Friedrich von Bodeschwingh und der Textforscher Lobegott, Friedr. Konstantin Tischendorf, Forstmeister Eberhard von Rothkirch, Sadhu Sundar Sigh, Theodor Böhmerle, Dietrich Bonhoeffer, Dora Rappard und Hedwig von Redern , sowie der Japaner Kagawa und der Chinese Watschman Nee.

Ach, wie viele Träger seiner Herrlichkeit sind bei dieser wahllos herausgegriffenen Zahl ungenannt, denn wer könnte die Tausende von bekannten Namen aufzählen, an denen auch die Welt nicht vorübergehen kann. Wieviel größer ist die Zahl der vielen namenlosen Zeugen, die Hunderttausende von unbekannten Heiligen, die alle die gleiche flammende Liebe zur Bruder, die unbestechliche Geradheit und das standhafte Erdulden aller Widerwärtigkeiten, oftmals bis zum Scheiterhaufen oder Schafott bewegte.

Als der Präfekt von Rom im Jahre 258 den Diakon Laurentius aufforderte, ihm den Reichtum der Kirche auszuliefern, da brachte dieser ihm die Greise, Kraken, Witwen, Waisen und Armen seiner Gemeinde, denn das, so erklärte er, ist unser größter Reichtum - weil in ihnen die unvergängliche Herrlichkeit Christi ist. Auch Laurentius durfte daraufhin Gott verherrlichen, denn er wurde bei niedrigem Feuer geröstet.y

Die fünf Herrlichkeiten Christi