Wenn es aussieht, als würde Unrecht gewinnen

Aus Bibelwissen

Mittwoch, 25. März 2026 - Von Daniel Muhl

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HERR, steh auf, dass nicht Menschen die Oberhand gewinnen.

Psalm 9,20

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Der Menschensohn wird überantwortet werden in die Hände der Menschen, und sie werden ihn töten; und wenn er getötet ist, so wird er nach drei Tagen auferstehen.

Markus 9,31


Obwohl Stephanus im Recht war und auf der Seite der Wahrheit stand, gewannen seine Gegner die Oberhand und steinigten ihn (Apg 7:54-60). Doch gerade durch diese Niederlage wurde sein Martyrium zum Zeugnis der Treue Gottes. Gott nahm den ersten christlichen Märtyrer in seine Herrlichkeit auf, und das Zeugnis über Jesus Christus – den verheißenen Retter – verbreitete sich über die ganze Erde, bis heute!

Dieses Phänomen zieht sich durch die ganze Bibel: Gott steht in besonderer Weise denen bei, die nach Gerechtigkeit hungern und unter Unrecht leiden (Mt 5:6). Zu Beginn sehen sie wie die großen Verlierer aus. Doch am Ende werden sie durch ihr geschenktes Gottvertrauen zu den Siegern gehören.

Dieses Muster zeigt sich auch bei David: Er schien auf verlorenem Posten zu stehen – als er Goliath gegenüberstand (1Sam 17) und ständig vor König Saul fliehen musste (1Sam 19-27). Schließlich schenkte Gott ihm den Sieg, und er wurde zum großen König Israels (2Sam 5:1-5).

In Ps 9:10 spricht David von den Unterdrückten, die in Zeiten der Bedrängnis den HERRN als ihre Festung besitzen dürfen. Weil sie den HERRN kennen und seinem Namen vertrauen, steht er ihnen bei (Ps 9:11) – denn er vergisst das Schreien der Elenden nicht (Ps 9:13). Darum schreibt David in den letzten drei Versen dieses Psalms:

"Denn nicht für immer wird der Arme vergessen, ⟨noch⟩ geht der Elenden Hoffnung für ewig verloren. Steh auf, HERR, dass nicht der Mensch Gewalt hat! Mögen gerichtet werden die Nationen vor deinem Angesicht! Lege Furcht auf sie, HERR! Mögen die Nationen erkennen, dass sie Menschen sind!" (Ps 9:19-21)

David ist auch ein Bild auf Jesus Christus, der in seiner Auseinandersetzung mit den Bösen als scheinbarer Verlierer endete. Als die Menschen bei seiner Verurteilung und Hinrichtung die Oberhand gewannen, errang er paradoxerweise den größten Sieg über die Sünde (Röm 5:8-9). Und als Gott ihn aus den Toten auferweckte, besiegte er die Macht des Todes (1Kor 15:54-57).

Dieses Ereignis war längst geplant! Schon vor Grundlegung der Welt hatte Gott den Plan gefasst, durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Menschheit zu erlösen (1Petr 1:18-20). Was wie eine absolute Niederlage aussah, war in Wirklichkeit der göttliche Heilsplan zur Rettung der Welt (Apg 2:23-24).

In Mk 9:31 kündigte Jesus zum zweiten von insgesamt drei Malen sein Leiden an. Er hatte seinen Jüngern mehrfach deutlich gesagt, dass er getötet und am dritten Tag auferweckt werden würde. Obwohl diese Prophezeiung klar war, waren seine Jünger damit völlig überfordert. Sie passte nicht in ihr Bild eines glorreichen Messias. Anscheinend hatten sie diese dreifache Vorhersage „erfolgreich" verdrängt – so sehr, dass sie bei Jesu Verurteilung völlig die Fassung verloren. Und bei seiner Auferstehung konnten sie zunächst nicht glauben, dass sie tatsächlich geschehen war (Lk 24:9-11).

Ihre Verdrängung war so stark, dass sie nach dieser zweiten Leidensankündigung darüber diskutierten, wer von ihnen der Größte sei (Mk 9:33-34). Ist das nicht erstaunlich – oder sogar erschreckend? Jesus hatte ihnen gerade gesagt, dass er sterben würde – und sie dachten an Rangordnung und Ehre? Das zeigt, wie schwer es ist, Gottes Wege zu begreifen, wenn sie unseren Erwartungen widersprechen.

Auch wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott am Ende eingreift – selbst wenn es im Moment anders aussieht (Röm 8:28). Ich schließe mit den beiden letzten Versen aus dem Auferstehungskapitel des Apostels Paulus:

"Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus! Daher, meine geliebten Brüder, seid fest, unerschütterlich, allezeit überreich in dem Werk des Herrn, da ihr wisst, dass eure Mühe im Herrn nicht vergeblich ist!" (1Kor 15:57-58)

Gerade dann, wenn es so aussieht, als würde Unrecht gewinnen, dürfen wir wissen: Gottes Sieg steht fest (Offb 21:4-5).