Ps 9:20
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Grundtext
MAS Ps 9:20 קוּמָה יְהוָה אַל־יָעֹז אֱנֹושׁ יִשָּׁפְטוּ גֹויִם עַל־פָּנֶֽיךָ׃
Übersetzungen
SEP Ps 9:20 ἀνάστηθι κύριε μὴ κραταιούσθω ἄνθρωπος κριθήτωσαν ἔθνη ἐνώπιόν σου
ELB Ps 9:20 Steh auf, HERR, daß nicht der Mensch Gewalt habe! Mögen gerichtet werden die Nationen vor deinem Angesicht!
ELO Ps 9:20 Stehe auf, Jehova! Nicht habe der Mensch die Oberhand; vor deinem Angesicht mögen gerichtet werden die Nationen!
LUO Ps 9:20 HERR +03068, stehe auf +06965 (+08798), daß die Menschen +0582 nicht Oberhand haben +05810 (+08799); laß alle Heiden +01471 vor dir +06440 gerichtet werden +08199 (+08735)!
SCH Ps 9:20 Stehe auf, o HERR, daß der Sterbliche nicht zu mächtig wird, daß die Heiden gerichtet werden vor deinem Angesicht!
KAT Ps 9:20 Steh auf, Jewe! Nicht erstarke ein Sterblicher! Gerichtet werden die Nationen vor Deinem Angesicht!
HSA Ps 9:20 Steh doch auf, Ewiger16, dass nicht der sterbliche Mensch triumphiere17! Mögen die Nationen gerichtet werden vor deinem Angesicht!
PFL Ps 9:20 Aufstehe doch, Jehova, nimmer trotze der entartete Mensch, gerichtet werden Heiden werden vor Deinem Antlitz.
TUR Ps 9:20 Auf, Ewiger, dass nicht der Mensch erdreiste / damit Gericht den Völkern wird vor deinem Antlitz.
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Informationen
🪔 Wenn es aussieht, als würde Unrecht gewinnen - Ps 9:20 / Mk 9:31 (D. Muhl)
Erklärung aus HSA
16 d. h. Tritt doch in Aktion, sei es zur Rettung (Ps 3:8) oder zum Gericht (Ps 7:7)
17 o. übermächtig werde, die Oberhand gewinne
Interlinear-Übersetzung
| Grundtext | Transliteration | Übersetzung | Strong-Nr. |
|---|---|---|---|
| קוּמָה | qumah | stehe auf, erhebe dich | H6965 |
| יְהוָה | YHWH | HERR (Gottesname) | H3068 |
| אַל | al | nicht | H408 |
| יָעֹז | ya'oz | sei stark, habe Gewalt, triumphiere | H5810 |
| אֱנֹושׁ | enosh | Mensch, sterblicher Mensch | H582 |
| יִשָּׁפְטוּ | yishaftu | sie sollen gerichtet werden | H8199 |
| גֹויִם | goyim | Nationen, Heiden, Völker | H1471 |
| עַל־פָּנֶיךָ | al-panekha | vor deinem Angesicht | H5921+H6440 |
Versanalyse & Erläuterungen
Grundtextanalyse
Verbformen und grammatikalische Struktur
qumah (קוּמָה) – Imperativ Qal von קוּם (qum), "aufstehen, sich erheben". Dies ist ein dringlicher Aufruf an JHWH, aktiv einzugreifen. Der Imperativ drückt die Bitte des Beters aus, dass Gott handeln möge (Ps 3:8, Ps 7:7, Ps 10:12).
ya'oz (יָעֹז) – Imperfekt Qal von עָזַז (azaz), "stark sein, Macht haben, triumphieren". Das Verb steht im Jussiv (verneinend mit אַל), was eine Bitte oder einen Wunsch ausdrückt: "möge nicht stark sein" oder "soll nicht die Oberhand haben". Der Begriff אֱנֹושׁ (enosh) betont die Sterblichkeit und Schwäche des Menschen im Gegensatz zu Gottes Macht.
yishaftu (יִשָּׁפְטוּ) – Imperfekt Nifal von שָׁפַט (shafat), "richten, Gericht halten". Die Nifal-Form kann passivisch verstanden werden: "sie sollen gerichtet werden". Dies ist ebenfalls ein Jussiv, der den Wunsch ausdrückt, dass die Nationen vor Gottes Gericht gebracht werden.
al-panekha (עַל־פָּנֶיךָ) – wörtlich "auf/vor deinem Angesicht". Diese Formulierung betont die unmittelbare Gegenwart Gottes beim Gericht. Die Nationen sollen nicht im Verborgenen, sondern coram Deo (vor Gottes Angesicht) gerichtet werden (Ps 98:9, Jes 2:4).
Theologische Schlüsselbegriffe
enosh (אֱנֹושׁ) – "Mensch, sterblicher Mensch". Dieser Begriff unterscheidet sich von אָדָם (adam) und betont besonders die Schwäche, Vergänglichkeit und Sterblichkeit des Menschen (Hi 4:17, Ps 8:5, Ps 103:15). Der Kontrast ist deutlich: Der sterbliche Mensch soll nicht triumphieren – nur Gott gebührt die Macht.
goyim (גֹויִם) – "Nationen, Heiden, Völker". Im alttestamentlichen Kontext bezeichnet dieser Begriff häufig die nichtjüdischen Völker, die sich gegen Gott und sein Volk stellen (Ps 2:1-3, Ps 79:6, Joel 4:2).
Hintergrundinformationen
Kontext in Psalm 9
Psalm 9 ist ein Danklied, das Gottes Gericht über die Feinde Israels preist. Der Psalm beginnt mit Dank und Lobpreis (Ps 9:2-3) und beschreibt, wie Gott die Feinde vernichtet hat (Ps 9:4-7). Vers 20 (in der hebräischen Zählung Vers 21) ist Teil eines Abschnitts, der Gott aufruft, erneut zu handeln und die Völker zu richten.
Der Vers steht in enger Verbindung zu Ps 9:19, wo der Psalmist bittet, dass die Hoffnung der Elenden nicht für immer verloren gehe. Vers 20 konkretisiert diese Bitte: Gott soll aufstehen, damit die Menschen nicht übermächtig werden.
Theologische Themen
Gottes Gericht über die Völker – Ein zentrales Thema des Alten Testaments ist, dass Gott als gerechter Richter über alle Völker herrscht (Ps 7:9, Ps 96:10-13, Jes 2:4, Joel 4:12). Das Gericht dient dazu, Ungerechtigkeit zu beseitigen und Gottes Herrschaft aufzurichten.
Die Schwäche des Menschen vs. die Macht Gottes – Der Begriff enosh betont die menschliche Begrenztheit. Menschen sollen sich ihrer Sterblichkeit bewusst sein und nicht versuchen, sich über Gott zu erheben (Ps 8:5, Jes 2:22, Jes 51:12).
Der Aufruf "Steh auf, HERR!" – Dieser Gebetsruf findet sich häufig in den Psalmen und drückt die Bitte aus, dass Gott aus seiner scheinbaren Passivität heraustreten und handelnd eingreifen möge (Ps 3:8, Ps 7:7, Ps 10:12, Ps 44:27, Ps 82:8).
Messianische und neutestamentliche Perspektive
Das Thema des göttlichen Gerichts über die Völker findet seine Erfüllung in der eschatologischen Vollendung durch Jesus Christus. Das Neue Testament spricht davon, dass Christus wiederkommen wird, um die Welt zu richten (Mt 25:31-46, Apg 17:31, Offb 19:11-16).
Die Betonung, dass der Mensch (enosh) nicht die Oberhand haben soll, erinnert auch an die neutestamentliche Lehre von der Demut vor Gott (Jak 4:6-10, 1Petr 5:5-6).
Praktische Anwendung
Dieser Vers ermutigt Gläubige, in Zeiten der Bedrängnis zu Gott zu rufen und ihm zu vertrauen, dass er zur rechten Zeit eingreifen wird. Er warnt auch davor, auf menschliche Macht zu vertrauen, und ruft dazu auf, die eigene Begrenztheit anzuerkennen und sich unter Gottes souveräne Herrschaft zu stellen.
Parallelstellen
- Gottes Eingreifen gegen menschliche Überheblichkeit (Ps 3:8 / Ps 7:7 / Ps 10:12 / Ps 44:27 / Ps 82:8)
- Die Sterblichkeit und Schwäche des Menschen (Hi 4:17 / Ps 8:5 / Ps 103:15 / Jes 2:22 / Jes 51:12)
- Gottes Gericht über die Völker/Nationen (Ps 2:1-3 / Ps 7:9 / Ps 79:6 / Ps 96:10-13 / Ps 98:9 / Jes 2:4 / Joel 4:2 / Joel 4:12)
- Hoffnung der Elenden und Geringen (Ps 9:19 / Ps 10:12-14 / Ps 12:6)
- Demut vor Gott (Jak 4:6-10 / 1Petr 5:5-6)
- Christus als endzeitlicher Richter (Mt 25:31-46 / Apg 17:31 / Offb 19:11-16)
