Spr 31:8 - Liebevolles Engagement für Hilflose

Aus Bibelwissen

Mittwoch, 29. April 2026 – von Daniel Muhl

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Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.

Sprüche 31,8

Da sie ihn nicht zu Jesus bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, gruben es auf und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag.

Markus 2,4


In den letzten Kapiteln des Buches der Sprüche werden mit Agur und Lemuel zwei sonst unbekannte Gestalten genannt. Lemuel wird in Sprüche 31 als König vorgestellt, der die Weisung seiner Mutter weitergibt (Spr 31:1).

In beiden Fällen erscheint der hebräische Begriff massa bzw. ha-massa. Seine Bedeutung ist umstritten: Manche verstehen ihn als Ortsnamen, andere übersetzen ihn mit „Traglast“ oder „Ausspruch“. In der prophetischen Literatur bezeichnet das Wort häufig eine göttliche Botschaft, die dem Propheten gleichsam als „schwere Last“ auferlegt ist (Jes 13:1).

Der heutige Losungsvers stammt also von Lemuel. Seine Mutter ermahnte ihn, sich als König für die Hilf- und Rechtlosen einzusetzen. In den Versen 8 und 9 lesen wir:

“Öffne deinen Mund für den Stummen, für den Rechtsanspruch aller Schwachen! Öffne deinen Mund, richte gerecht und schaffe Recht dem Elenden und Armen!” (Spr 31:8-9)

Viele Könige gelangen durch gute Beziehungen zu den Mächtigen in ihre Position. Dadurch entsteht oft eine Abhängigkeit von Personen, die durch die Ausbeutung Schwächerer mächtig geworden sind. Ein gottesfürchtiger König stand daher in einem großen Spannungsfeld:

“Bevorzuge ich meine Unterstützer oder spreche ich wirklich ein gerechtes Urteil – auch wenn es bedeutet, dass ich einen Mächtigen verurteilen muss?” (Spr 18:5)

Gerechte Urteile konnten für einen König eine “schwere Last” sein, die ein besonderes Gottvertrauen erfordert (Spr 29:25).

Mit den Stummen sind hier nicht nur Menschen gemeint, die nicht reden können, sondern auch Menschen, deren Stimme aus Angst, Not oder Abhängigkeit verstummt ist. Sie werden leicht übersehen. Gerade ihnen gilt der Auftrag, den Mund aufzutun: hinzuschauen, zuzuhören und für ihr Recht einzutreten (Spr 31:8 / Spr 24:11).

Das kann im Kleinen beginnen und bedeuten, dass wir dort widersprechen, wo Unrecht stillschweigend geduldet wird. Liebevolles Engagement für Hilflose ist die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen (Jak 2:15 / 1Jo 3:18).

Der Gelähmte aus Markus 2 war ein Hilfloser, der wirklich gute Freunde hatte. Sie waren kreativ: Weil sie ihn nicht ins Haus bringen konnten, gingen sie mit ihm aufs Dach, „gruben es auf“ und ließen ihn herunter, damit Jesus ihn heilen konnte (Mk 2:4).

Damals bestanden Dächer meist aus Balken, über die Reisig, Schilf und eine Lehmschicht gelegt wurde. Ein solches Dach konnte man tatsächlich "aufgraben".

Jesus erkannte den Glauben der Freunde. Daraus wird deutlich: Wahrer Glaube findet Wege, wo andere nur Hindernisse sehen. Er ist bereit, Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen (Mk 2:5).

Das Verhalten der Freunde war von fürsorglicher Liebe und kreativem Glauben geprägt und führte dazu, dass Jesus ihm die Sünden vergab und ihn heilte (Gal 6:2).

Gebet: Lieber Herr Jesus, schenke uns einen kreativen Glauben, der von deiner wunderbaren Liebe geprägt ist, und gib uns einen Blick für diejenigen, die unsere Hilfe benötigen. Amen.