Ps 119:81
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Grundtext
MAS Ps 119:81 כָּלְתָה לִתְשׁוּעָתְךָ נַפְשִׁי לִדְבָרְךָ יִחָֽלְתִּי׃
Übersetzungen
SEP Ps 119:81 ι χαφ ἐκλείπει εἰς τὸ σωτήριόν σου ἡ ψυχή μου καὶ εἰς τὸν λόγον σου ἐπήλπισα
ELB Ps 119:81 Meine Seele verzehrt sich nach deinem Heil. Ich warte auf dein Wort.
ELO Ps 119:81 Meine Seele schmachtet nach deiner Rettung, ich harre auf dein Wort.
LUO Ps 119:81 Meine Seele +05315 verlangt nach +03615 (+08804) deinem Heil +08668; ich hoffe +03176 (+08765) auf dein Wort +01697.
SCH Ps 119:81 Meine Seele schmachtet nach deinem Heil; ich harre auf dein Wort.
KAT Ps 119:81 Meine Seele vergeht nach Deiner Rettung; ich hoffe auf Dein Wort.
HSA Ps 119:81 Meine Seele sehnt sich nach deiner Rettung, ich warte auf dein Wort11.
PFL Ps 119:81 Es schmachtete nach Deinem Heil meine Seele, Deines Wortes harre ich.
TUR Ps 119:81 Nach deinem Heil vergeht mir meine Seele, dein Wort erharre ich.
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Informationen
🪔 Die heilende Kraft des Wortes Gottes - Ps 119:81 & Mt 8:16 (D. Muhl)
Erklärung aus HSA
Die Verse 81-88 beginnen mit dem Buchstaben Kaph.
Der Beter ist besonders bedroht und fast verzweifelt ("Beinah hätten sie mich umgebracht"). Wie ein mit Wein gefüllter Schlauch, der im Rauchfang früher alt und milder werden soll (E. König), fühlt er sich in einem Prozess der Reifung, aber auch Einengung. Umso mehr sehnt er sich nach dem Trost und der Hilfe des Ewigen (V. 82 - V. 86). Fragen nach der Länge seines Lebens und dem dringend erwarteten Gericht über seine Verfolger bedrängen ihn. Doch zuletzt klammert er sich nur noch an Gottes Gnade und Güte.
Interlinear-Übersetzung
| Grundtext | Transliteration | Übersetzung | Strong-Nr. |
|---|---|---|---|
| כָּלְתָה | kalətah | verzehren, verlangen, dahinschmachten | H3615 |
| לִתְשׁוּעָתְךָ | litəšuʿatəka | zu deinem Heil, zu deiner Rettung | H8668 |
| נַפְשִׁי | nafši | meine Seele | H5315 |
| לִדְבָרְךָ | lidəvarəka | zu deinem Wort, auf dein Wort | H1697 |
| יִחָלְתִּי | jiḥaləti | ich warte, ich hoffe, ich harre | H3176 |
Versanalyse & Erläuterungen
1. Grammatikalische Struktur
Der Vers besteht aus zwei parallel aufgebauten Aussagen, die das tiefe Verlangen des Psalmisten nach Gottes Heil und Wort ausdrücken:
- Erste Aussage: "Meine Seele verzehrt sich nach deinem Heil" (kalətah nafši litəšuʿatəka)
- Zweite Aussage: "Ich warte auf dein Wort" (lidəvarəka jiḥaləti)
Beide Satzteile drücken eine intensive Sehnsucht und Erwartungshaltung aus, wobei die erste eher das schmerzhafte Verlangen betont, die zweite die geduldige Hoffnung.
2. Schlüsselbegriffe im Hebräischen
- kalətah (כָּלְתָה): Das Verb stammt von der Wurzel kalah und bedeutet "verzehren, dahinschwinden, zu Ende gehen". Es drückt ein intensives, fast existenzielles Verlangen aus, das die ganze Person erfasst (Ps 84:3; Ps 73:26).
- nafši (נַפְשִׁי): "Meine Seele" bezeichnet das innerste Wesen, das Leben, die Person selbst. In der hebräischen Anthropologie umfasst naefeš die ganze Person mit ihren Bedürfnissen, Emotionen und Sehnsüchten (Ps 42:2-3; Ps 63:2).
- təšuʿatəka (תְשׁוּעָתְךָ): "Dein Heil/deine Rettung" - von der Wurzel jašaʿ (retten, befreien). Dies bezieht sich auf Gottes rettendes Handeln, seine Erlösung und Befreiung ([Ps 35:3](https://bibelwissen.ch/wiki/Ps 35:3); Jes 12:2-3).
- dəvarəka (דְּבָרְךָ): "Dein Wort" meint nicht nur einzelne Worte, sondern Gottes gesamte Offenbarung, seine Zusagen und Verheißungen (Ps 119:105; Ps 119:130).
- jiḥaləti (יִחָלְתִּי): "Ich warte/hoffe/harre" - von der Wurzel jaḥal, die ein geduldiges, hoffnungsvolles Warten ausdrückt, oft in schwierigen Umständen (Ps 130:5; Jes 40:31).
3. Theologische Themen
- Sehnsucht nach Gottes Rettung: Der Psalmist befindet sich offenbar in einer Notsituation, in der er dringend auf Gottes rettendes Eingreifen wartet. Diese Sehnsucht ist so intensiv, dass sie ihn innerlich "verzehrt" (Ps 42:2-3; Ps 143:6).
- Vertrauen auf Gottes Wort: Die zweite Vershälfte zeigt, dass die Hoffnung des Psalmisten auf Gottes Wort gegründet ist. Das Wort Gottes ist der feste Grund, auf dem das Vertrauen ruht (Ps 119:74; Ps 119:147).
- Parallelismus zwischen Heil und Wort: Der Vers zeigt eine enge Verbindung zwischen Gottes Heil und seinem Wort. Das Heil kommt durch das Wort, und im Wort wird das Heil verheißen und zugesagt (Röm 10:17).
4. Literarischer Kontext im Psalm 119
Psalm 119:81 gehört zum elften Abschnitt (Kaph-Strophe, Verse 81-88) des längsten Psalms der Bibel. Dieser Abschnitt beschreibt besonders die Bedrängnis und das geduldige Warten des Psalmisten:
- Die vorangehenden Verse sprechen von Verfolgung und Anfeindung (Ps 119:84-87)
- Der Psalmist hält trotz Leiden an Gottes Geboten fest (Ps 119:83)
- Das intensive Verlangen nach Gottes Hilfe durchzieht die gesamte Strophe (Ps 119:82)
5. Praktische Bedeutung
Der Vers lehrt uns mehrere wichtige Wahrheiten:
- Ehrliches Gebet: Der Psalmist verbirgt seine Not nicht, sondern bringt sein verzehrendes Verlangen ehrlich vor Gott (Phil 4:6-7)
- Geduld im Leiden: Trotz der intensiven Sehnsucht wartet er geduldig auf Gottes Zeit und Wort (Jak 5:7-8)
- Priorität der Beziehung zu Gott: Das tiefste Verlangen gilt nicht nur der Befreiung aus der Not, sondern Gott selbst und seiner Gegenwart (Ps 73:25-26)
- Vertrauen auf Gottes Zusagen: Die Hoffnung ruht fest auf dem verheißenen Wort Gottes, das niemals trügt (2Kor 1:20; Hebr 10:23)
Parallelstellen
- Sehnsucht der Seele nach Gott (Ps 42:2-3 / Ps 63:2 / Ps 84:3)
- Verzehrendes Verlangen nach Gott (Ps 73:26 / Ps 143:6)
- Warten auf Gottes Heil/Rettung (Ps 25:5 / Ps 62:2 / Jes 25:9)
- Hoffnung auf Gottes Wort (Ps 119:74 / Ps 119:147 / Ps 130:5)
- Geduldiges Harren auf den Herrn (Ps 27:14 / Ps 37:7 / Jes 40:31)
- Gottes Wort als Grundlage der Hoffnung (Ps 119:105 / Ps 119:130 / Röm 10:17)
- Verheißung der Rettung durch Gottes Wort (Ps 35:3 / Jes 12:2-3)
- Gott allein als höchstes Gut (Ps 73:25-26)
- Festhalten an Gottes Zusagen in Not (2Kor 1:20 / Hebr 10:23)
- Geduld im Leiden (Jak 5:7-8)
