Die heilende Kraft des Wortes Gottes
Von Daniel Muhl
„Meine Seele verlangt nach deinem Heil; ich hoffe auf dein Wort."
„Am Abend brachten sie viele Besessene zu ihm; und er trieb die Geister aus durch sein Wort und machte alle Kranken gesund."
Die heilende Kraft des Wortes Gottes
Mehrere wissenschaftliche Studien zeigen, dass wertschätzende, hoffnungsvolle und empathische Worte den Genesungsprozess positiv beeinflussen können (siehe hier). Worte können trösten, Mut machen und neue Hoffnung schenken.
Diese Erkenntnis ist jedoch keineswegs neu. Schon vor rund 3.000 Jahren schrieb König Salomo in Sprüche 12,18:
"Die Zunge der Weisen bringt Heilung."
Weise und liebevolle Worte wirken sich positiv auf Psyche und Leib aus. Wenn schon wertschätzende Worte von Menschen eine wohltuende und heilende Wirkung entfalten können – wie viel mehr dann die Worte Gottes, der die Liebe in Person ist (1Jo 4:8) und durch sein Wort alles erschaffen hat (1Mo 1:3 / Joh 1:1-3).
Psalm 119 ist nicht nur das längste Kapitel der Bibel, sondern auch ein einzigartiger Lobgesang auf das Wort Gottes. Der Autor erkannte die Kostbarkeit von Gottes Wort. Ihm wurde bewusst: Das Wort Gottes hat nicht nur alles ins Dasein gerufen – es ist auch mächtig zu retten, zu erlösen und zu heilen, an Geist, Seele und Leib.
Psalm 107 spricht von Toren, die einen gottlosen Weg gingen und dadurch an die Pforten des Todes gelangten. In ihrer großen Not schrieen sie zum HERRN. In den Versen 19b und 20 heißt es dann:
"Aus ihren Bedrängnissen rettete er sie. Er sandte sein Wort und heilte sie, er rettete ⟨sie⟩ aus ihren Gruben."
Leider haben etliche Menschen – aus unterschiedlichen Gründen – eine gewisse Abneigung gegen die Worte Gottes. Vielleicht fühlen sie sich durch sie eingeengt oder überfordert. Nicht wenige haben auch ein verzerrtes Gottesbild. Das führt dann dazu, dass sie das Wort Gottes entweder falsch interpretieren oder es ganz ablehnen.
Wer die Worte Gottes als Forderungskatalog an uns Menschen interpretiert, fühlt sich berechtigterweise überfordert. Die Bibel führt uns zwar deutlich vor Augen, dass wir Sünder sind und nicht in der Lage, aus eigener Kraft vor Gott gerecht zu werden, um das Ziel des ewigen Lebens zu erreichen (Röm 3:23). Doch sie zeigt uns ebenso, dass Gott uns von aller Sünde befreit und uns mit seiner Gerechtigkeit beschenkt hat, wenn wir auf das vertrauen, was er für uns getan hat (Röm 3:24-25 / 2Kor 5:21). Das ist die Erwartung, die wir haben dürfen – kein bloßer Optimismus, sondern ein bewusstes Festmachen an Gottes Zusagen.
Jesus ist das fleischgewordene Wort Gottes (Joh 1:14), das zu uns kam, um uns durch sein Wort zu befreien und zu heilen. Zu Beginn seines öffentlichen Wirkens war er vor allem am nördlichen Ufer des Sees Genezareth tätig, wo er eine Zeit lang in Kapernaum wohnte. In dieser Gegend hielt er die Bergpredigt (Mt 5:1-7:29) und heilte unzählige Kranke. Darunter waren viele Besessene, die von dämonischen Geistern geplagt wurden. Er kümmerte sich um Menschen, die geistlich, seelisch oder körperlich krank waren.
In Kapitel 8, Vers 17 zitiert Matthäus eine Stelle aus Jesaja 53,4. Dort heißt es:
"Jedoch unsere Leiden - er hat sie getragen, und unsere Schmerzen - er hat sie auf sich geladen. Wir aber, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt."
Auf den ersten Blick erinnert diese Prophetie eher an den Kreuzestod Jesu als an sein heilendes Wirken am See Genezareth. Diesen Vers aus Jesaja 53 darf man gewiss auch auf Golgatha beziehen, doch hier erhält er eine zusätzliche Bedeutung. Die vielen Heilungen und Dämonenaustreibungen kosteten Jesus – so vermute ich – viel Kraft. In gewisser Weise hat er schon in seinem irdischen Dienst die Leiden und Schmerzen der Menschen getragen.
Die Worte Jesu waren in jeder Hinsicht vollmächtig:
- Bis heute werden wohl kaum Worte so häufig zitiert wie die Worte Jesu aus der Bergpredigt.
- Mit seinen Worten wies er böse Geister in die Schranken und befreite viele Menschen aus seelischer Not (Mk 1:25-26).
- Mit seinen Worten heilte er auch körperliche Krankheiten und Gebrechen – oft genügte ein einziges Wort (Mt 8:8-13).
Auch heute gibt es unzählige Zeugnisse von Menschen, die berichten, wie sie durch das Wort Gottes Heilung erfahren haben. Ich denke dabei nicht in erster Linie an körperliche Heilung – obwohl auch solche geschehen – sondern vor allem an psychische und geistliche Heilungen.
Wenn Jesus wiederkommt, wird er zu seiner Zeit alles, was zerbrochen ist, endgültig heilen. Dann wird sich erfüllen, was in der Offenbarung verheißen ist (Offb 21:5): „Siehe, ich mache alles neu." Darauf dürfen wir hoffen.

