Das Leiden der gesamten Schöpfung

Aus Bibelwissen

"Vom Leiden in der Körperschaft Christi"
aus der Reihe „Christi unausspürbarer Reichtum“
von G. Groß 1987

Abschrift mit freundlicher Genehmigung von Gerhard Groß, Balingen
Als Schrift noch erhältlich

siehe weitere Abschriften
Inhaltsverzeichnis

Vom Leiden in der Körperschaft Christi

1. Das Leiden der gesamten Schöpfung

"Denn die Vorahnung der Schöpfung wartet auf die Enthüllung der Söhne Gottes. Denn die Schöpfung wurde der Eitelkeit untergeordnet (nicht freiwillig, sondern um des Unterordners willen) in der Erwartung, dass auch die Schöpfung selbst befreit werden wird von der Sklaverei der Vergänglichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis nun mit uns ächzt und Wehen leidet" (Röm 8:19-22)

In den obigen Versen legt Paulus, der Apostel der Nationen, die Grundzüge für das Leiden der gesamten Schöpfung dar. Es ist dies das Leiden unter der Sklaverei der Vergänglichkeit.

Mit dem Sündenfall im Paradies wurde der Tod in den Menschen gelegt, und nicht nur in ihn: Die gesamte Schöpfung wurde in diesen Sterbensprozess mit eingeschlossen. Dieses langsam Absterben und dahinwelken ist für jedes Lebewesen, ob Mensch oder Tier, gleichermaßen qualvoll. Die Kräfte nehmen ab, der Körper verliert seine Schönheit, die Anfälligkeiten gegen Krankheit und Schmerzen steigen.

Aber auch die Pflanzenwelt gehört zur Schöpfung und leidet mit. Gerade heute können wir an dem Beispiel des durch Umweltschäden vorzeitig sterbenden Waldes beobachten, wie die betroffenen und absterbenden Tannen diesen Zustand zeigen und vor ihrer totalen Dürre noch einmal mit einer übermäßig starken Produktion von Tannenzapfen reagieren. In Forstkreisen spricht man hier von einer "Todesangst der Tannen".

Um des Unterordners willen

Nun entspricht aber die Vergänglichkeit, welcher die gesamte Schöpfung untergeordnet ist, voll und ganz dem Ratschluss des Unterodners. Durch Paulus wird uns gesagt: "Denn aus Ihm und durch Ihn und zu Ihm hin ist das All" (Röm 11:36). Durch den Tod wird eine wichtige Etappe in der "Hinbewegung" zu Gott erreicht. Die Schöpfung, und hier vor allem der Mensch, hat die Bekanntschaft mit Finsternis und verderben gemacht. Diese Erkenntnis wird sich segensreich auswirken, ist doch derjenige, der diese Erfahrung gemacht hat, somit in der Lage, das Gegenteil, nämlich das Licht Gottes, zu erkennen und zu schätzen.

Aus unserem Eingangsvers sehen wir, dass die Schöpfung diesen Todesgang nicht freiwillig, sondern um des Unterordners Willen antrat. Gott nimmt hier voll die Verantwortung auf Sich und zeigt uns unmissverständlich, dass dieser um Seinetwillen sein muss.

Wir sehen also schon hier auf der elementarsten Stufe der Leiden der Schöpfung Gottes volle Absicht und Sein klares Handeln.

...weil sie Gott nicht verherrlichen....

Nun unterliegt die Menschheit noch einer Art von Leiden, die wir vordergründig nicht als von Gott kommend bezeichnen müssen. Es handelt sich hierbei um Menschen, die zwar Gott an Seinen Tatwerken erkennen könnten, dies aber nicht tun, Gott also nicht verherrlichen und somit eitel wurden (sich selbst betrachtend) und im Herzen verfinstert (Röm 1:19-23).

Diese Menschheit hat Gott in ihren Begierden und Lüsten und all den damit verbundenen Qualen und Leiden dahingegeben (Röm 1:24-26). Wie treffend ist doch hier der salomonische Spruch: ".. nach der (kurzen Freude kommt Leiden" (Spr 14:13).

Der leidende Gott

Die Frage, die hier aufkommen mag, "ob Gott nun völlig ungerührt über all dem Leiden in Seiner Schöpfung ist" möchten wir gleich zu Anfang beantworten.

Aufgrund der Tatsache, dass wir Menschen in Seinem Bilde geschaffen wurden, dürfen wir wissen, dass der Schöpfer mit uns fühlt und leidet. Ein beredtes Beispiel des göttlichen Empfindens mag uns die Erschaffung Satans vermitteln. In Jes 45:7 lesen wir: "Der Ich bilde das Licht und erschaffe das finstere, bewirke das Gute und erschaffe das Böse, Ich, Jewe Alueim, mache all dieses." Da der Widerwirker in Gottes Ratschluss eine Rolle zu spielen hat, musste er auch von Gott als solcher geschaffen werden. Obige stelle aus Jesaja sagt dies klar aus. Nun lesen wir aber in einem anderen Vers der Schrift, dass Gott diesen Schöpfungsakt des Bösen nicht völlig gefühllos vollbrachte, vielmehr lesen wir in Hi 26:13: "Seine Hand litt Geburtswehen um die flüchtige Schlange."* Es ist für unser ergreifend, wenn wir erkennen, dass Gott schmerzlich litt, als Er die Schlange erschuf.

*Die meisten Übersetzer schreiben hier fast ausnahmslos; wie z.B. die Elberfelder: "Seine Hand durchbohrt den flüchtigen Drachen". Allerdings übersetzen sie dasselbe Wort dann an anderen stellen (z.B. Hi 15:20 oder Hi 39:1 mit "quälen" bzw. "Kreißen" (niederkommen). Auch wird dieses Wort fünfmal in Jesaja mit "Schmerz anlässlich einer Geburt! wiedergegeben.

In derselben Weise dürfen wir Sein Mitleiden auf allen Wegen Seiner Schöpfung sehen, gipfelnd in der Dahingabe Seines geliebten Sohnes. In Röm 12:1 stellt er Sich uns als "Gott des Mitleides" und in 2Kor 1:3 sogar als "Vater des Mitleides" vor.

Die Freilösung unseres Körpers

"Aber nicht sie allein, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, auch wir selbst ächzen in uns, den Sohnesstand erwartend, die Freilösung unseres Körpers." (Röm 8:23).

Von dem Ächzen der gesamten Schöpfung geht Paulus mit den Worten "aber nicht sie allein" zu uns, den Gliedern der Körperschaft Christi, über. Es wäre ein großer Irrtum, wenn wir meinten, mit unserem Gläubigwerden würde sich unser fleischlicher Körper ändern.

Wer Pauli Evangelium verstehen will, der muss sich des geistlichen Inhaltes bewusst sein, d.h. dass sich unsere heutige Rettung nur auf Geist und Seele bezieht. Gemäß Röm 8:10 ist unser Geist durch den innewohnenden Christus lebendig gemacht. Um uns aber dieses neuen Lebens in Christo bewusst zu werden, benötigen wir die Seele, als Sitz unseres Bewusstseins und unserer Empfindungen. Nun wird ja unser Seele von Natur aus vom Fleisch beherrscht und ist somit geistlichen Dingen gegenüber tot. Um aber geistlich empfinden zu können, muss sie für diese Aufgabe erweckt werden.

Spricht die Schrift von "lebendig machen" oder "erwecken", so bezieht sich dies jeweils auf den Geist oder die Seele (z.B. Eph 2:5-6). Diese beiden haben also heute schon die Rettung erfasst und sind davon ergriffen. Hingegen ist die Umwandlung unseres Körpers noch etwas Zukünftiges, wie uns Röm 8:23 zeigt. Auch an die Philipper (Phil 3:21) schreibt Paulus im Hinblick, auf die Umwandlung unserer Körper in der Zukunftsform.

Unser Körper geht also, gleich denen der gesamten Schöpfung, seit Adam seinen (un-)natürlichen Todesgang. Hierin unterscheiden wir uns in keiner Weise von unserer Umwelt. Und doch besteht ein wesentlicher Unterschied insofern, als wir uns als Gläubige von Paulus zusprechen lassen können: "Darum sind wir nicht entmutigt; sondern wenn auch unser äu ßerer Mensch verdirbt, so wird doch unser innerer Mensch Tag für Tag erneuert" (2Kor 4:16).

Eine zweifache Feststellung

Unsere bereits angegebene Schriftstelle aus Röm 8:23 bezeugt uns klar, dass wir bis zur Freilösung unseres Körpers ächzen und leiden werden. Ein weiteres Schriftzeugnis ist uns in 2Kor 5:2 gegeben: "Wir ächzen ja doch in diesem Körper und sehnen uns danach..."

Wir entnehmen dem Vers zwei Aussagen. Im ersten Teil der Schriftstelle:

1. Dieses Leiden (Ächzen) unter dem Todeskörper ist auch uns, den Christus Gläubigen, verordnet. Ein Umgehen oder Verringern der Leiden ist uns nicht verheißen (einzig die Entrückung kann dieses Leid verkürzen).

Der zweite Teil der Schriftstelle lautet: "... und sehnen uns danach, unsere Behausung aus dem Himmel überzuziehen" (2Kor 5:2b).

2. Dieses Leiden und Ächzen bewirkt also in uns die Sehnsucht nach der Umwandlung unseres sterblichen Körpers in den Körper der Herrlichkeit.

Krankenheilungen

Nun versuchen viele Gläubige, die Leiden dieses Sterbensprozesses zu lindern, indem sie sich auf das Gebiet der Krankenheilung begeben. Sie berufen sich dabei auf verschiedene Bibelworte wie Z.B.: "Doch dienen sollt ihr Jewe ... und Ich werde Krankheit aus deiner Mitte fernhalten" (2Mo 23:25), oder "So hat unsere Leiden Er getragen und unsere Schmerzen" (Jes 53:4). Auch die Evangelien sind ja voll dieser Wunderheilungen und taten, und nicht zuletzt wird Jak 5:14-15 zitiert, der hierzu noch genaue Anweisungen gibt.

Hier gilt es nun aber für uns, das Wort der Wahrheit gemäß 2Tim 2:15 richtig zu schneiden (siehe unsere gleichnamige Schrift).

Wir haben keinerlei Recht, uns das Verheißungsgut Israels, in welchem Krankenheilungen tatsächlich ihren Platz haben, anzueignen. (In der Praxis der Vermischung pickt man eh nur die angenehmen Dinge heraus und lässt das Unverständliche oder Unangenehme einfach liegen.)

Nun mag man uns aber entgegnen, dass ja auch Paulus, der Apostel der Nationen, solche Wundertaten vollbracht hat. So lesen wir in Apg 19:11-12 von wundersamen Heilungen und Machttaten Pauli, des weiteren im Brief an die Korinther (z.B. 1Kor 12:9). Es ist hier wichtig, dass wir um die wachstümlichen Phasen im Leben des Paulus wissen.

  1. Im Anfang seiner Verkündigung, (dfer 1. Phase), lehrte er den auferstandenen Hern gleich den Zwölfen in Jerusalem.
  2. Dann führte ihn der Herr durch Enthüllungen immer tiefer; wir nennen dies die Phase des Übergangs, die 2. Phase. Hier wurde Paulus klar, dass Wundertaten nicht mehr bBstand haben, dafür aber eine allse überragende Gnade (2Kor 12:7-9).
  3. So ist es für uns nicht mehr verwunderlich, dass er in der 3. Phase seiner Dienstzeit, als seine Wohlbotschaft durch die gefängnisbriefe (Epheser, Philipper, Kolosser) vervollständigt wurde, nicht einmal mehr seine engsten Mitarbeiter heilte (1Tim 5:23-24; 2Tim 4:20; Phil 2:26-27), dafür aber ohne äußere Vollmachten die herrlichsten und größten Enthüllungen über das Geheimnuis Christi aussprechen durfte. Die äußeren Herrlichkeit mussten den inneren weiche.

"Dir genügt Meine Gnade, denn Mein Kraft wird in Schwachheit vollkommen gemacht" (2Kor 12:9).

Ruin des Fleisches

In einem letzten Punkt noch ähneln sich die Leiden der Gläubigen mit denen der ganzen Schöpfung. Es sind Leiden um der Dinge willen, die Gott nicht verherrlichen. So lesen wir in 1Tim 1:19: "... indem du Glauben und ein gutes Gewissen hast, welches einige von sich gestoßen und am Glauben Schiffbruch erlitten haben, unter welchen Hymenäus und Alexander sind, die ich dem Satan übergeben habe, damit sie erzogen würden, nicht zu lästern."

Die Ursache dieser Übergabe an den Satan erfahren wir aus 2Tim 2:17-18: "... und ihr Wort wird wie kalter Brand um sich fressen, zu welchen Hymenäus und Philetus gehören, die von der Wahrheit abgeschweift sind und behaupten, die Auferstehung sei schon geschehen, und so den Glauben etlicher zerrütten."

Wir wollen einen kurzen Moment hier stehenbleiben und eine sehr ernstliche Mahnung im Blick auf die falsche Lehre der oben genannten Männer anmerken. Wie viele Gläubige leugnen den Todesschlaf der in Christus gestorbenen und behaupten, dies seien sofort nach dem Eintreten des Todeszustandes bei ihrem Herrn. Sie leugnen und verachten damit das Schlumnmern der Toten und das Warten auf die Entrückung. Letzteres wäre ja damit überflüssig , zumindest für die Toten. Aber gerade diese werden ja ausdrücklich in 1Thes 4:16 genannt. Diese falsche Lehre des "sofort beim Herrn sein" entspringt dem Wunsche des fFeisches, steht aber im Gegensatz zu Gottes Wort. Hymenäus und sein Anhänger mahnen uns hier!

Das Ziel, das Paulus nun mit den Dahingegebenen erreichen möchte, teilt er uns in 1Kor 5:5 mit: "... solchen dem Satan zum Ruin des Fleisches zu übergeben, damit der Geist am Tage des Herrn Jesus gerettet werden.

Der Unterschied zwischen den Gläubigen und Ungläubigen besteht darin, dass Gott die Ungläubigen dahingegeben hat, während seine Gnadengaben bei den Gläubigen unbereubar sind und Er somit nur das Fleisch zum Ruin freigibt, der Geist jedoch auf den Tag des Herrn gerettet wird.

Im Blick auf die Preisrichterbühne des Christus wird also das Werk solcher Berufenen den Flammen des Feuers übergeben werden (1Kor 3:15). Wie einst bei Lot wird ihr gesamtes Werk verbrennen, sie selbst ab er gerettet werden.

Was immer wir uns nun unter dem "Ruin des Fleisches" vorzustellen vermögen, es wird für den betroffenen Leid, ja sogar Qual bedeuten. Dass dieses Leid nicht sinnlos ist, zeigt uns Paulus in 1Tim 1:19-20, wo die Übergabe an Satan einen "erzieherischen" Charakter trägt.

Der Hang zur Welt

Der nächste Schritt, der dem "von der Wahrheit abschweifen" oder "den Glauben von sich stoßen" folgt, ist die Liebe zur Welt und damit zum Sichtbaren. Ein weiteres mahnendes Beispiel ist uns hier Demas: (2Tim 4:10). Über ihm steht das Wort aus Gal 6:8: "... der wer in sein Fleisch sät, wird aus dem Fleisch Verderben ernten...".

Über allem aber dürfen wir eines wissen: Gottes Liebe kann das, was sie liebt, zeitweilig von sich stoßen, aber nur, um es umso fester wieder an. Sich zu ziehen (Kla 3:31). Dies gilt innerhalb dieses Äons für alle Gläubigen und durch die Äonen hindurch für die ganze Schöpfung.

Lies weiter:
2. Leiden zur Erziehung und Bewährung