Das Leid als Samenkorn der Herrlichkeit

Aus Bibelwissen

Abschrift der Schrift:
Leiden und Herrlichkeit für den Christus
Baader F. H. - Pasedag W. J. (1975)

Schriftenmission Willy Pasedag
Die Schrift ist antiquarisch noch erhältlich

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Inhaltsverzeichnis

2. Das Leid als Samenkorn der Herrlichkeit

F. H. Baader

Leiden und Herrlichkeit sind wachstümlich verbunden wie Saat und Ernte. Ps 126, den man "das Tränenhalleluja" nannte, sagt: "Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben."

Der Mensch dieser Weltzeit möchte ohne Demut alle Freuden vorwegnehmen, aber es bleibt ihm nach aller verunglückten Lustbarkeit (als Ersatz für Herrlichkeit) nur ein bitteres Ende. Dann ist allerdings der Jammer groß. Aber nicht unsere Klagen, sondern die Tränen der Reue und des Mitgefühls, werden zu einem Segensstrom, der selbst aus Kümmernissen herrliche Blüten hervorlockt.

Leiden zur Erlangung eigener Herrlichkeit

Das geistliche Gesetz, dass in den Leiden schon die zukünftige Herrlichkeit verborgen ist, offenbart in anschaulicher Weise der goldene Leuchter im Heiligtum, dessen Arme und Stamm aus 22 mandelblütenförmigen Kelchen bestehen. Jeder Kelch, das Symbol für Leiden (Mt 20:22), enthält schon die Mandelblüte als Zeichen der Auferstehungsherrlichkeit (4Mo 17:8). Das stimmt auch mit dem überein, was Paulus in 2Kor 4:17.18 sagt: "... das schnell vorübergehende Leichte unserer Drangsal bewirkt uns eine über die Maßen überschwängliche äonische Bürde der Herrlichkeit". Der ganze Christus soll verherrlicht werden. der Vater hat den Sohn verherrlicht (Joh 17:22) und der Sohn führt viele Söhne. zur Herrlichkeit (Hebr 2:10). Der weg führt aber über die Leiden. Auch von unserem HERRN lesen wir, dass ER um des Todesleidens willen mit Herrlichkeit und Ehre gekörnt wurde (Hebr 2:9).

Wir haben einen wunderbaren Gott, ER macht aus Finsternis Licht (2Sam 22:29), aus Fluch Segen (5Mo 23:5; Gal 3:13), aus Tod Leben (Röm 11:15) und aus Leiden Herrlichkeit (2Kor 4:17). Wenn ER in SEINER Liebe, die nicht weichlich (Hl 8:6) und doch voller Mitleiden ist, uns einmal nicht erhört, wenn wir in Leiden zu IHM rufen, dann nur deshalb, weil ER uns mit dem auch Herrlichkeit wegnehmen müsste, die uns drüben dann fehlen würde. Zum Herrlichkeitserbe gehört auch der Leidenskelch. So sagt David in Ps 16:5: "Der HERR ist das Teil meines Erbes und meines Bechers". Anbetung und Lob sei unserem Gott und Vater, dass wir nicht nur im Abendmahl, sondern auch im Leiden teilhaben dürfen am Kelch des Herrn und damit an S einer Herrlichkeit. So ist auch das Wort in 1Kor 11:25.26 siebenfach geläutert (Ps 12:6) und eine seiner Bedeutungen ist die, dass wir, wenn wir an Seinem Leidenskelch mittrinken, Seiner gedenken sollen (Hebr 12:3) und in diesem Trinken den Tod des Herrn verkündigen bis Er kommt. ER stirbt ja auch in Seinen Gliedern, von denen es deshalb heißt, dass sie allezeit das Sterben Jesu in ihrem Leibe umhertragen, auf dass das Leben Jesu in ihrem Leibe - nämlich in dem Herrlichkeitsleib bei Seiner Ankunft offenbar würde (2Kor 4:10) In diesem Sinne sagt Paulus im Römerbrief Röm 8:18: "Denn ich rechne, dass die Leiden der jetzigen Frist nicht wert sind der Herrlichkeit, die sich anschickt offenbart zu zu werden in uns".

Schon zu seinen Jüngern sagte der Herr im Zusammenhang mit dem Sitzen zur Rechten und zur Linken in Seinem Königreich: "Könnt ihr den Becher trinken, den ich mich anschicke zu trinken?" und bestätigte ihnen dann: "Meinen Becher zwar werdet ihr trinken (Mt 20:22.23). Sie konnten es noch nicht, aber er gab ihnen die Verheißung, dass sie es einmal tun werden, und stellte die Art der Herrlichkeit, die sie dafür ererben sollten, dem Vater anheim.

Da Gott aber an uns mehr tut, als wir erbitten oder erdenken (Eph 3:20), will Er diejenigen, die hören, was der Geist den Herausgerufenen sagt und im Leiden überwinden, wie Er überwunden hat, nicht nur zur Rechten und zur Linken, sondern auf dem Thron setzen (Offb 3:21.22).

Wir wollen noch eine bekannt Stelle in Ps 23:5 lesen: "Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde, Du salbest mein Haupt mit Öl, mein Becher fließt über". Hierzu kennen wir gewöhnlich nur die erbauliche Auslegung. Es gibt aber auch eine prophetische, die auf das gesalbte Haupt des Alls, auf den Christus gerichtet ist. Von Ihm wird somit gesagt, dass Er gegenüber Seinen Bedrängern den Schaubrottisch (das hier gebrachte Wort für Tisch steht auch für den Schaubrottisch im Heiligtum) sieht, auf dem Er, das Brot des Lebens (Joh 6:35; 1Kor 10:17) gebrochen wird und dass Sein Leidenskelch überfließt. Auch Paulus bestätigt in 1Kor 1:5, dass die Leiden des Christus in uns überließen und von sich, der ja ein Bild, sowohl des erhöhten Herrn, als auch der Gemeinde Seines Leibes ist - spricht er: "In Mühen überfließend, in Kerkern überfließen, in Streichen überreichlich, im Tode oftmals" (2Kor 11:23).

Wo dürfen nun die Gerechtfertigten aus Glauben sich nicht allein der Erwartung der Herrlichkeit Gottes, sondern auch der Drangsale rühmen (Röm 5:2.3), die zusammengehören, wie die Nadelstiche und das daraus entstehende goldgewirkte Gewand (Ps 45:13), wie der Druck und der dabei sich bildende Edelstein (1Kor 3:12). Möge auch in uns der Geist Christi die für Christus bestimmten Leiden und die Herrlichkeiten nach diesen bezeugen (1Petr 1:11), damit wir willig werden, in dem Namen Christi jede Leidensschmach auf uns zu nehmen, wie dies unser Herr am Kreuz getan hat. Wenn wir uns als Nachfolger in dieser Schmach erweisen, dann wird auch der Geist der Herrlichkeit und der Kraft und der Geist Gottes auf uns ruhen (1Petr 4:14).

Leiden zur Erlangung der Herrlichkeit anderer

So wie Jesus Christus durch Sein Leiden viele Söhne zur Herrlichkeit führt (Hebr 2:10), dürfen auch wir im Leiden mitwirken an der Herrlichkeit anderer. In diesem Sinne schreibt Paulus an Timotheus: "Deshalb erdulde ich alles um der Auserwählten willen, auf dass auch sie Rettung erlangten, die in Christo Jesu ist mit äonischer Herrlichkeit" (2Tim 2:10).

Der Leib des Christus soll dem All gegenüber die Einheit darstellen, wie sie zwischen dem Vater und unserem Herrn besteht (Joh 17:11). Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht und umgekehrt (Joh 5:23). Ebenso gilt, wer uns verachtet, der verachtet den Herrn (Lk 10:16). Umgekehrt wird Jesus, das Haupt des Christus, einmal in Seinem Leibe d. i. in Seinen Heiligen, verherrlicht und in allen, die glauben, angestaunt werden (2Thes 1:10).

Man kann die Leibesglieder nicht ehren, ohne das Haupt zu ehren, so wie man nicht ein Glied ehren kann, ohne die anderen in Freude mit daran teilhaben zu lassen (1Kor 12:26).

Von den Thessalonichern, die Nachahmer des HErrn wurden, als sie in viel Drangsal das Wort aufnahmen, und Vorbilder waren aller Gläubigen in Mazedonien und Achaja, sagt Paulus: "Ihr seid unsere Herrlichkeit und Freude" (1Thes 2:20) und den Korinthern schreibt er: "So wir ihr uns auch zum Teil erkanntet, dass wir euer Ruhm sind, gleich wie auch ihr der unsrige". Lob und Dank, dass wir von der Herrlichkeit, die unser Herr in den Leiden in uns wirkt, anderen abgeben dürfen und teilhaben an Seiner Herrlichkeit, sowie der aller Seiner Glieder.

Leiden zur Verherrlichung Gottes

Als über Hiob die Trübsal hereinbrach, da konnte er das nicht verstehen. Ihm war kein Grund bekannt, aus dem heraus er all die Not hätte erklären können. Trotzdem schrieb er Gott nichts Ungereimtes zum sondern sagte: "Der Herr hat gegeben, und der Herr hat genommen, der Name des Herrn sei gepriesen" (Hi 1:21). Er wusste und merkte aber nicht, dass er Gott vor der gesamten Geisterwelt im höchsten Maße verherrlichte. Wenn wir einmal in der Gemeinde der vollendeten gerechten Gott loben und preisen, dann wird das auch zu SEINER Verherrlichung sein, aber nie in dem Maße, wie wenn wir IHN hier im Leiden erheben und durch Vertrauen ehren. Das ist die einmalige, unwiederbringliche Gelegenheit im Erdenleben, weil wir hier nicht im Schauen wandeln. Eine Frau, die ihrem im Ausland lebenden Mann vertraut, auch , wenn er ihr in der Not nicht auf Briefe antwortet und ihr kein Geld schickt, ehrt ihn mehr, als wenn sie ihn vor anderen in seiner Gegenwart lobt. So verherrlicht auch die auf Erden lebende Gemeinde Gott mehr, wenn sie IHM im Leiden, d.h., wenn er keine Hilfe schickt, vertraut und IHM für alles dankt, wie wenn sie IHN einst droben lobt.

Satan darf uns in den Bedrängnissen sogar Gott noch schlecht machen und uns auffordern, Gott abzusagen. Das tat er auch bei Hiob durch dessen Frau (Hi 2:9). Welch ein Triumph aber für Gott, wenn wir wie Hiob a l l e s aus SEINER Hand nehmen. Wenn Hiob auch noch selbstrecht war, und darum einer Zurechtweisung bedurfte, so dachte er doch in allen Leiden groß von Seinem Gott. Wollen wir ihn sprechen lassen und von ihm in diesem Stück lernen: "ER ist weise von Herzen und stark an Kraft (Hi 9:4), der Großes tut, dass er nicht zu erforschen ist und Wundertaten, die sie nicht zu zählen sind (Hi 9:16). ER hat der Finsternis ein Ende gesetzt" (Hi 28:3).

Zur rechten Verehrung Gottes gehört immer das Leiden. So heißt es in 2Tim 3:12: "Aber auch a l l e, die gottselig (wörtl. wohlehrend) leben wollen in Christo Jesu werden verfolgt werden."

So verfolgte Satan auch unser Haupt bis ans Kreuz und erreichte gerade dadurch, dass Gott in unübertrefflicher Weise verherrlicht wurde. Jesus spricht davon in Joh 13:31: "Nun wird der Sohn des Menschen verherrlicht, und Gott wird verherrlicht in IHM." So auch Joh 17:1: "Vater, gekommen ist die Stunde, dass DEIN Sohn DICH verherrliche" und Joh 17:4: "Ich verherrliche DICH auf der Erde, das Werk vollendend, dass DU mir gegeben hast, auf dass ich es tue."

Mögen wir uns, wenn wir im Leiden stehen, allezeit vergegenwärtigen, dass wir Gott verherrlichen können, indem wir, wie unser Herr in Ps 22 dem Vater unser Herz ausschütten und durchbrechen zum Lob und zur Anbetung Ps 22:22-31).

Hierzu fordert uns auch Petrus auf, dass wir, wenn wir als Christen leiden, uns nicht schämen, sondern Gott in dem Namen Christi verherrlichen (1Petr 4:16).

Lies weiter:
3. Die Herrlichkeit Christi in den Seinen (W.J. Pasedag)