Das Kreuz, Zeichen der Liebe Gottes
"Von der Liebe"
aus der Reihe „Christi unausspürbarer Reichtum“
von G. Groß 1994
Abschrift mit freundlicher Genehmigung von Gerhard Groß, Balingen
Als Schrift noch erhältlich
siehe weitere Abschriften
Inhaltsverzeichnis
Von der Liebe
3. Das Kreuz, Zeichen der Liebe Gottes
Der Mittelpunkt „Erde“
„Denn so liebt Gott die Welt, dass Er Seinen einziggezeugten Sohn gibt, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht umkomme, sondern äonisches Leben habe“ (Joh 3:16).
Im Mittelpunkt der Zeitgeschichte Gottes und im Mittelpunkt seines Ratschlusses steht das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus. Alle geschichtlichen Linien und alle prophetischen Aussagen der Schrift gipfeln in dem sichtbaren Erweis der Liebe Gottes.
In einem riesigen Universum, dessen unvorstellbare Ausdehnung dem forschenden Menschengeist zu verstehen verwehrt ist, existiert ein winziges Gebilde: Erde genannt. Diese Erde ist im Vergleich zu dem uns umgebenden Weltall so winzig, dass uns ein Staubkorn wie ein. Unheimliches, riesiges Ungeheuer vorkommen müsste.
Aber gerade dieses winzige Etwas, unser Planet Erde, wurde von Gott ausgesucht, um darauf zuerst vor der Menschheit, dann vor dem gesamten All, Seine unsagbare Liebe zur Schau zu stellen.
Damit rückt unsere Erde in das Blickfeld sämtlicher Bewohner des Alls. Und wird damit erneut zu einem Mittelpunkt besonderer Art!
Vielleicht sollten wir an dieser Stelle auch kurz bedenken, dass mit der Errichtung des Kreuzes auf unserer Erde wir Erdenbewohner in ganz besonderer Weise von Gott bedacht wurden, sind wir damit doch jene Geschöpfe, die hautnah das Opfer des Sohnes Gottes erlebten bzw. überliefert bekamen. Aus unserer Menschheit heraus darf nun eine Auswahl Erstlinge ganz besonders die Liebe Gottes in den überhimmlischen Räumen verbreiten (Siehe hierzu unsere Schrift „Unsere überhimmlische Berufung“).
Das Kreuz aus der Sicht verschiedener Zeugen
Adam
Wenn wir das Geschehen im Paradiesgarten Eden aus gesetzlicher Sicht sehen, so steht Adams Ungehorsam und die gerechte Strafe im Vordergrund. Versuchen wir jedoch, den ganzen Vorgang mit den Augen der Liebe Gottes zu sehen, so erkennen wir hinter allem nicht mehr den Fehltritt Adams, seine menschliche Schwäche im Vordergrund, sondern den Willen Gottes, Seine lenkende Hand, die alles entsprechend seinem Willen bewirkt.
Vordergründig steht also die Sünde als folge menschlichen Ungehorsams, und im Hintergrund steht Gott, der alles bewirkt. Wir sprechen von dem „geoffenbarten“ sowie dem „geheimen“ Willen Gottes.
Wenn wir diese beiden Seiten erkannt haben, sieht auch der Fall Adams ganz anders aus. Ohne das Fehlverhalten des ersten Menschenpaares entschuldigen zu wollen, sehen wir doch in tieferem Sinn den Weg der Liebe, der durch deren Fall den dunklen Hintergrund aufbaut, um sich davor in strahlender Herrlichkeit zu offenbaren.
Zwar schied das Menschenpaar zutiefst betrübt aus dem herrlichen Garten und damit auch aus der unmittelbaren Gegenwart Gottes, aber es leuchtete ihnen ein Hoffnungsschimmer der göttlichen Liebe am Horizont auf. Gott gab den Menschen, die Er liebte und mit denen Er Seinen Heilsplan begann, einen Hinweis Seiner Liebe: Der Retter sollte aus dem Weibessamen kommen, er sollte dem Verführer den Kopf zertreten. Auch wenn Adam das Kreuz als solches noch verborgen blieb, so sah er doch den Retter, der den Sündenfall bereinigen und die Gerechtigkeit wieder herstellen würde.
Abraham
Abraham durfte in ganz besonderer Weise ein Zeuge auf das Kreuz hin sein. In der Vaterrolle sollte er den Sohn der Verheißung opfern und damit vorschattend darstellen, wie Gott später Seine Liebe zur Schau stellen wird. Jesus bezeugt während Seines Erdendaseins von ihm: „Abraham, euer Vater, frohlockte, dass er Meinen Tag gewahren sollte, und er gewahrte ihn und freute sich“ (Joh 8:56).
Wie kein anderer konnte Abraham nachempfinden, wie groß doch Gottes Liebe sein musste, wenn Er bereit war, Sein Liebstes zu opfern.
Paulus
Paulus bezeugt uns: Denn Gott war in Christus, die Welt mit Sich Selbst versöhnend“ (2Kor 5:19). Deutlich wird uns in diesen Worten die unzertrennliche Verbundenheit des Vaters mit dem Sohn bezeugt, gerade auch in seinen schwersten Stunden am Kreuz! Alles, was in obigem Wort liegt, würde entleert werden, wollten wir auch in die Tradition einstimmen, dass der Vater Seinen Sohn am Kreuz verlassen habe. Die Liebe, die vor der Schrecklichkeit des Kreuzes zurückschreckt oder sich zurückzieht, würde sich an nach 1Kor 13 selbst untreu. Auch sollten wir einmal bedenken, dass wir doch lehren, dass alles aus Gott ist! Sollte dann Gott Sich von etwas Zurückziehen, was doch auch aus Ihm kommt, was Er gewollt hat, was Seinem Willen entspricht*?
- *Siehe hierzu die ausführliche Abhamdung von Br. M. Jaegle „Christi Schrei am Kreuz“.
Aber Paulus hebt auch eine andere Eigenschaft des Kreuzes hervor, nämlich die rettende Kraft Gottes, die einmal allen Menschen zugutekommen wird. So lesen wir in 2Kor 5:15: „Und für alle starb Er…“ Timotheus bekam den Lehrauftrag. „Gott, welcher der Retter aller Menschen ist …“ (1Tim 4:10), und Röm 11:32 bezeugt: „Denn Gott schließt alle zusammen in Widerspenstigkeit ein, damit er Sich aller erbarme.“
Gerade das zuletzt genannte Zeugnis des Paulus zeigt uns überdeutlich, wie nichts dem Zufall überlassen ist, sondern alles dem Plan Gottes entspricht, ob es uns nun im Moment angenehm oder unangenehm ist; einmal wird jeder Mensch die Weisheit Gottes erkennen, in der Er uns Seine Liebe offenbart.
Jesaja
Als letztes Zeugnis lesen wir das ergreifende Wort des in die Zukunft schauenden Propheten Jesaja. Wir bitten unsere Leser, Jes 53:1-10 zu lesen.
Es ist wichtig, dass wir uns der absoluten „Einmaligkeit“ dieser Leiden Christi bewusst sind. Wir hören immer wieder Einwand, dass sich auch Menschen füreinander opfern und freiwillig für den anderen in den Tod gehen. Solche Menschen sind in der Tat zu bewundern, zumal die Motive meist edelster Art sind. Und doch gibt in solch einem Fall der Mensch nur sein eigenes Leben in den Tod.
Bei Christus bestand der gewaltige Unterschied darin, dass er für die ungezählten Leben der gesamten Menschheit starb und dass deren gesamter Sündenberg auf Ihm lastete. Kein Mensch ist in der Lage, zu ermessen, was dieser Sündenberg an Leiden brachte!
Wir wollen aber unsere Augen nochmals auf Jesaja lenken, und hier besonders auf den gelesenen Vers 10. Bewegt nehmen wir hier zur Kenntnis, dass es Gott gefiel, Seinen Sohn zu zerschlagen und Ihn leiden zu lassen!
Aber vielleicht sind wir nicht nur bewegt über diese Worte, sondern auch befremdet; denn wie kann es Gott gefallen, Seinen geliebten Sohn leiden zu lassen und dazu noch in solch barbarischer Weise?
Sind die schrecklichen Kreuzesleiden wirklich die Offenbarung und Zurschaustellung der Liebe Gottes? Mit dieser Frage leiten wir zum nächsten Abschnitt über:
Leiden, eine Offenbarung der Liebe Gottes
Wenn wir Liebe mit Leiden in Verbindung bringen, so steht für uns eine Frage im Vordergrund: Leidet Gott, der ja Liebe ist, auch?
Um hier dem Wesen Gottes nahezukommen, bedarf es weniger der menschlichen Logik als vielmehr der geöffneten Augen der Herzen. Und des Geistes der Weisheit. Ein Ereignis bringt uns der Beantwortung unserer Frage ganz nahe, wir finden es in Offb 15:8 niedergeschrieben. Wir sind hier gehalten zu sagen: Ziehe deine Schuhe aus, denn dieser Ort ist heilig!
Sieben Plagen, verursacht durch sieben Boten, müssen über die Menschheit ergossen werden. Dieses noch in der Zukunft liegende Ereignis erschreckt uns zutiefst, sind doch diese Plagen, die über eine zwar gerichtsreife Welt ausgegossen werden, schrecklich zu lesen.
In dem Text aus Offb 15:8 sieht nun Johannes den Vater während der Ausgießung der sieben goldenen Schalen, die bis zum Rand voll mit dem Grimm Gottes sind, wie folgt:
„Da füllte sich der Tempel dicht mit Rauch von der Herrlichkeit Gottes und Seiner Macht. Niemand konnte in den Tempel hineingehen, bis die sieben Plagen der sieben Boten vollendet waren.“
Wenn wir jetzt über diesen Text stelle werden, so erkennen wir, dass der Tempel, der zuvor ja noch für die göttlichen Boten geöffnet war (siehe Vers 5), während der schlimmsten Zeit, die sich über die Erde ausbreiten wird, verschlossen ist – nu r Gott selbst füllt ihn aus. Damit steht ein Bild vor unserem inneren Auge, das uns Gott, den Vater zeigt, der in der Tiefe Seines Herzens mit seinen Geschöpfen mitleidet und Sich in Seinem Mitleiden in die Stille und Abgeschiedenheit seines Tempels zurückzieht.
Es steht in ergreifender Weise der Vater vor uns, der nicht gefühllos aus seinem überhimmlischen Reich den Qualen und Leiden Seiner Geschöpfe. Zusieht, sondern der vielmehr voll Herzensgefühl alle Leiden miterlebt und miterleidet.
Damit ergibt sich für uns Folgendes: Da Gott Liebe ist und da es Seinem Willen entspricht, dass Seine Schöpfung den Weg der Leiden gehen muss, da Er sogar Seinen geliebten Sohn in diesen stofflichen Leidensweg hineingab und weiter, da Gott Selbst uns aufgrund der Aussagen der Schrift erahnen lässt, dass Er mit Seiner Schöpfung mitleidet, ergibt sich für uns der Schluss, dass Liebe und Leiden miteinander in enger Beziehung stehen.
Wir Menschen lehnen uns in der Regen gegen Leiden auf, weil wir zumeist keinen Sinn dahinter erkennen. Nur dort, wo uns der Sinn der Leiden bekannt wird, sind wir bereit, si ez u akzeptieren und auch zu tragen. Denken wir nur an einen schmerzenden Zahn, so sind wir doch sicher alle bereit, uns freiwillig der Tortur eines Zahnarztbohrer auszusetzen, weil wir wissen, dass diese zusätzlichen Schmerzen letztlich Hilfe und Schmerzbefreiung bedeuten.
In einem Zahnarzthaus aufgewachsen, weiß der Verfasser, dass auch der behandelnde Arzt nicht gefühllos dem Leiden seiner Patienten gegenübersteht, sondern dass ihm diese Leiden oft sehr zu schaffen machen. Doch als gewissenhafter Arzt, der ja für seine Patienten nur das Beste will, darf er sein Mitgefühl nicht zeigen, sondern muss durch die Schmerzzufügung hindurch die Behandlung zu einem erfolgreichen Abschluss führen.
Hier sehen wir, dass der Weg zur Heilung, zur Genesung durch Leiden hindurch geht. Ein Arzt muss, um zu heilen, oft Schmerzen zufügen. Es ist für uns Menschen ein wohltuendes Wissen, dass unser himmlischer Vater mitleidet, wenn wir durch den irdischen Schmelztiegel der Leiden hindurchmüssen, ja, dass Er uns durch diese Leiden heilen will und wird!
Es ist also durchaus mit der Liebe vereinbar, wenn Leiden mit ihr in Verbindung stehen! Als Sinn der Leiden und als das große Ziel steht ja die Heilung im Hintergrund, verbunden mit der herrlichen Erwartung, für alle Zeit mit Seiner Liebe aufs innigste verbunden zu sein.
Damit kommen wir zurück zum Kreuz, dem Höhepunkt aller irdischen Leiden, aber auch dem Höhepunkt der göttlichen Liebesoffenbarung.
Der leidende Christus
Ein Blick in den Propheten Jesaja hat uns ja schon vorausschauend von den Leiden unseres Herrn berichtet. Jesus Selbst bezeugt uns im Gleichnis vom edlen Hirten Folgendes:
„Ich bin der edle Hirte. Der edle Hirte gibt seine Seele für die Schafe hin.“ (Joh 10:1) und weiter in Joh 10:17.18:
„Deshalb liebt Mich der Vater, weil Ich Meine Seele hingebe, damit Ich sie wieder nehme. Niemand nimmt sie von Mir, sondern Ich gebe sie von Mir Selbst aus hin. Ich habe vollmacht, sie hinzugeben, und Ich habe Vollmacht hat, sie wieder zunehmen. Dieses Gebot habe Ich von Meinem Vater erhalten.“
„Deshalb liebt Mich der Vater, weil Ich Meine Seele hingebe, damit Ich sie wieder nehme. Niemand nimmt sie von Mir, sondern Ich gebe sie von Mir Selbst aus hin. Ich habe vollmacht, sie hinzugeben, und Ich habe Vollmacht, sie wieder zu nehmen. Dieses Gebot habe Ich von Meinem Vater erhalten.“
Wenn Jesus hier vom „Hingeben der Seele“ redet, so meint er damit nicht Sein Leben! Sein Leben, das Er in den Tod gab, konnte Er Sich im Tode nicht mehr Selbst wieder geben – hier war die Wirksamkeit der Gewalt und Stärke des Vaters tätig, die in dem Sohn gewirkt hat, als Er Ihn aus den Toten auferweckte (gem. Eph 1:19-20). Im Vordergrund steht hier die Leiden empfindende Seele (im griechischen Urtext „psyche“), und die Seele ist ja der Sitz unserer Empfindungen wie Wohlbehagen, Schmerz, Freude, Leid usw.
Es ist die Seele, welche Mühsal empfindet, sagt schon der Prophet Jesaja (Jes 53:11), und damit war schon der gesamte dreijährig öffentliche Dienst unseres Herrn für Seine Seele ein ununterbrochener Leidensweg bis hin zum Höhepunkt am Kreuz.
Nun bezeugt Jesus, Er habe die Vollmacht erhalten, Seine Seele auch wieder zu nehmen. Wir müssen hierunter verstehen, dass Er Sich Seinen Leiden auch jederzeit entziehen konnte. Diese Vollmacht besaß Er auch bei jenem schweren Kampf im Garten Gethsemane. Als dort der unermessliche Berg der Sünde einer gesamten Menschheit ganz nahe vor Ihm stand, hätte Er Vollmacht gehabt, zurückzutreten, Seine bereits in den Tod gegebene Seele wieder zu nehmen. Doch der Sohn ordnete Sich freiwillig unter. Nicht Mein, sondern Dein Wille geschehe!
Wie sehr der Vater bereit gewesen wäre, Seinem Sohn die Rücknahme Seiner Seele zu gewähren, zeigt uns Mt 26:53. Mehr als zwölf Legionen Boten standen Ihm zu Verfügung und zur Hilfe bereit. Diese Vollmacht stand Ihm buchstäblich bis zum letzten Atemzug am Kreuz zur Verfügung, denn Er hätte tatsächlich auch noch vom Kreuz herabsteigen können, wie es Ihm die Pharisäer höhnend vorschlugen (Mt 27:40).
Erst mit Seinem Tod hörte diese Vollmacht auf. Nachdem Er Seine Seele tatsächlich in den Tod gegeben hatte, konnte Er sie Sich nicht mehr nehmen, von da an wirkte der Vater allein und erweckte Seine Seele am dritten Tag in der Auferstehung (Apg 2:27).
Trotz Seiner Vollmacht ging der Sohn Seinen Weg konsequent bis ans Ziel. Er wusste um das Vertrauen, das der Vater in Ihn gesetzt hatte. Die zur Schau gestellte Vollmacht sollte uns nur zeigen, dass der Vater dem Sohn die Leiden nicht unabänderlich zudiktiert hatte, sondern Ihm während seiner gesamten Erdenzeit einen Ausweg bereithielt. Aber gerade weil Er diesen Ausweg nicht nutzte, steht Sein freiwilliges Opfer umso erhabener vor uns. Der Sohn wusste, dass mit der Vollendung Seines Leidensweges die Versöhnung des Alls vollbracht wurde!
Die zweifache Liebe
„Der Vater liebt den Sohn und hat alles in S eine Hand gegeben“ (Joh 3:35).
„So wie der Vater Mich liebt, habe auch Ich euch geliebt“ (Joh 14:9).
„Ich habe ihnen Deinen Namen bekanntgemacht und werde ich n bekanntmachen, damit die Liebe, mit der Du Mich liebst, in ihnen sei und Ich in ihnen“ (Joh 17:26).
Diese drei Schriftworte aus dem Johannesevangelium zeigen uns, was Gott Seinem Sohn auf Seinem schweren Weg mitgab: Es war Seine Liebe! Und diese Liebe wirkte derart im Sohn dass Er gleich dem Vater das gesamte All liebte und kraft dieser Liebe Seine Seele in den Tod gab, ohne sie wieder zu nehmen.
Weil Er dies tat, hat Ihn der Vater umso mehr geliebt. „Deshalb liebt Mich der Vater, weil Ich Meine Seele hingebe …“ (Joh 10:17).
In dieser Ihn erfüllenden Doppelliebe, nämlich der zum Vater und der zu allen Geschöpfen, fand unser Herr die Kraft z um Durchhalten im Gehorsam bis hin zum schmachvollen Tod am Kreuz.
Christi freiwillige Selbsthingabe wird somit eine einzigartige Offenbarung der Liebe Gottes. Johannes durfte diese Liebe erkennen und schreibt: „Darin haben wir die Liebe erkannt, dass jener Seine Seele für uns dahingegeben hat“ (1Jo 3:16). Gleich Johannes werden einmal alle Geschöpfe von dieser Liebe überwältigt sein.
Eindrucksvoll stehen hier das Überließen der Liebe und das Leiden aus Liebe vor unseren Augen!
Die Erfüllung des Retterwillens Gottes war demnach Zweck und Ziel des irdischen Lebens des Sohnes Gottes, und der Wille Gottes hat zum Ziel, dass alle Menschen gerettet werden und sie durch diese Rettungstat aus tiefster Finsternis die Liebe Gottes erkennen und beantworten können. Durch das am Kreuz vergossene Blut wurde der Weg frei für die Geschöpfe – aus Liebe ging der Sohn diesen weg und kein Leiden durfte dieses Werk verdunkeln.
Wie herrlich, dass wir als Erstlinge und Erkennende heute schon unser Herz auf den Vater ausrichten dürfen und Ihm in großer Liebe und Dankbarkeit danken dürfen für diese Liebe!
Die Liebe Jesu Christi
In unserer Abhandlung war unser Auge bisher nur auf die Liebe Gottes gerichtet, mit Recht, denn in Ihm ist ja die Quelle aller Dinge, auch der Liebe. Der Erste, der diese wunderbare Liebe erfahren durfte, war der Sohn; auch hierin ist er der absolut Erste gem. Kol 1:19.
Nun sahen wir ja in unserem letzten Abschnitt, „die zweifache Liebe“ in dem Text aus Joh 15:9 („So wie der Vater Mich liebt, habe auch Ich euch geliebt“), wie der Quell der Liebe sich in den Sohn ergießt und in dem Sohn wiederum dieselbe Liebe bewirkt, wie sie im Vater ist.
Wer Mich gesehen hat, der h at den Vater gesehen (entspr. Joh 12:45) – der Sohn ist also das Spiegelbild des Vaters, die Liebe des Vaters spiegelt sich im Sohn wider. Wenn wir also von der Liebe des Vaters reden, so dürfen wir die gleiche Liebe auch in unserem Herrn und Haupt wissen.
Am Kreuz wurde die göttliche Liebe, dargestellt durch den sterbenden Sohn, offenbar. Alles, was der Herr i nSeiner Erdenzeit an Lehrsätzen über die Liebe prägte – am Kreuz lebte Er sie aus. Wenn wir jetzt als Beispiel an die Bergpredigt denken, wo Jesus befahl, die Feinde zu lieben, so bewies Er dies eindrucksvoll am Kreuz.
Er bat, am Holze hängend, für seine Feinde um Vergebung in dem Wissen, dass Er auch für sie, ja gerade für sie, den Sühnetod starb (Röm 5:9). Geradezu überwältigend für uns ist aber die Tatsache, dass der Sohn, während Ihn Seine Peiniger in Sein grausames Sterben hineinstießen, gleichzeitig aus Liebe zu ihnen auch die größte Sünde tilgte und sie mit Gott versöhnte. Es gibt keine größere Macht als diese im Sohn geoffenbarte Liebe Gottes.
Zu der Bitte um Vergebung tat der Herr aber noch mehr für Seine Feinde, die Ihn in blindem Hass zu Tode marterten: Er trat auch noch – menschlich gesprochen – als Entlastungszeuge für sie in die Schranke, indem Er seine Bitte mit der Aussage begründete: „Sie wissen nicht, was sie tun!“ Damit hat Er Seine feinde von dem Fluch des Gesetzes befreit. Wenn nämlich ein Israelite einen Volksgenossen aus Hass tötete, so musste der nächste verwandte des Ermordeten die Blutrache vollziehen, d.h. das Amt des Gerichtsvollstreckers ausüben (4 Mo 35:16-21). Hatte dagegen jemand seinen Nächsten unabsichtlich, ohne Wissen, d.h. ohne zu wollen, erschlagen (5Mo 19:4-5), so wurden Zufluchtsstätten für den unfreiwilligen Totschläger bestimmt, wohin er sich vor dem Bluträcher in Sicherheit begeben konnte. Dort musste er, getrennt von seinem Heim, bis zum Tode des Priesterfürsten bleiben. Erst darauf durfte er straflos nach Hause zurückkehren (4Mo 35:25).
Da nun jene Menschen den Herrn aus Hass (Lk 19:14) und aus Neid (Mt 27:18) absichtlich ans Kreuz brachten, so hätte sie nach dem Gesetz unverzüglich mit dem Tod bestraft werden müssen. Der Herr jedoch enthob und befreite sie von dieser sofortigen Strafe mit dem sie entlastenden Ausspruch: Sie haben Mich ohne Wissen zu Tode gebracht! Und da Jesus als der große Priesterfürst starb, dürfen auch sie, gemäß dem Vorbild aus dem Gesetzeshaushalt, wieder als einst verloren gewe4sene söhne ins Vaterhaus Gottes zurückkehren. Denn es war Sein Tod, der ihnen – als unbewusst Handelnden – diese Rückkehr eröffnete.
Durch das Gebet für seine Feinde sehen wir die grenzenlose Liebe. Alle erlittenen Ungerechtigkeiten. Und Folterungen haben nicht vermocht, Ihn in Seinem Vorhaben zu schwächen und Seine Liebe zu Seinen Feinden zu ersticken.
Eine bemerkenswerte Frucht dieser vom Kreuz ausstrahlenden Liebe, gerade auch Seinen Feinden gegenüber, sehen wir in dem mit Jesus gepfählten Verbrecher. Überwältigt von Seiner Liebe erkennt dieser seinen Messias und unterstellt sich sofort dem gerechten Gericht seiner Hinrichtung.
Der Höhepunkt der Liebe
Der Höhepunkt der Liebe gipfelt in der völligen Selbstaufgabe. Christi freiwillige Dahingabe und damit Selbstaufgabe stellt ein einzigartige Verherrlichung Gottes und Seiner Liebe dar. Die Worte Gottes mögen zu diesem Thema direkt zu unseren Herzen sprechen:
- Gal 1:4: „der Sich Selbst für unsere Sünden hingegeben hat…“
- Gal 2:20: „der Sich Selbst für mich dahingegeben hat…“
- Eph 5:2: „Der Sich Selbst für uns dahingegeben hat…“
- Phil 2:7: „der Sich Selbst entäußerte“
- Phil 2:8: „der Sich Selbst erniedrigte“
- 1Tim 2:6: „der Sich Selbst für alle zum Ersatz-Lösegeld gibt…“
- Tit 2:14: „Der Sich Selbst für uns dahingegeben hat…“
- Hebr 7:27: „der Sich Selbst darbrachte“
- Hebr 9:14: „Der Sich Selbst Gott darbrachte“.
Diese so auffällig oft wiederholte Aussage über die „Selbsthingabe des Sohnes zeigt uns, was dieser aus Liebe auf Sich nahm und dass wir diese Wahrheit mit der darin sich offenbarenden selbstlosen Liebe im Herzen festhalten und in dankbarer Gegenliebe erwidern dürfen.
Wir Menschen werden Gottes Liebe kaum verstehen – auch wenn wir sie in noch so glühenden Worten schildern – wenn wir sie nicht bestätigt sehen. Wir müssen schauen können, wie sie handelt, wie sie wirkt und was sie erreicht! In Christi Dahingabe sehen wir alles!
In Eph 3:14-19 sehen wir unseren Apostel Paulus mit gebeugtem Knie im Gebet. In Vers 19 geht es darum, „die alle Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus zu erkennen…“.
Die Dahingabe Christi ist der sichtbare Beweis der Liebe Gottes, der Schlüssel zu allem, was Gott aufgrund seines Ratschlusses bewirkt. Nirgendwo wird uns eine größere Liebe sichtbar aufgezeigt, als in der Dahingabe des Sohnes Gottes für eine in Dunkelheit verstrickte Schöpfung.
Ja, wir dürfen uns immer wieder aufs neue in diese Liebe hinein versenken, die in der Tat all unser Begreifen und unsere Erkenntnis übersteigt.
Es ist das Wunder der Weisheit Gottes, dass diese Liebe, die in unseren Herzen groß und größer wird, Gegenliebe erzeugt, und diese Gegenliebe verströmt heute schon ihren Duft empor zum Vater und erfreut
zutiefst Sein Herz.
Lies weiter:
4. Das Herz
