Das Herz

Aus Bibelwissen

"Von der Liebe"
aus der Reihe „Christi unausspürbarer Reichtum“
von G. Groß 1994

Abschrift mit freundlicher Genehmigung von Gerhard Groß, Balingen
Als Schrift noch erhältlich

siehe weitere Abschriften
Inhaltsverzeichnis

Von der Liebe

4. Das Herz

Die Unfähigkeit des Fleisches

Wir Gläubigen sind die Ersten, die Gottes Liebe erkennen und erfassen dürfen. Die Liebe Gottes möchte er nun ein Zweifaches bewirken: Einmal möchte sie unsere Herzen zum Brennen bringen, damit wir Gott jene inbrünstige Liebe entgegenbringen können, nach der Er Sich sehnt, und zum zweiten soll diese Liebe in uns wirken, soll uns ausfüllen und als göttliches Zeugnis von uns ausstrahlen, sie soll den Umgang unter uns prägen. Dass dieser erstrebenswerte Zustand leider nicht immer anzutreffen ist, zeigt uns allen sicher mehr oder weniger krass die Praxis des Alltags. Oft treffen wir statt der erwarteten Liebe mehr Kälte, Neid, Hader und Eifersucht an – wie kann dies möglich sein?

Als erstes wollen wir deshalb die Frage untersuchen, ob der Mensch, und hier speziell der Gläubige, aus sich heraus Liebe aufbringen kann. Dazu betrachten wir zuerst einmal unser Fleisch und Gottes Beurteilung über dieses:

“Es wohnt nichts Gutes in ihm“ (Röm 7:18)
“Es kann Gott nicht gefallen“ (Röm 8:8)
“Es nützt überhaupt nichts“ (Röm 6:63)
“Es ist in Feindschaft gegen Gott“ (Röm 8:7)

Das Fleisch wird im Wort Gottes auch noch anders benannt; es folgen noch einige weitere Urteilssprüche:

Der seelische Mensch ab er nimmt nichts von der Tiefe des Geistes Gottes an“ (1Kor 2:4).
Die alte Menschheit bringt sich durch verführerische Begierden selbst ins Verderben ([[Eph 4:22) oder:
Der äußere Mensch verdirbt“ (2Kor 4:16)

Wenn wir diese Aussagen Gottes überdenken, so wird uns ganz klar, dass dieses Fleisch, also der natürliche Mensch, ganz und gar nicht von sich aus in der Lage ist, Gottes Liebe zu empfangen noch zu erwidern. Dieses Fleisch kann auch nicht verändert oder gebessert werden, es gibt nur einen Weg und ein Ende, und dies sagt uns ebenfalls Gott ganz klar in Seinem Wort:

Denn die Gesinnung des Fleisches ist Tod“ (Röm 8:6).

Trotz dieses Urteils – um die hier nur kurz einzufügen – erfüllt dieses scheinbar unnütze Fleisch doch seinen gottgewollten Auftrag an uns: Es lässt den Menschen die Finsternis und Gottesferne erleben und dient dadurch in vollem Umfang dem großen. Und letzten Ziel Gottes: Durch die Erfahrung des Fleisches wird Gottes Liebe einmal jedem Menschen hell und strahlend aufleuchten, Gott wird wiedergeliebt werden und kann am Ende gem. 1Kor 15:28 alles in allein sein.

Doch trotz der Unfähigkeit unseres Fleisches hat Gott von Anfang an seinen Weg auch mit uns vorbereitet.

Was ist das Herz?

„Die Erwartung aber lässt nicht zuschanden werden, weil die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen ist durch den uns gegebenen heiligen Geist“ (Röm 5:5).

Nach dem Aufzeigen der Unfähigkeit unseres Fleisches beglückt uns der obige Vers zutiefst, zeigt er uns doch, dass Gott der Handelnde ist und dass Er uns keinen nutzlosen Kampf mit uns selbst führen lässt. Go

Gott gießt also Seine Liebe aus, und. Zwar in unsere Herzen. Damit wird es notwendig, zuerst einmal zu untersuchen, was das Herz des Menschen überhaupt ist.

Buchstäblich gesehen ist das Herz dasjenige Körperorgan, welches den Blutkreislauf in Fluss hält. Das Blut wiederum ist der Träger oder der Sitz der Seele (3Mo 17:11). Das Herz ist also das Kraftzentrum des körperlichen und seelischen Lebens; bleibt es stehen, erlöschen sämtliche körperliche Funktionen, und die Seele geht in das für uns Unwahrnehmbare über. Die Seele ist der Sitz unseres Bewusstseins und unserer Empfindungen, mit einem Herzstillstand hören auch diese zu existieren auf.

Im buchstäblich en Sinn nimmt Gottes Wort nur sehr selten auf das Herz Bezug. Eine Auswahl an Schriftstellen aus dem NT belegen dies und geben uns dazu eine kleine Übersicht, wie dieses das Herz beurteilt:

“Glückselig die im Herzen Reinen“ (Mt 5:8).
“…den das Herz dieses Volkes ist verdickt“ (Mt 13:15)
“Die Schriftgelehrten „folgerten in ihren Herzen“ (Mk 2:6)
Jesus „drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde“ (Mt 12:40).
“Denn aus dem Herzen kommen böse Erwägungen: Mord, Ehebruch, Hurerei, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung“ (Mt 15:19).
“Lieben sollst du den Herrn, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen“ (Mt 22:37).
Gott aber kennt eure Herzen „ (Lk 16:15)
„Du, Herr, Herzenskenner aller …“ (Apg 1:24)
“Gott, der Herzenskenner…“ (Apg 15:8)
.“…Ist auch ihr unverständiges Herz verfinstert“ (Röm 1:21)
“Darum hat Gott sie in den Begierden ihrer Herzen dahingegeben…“ (Röm 1:24)
“weil die Liebe Gottes in unseren Herzen ausgegossen ist“ (Röm 5:5)
“…nun von Herzen dem Vorbild der Lehre gehorcht“ (Röm 6:17)
“..Wenn du… in deinem Herzen glaubst…“ (Röm 10:9)
“Denn im Herzen glaubt man zur Gerechtigkeit“ (Röm 10:10)
“…wozu kein Menschenherz hinaufgestiegen ist … (1Kor 2:9)
“…Licht, der lässst es in unseren Herzen aufleuchten…“ (2Kor 4:6)
“…ist euer Herz auch weit geworden?“ (2Kor 6:11)
“Weil ihr aber Söhne seid, schickte Gott in unsere Herzen den Geist Seines Sohnes aus“ (Gal 4:6)
“…Christus durch den Glauben völlig in euren Herzen wohne …“ (Eph 3:17)
“Gott, der unsere Herzen prüft“ (1Thes 2:5)
“in Liebe überfließend… um eure Herzen zu festigen“ (1Thes 3:13)
“Denn es ist trefflich, das Herz in der Gnade stetig zu machen…“ (Hebr 13:9).

Auswertung der Schriftstellen

Diese kleine und unvollständige Auswahl an Schriftstellen zeigt uns doch schon recht bemerkenswerte Punkte auf:

  1. In den Herzen werden Überlegungen und Folgerungen angestellt, und es entstehen dort Gedanken; das Herz ist also Sitz der Beweggründe, des Verständnisses und der Vernunft.
  2. Wenn wir aufmerksam Röm 1 und Röm 2 lesen, dazu noch Mt 15:19, so wird uns gesagt, dass Sünde in Wort. Und Tat dem Herzen entspringt; das Herz ist verfinstert, mit Begierden erfüllt und unumsinnend.
  3. Weiter erfahren wir, dass Gott die Herzen prüft, dass Er auch der „Herzenskenner“ ist; Er kennt das Verständnis und die Be weggründe aller Menschenherzen. Damit werden wir zu Hebr 4:12-13 hingeführt, wo wir lesen, dass Sein Wort Richter der Überlegungen und Gedanken des Herzens ist.
  4. Wir haben aber auch die wunderbare göttliche Verheißung, dass Gott in dieses Menschenherz Seine Liebe gießt, dass dieses Herz glauben kann, dass es Gott lieben kann, dass es in Ihm Licht werden kann, ja, dass Christus Selbst in ihm wohnt.

Wir erkennen deutlich, dass unser Herz einen zentralen und wichtigen Punkt einnimmt, es gibt negative, aber auch sehr positiver Aussagen dazu.

Die Einflüsse auf das Herz

Eine ganz wichtige Frage soll gleich zu Anfang eine Antwort finden: Woher kommt als das Böse in unseren Herzen?

Generell ist hierzu zu sagen, dass das Herz nichts aus sich heraus produzieren kann. So wie ihm das Blut auf der einen Seite zufließt, gibt es dieses auf der anderen Seite weiter. Dies gilt für die körperlich wie auch für die geistige Seite.

Wir wollen uns nun nochmals zu Mt 15:19 zurückführen lassen, wo Gottes Wort uns aufzählt, was alles an bösen Erwägungen aus dem menschlichen Herzen herauskommt. Mord, Ehebruch, Hurerei, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung. Wohlgemerkt, dies alles kommt aus dem Herzen! Hierzu wollen wir nun Gal 5:19-20 aufschlagen und lesen dort fast deckungsgleich dieselben Dinge wie: Ehebruch, Hurerei, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Grimm, Ränkesucht, Zwistigkeit, Sektenbildung, Neid, Mord, Rausch, Ausgelassenheit und dergleichen mehr. Doch hier ist die Quelle nicht das Herz, sondern es heißt: „Offenbar aber sind die Werke des Fleisches!

Die indirekte Beziehung zwischen den Werken des Fleisches und dem, was aus dem Herzen kommt, ist also offensichtlich gegeben. Die in Mt 15:19 genannten aus dem Herzen hervorkommenden bösen Folgerungen sind demnach die Werke des Fleisches, und unser Fleisch ist ja „Fleisch der Sünde“ und, wie wir bereits sahen, unverbesserlich – sein Ende ist der Tod!

Bestätigt wird dieser Zusammenhang auch in Eph 4:17-19: „Dies nun gebiete ich und bezeuge es im Herrn, dass ich nicht länger so wandelt, wie auch die Nationen (in der Eitelkeit ihres Denksinns) wandeln, die in ihrer Denkart verfinstert und dem Leben Gottes gegenüber Fremde sind infolge der Unkenntnis, die wegen der Verstockung ihrer Herzen in ihnen ist. So abgestumpft, haben sie sich selbst der Ausschweifung hingegeben und betreiben alle Art von Unreinheit in Habgier.“

Unser sündhaftes Fleisch wirkt also auf unser Herz ein und führt ihm all die bösen Einflüsse zu, die dann in Gedanken und Folgerungen aus diesem heraus in uns emporsteigen. Diese Einflüsse und Folgerungen hören erst mit dem Tod des Fleisches auf.!

Brauchen wir ein neues Herz?

Wir haben sicherlich alle die Worte im Ohr, wo Gott seinem Bundesvolk Israel ein neues Herz verheißt. Wir finden diese Worte in Hes 36:23-29. Hier spricht Jewe u.a.: „Und Ich gebe euch ein neues Herz. Und einen neuen Geist gebe Ich euch und nehme weg das Herz von Stein aus eurem Fleische. Und Ich gebe euch ein Herz von Fleisch …“

Diese Worte sind prophetisch zu verstehen, denn bis heute sehen wir diese Aussage an dem Bundesvolk Israel noch nicht erfüllt. Erfüllen wird sich dieses Wort nach Röm 11:25-27 erst in der Zukunft: „Verstockung ist Israel zum Teil widerfahren, bis die Vervollständigung der Nationen eingehe. Und sodann wird Israel als Gesamtheit gerettet werden, so wie geschrieben steht: Eintreffen wird der Bergende aus Zion; abwenden wir Er die Unfrömmigkeit von Jakob. Und dies ist Mein Bund mit ihnen, wenn Ich ihre Sünden wegnehme.“

Durch das neue Herz und den neuen Geist wird Israel zu einer wiedergeborenen Nation im zukünftigen irdischen Königreich werden, das neue Herz wird in jeglicher Hinsicht zum Segen sein, um den großen Auftrag auf der Erde auszuführen, nämlich die Nationen zu ihrem Herrn hinzuführen (gem. Mt 28:19-20).

Wir sehen, die Aussage des Propheten Hesekiel bezieht sich ausschließlich auf Israel und gehört in das kommende Königreich. Suchen wir jedoch eine ähnliche stelle, die sich auf uns bezieht, so suchen wir vergeblich!

Bei Paulus, dem uns gegebenen Apostel der Nationen, finden wir keinerlei Aussage, dass auch wir ein neues Herz bekommen sollen, wohl aber spricht er von einer „neuen Schöpfung“ in uns, von etwas „Neuem“, das durch den Glauben in uns entsteht.

Das Neue

Da die alte Menschheit unabänderlich den Weg des Verderbens bis hin in den Tod geht, legt Gott etwas ganz Neues in uns hinein, und dies beginnt in dem Moment, in dem wir gem. Eph 1:13.

  1. das Wort der Wahrheit, das Evangelium unserer Rettung hören,
  2. glauben
  3. versiegelt werden mit dem Geist der Verheißung, dem heiligen.

So wenige, wie unser Fleisch aus sich heraus die Bereitschaft zum Hören des Evangeliums aufbringen kann, so wenig ist es auch fähig, Glauben aufzubringen. Es ist uns ganz klar, dass dieser ganze Vorgang einzig und allein auf das Wirken des heiligen Geistes zurückzuführen ist. Alles Wirken des Geistes führt zu Gott.

Niemand kann sich selbst für Gott entscheiden, niemand kann selbst bestimmen, ob er nun glauben möchte oder nicht. Jesus Selbst bezeugt dies in Joh 6:29:

“Dies ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt den derselbe ausgesandt hat!“

Und ebenso unmissverständlich bezeugt die Apostelgeschichte, dass nur solche zum Glauben kamen, die „zu äonischem Leben verordnet waren“ (Apg 13:48); und diese Verordnung ist eben das Werk Gottes!

Mit Beginn des Wirkens des heiligen Geistes beginnt Gott Sein Werk in uns, d.h. Er schenkt uns den Glauben. Damit entsteht etwas Neues in uns. Im Brief an die Korinther beschreibt Paulus dies so:

“Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist da eine neue Schöpfung: das ehemalige verging, siehe, es ist neu geworden“ (2Kor 5:17).

Und den Galatern schreibt er:

Zusammen mit Christus bis ich gekreuzigt; ich lebe aber, doch nicht mehr ich, sondern in mir lebt Christus“ (Gal 2:20).

Wenn im ersten Textwort zu lesen ist „das Ehemalige verging“, so bekommen wir in dem z weiten Textwort an die Galater gleich die Antwort, auf welche Weise das „Ehemalige“ verging: Es wurde mit Christus gekreuzigt!

Wir befinden uns also in einer verstandesmäßig kaum erfassbaren Zwitterstellung: Einmal lebt unser alter Mensch, das Fleisch, für jedermann sichtbar weiter bis zu seinem buchstäblichen Tod, doch im Glauben darf ich ihn, bzw. es heute schon als „Tot“ betrachten, es ist mit Christus am Kreuz gestorben; zum anderen existiert in mir mit Beginn des Glaubens, also mit Beginn des Wirkens des heiligen Geistes in mir, etwas Neues, etwas Gottgewirktes. Dieses Neue, Paulus bezeichnet es als „neue Schöpfung“, ist von der alten Schöpfung völlig unabhängig, es ist göttlicher Natur und auf Gott ausgerichtet.

Hierzu darf noch etwas für uns Gläubige als Zuspruch gesagt werden: Wenn wir im Glauben mit Christus gestorben sind, so sind wir dies auch vor Gott. Wenn uns unser alter Mensch noch zu schaffen macht, wenn wir sehen, wie er aus seinem alten und. Unverbesserlichen Wesen heraus immer wieder für uns Belastendes hervorbringt, so dürfen wir wissen, dass der Vater diese alte Menschheit, unser Fleisch, nicht mehr sieht. Wenn Er uns anschaut, dann sieht Er uns nur noch in dem Sohn. In Christus existiert ja das Alte nicht mehr, weil es mit gekreuzigt wurde. Ist dies nicht eine befreiende Botschaft für uns alle!

Unser Herz wird gereinigt

Im Gegensatz zu dem Bundesvolk Israel und auch im Gegensatz zu unserem sündigen Fleisch wird unser Herz nicht erneuert bzw. in den Tod gegeben, sondern es wird von Gott gereinigt. Dies geschah, bzw. geschieht, als uns Gott den Glauben schenkte, als wir das Wort der Wahrheit hörten und versiegelt wurden. Schon Petrus bezeugte auf dem Apostelkonzil in Jerusalem, dass Gott zwischen den christusgläubigen Juden und den Gläubigen aus den Nationen keinen Unterschied mehr machte, sondern ihre Herzen durch den Glauben reinigte (gem. Apg 15:9).

Nach Gal 4:6-7 und Röm 8:15-17 schickt Gott in unsere Herzen den Geist des Sohnesstandes, in welchem wir laut rufen. Abba, Vater! Daher sind wir nicht länger Sklaven, den Grundregeln der Welt und des Gesetzes versklavt und im Herzen verfinstert, sondern Kinder, ja Söhne und Losnießer Gottes durch Christus Jesus.

Dieses Werk Gottes bedarf von unserer Seite aus keiner Ergänzung.

Es ist die herrliche Botschaft und die beglückende Erfahrung jedes Gläubigen, dass Gott Seine Liebe in unsere Herzen ausgegossen hat durch den uns gegebenen heiligen Geist. Wo Gott aber in der Finsternis des Herzens Sein Licht und Seine Liebe erglänzen lässt, da ist der Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi aufgegangen, da hat Er das Herz durch den Glauben gereinigt. Aus solchen Herzen quillt der Lobpreis für Gottes unbeschreibliche Liebe, die sich im Sohne offenbart.

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5. Jaget nach der Liebe