Christi Siegeskundgebungen

Aus Bibelwissen

"Der Glaube Jesu Christi" Band 1+2
aus der Reihe „Christi unausspürbarer Reichtum“
von M. Jaegle 1981

Abschrift mit freundlicher Genehmigung von Gerhard Groß, Balingen
Als Schrift noch erhältlich

siehe weitere Abschriften
Inhaltsverzeichnis

Der Glaube Jesu Christi

6. Christi Siegeskundgebungen

Christi erster Ausspruch

Wenn wir fragen, wie der Herr Seinen Triumph am Kreuz errang und kundtat, so geschah dies durch SEine Aussprüche.

Gleich mit Seinem ersten Ausspruch errang der Herr einen Doppelsieg, durch den der Widerwirker zwei gewaltige Schläge erhielt. Das geschah zuerst durch Christi Ausruf "Vater" und Sein Einstehen für Seine Feinde. Mit diesem Anrufen Seines Vaters hat der Herr vor der sichtbaren und ganz besonders vor der unsichtbaren Welt bezeugt: Ich, der ausgestoßene, der Elendeste der Elenden, der hier in tiefster Schmach den Verbrechertod stirbt, "Ich bin Gottes Sohn", und "Gott ist Mein Vater".

Mit Seinem Sich-Hinwenden und Anrufen-des-Vaters zum Darlegen der Bitte für Seine Feinde hat der Herr zugleich bezeugt, dass der Vater auch am Kreuz bei Ihm geblieben ist. Und keineswegs hatten die Ihn umklammernden Mächte vermocht, Ihm die nahe Gegenwart des Vaters zu verdunkeln oder gar. zu rauben.

Auch wird mit Christi erstem Ausspruch noch eine weitere Bresche in die Front des Feindes geschlagen. Es war das von innigstem Mitleid sprechend Gebet für Seine Feinde. Eine umfassendere und hasserfülltere Feindschaft hätte ja Stan nicht m ehr über Ihn bringen können. Er konnte nichts anderes denken, als dass unter dieser. Belastung die Liebe Gottes, die der Herr ja gerade vom Kreuz offenbaren sollte, einfach in Ihm ersticken müsse.

Doch jetzt muss er feststellen, dass er mit seinem Vernichtungsplan gerade das Gegenteil erreicht hat - nämlich der Liebe Gottes die einzigartige Möglichkeit zu bieten, sich am wunderreichsten zu enthüllen! Mit seinem abgrundtiefen Hass hatte er den aller schwärzesten Hintergrund geschaffen, auf dem die Liebe Gottes im wunderbarsten Herrlichkeitsglanze aufstrahlte, und dies unauslöschlich bis hinein in die Ewigkeit"! So diente das, was der Feind verhindern wollte, ausgerechnet der Liebe Gottes und Christi in ungeahnter Weise.

In der Bitte um Vergebung für Seine Feinde war ja auch er als Christi größter und erbittertster Feind eingeschlossen. Und wie erniedrigend muss es für ihn, den Überstolzen gewesen sein, zu denen gestellt zu werden, die nicht wussten, was sie taten! Mithin beinhaltete schon Christi erster Ausspruch einen großen Sieg über Satan.

Christi zweiter Ausspruch

Der Szene mit den beiden Verbrechern wird Satan wohl mit der größten Aufmerksamkeit gefolgt sein. Welche Genugtuung muss ihn erfüllt haben, als die zwei Mitgekreuzigten, die er zu Verbrechern gemacht hatte, den Herrn schmähten (Mk 15:32). Das waren für ihn zwei gute Helfershelfer, zusammen mit den Hohen des Volkes, die ihn auch schmähten. Doch was muss Satan auf einmal ge wahren? Einer der beiden Verbrecher beginnt, den anderen zurechtzuweisen und sich für die Unschuld des Christus einzusetzen (Lk 23:40). Aber nicht genug damit, jetzt bittet dieser den Herrn noch um die Aufnahme in Sein Königreich, wenn Er zu dessen Aufrichtung kommt! Und mit felsenfester Bestimmtheit bekommt dieser Bittende die Zusage, dass er ins Paradies aufgenommen werde. Und wieder musste Satan, aber diesmal ganz bitter, erfahren: Christus hält im Glauben an Seiner Königsherrschaft fest!

Überdies bekam der Feind noch eine besondere Lektion. Dieser Verbrecher, den er doch ganz in seiner Hand wähnte, wurde ihm in der aller kürzesten Zeit genommen. Er wurde sogar ein Eigentum und eine Siegesbeute Christi. Also nicht nur Worte hat der Herr gesprochen, die allein schon wie Keulenschläge in die feindliche Front fielen. Er vollbrachte sogar eine ganz gewaltige Rettungstat an einem zutiefst in Satans Bann Geratenen, und dies in seiner letzten Lebensstunde, da Er in größter Schwachheit war. Wohl mit Schrecken musste hier der Widerwirker die ganze Rettermacht Christi erkennen. Und wenn Er nun am Kreuz fähig war, eine so gewaltige Tat zu vollbringen, mag ihm da nicht schon eine Ahnung aufgegangen sein, dass Christus gerade am Kreuz ein Rettungswerk vollbringen würde, mit dem Er ihm schließlich noch alle in seiner Gewalt befindlichen Opfer nehmen würde - uns schließlich noch ihn selbst!

Jetzt war Christi begonnener Siegeslauf nicht mehr aufzuhalten, und die Macht des Feindes zerbröckelte immer mehr.

Christi dritter Ausspruch

Der dritte Ausspruch galt der Fürsorge Seiner geliebten Mutter. Hatte Er im ersten Ausspruch Sich Seiner unwissenden und irregeführten Feinde angenommen, so stand Sein Herz im zweiten Ausspruch wohl nur einem Einzelnen offen, einem Ihm Entfremdeten und fernstehenden, der ganz offensichtlich Sein Herz gekränkt hatte (Mt 27:44), der aber dennoch zu Ihm und Seinem Paradies heimgefunden hatte.

Doch bei Seinem dritten Wort galt Seine ganze Fürsorge nur einem Ihm nahestehenden Menschen, Seiner Mutter. Damit hat Er wohl bekundet, dass Er als der für alle Gekreuzigte auch noch eines jeden Retter werden wird.

Noch ein weiterer vorbildlicher Zug der Gesinnung wird in diesen drei Aussprüchen des Herrn offenbar. Seine erste Fürsorge galt nicht Seiner Mutter, sondern Seinen fernstehenden feinden und dem Verbrecher. Die menschliche Einstellung ist aber die, dass zuerst der Eigenen gedacht wird, wenn es sich um eine notwendige Fürsorge handelt. Leider trifft diese Gesinnung auch auf Gläubige zu. Solche sind nur auf die Rettung ihrer Familienglieder und Verwandten bedacht. Um die anderen Menschen kümmern sie sich wenig und um Feinde kaum oder überhaupt nicht.

Glaubende, die diese Einstellung haben, werden vom Herrn vom Kreuze herab eines anderen belehrt. Nicht die Rettung der Eigenen soll im Vordergrund stehen, sondern die der weitab stehenden feinde Gottes und der Verbrecher. Das ist Gesinnung Christi! Auch die Konjugation des hebräischen Tätigkeitswortes weist uns diesen Weg, denn dabei geht es nach der Reihenfolge: Er, du, ich, im strikten Gegensatz zu: Ich, du, er! Vorbildlich kommen zuerst die anderen Fernstehenden, an die Reihe und zuletzt das uns am nächsten liegende Ich.

Wie wir erkennen durften, gehen alle diese Aussprüche des Herrn darauf hinaus, dem Satan alle Geschöpfe aus der Hand zu nehmen und für Sich zu gewinnen. Das waren für Gott die köstlichen Früchte des standhaften Glaubens Seines geliebte4n Sohnes. Es war das pure Gegenteil dessen, was Satan bezweckte: den Glauben Christi zu erschüttern und zum Zusammenbruch zu bringen. Damit wollte der Widerwirker Gottes und Christi Liebe in undurchdringliches Dunkel hüllen. Nun aber erstand Christus vor ihm in ungeahnter Größe! Wenn der Feind nicht so verblendet gewesen wäre in seinem Hass und nicht einen so starken Geist des Widerstandes erhalten hätte, würde er hier schon die Aussichtslosigkeit seines Sieges über Christus eingesehen haben. Aber sein Hass gegen Ihn machte ihn völlig blind. Deshalb gab er sich nicht geschlagen. Das musste so sein, denn damit gab er dem Herrn Gelegenheit, einen noch vollkommeneren Sieg zu erringen und des Vaters Willen ganz zu erfüllen. Der Widerwirker war eben uns wissend über Gottes Heilsvorsatz für die ganze Schöpfung - an dessen Erfüllung er mit seinem Generalangriff auf Christus wesentlich mithelfen musste.

Christi Weg zum Endsieg

Vorbereitung zum vierten Ausspruch

Mit Seinen drei schon angeführten Aussprüchen: Gebet für die Feinde, Verheißung an den erweckten Verbrecher, Vorsorge für Seine Mutter, hatte der Herr bereits einen dreifachen Sieg über Satan errungen. Es waren Triumph Seines standhaften Glaubens!

Aber noch war das nicht Sein Endsieg. Diesen musste Er mit einem zu Seinem Gott gesandten Ausruf erringen, der Seinen vollen Endsieg über Satan und die ganze Macht der Finsternis aufstrahlen ließ. Zwar hatte Er sich schon mit seinem ersten Ausspruch an den Vater persönlich gewandt. Dies war aber nicht in eigener Angelegenheit, sondern im Eintreten für Seine Feinde geschehen. Nun aber, nach den drei ersten Aussprüchen, offenbarte Er im vierten Ausspruch, wie Er zu den furchtbaren, Ihm von Gott als Vater Selbst zugedachten Leiden und zu der dem Widerwirker über Ihn erteilten Vollmacht stand.

Es wäre schon viel gewesen, wenn Gott gesehen hätte, wie Sein Sohn, ohne zu klagen, heldenhaft die über Ihn verfügte Kreuzesqual ertrug. Überaus mehr hätte es bedeutet, wenn der Herr dem Vater für diese Pein noch hätte danken können. Doch genügte selbst ein aufrichtiger Herzensdank weder dem Vater noch dem Sohn, weil Jesus schon zu Beginn Seines Dienstes im Geiste frohlockte (Lk 10:21), und zwar als bereits eine verstockte Priesterschaft Ihn am mit tödlichem Hass verfolgte und das Kreuz vor Ihn stellte. Diese dem Vater vom Herrn während Seines Erdenlebens dargebrachte frohlockende Huldigung muss für Satan schon immer ein schwerer Schlag und deshalb ein Dorn im Auge gewesen sein. Und so ist es zu verstehen, dass Satan durch seine Söhne, die Pharisäer, den Herrn übermäßig zu belasten versuchte, um dann am Marterpfahl einen klagenden Schmerzensausruf aus Ihm herauszupressen, ob all der Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit, die Ihm widerfuhr. Und hätte der Feind gar erreicht, den Herrn schon früher in Seinen Erprobungen zum Ausruf einer Warum-Frage zu drängen, so wäre das für ihn ein gutes Vorzeichen gewesen, auch einen ähnlichen Sieg über Christus am Kreuz zu erringen.

Satan an seinen Platz gestellt

Aber nun muss Satan feststellen,m dass er vom Herrn einfach übergangen wird, der das Böse nicht von ihm, sondern aus Gottes Hand nimmt. Jesus wusste, aus welcher Quelle Ihm die Leiden so überreichlich zuflossen (Jes 53), da Gott in Seiner Weisheit den Weisen dieses Äons, den religiösen Führern des Volkes, Sein Heilswerk verborgen hatte. (1Kor 2:7.8). Darum lässt der Herr bewusst den Widerwirker und seine Söhne ganz auf der Seite und bekennt damit: Das Kreuz ist von Gott, wozu Ich Ihm freiwillig Mein Jawort gab! Es ist eine Sache, die nu r zwischen Ihm und Mir zustande kam, und keines Seiner Geschöpfe hat uns durch irgendeine finstere Machenschaft dazu genötigt!

Obwohl der Widerwirker und die ganze Finsternismacht wesentlichen Anteil an diesem göttlichen Vorsatz haben, so sind sie doch nicht die Ursache, sondern nur ausführende Werkzeuge, von Gottes Liebesratschluss. Mit dieser Stellungnahme hat der Herr schon während Seines Erdenlebens dem Satan alle Selbstständigkeit genommen und ihn als einen in Gottes Plan fest Eingefügten entlarvt. Das bedeutete für den Feind eine Herabsetzung seiner Selbsterhöhung, die er sich anmaßte und die ihm in den Dogmen der Christenheit zugesprochen wird. Damit wurde der Lehre, wonach er ein früherer Engelfürst gewesen sei, der sich selbst zu Gottes Widerwirker machte, ein schwerer Stoß versetzt. Aber das war erst der Anfang des begonnenen Siegeslaufes Christi.

Satans Großangriff

Angesichts der drei von Christus über Satan errungenen Siege sollte man meinen, dass Satan in die Verzweiflung getrieben worden sei und nun den Kampf aufgeben würde. Aber weit davon entfernt geht jetzt der Widerwirker mit letztem Kräfteaufgebot zu dem alles entscheidenden Generalangriff über. Er muss sich bewusst gewesen sein, dass mit dem nun folgenden vierten Ausspruch Christi die endgültige Entscheidung fallen würde: entweder der triumphierende Höhepunkt der gesamten Heilsgeschichte oder ihr Tiefstpunkt, um nicht zu sagen ihr Zusammenbruch! Denn mit den Worten, die Jesu jetzt zu Gott richtete, musste vollends offenbar werden ob sich Satan aus eigenem Entschluss zum Widerwirker Gottes gemacht habe, oder ob er von Gott also erschaffen wurde, wie er war!

Die dreistündige Finsternis

Aus diesem Grunde kann man verstehen, dass Satan jetzt zusätzliche Anstrengungen machte, um Seine vollmacht über den Sohn Gottes gänzlich auszuschöpfen. Dafür standen ihm auch die Naturgewalten zur Verfügung. So kam um die sechste Stunde eine Finsternis über das gesamte Land, weil die Sonne ausblieb (Lk 23:44). Dass Satan bei gewissen Anlässen auch Vollmacht über die Naturgewalten hat, sehen wir bei Hiob. Durch die ihm von Gott über diesen Frommen erteilte Vollmacht durfte er nicht nur Menschen zur Zerstörung ihres Vermögens aufhetzen (Hi 1:14-17), sondern auch Naturgewalten gegen ihn entfesseln (Hi 1:16.19). Nach Vers Hi 1:16 ließ er Feuer Gottes vom Himmel fallen und mit einem Sturmwind brachte er seine Kinder um (Hi 1:19).

Nun ist während der Kreuzigung Christi mit der dreistündigen Finsternis ganz Ähnliches geschehen. Vergleichen wir hierzu das Geschehen bei Hiob.

Dort heißt es: "Feuer Gottes ist vom Himmel gefallen" (Hi 1:16) und ein starker Wind kam von jenseits der Wüste her..." (Hi 1:19).

Im Bericht über die dreistündige Finsternis lesen wir: "... und Finsternis war über das ganze Land ..., weil die Sonne ausblieb"! (Lk 23:44).

Bei Hiob ist mit keinem Wort Erwähnt, dass Satan der Bewirker der beiden Naturkatastrophern (Feuer und Sturm) gewesen wäre, obwohl er in der ihm von Gott gegebenen Vollmacht diese Kräfte gegen Hiob einsetzen durfte.

Nun hat aber der Widerwirker über Christus am Kreuz noch größere, ja unumschränkte Vollmacht erhalten. Bei Hiob wurde dem Feind eine Grenze gesetzt; denn er durfte ihn wohl mit bösen Geschwüren quälen, aber es wurde ihm nicht erlaubt, sein Leben anzutasten (Hi 2:6): "... nur schone sein Leben" (oder nach dem Urtext: seine Seele). Jedoch über Seinen geliebten Sohn gab Gott dem Satan nach jeder Seite hin freie Hand, so dass er mit seinen Mächten den Sohn Gottes am Kreuz grausam zu Tode quälen und folgern durfte. Schon drei stunden lang hatten die den Herrn umklammernden Fürstlichkeiten und Obrigkeiten versucht, Ihn in innere Verdunkelung zu stürzen. Aber sie hatten mit jedem Seiner Aussprüche Schlag um Schlag erhalten. Und nun hatte der Feind Ihn auch noch mit einer Grauen erregenden äußeren Finsternis umgeben. das war ein Großangriff sondergleichen, bei dem es Satan ums Ganze ging! Bei diesem Generalangriff auf Christus waren dem Feind von Gott keine Schranken gesetzt, wie es vorher jedesmal der Fall war. Gerade die in der Erprobung Hiobs offenbar werdenden Schwächen müssen Satan zum Durchhalten im Kampf gegen Christus angespornt haben.

Hiobs Schwächen

Zwar erlitt der Feind in seinen zwei ersten Anläufen jedesmal eine Niederlage! Wiewohl Gott Satan ermächtigt hatte, Hiob Hab und Gut, ja sogar seine Kinder zu rauben, und darauf auch noch seinen Körper anzutasten, so hatte er dennoch nicht erreicht, dass sich Hiob von Gott lossagte. Im Gegenteil, Hiob betete Gott an: "Jewe hat gegeben, Jewe hat genommen, der Name Jewes sei gesegnet" (Hi 1:21). Und Hiob schrieb Gott nichts Ungereimtes zu. Und noch einmal bezeugte er seien standhaften Glauben der Frau gegenüber, dass er das Böse aus Gottes Hand nehme (Hi 2:10).

In unvergleichlich größeren Schmerzen hatte dann der Herr., noch mehr wie Hiob, vollkommen gute und Gott verherrlichende Aussagen gemacht. Doch Satan fand in Hiobs weiterer Geschichte Vorkommnisse, die ihn ermutigten, in den Angriffen auf den Sohn Gottes auszuharren. Was er nämlich anfangs bei Hiob nicht erreicht hatte, das haben Hiobs Freunde zuwege gebracht. Mit fortwährenden Anklagen und Verdächtigungen, er leide wegen irgend einer verübten Sünde, haben sie ihm so zugesetzt, dass er in unbesonnenen Worten (Hi 6:3) Gott tatsächlich Ungereimtes zuschrieb und sogar den Tag seiner Geburt verfluchte (Hi 3:1).

Dasselbe erlitt der Herr durch die Obersten des Volkes, die Ihn mit Hohn und Spott überhäuften. Mit diesen ihm Hörigen wollte Satan auch des Herrn Glauben wankend machen, wie es ihm bei Hiob mit dessen Freunden teilweise und. zeitweilig gelang. Als Mann de rSchmerzen war Jesus zusätzlich noch von Finsternis umgeben und von den gEwaltigen der Finsternis umklammert. Aus dieser Notlage heraus entsprang nun Seinem Gott gegenüber die Äußerung, wie Er diese Marter ertrug. Da Ihm am Kreuz nichts mehr verblieb als der nackte Glaube - auf die Hilfe der zwölf Legionen hatte er ja freiwillig verzichtet - ging Satan darauf aus, diesen Glauben zum Zusammenbruch zu bringen.

Wenn wir diese Angriffe Satans auf Christus überblicken so gewinnen wir den Eindruck, dass der Feind sich damit vollausgegeben hat, denn er mobilisierte alle ihm zu Verfügung stehenden Kräfte und Mittel. Er muss damit gere chnet haben, dass der Herr einer solchen Überbelastung nicht standhalten würde und schließlich nur noch mit zusammengebrochenem Glauben und einem Verzweiflungsschrei enden werde.

Zweifelsschrei und Gottverlassenheit

Damit kommen wir zu einer der betrüblichsten falschen Übersetzungen, die in den Bibeln stehen, der des Schreies Christi: "ein Gott! Mein Gott! warum hast Du Mich verlassen?"

Wie hat doch der falsch übersetzte Schrei Christi das bisherige geschehen grundsätzlich verändert: der Sieger wird zum Besiegten, und Satan ward wird trotz seiner vernichtenden Niederlagen zum Sieger erhoben. Und welch weitere Tragik liegt darin, dass. ununterbrochen über den Verzweiflungsschrei und die Gottverlassenheit des Sohnes geschrieben und gesprochen wird, als ob eine solch hoffnungslose Lage des Sohnes ganz mit dem göttlichen Heilsvorsatz übereinstimmen würde. Jahrhundertelang stand dieser Irrtum unbeanstandet in ungezählten Bibeln, ohne dass erkannt wurde, dass hier der Herr in Seinem Erlösungswerk zusammengebrochen wäre. Lasst uns dazu den Bibelkritiker R. Bultman anhören, der mit Recht aufgrund des falsch übersetzten Ausrufes sagt: "Wir dürfen uns nicht verschleiern, das Jesus am Kreuz zusammengebrochen ist." Dieser Leugner der herrlichsten göttlichen Heilswahrheiten greift mit wahrer Genugtuung den falsch wiedergegebenen Schrei auf zur Rechtfertigung seiner Abfalllehren. Den Gläubigen gibt er deutlich zu verstehen, dass Christus als ein Gottverlassener und Zusammengebrochener doch kein Erlöser sein kann. Hätte der Herr tatsächlich einen solchen Ruf der Verzweiflung ausgestoßen, dann hätte der genannte Bibelkritiker diesen besser verstanden als die meisten Gläubigen und Bibelübersetzer, die unentwegt an der Gottverlassenheit des Sohnes festhalten.

Die verhängnisvollen Folgen

Die Folgen eines solchen Zusammenbruchs wären gar nicht zu übersehen, so katastrophal müssten diese für Gott und sein Heilswerk sein. Hingegen wäre der Widerwirker der große Nutznießer eines Verzweiflungsschreies des Sohnes Gottes. Dann wäre es ihm gelungen, den bis dahin in vollem Siege stehenden geistesmächtigen Gottessohn zu einem seelisch Zusammengebrochenen zu machen. Vater und Sohn werden in einer zerstörten und unterbrochenen Gemeinschaft gezeigt, die nur zum Vorteil der Finsternismacht dient und von der wahren Siegesmacht Christi ablenkt und ein Zerrbild vermittelt. das Zusammenwirken im Werk der Allaussöhnung wäre unterbrochen worden, und eine mit Recht Besorgnis erregende Lücke wäre darin entstanden. Denn sowohl die Tilgung der Sünden als auch das Tragen des Gerichtes Gottes hätte der Sohn nicht mehr fortsetzen können. Die Erlösung hätte durch die Verlassenheit Christi nicht mehr alle Menschen erfasst, und ein Großteil des Gerichtes wäre weiter bestanden. Da es dafür keine andere Tilgung und Vollendung gab als die sechs Kreuzesstunden, wäre es endlos geblieben. Demzufolge könnte man mit Recht aus einem von Christus, dem Retter, ausgestoßenen Verzweiflungsschrei die ewige Verdammnis herleiten. Damit wäre der Widerwirker als Engelfürst bestätigt, der gegen Gottes Willen Böses und Sünde in die Schöpfung eingeführt hätte, und zwar in solche verheerendem Ausmaß, dass Gott trotz der Seinem Sohne gegebenen Zusicherung, bei Ihm zu bleiben, diese um der vielen Sünde willen nicht zu halten vermochte, sondern Seinen Sohn in der allergrößten Not, im Erdulden des Fluchgerichts über die Sünde, verlassen musste.

Und wie würde Gott Selbst hingestellt? Er hätte die dem Sohn gegebene Zusicherung, Er werde Ihn nicht verlassen (Joh 16:32) - wie es die Jünger taten - gar nicht gehalten und wäre damit wortbrüchig geworden! Da aber Gott nicht lügen, noch Sich Selbst verleugnen kann, und Er deshalb bei seinem Sohn ausharrte, hätte Satan den Herrn so verwirren können, dass Er die Gegenwart Gottes gar nicht mehr wahrnehmen konnte und nach Ihm geschrien hätte. Welch tiefer Schmerz hätte Sein Vaterherz ergriffen, Seinen Sohn in solch aussichtsloser Lage sehen zu müssen. Wie Gott entehrt würde, wenn Er den Sohn verlassen hätte, so würde er andererseits auch der der Sohn sein durch Sein ganz widersprüchliches Verhalten, wie im Folgenden aufgezeigt wird.

In Röm 15:18 schreibt Paulus, dass er nur das verkündige, was Christus durch ihn bewirke. Nach Gal 1:2 und Eph 3 ist Ihm der Herr Selbst erschienen, um ihm mitzuteilen, was er zu verkündigen habe.

Und nun lesen wir in dieser Sicht 2Kor 5:19: "Gott war in Christo..." Also hat der Herr auch diese Enthüllung dem Paulus geschenkt. Würde Er aber am Kreuz gerufen haben, Gott habe Ihn verlassen, so hätte Er sich ja in einen offensichtlichen Widerspruch verwickelt. Denn würde Er einen lauten Schrei der Gottverlassenheit ausgestoßen haben, so hätte Er doch niemals als der Auferstandene und Verherrlichte in die Bibel schreiben lassen, dass Gott während dem Vollbringen des Versöhnungswerkes am Kreuz "in Ihm war, d. h. noch inniger mit Ihm verbunden war, als wenn Er nur bei Ihm geblieben wäre. Welch ein wichtiger Zeuge ist doch diese tiefe Offenbarung "Gott war in Christo" für die Wahrheit, dass Gott Seinen Sohn am Fluchholz nicht verlassen hat.

Satan als Nutznießen

Der in der Gottverlassenheit Zusammengebrochene hätte für Gottes Heilswerk unermesslichen Schaden verursacht, und Satan hätte daraus seine größten Vorteile gezogen. Denn nachdem der Feind mit Christi drei ersten Aussprüchen jedesmal eine Niederlage entgegennehmen musste, wäre er mit dem vierten Ausruf eines Verzweiflungsschreies nicht nur fei ausgegangen, sonder als Sieger dagestanden. Für Satan wäre der Schrei des Gottverlassenen ein sicherer Beweis gewesen, dass er nun vom Herrn als seinem bis dahin immer weit überlegen gewesenen Gegner nichts mehr zu fürchten habe. Bestimmt hätte der Widerwirker diese für ihn einmalig günstige Gelegenheit wahrgenommen, um mit seinen Helfershelfern zum allerletzten , vernichtenden Anlauf gegen den bereits zusammengebrochenen Herrn auszuholen. Wenn der Feind auch bald darauf vom Herrn zu hören bekam: "Es ist vollbracht", der Sieg ist errungen und das Ziel erreicht, so hätte diese Siegesproklamation keinen Eindruck auf ihn gemacht. Ihm wäre klar gewesen, dass einer, der in innere Verdunklung geraten ist und nicht mehr weiß, um was er zu kämpfen habe, eher seine Niederlage zugeben müsste, anstatt vom Sieg als einem vollbrachten Werk zu reden. Wenn schon einer so widerspruchsvoll handelte, würde er sich selbst herabwürdigen. Denn wie von Hiob, der nach seinen zwei Siegen Gott doch noch Ungereimtes zuschrieb, so hätte Gott von Seinem Sohn noch viel Ungereimteres zu hören bekommen. Auch wäre das Kreuz zu einer göttlichen Ungerechtigkeit geworden. Die ganze fragwürdige Erbärmlichkeit des Zweifelsschreies wird erst recht offenbar, wenn wir jetzt den wahren Wortlaut hören.

Christi Glaubenssieg

Christi viertes Wort

Hier verweisen wir auf unser Buch: Christi Schrei am Kreuz - Sein herrlichster Lobpreis. Darin ist eindeutig dargelegt, dass Sein lauter Ausruf nur mit: "Mein Gott! Mein Gott! Wozu Du mich übrig gelassen hast"!" folgerichtig wiedergegeben ist.

Der bei den Gläubigen und in der ganzen Christenheit fest eingebürgerte Schrei: "Mein Gott! Mein Gott! Warum hasst Du Mich verlassen?" muss sich also nach dem wirklichen Wortlaut durch drei Korrekturen richtigstellen lassen. Anstelle des "Warum" tritt das "Wozu" und "verlassen" muss dem "übrig gelassen" weichen. Und anstatt eines Fragezeichens muss ein Ausrufezeichen stehen, denn es sind der weiteren Beweise viele, die den Schrei Christi als Lobpreis und frohlockende Huldigung rechtfertigen. Dafür spricht auch Eph 3:12: "... in welchem (Christus Jesus) wir den Freimut und den Zutritt mit Vertrauen durch S e i n e n G l a u b e n haben." Wenn die Schrift vom Glauben Christi redet, so ist damit stets in erster Linie Sein am Kreuz ausgelebter Glaube gemeint. Freimut und Vertrauen sind demnach Früchte des Glaubens Christi, die wir nun als ganz hochstehende Heilsgaben empfang. Dies alles ist nur möglich, weil der Herr Selbst als Erster, in unerschütterter Glaubenstreue Freimut und Vertrauen zu Seinem Gott ununterbrochen auslebte. Ein Zweifelsschrei würde diesen Glaubenssieg zunichte gemacht haben. Wenn wir fragen, was Ihn denn frohlocken machte, so kann uns Abraham den Weg weisen. Von ihm sagt der Herr: "Abraham, euer Vater, frohlockte, dass er Meinen Tag sollte gewahren, und er gewahrte ihn und freute sich" (Joh 8:56). Hier erfahren wir durch Jesus etwas Außerordentliches aus Abraham Leben. Er durfte den Tag des Herrn, also dessen tausendjähriges irdisches Königreich gewahren. Und darüber freute er sich, ja er frohlockte, ob dem geschauten herrlichen Zukunftsbild. Unser Herr hatte aber nicht nötig, auf dieselbe Weise Sein Königreich zu schauen, denn im Geist aus Glauben überblickte Er den gesamten Verlauf des göttlichen Heilsratschlusses. Dass Er diese alle und alles umfassende Erkenntnis am Kreuz besaß, ist Seiner Aussage in Joh 16:12 zu entnehmen: "Noch vieles habe Ich euch zu sagen..." Er Selbst wusste also um dieses "Viele", das Er den Jüngern damals noch vorenthielt, weil sie für die weitere Entwicklung des göttlichen Heilswerkes noch nicht reif genug waren. Er erwartet als Nächstes, dass Gott infolge der erneuten Verstockung Israels Seinem Sohn eine Anzahl Auserwählter aus allen Nationen als Ihm zu Seite stehendes Heilsorgan für die Himmelswelt geben werde.

Darauf wird Er für Seine Königsherrschaft auf der Erde Israel, als gehorsames Volk, zum Mitherrschen empfangen. Dieses durfte Abraham gewahren, worüber er frohlockte. Dies bedeutet aber für den Herrn nur den Anfang. Sein Glaube war unendlich viel weitreichender. Er wusste um deine neue Erde und um die Milliarden Nichtauserwählter, die nach dem erleiden der Gerichtsurteile vor dem weißen Thron diese neue Erde bevölkern werden. Er wusste, dass Er nicht nur die Erde, sondern auch die darauf lebende Menschheit durch Gericht und Gnade, neu schaffen werde und ihr diese neue Erde zu einem viel herrlicheren Paradies machen werde, als es die erste war. Und wie diese vielen Menschen in ihrem ersten Leben unter Satans Herrschaft gelitten hatten, so werden sie dann unter der Regentschaft Christi von Glückseligkeit zu Glückseligkeit geführt werden. Ja, sie werden überaus gesegneter sein, als es Adam und Eva im Garten Eden waren.

Doch der Herr blickte in eine noch fernere Zukunft und gewahrte die alles überstrahlende Vollendung: Ein ausgesöhntes All, da Gott in allen Ihm in Liebe ergebenen Herzen alles sein wird. Diese einzigartige Schau de sGeistes gipfelte im Bewusstsein, dass Sein so schwer erkämpftes Heil für die gesamte Schöpfung seinem Vater zur allergrößten Verherrlichung gereichte. Diese Gewissheit, Seinem Gott und Vater durch Seinen Glaubensgehorsam eine solche Ehre zu erweisen, entlockte Seinem Herzen eine von Frohlocken getragene Huldigung: Mein Gott, Du hast Mich übrig gelassen und auserkoren zum Vollbringen des Herrlichsten, das es gibt!

Mit diesem alles menschliche Begreifen übersteigendem Glaubenssieg hatte Er Seinen Gott von dem Ihn entehrenden Verdacht befreit, Er wäre von einem Geisteswesen überlistet worden, um dessetwillen Er Seinen geliebten Sohn also habe leiden lassen. Christus hat also am Kreuz gerade das Gegenteil offenbar..: Gott hat Satan den "Weisen" erhascht in seiner List (Hi 15:13; 1Kor 3:19)!

Statt dass es Satan gelang,alle Segensquellen zu verstopfen, gebrauchte ihn Gott, di egrößte und wunderreichste aller Segensquellen zu öffnen. Überdies war es dem Sohn Gottes geschenkt, auf dem sehr dunklen Hintergrund finsterer teuflischer Machenschaften den größten Glaubenssieg zu erringen, um hernach von Gott übererhöht zu werden.

Mit dem Kreuzgeschehen fand auch die Josephsgeschichte ihre hehre Erfüllung. Wie Gott damals das Böse der Brüder gebrauchte, um alle, die ganze Welt, Sich Selbst und Joseph unaussprechlich reich zu segnen, so hat nun der Herr durch williges und frohlockendes Erdulden des Bösen am Fluchholz für Gott und das ganze Universum einen Strom überfließenden Segens hervorbrechen lassen.

Christi Geistes- und Glaubensstärke

Jetzt gilt es noch die Frage zu beantworten, ob es dem Herrn überhaupt möglich war, in den furchtbaren Kreuzesqualen Seinem Gott einen solchen Lobpreis darzubringen. Ziehen wir allein unser seelisches, leidensscheues Empfinden in betracht, dann neigen wir dazu, eher einen Notschrei der Verzweiflung aus Jesu Mund zu hören als eine frohlockende Huldigung. Auf die rechte Spur hilft uns hierfür die Aussage in Lk 10:21, wo der Herr im heiligen Geist frohlockte. Bei diesen schweren Kämpfen des Herrn hatte nicht die Seele die Oberhand, sondern Sein Geist. Dazu wollen wir Folgendes bedenken: Er, der Sohn Gottes, war durch Gottes geist gezeugt (Lk 1:35). Er hatte aber auch Seinen eigenen Geist, denn die Schrift bezeugt, dass Christus nebst dem geist Gottes (Mt 3:16) auch einen eigenen Geist besaß (Gal 4:6). Demzufolge wirkten Gottes und Christ Geist zusammen, und dies in einem sündlosen Körper. Welche eine nicht zu beschreibende Kraft wirkte doch während der sechs Stunden des Kreuzes in Christus, auch wenn Er dem Körper nach aus oder in Schwachheit gekreuzigt worden ist (2Kor 13:4). Wir dürfen hier beim Herrn am Marterpfahl einen vollständigen Sieg des Geistes über das Fleisch erkennen. Nicht über das sündige Fleisch, denn der Herr war ja sündlos, sondern über die Leiden im Fleisch. Zwar empfand Er diese noch tiefer als djeder gewöhnliche Sterbliche, aber der Geist wirkte sich mächtiger aus als die furchtbaren körperlichen Schmerzen. Er triumphierte über diese. Ja, die Geistesstärke war in Ihm so überaus mächtig, dass sie Seinen Glauben mit überschwänglicher Kraft und Gewalt erfüllte. Und daraus entspross die dem Vater kostbare Frucht der frohlockenden Huldigung.

Dass des Herrn lauter Schrei ein Siegesruf war, beweisen in der Folge auch Menschen, die in schrecklichen Todesnöten dasselbe vollbrachten. Denken wir nur an Paulus und Silas, denen mit vielen streichen der Rücken blutig geschlagen (Apg 16:22.23) und darauf die Füße in den Stock gepresst wurden (Apg 16:24) und die in diesem qualvollen Ergehen Gott Lob sangen (Apg 16:25). Und viel Märtyrer haben seitdem auf dem Scheiterhaufen bis zum Erlöschen ihres Lebens gleichfalls danksagend Gott gehuldigt.

So gab es in neuerer Zeit unter der großen Zahl von Märtyrern zwei Chinesen, die um ihres Glaubens willen gezwungen wurden, ihr Grab selbst zu schaufeln. Danach legte man sie hinein und deckte sie lebendig mit Erdreich zu. Aber während der ganzen Zeit und bis zum letzten Atemzug sangen sie Jesus-Lieder. In dieser Treue bis zum Tod konnte diese Glaubenshelden nur durchhalten, weil der Herr zuvor am Kreuz diesen Sieg für sie errungen hatte. Hätte Er aber stattdessen einen Verzweiflungsschrei der Gottverlassenheit ausgestoßen, so gäbe es keine Überwinder. So hat der Herr am Kreuz den Anfang eines siegenden und alles überwindenden Glaubens zur Schau gestellt, den es vormals nicht. gegeben hatte. Und nun können und dürfen auch die Seinen diesen Glauben als Gabe empfangen und darin leben und siegen.

Die Abstreifung der Finsternismächte

In dieser übermächtigen Glaubenskraft errang der Herr noch einen anderen gewaltigen Sieg. Das war die Abstreifung der Fürstlichkeiten und Obrigkeiten, die Ihn mit eiserner Gewalt umklammert hielten. Im Grund muss der Herr diese Abstreifung schon mit Seinem ersten Ausspruch begonnen haben, denn durch jedes Seiner Worte wurde ein Bresche in die feindliche Front geschlagen. den letzten entscheidenden Schlag erhielten dies Mächte jedoch durch die frohlockende Huldigung Christi.

Damit hatte der Herr den Höhepunkt Seines Sieges erreicht, den Er dann mit seinem sechsten Ausspruch: "Es ist vollbracht" feierlich bekundete. Nun hatte Er Seine Gegner mit seinem starken Glauben endgültig besiegt. Sie mussten nun einsehen, dass sie den Kampf mit einem Helden aufgenommen hatten, dem sie weit unterlegen waren. Welch ein schrecken muss sie erfasst haben, als sie der Herr durch die Gewalt Seiner Glaubensstärke von Sich abstreifte, sie öffentlich als Besiegte zur Schau stellte und sie in ihm (dem Kreuz) im Triumph einher führte (Kol 2:15). Wie aus der Stichwortkonkordanz der Konkordanten Wiedergabe (S. 363) zu ersehen ist, steht im Urtext unter "abstreifen" wörtlich "Von-aus-schlüpfen", was besagt: aus etwas heraus- oder loskommen oder entschlüpfen, von dem man fest umschlossen ist. Im Sprachgebrauch wird dieser Ausdruck am meisten für die ausschlüpfenden Kücken gebraucht, die eine harte Schale durchbrechen müssen; oder auch von Insekten, die im Frühjahr die harte Erdkruste durchstoßen.

Dieselbe Tatsache wird beim Schmetterling offenbar, der die ihn einengende zähe Puppenhaut durchbrechen muss, um ins wahre, freie Leben zu gelangen. Bei jedem dieser Beispiele ist das Ausschlüpfen mit größter Kraftanstrengung verbunden. Doch ist dies alles nur ein schwaches Vorbild für die unvergleichliche Kraftentfaltung des Herrn am Kreuz.

Der Sieg der Wahrheit

Doch nun hat auch der falsch übersetzte Schrei Christi einen Dienst erhalten. Als dunkler Hintergrund hilft er mit, die Herrlichkeit des Lobpreises Christi und Seiner frohlockenden Huldigung umso heller aufleuchten zu lassen. Jetzt er ist Sein nachfolgendes Wort: "Es ist vollbracht" zu einem Siegesausruf, und zwar der gemeinsamen Zielerreichung von Gott und Seinem Sohn geworden. Daher sagt der Herr auch nicht: "Ich habe es vollbracht", sondern: "Es ist vollbracht". Damit bringt Er zum Ausdruck, dass nicht Er allein das Werk der Aussöhnung vollbrachte, sondern vielmehr gemeinsam mit Seinem Gott, der in Ihm war. Nie war der Sohn ein Gottverlassener, denn es war ein gemeinsamer Weg, den Vater und Sohn miteinander gingen bis hin zum glorreichen Ziel!

Welch herrliche Wahrheiten strahlen doch im wahren Schrei Christi auf! Es ist ein Gnadeneinwirken des Herrn, das Er schon vor Jahrzehnten begann, Seinen lauten Ausruf am Kreuz als Lobpreis und Sieg des Glaubens wieder ans Licht zu bringen. Zwar steht der falsch übersetzte Schrei als Glaubensniederlage und Ruf der Gottverlassenheit des Herrn immer noch als großes Bollwerk der Wahrheit entgegen. bare der Herr hat mit dessen Niederreißen gemäß 2Kor 10 begonnen, und in diesem Anfang ist schon der volle Sieg über diesen Irrtum enthalten. Aufs Ganze gesehen ist es erst eine kleine Zahl von Glaubenden, die der rechten Übersetzung voll und ganz zustimmt. Doch entspricht das ganz Gottes Art und Weise, Großes mit unscheinbar Kleinem zu beginnen.

Neben dieser Zahl von Glaubenden, die alle drei Korrekturen am Ausruf Christi bejahen, gibt es auch welche, die nur zwei für richtig anerkennen und immer noch am "verlassen" festhalten und das "übriggelassen" nicht annehmen können. Sie sehen den Herrn immer noch im zweifelhaften Licht eines Unwissenden und Sich-Selbst-Widersprechenden. Wenn die also eingestellten Gläubigen die üblen Folgen bedächten, die durch einen von Gott verlassenen Sohn entstünden, so würden auch diese in Bälde von der vollen Wahrheit überzeugt werden. Doch Gott hat den Siegeslauf dieser herrlichen Wahrheit in die Wege geleitet und wird ihn fortsetzen bis zu gänzlichen Überwindung der Bollwerke des Irrtums.

Mit all diesen Hinweisen ist der unerschöpflich Heilswert des am Kreuz ausgelebten Glaubens Christi nur angedeutet. Erst durch die tiefen Offenbarungen, die der Herr dem Apostel Paulus zur Bekanntgabe anvertraute, gibt Er uns Einblick in den unausspürbaren Reichtum Seines unerschütterten Glaubens.

Lies weiter:
7. Der Glaube Christi in der Nachkreuzperiode