Wenn der Glaube wankt – und Christus doch hält
Von Daniel Muhl
„Der HERR festigt dem die Schritte, dessen Weg ihm gefällt. Kommt er zu Fall, so stürzt er doch nicht, denn der HERR stützt seine Hand."
„Petrus schrie: Herr, rette mich! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?"
Während unserer Sommerferien wanderten wir als Familie manchmal in den Schweizer Bergen. Manchmal führte der Weg dicht an einem steilen Abhang entlang. Dann nahmen wir unsere kleinen Kinder an die Hand, weil sie noch unsicher gingen. Wenn sie stolperten, konnten wir sie sofort festhalten.
Psalm 37 enthält viele lebensnahe Weisungen für Menschen, die Gott vertrauen. David beschreibt darin Erfahrungen aus seinem eigenen Glaubensweg und gibt uns wichtige Hinweise für den Alltag. Mehrfach rät er uns: Beneide die Gottlosen nicht und ärgere dich nicht über sie (Ps 37:1-3).
Ähnlich wie Asaf in Ps 73. machte David die Erfahrung, dass Gottesfürchtige in der Gefahr stehen, auf das Wohlergehen und den Erfolg der Überheblichen zu schauen. Sie könnten sie beneiden und über sie zornig werden. Doch diese Haltung birgt die Gefahr zu fallen und am Glauben Schiffbruch zu erleiden. Asaf stellte fest:
"Ich aber – fast wären meine Füße ausgeglitten, beinahe hätten gewankt meine Schritte. Denn ich beneidete die Übermütigen, als ich das Wohlergehen der Gottlosen sah" (Ps 73:2-3).
Der neidische Blick auf das Wohlergehen rücksichtsloser und überheblicher Menschen kann uns mit Zorn und Bitterkeit erfüllen, sodass wir vom guten Weg des Vertrauens abirren. In solchen Momenten verändert sich unsere Blickrichtung: Statt auf Gott zu schauen, richten wir unsere Aufmerksamkeit auf die Umstände – auf das scheinbare Wohlergehen der Gottlosen oder auf die Stürme unseres Lebens.
Sowohl David als auch Asaf weisen uns darauf hin, dass der Weg gewissenloser und gieriger Menschen nicht gut endet, mag er anfänglich noch so erfolgreich aussehen (Ps 37:35-36 / Ps 73:17-20). Darum sollten wir uns weder ärgern noch empören, noch neidisch auf sie sein.
Psalm 37:24 übersetzt die Elberfelder Bibel wie folgt:
"… fällt er, so wird er doch nicht hingestreckt, denn der HERR stützt seine Hand."
Das hebräische Verb tuwal bedeutet „hingeworfen" oder „hingestreckt werden". Es beschreibt einen Zustand völliger Hilflosigkeit, aus dem man sich nicht selbst befreien kann. Der Glaubende kann zwar hinfallen oder stolpern, doch weil Gottes Hand ihn hält, bleibt er nicht hingestreckt liegen.
David und Asaf blieben nicht hingeworfen liegen. Petrus ging in den Wellen nicht unter. Warum? Weil die starke Hand des HERRN sie hielt. Zwar drohte Petrus zu versinken, als er auf den Wind statt auf Jesus sah. Doch nachdem er zu Jesus schrie: „Herr, rette mich!", streckte Jesus seine Hand aus und zog ihn aus den Fluten (Mt 14:30-31).
David, Asaf und Petrus neigten alle zu einer falschen Blickrichtung. Statt auf den HERRN zu schauen, richteten sie ihren Blick zeitweise auf die Bösen, die Stürme oder die Probleme des Lebens. Während der Blick auf den HERRN den Glauben stärkt, schwächt der Blick auf Umstände, Probleme oder das scheinbare Wohlergehen der Gottlosen den Glauben und kann uns zu Fall bringen.
Heute leben wir in chaotischen und stürmischen Zeiten. Gerade in solchen Zeiten ist es entscheidend, wohin wir schauen. Wenn wir nur auf die Ereignisse um uns herum blicken, gerät unser Herz leicht in Unruhe. Doch der Glaube richtet den Blick nach oben – auf Christus (Hebr 12:2).
In seiner Endzeitpredigt sprach Jesus von Erdbeben, Kriegen, Kriegsgerüchten, Hungersnöten und Verfolgung. Dann sagte er: Wir sollen unsere Häupter erheben, weil sich unsere Erlösung naht (Lk 21:28).
Schauen wir voller Vertrauen auf Jesus – er hält uns auch in den größten Stürmen.
Gebet: Herr Jesus Christus, danke, dass du meine Schritte festigen willst und mich nicht fallen lässt. Wenn Angst in mir laut wird, lehre mich, wie Petrus zu rufen: „Herr, rette mich!" Danke, dass du meine Hand hältst, wo mein Vertrauen wankt. Führe mich heute in deinen Frieden und in den nächsten guten Schritt. Amen.
