Sein Leben retten oder es verlieren

In Mt 16:25 finden wir eine paradoxe Aussage:
- Denn wer seine Seele retten will, wird sie verlieren. Wer aber seine Seele meinetwegen verliert, wird sie finden (WEN).
Wie kann das verstanden werden?
Der griechische Begriff für "Verlieren" lautet ἀπόλλυμι (apollymi) und lässt sich wörtlich mit "gänzlich weglösen" übersetzen.

ἀπόλλυμι ap–óllymi = verlieren, verderben, umkommen
aus:
→ ἀπ̓ ap’ +575 = völlig
→ ὄλεθρος óle–thros +3639 = Verderben
→→ In diesem Begriff steckt auch das Wort λύω lýo +3089 = lösen
wörtlich: "ganz loslösen", "gänzlich weglösen" (völlig abtrennen und damit von etwas lösen)
Erklärung:
Der "verlorene Sohn" löste sich ganz vom Vaterhaus und landete im Verderben (Lk 15:24). Doch das Verlorene, das "Losgelöste", soll wieder gefunden werden, wie alle drei Gleichnisse über die Verlorenheit deutlich machen (Lk 15).
Durch Selbstverleugnung soll sich die eigene Seele um Jesu Willen gänzlich weglösen. Doch was bedeutet dieses "Weglösen"? Wovon soll sich die Seele lösen? Natürlicherweise ist unsere Seele an die sichtbare Welt gebunden. Sie hängt am eigenen Wohlbefinden, an der eigenen Ehre und ist dadurch mit dem Egoismus verhaftet.
Als Petrus seinen Herrn Jesus verleugnete, bestritt er, ihn zu kennen. Wer sich selbst verleugnet, erklärt ebenso, dass er sein altes egoistisches Wesen – seinen alten Menschen – ignoriert und dass dieses alte Wesen keinen Anspruch mehr auf seine Lebensführung hat.
In Lk 14:26 spricht Jesus davon, dass eine echte Nachfolge nur möglich ist, wenn jemand seine Seele hasst – das heißt, wenn er seine Seele mit allen ihren Bedürfnissen hinter Jesus zurückstellt. Das ist freilich leichter gesagt als getan! Letztlich kann uns nur der Heilige Geist die Kraft dazu schenken. Gerade verfolgte Geschwister stehen immer wieder vor der Frage: "Ist mir Jesus wichtiger als das Wohlbefinden meiner Seele und meines Körpers?"
Man könnte diese Stelle auch folgendermaßen interpretieren:
- "Denn wer seine Seele vor dem zwingenden Loslösungsprozess retten will, wird sie verlieren, indem sie gerichtsmäßig losgelöst wird – etwa in der Gehenna (Mt 10:28). Wer aber seine Seele meinetwegen verliert, indem er sie aus Liebe zu mir von den eigenen Bedürfnissen loslöst, wird sie finden oder retten (Lk 9:24)."
Wenn ein Mensch die ganze materielle Welt gewänne und seine Seele an ihr hinge, würde sie Schaden leiden, weil Himmel und Erde vergehen werden (Mt 24:35). Spätestens dann erlebt die Seele einen schmerzhaften Loslösungsprozess, da sie noch immer mit der Welt verhaftet ist.
Da Jesus wusste, dass er sterben würde, erklärte er, dass das Weizenkorn sterben muss, damit es nicht allein bleibt und viel Frucht bringt. Danach sagte er in Joh 12:25:
- "Der, der seine Seele wie einen Freund liebt, verliert sie; und der, der seine Seele in diesem Kosmos hasst (gemeint ist: hinter Jesus zurückstellt), wird sie hinein in äonisches Leben bewahren." (WEN)
Weil die Seele von Lots Frau sich nicht von Sodom lösen konnte, wurde ihre Seele gerichtsmäßig von Sodom gelöst (Lk 17:32). Darum sagte Jesus einen Vers später erneut:
- "Wer seine Seele (mit ihren weltlichen Bedürfnissen) zu retten sucht, wird sie verlieren (durch ein gerichtsmäßiges Loslösen); wer sie aber verliert (durch Nachfolge, Selbstverleugnung und eine Hingabe, die sich vom irdischen Denken loslöst), wird sie am Leben erhalten (die Seele wird in äonisches Leben hinein bewahrt)."
Gott möge allen, die Jesus Christus lieben, die Kraft und die Gnade dazu schenken!
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