Macht braucht, wer Gott nicht hat
Mittwoch, 19. November 2025
Von Daniel Muhl – 🎵 Anhören
Weh denen, die Unheil planen, weil sie die Macht haben!
Mi 2:1
Jesus rief die Jünger zu sich und sprach: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch.
Mt 20:25-26
Macht braucht, wer Gott nicht hat Wer den Allmächtigen auf seiner Seite weiß, braucht keine eigene Macht. Dennoch wünschen sich viele Menschen mehr Einfluss über andere. Macht scheint das ideale Mittel zu sein, um eigene Interessen durchzusetzen, andere zu kontrollieren und gefürchtet oder geehrt zu werden. Manche streben sogar nach Macht, um vermeintlich Frieden zu schaffen. Doch irdische Macht geht immer mit der Schwächung anderer einher. Der Machthungrige muss Gegner diskreditieren, lächerlich machen oder sogar mit Gewalt ausschalten. Dieses Prinzip ist für das Reich Gottes, das von Liebe geprägt ist, völlig untauglich (1Kor 13:4-7). „Macht haben" ist an sich keine Sünde – Machtmissbrauch hingegen schon. Es gibt einzelne Menschen, die in Machtpositionen gelangen, ohne sie gesucht zu haben, und die ihre Macht nicht missbrauchen, weil sie nicht ihren eigenen Vorteil oder ihre Ehre suchen (Phil 2:3-4). Wer Macht auf diese Weise ausübt und zugleich das Wohl anderer im Blick hat, gehört zu den wenigen, die mächtig sind, ohne zu sündigen.
Die Versuchung der Macht
Doch in der Macht schlummert eine große Versuchung – und je größer die Macht, desto größer die Versuchung (1Tim 6:9-10). Manche Mächtige meinen genau zu wissen, was gut für uns Menschen ist. Deshalb versuchen sie mit allen Mitteln, ihre Macht zu vergrößern, um anderen das vermeintlich Gute aufzuzwingen. Doch was, wenn das, was gut erscheint, in Wahrheit gar nicht gut ist? Macht neigt zu Gewalt. Und Gewalt schafft keinen Frieden, sondern Hass und Gegengewalt (Mt 26:52).
Biblische Beispiele von Machtmissbrauch
Die Mächtigen zur Zeit des Propheten Micha – der ein Zeitgenosse Jesajas war – konnten ihren Wohlstand leicht vermehren, indem sie die Schwachen ausraubten (Mi 2:1-2). Oft geschah dies mit perfiden Mitteln, die nach außen fast legal wirkten. So lockte man Kleinbauern in Schuldenfallen, aus denen sie sich nicht mehr befreien konnten. Dadurch konnte man ihre Häuser und ihr Land an sich reißen. Viele Privilegierte verfügten über erhebliche Macht und nutzten sie gezielt, um sich zu bereichern und andere ins Elend zu stürzen. Doch der Allmächtige sieht diese Dinge und wird die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen (Spr 15:3). Wehe denen, die nicht von solchen Machenschaften umkehren und ihr Verhalten ändern. Sie werden ein schweres Gericht tragen müssen (Mi 2:3). Die Jünger Jesu gehörten größtenteils zu denen, die kaum Macht hatten. Dennoch geht aus den Evangelien hervor, dass auch sie sich Einfluss und Bedeutung wünschten. Mehrfach kam es zu Auseinandersetzungen darüber, wer der Größte unter ihnen sei (Mk 9:34). Auch sie ließen sich anfangs von den Mächtigen beeindrucken und sehnten sich nach ähnlicher Macht. Als Jesus ihnen Vollmacht über die Dämonen gab, freuten sie sich sehr. Doch Jesus machte ihnen unmissverständlich klar (Lk 10:20):
- "Freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind; freut euch vielmehr, dass eure Namen in den Himmeln angeschrieben sind."
Nicht die Macht ist entscheidend, sondern die Tatsache, dass der Allmächtige für dich ist und an deiner Seite steht (Röm 8:31). Selbst die Mutter von Johannes und Jakobus wünschte sich, dass ihre Söhne im Reich Jesu einmal zur Rechten und zur Linken Jesu sitzen (Mt 20:20-21). Vermutlich, damit sie allen voller Stolz sagen könnte: „Die beiden Männer zur Rechten und Linken Jesu – das sind meine Söhne!"
Jesu radikaler Gegenentwurf
Jesus, der König des Friedens, setzte völlig neue Maßstäbe, die bis dahin unbekannt waren und die niemand anstrebte (Mt 20:25-28):
- "Unter euch wird es nicht so sein; sondern wenn jemand unter euch groß werden will, wird er euer Diener sein, und wenn jemand unter euch der Erste sein will, wird er euer Sklave sein; gleichwie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele."
Wer beim Allmächtigen groß sein will, erniedrige sich selbst und werde ein Diener für andere (Phil 2:5-8). Ein solches Verhalten zeigt Vertrauen in Gott und ist von Liebe und Wertschätzung geprägt. Genau diese Eigenschaften zählen im Reich Gottes. Wer sich in den Dienst stellt, wird erfahren, dass Gott selbst stärkt, schützt und erhöht (1Petr 5:6-7).
