Jer 21:14

Aus Bibelwissen

Grundtext

MAS Jer 21:14 וּפָקַדְתִּי עֲלֵיכֶם כִּפְרִי מַעַלְלֵיכֶם נְאֻם־יְהוָה וְהִצַּתִּי אֵשׁ בְּיַעְרָהּ וְאָכְלָה כָּל־סְבִיבֶֽיהָ׃ ס

Übersetzungen

SEP Jer 21:14 καὶ ἀνάψω πῦρ ἐν τῷ δρυμῷ αὐτῆς καὶ ἔδεται πάντα τὰ κύκλῳ αὐτῆς

ELB Jer 21:14 Und ich will euch heimsuchen nach der Frucht eurer Taten, spricht der HERR. Und ich will in ihrem Wald ein Feuer anzünden, daß es alles um sie herum frißt.
ELO Jer 21:14 Und ich will euch heimsuchen nach der Frucht eurer Handlungen, spricht Jehova; und ich will ein Feuer anzünden in ihrem Walde, daß es alle ihre Umgebungen verzehre.
LUO Jer 21:14 Ich will euch heimsuchen +06485 (+08804), spricht +05002 (+08803) der HERR +03068, nach der Frucht +06529 eures Tuns +04611; ich will ein Feuer +0784 anzünden +03341 (+08689) in ihrem Walde +03293, das soll alles umher +05439 verzehren +0398 (+08804).
SCH Jer 21:14 Ich will euch heimsuchen, wie es eure Taten verdienen, spricht der HERR, und will ein Feuer anzünden in ihrem Wald, das soll ihre ganze Umgebung verzehren.
TUR Jer 21:14 Ich will es an euch ahnden nach eurer Taten Frucht! Ist des Ewigen Spruch. Ich lege Feuer dann an ihren Wald, es frisst allum sie.

Vers davor: Jer 21:13 --- Vers danach: Jer 22:1
Zur Kapitelebene: Jer 21
Zum Kontext Jer 21.

Informationen

Versanalyse & Erläuterungen

Der Vers Jeremia 21:14 steht im Kontext der göttlichen Gerichtsankündigung gegen Jerusalem und das Haus Davids, die durch den Propheten Jeremia übermittelt wurde. Hier finden wir eine deutliche Warnung Gottes an sein Volk über die Konsequenzen ihres ungehorsamen Verhaltens.

Grundtextanalyse

  1. "וּפָקַדְתִּי עֲלֵיכֶם" (upaqadti 'aleychem) - "Und ich werde euch heimsuchen": Das Verb פָּקַד (paqad) trägt die Grundbedeutung von "aufsuchen", "untersuchen", aber im Kontext göttlichen Handelns oft "heimsuchen" oder "zur Rechenschaft ziehen". Es steht hier in der 1. Person Singular Perfekt mit Waw-consecutivum, was eine zukünftige Handlung ausdrückt. Die Präposition עַל ('al) mit dem Suffix "euch" verstärkt die Direktheit der Heimsuchung.
  2. "כִּפְרִי מַעַלְלֵיכֶם" (kipri ma'alleychem) - "gemäß der Frucht eurer Taten": Diese Phrase verdeutlicht den Grund für Gottes Gericht. Das Wort פְּרִי (pri, "Frucht") wird metaphorisch für die Konsequenzen oder Ergebnisse verwendet. מַעַלְלֵיכֶם (ma'alleychem) kommt von der Wurzel עלל ('alal), die "handeln" oder "tun" bedeutet, hier mit dem Plural-Suffix "eure".
  3. "נְאֻם־יְהוָה" (ne'um-YHWH) - "Ausspruch des HERRN": Diese Formel bekräftigt die göttliche Autorität hinter der Botschaft. Sie ist typisch für prophetische Verkündigungen und verleiht der Aussage besonderes Gewicht.
  4. "וְהִצַּתִּי אֵשׁ בְּיַעְרָהּ" (wehitsatti 'esh beya'rah) - "und ich werde Feuer anzünden in ihrem Wald": Das Verb יָצַת (yatsat, "anzünden") steht im Hifil (kausative Form) und drückt Gottes aktives Handeln aus. Der Wald (יַעַר, ya'ar) wird mit dem femininen Possessivsuffix "ihr" verbunden, was sich auf Jerusalem oder das Königshaus bezieht.
  5. "וְאָכְלָה כָּל־סְבִיבֶיהָ" (we'achlah kol-seviveyhah) - "und es wird alles ringsum sie fressen": Das Verb אָכַל ('achal, "essen" oder "fressen") bezieht sich auf das Feuer, das alles verzehrt. סְבִיבֶיהָ (seviveyhah, "ihre Umgebung") mit dem Quantifizierer כָּל (kol, "alles") betont die vollständige Zerstörung.

Hintergrundinformationen

Dieser Vers ist Teil der Antwort Jeremias auf die Anfrage König Zedekias, als Nebukadnezar Jerusalem belagerte (ca. 588-586 v. Chr.). Anstatt Hoffnung zu geben, verkündet Jeremia Gottes unausweichliches Gericht über die Stadt.

Die Metapher des Feuers im Wald ist ein kraftvolles Bild für Gottes Gericht. In der Antike waren Wälder nicht nur wertvolle Ressourcen, sondern auch Symbole für Macht und Reichtum. Die königlichen Paläste Jerusalems wurden oft mit Zedernholz aus dem Libanon gebaut (1Kön 7:2), was den Wald als Metapher für das Königshaus oder die Oberschicht nahelegt.

Das Prinzip "Ich will euch heimsuchen nach der Frucht eurer Taten" ist ein wiederkehrendes Thema in Jeremias Botschaft und spiegelt ein grundlegendes theologisches Konzept wider: Gott richtet gerecht nach den Werken der Menschen (Jer 17:10, Jer 32:19).

Diese Gerichtsankündigung steht im Kontrast zu früheren Verheißungen an das Haus Davids. Das Feuer, das alles um Jerusalem herum verzehrt, kann sowohl symbolisch (für Gottes Zorn) als auch wörtlich verstanden werden (als Verweis auf die kommende Kriegszerstörung).

Historisch erfüllte sich diese Prophezeiung mit der Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier im Jahr 586 v. Chr., als die Stadt eingenommen, der Tempel niedergebrannt und viele Einwohner deportiert wurden (2Kön 25:8-10).

Theologische Bedeutung

  1. Göttliche Gerechtigkeit: Der Vers betont, dass Gott die Menschen nach ihren Taten richtet (Ps 62:13, Spr 24:12).
  2. Prophetische Warnung: Jeremia erfüllt seine Rolle als wahrer Prophet, indem er die unbequeme Wahrheit verkündet, statt falsche Hoffnung zu geben (Jer 23:16-17).
  3. Bildsprache des Feuers: Das Feuer ist ein häufiges Bild für Gottes reinigendes Gericht (Jes 66:15-16, Am 7:4).
  4. Bund und Konsequenzen: Der Vers illustriert die im Bund festgelegten Konsequenzen für Ungehorsam (5Mo 28:15-68).

Obwohl dieser Vers ein Gerichtswort enthält, steht er im größeren Kontext von Jeremias Botschaft, die letztlich auch Hoffnung und Wiederherstellung verkündet (Jer 29:11, Jer 31:31-34). Das Gericht ist nicht Gottes letztes Wort, sondern Teil seines Plans, sein Volk zur Umkehr zu bewegen und letztendlich zu erneuern.

Parallelstellen

Gericht nach den Taten

  • Die Idee der Vergeltung nach Werken: Ps 62:13 / Spr 24:12 / Röm 2:6
  • Gott prüft Herz und Nieren: Jer 17:10 / Jer 32:19 / Offb 2:23

Feuer als Zeichen des Gerichts

  • Metapher des verzehrenden Feuers: Jer 11:16-17 / Jer 17:27 / Hes 20:47-48
  • Feuer als Ausdruck göttlichen Zorns: Jes 66:15-16 / Nah 1:6 / Zef 1:18

Erfüllung der Gerichtsankündigung

  • Historische Erfüllung im babylonischen Exil: 2Kön 25:8-10 / 2Chr 36:19 / Jer 39:8
  • Prophezeiung der Zerstörung Jerusalems: Jer 34:2 / Jer 37:8-10 / Jer 52:12-13

Hoffnung nach dem Gericht

  • Verheißung der Wiederherstellung: Jer 29:10-14 / Jer 30:18-22 / Jer 33:10-11
  • Der neue Bund nach dem Gericht: Jer 31:31-34 / Hes 36:24-28 / Hebr 8:8-12

Fragen und Antworten

Werden “Heimgesuchte” heim gesucht?

Das hebräische Wort "פָּקַד" (paqad), das in Jeremia 21:14 mit "heimsuchen" übersetzt wird, hat im biblischen Hebräisch ein breites Bedeutungsspektrum. Die Grundbedeutung ist "aufsuchen", "nachsehen", "sich kümmern um" oder "Aufmerksamkeit schenken".

Interessanterweise kann dieses Wort je nach Kontext sowohl positive als auch negative Bedeutungen haben:

  • Positive Bedeutung: "sich annehmen", "für jemanden sorgen", "besuchen" im Sinne von fürsorglicher Aufmerksamkeit (1. Mose 21:1, wo Gott Sara "heimsucht" und ihr die versprochene Schwangerschaft gibt).
  • Negative Bedeutung: "zur Rechenschaft ziehen", "strafen", "heimsuchen" im Sinne eines strafenden Eingreifens (wie hier in Jeremia 21:14).

Der Begriff beschreibt also eine besondere göttliche Aufmerksamkeit oder Intervention, deren Charakter – ob wohlwollend oder strafend – vom Kontext abhängt. Im Fall von Jeremia 21:14 ist eindeutig die negative Bedeutung gemeint, da Gott das Volk "gemäß der Frucht ihrer Handlungen" heimsucht, was im Kontext eine gerechte Strafe für ihre Verfehlungen bedeutet.

Das Wortspiel zwischen "Heimsuchung" und "heim suchen" existiert im Deutschen, hat aber keine direkte Entsprechung im Hebräischen. Es handelt sich um eine zufällige sprachliche Parallele in der deutschen Übersetzung.