2024-12 - Andachten vom Dezember 2024
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Sonntag, 1. Dezember 2024
O dass mein Leben deine Gebote mit ganzem Ernst hielte.
Psalm 119:5
Johannes sprach: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!
Matthäus 3:2
Die Sehnsucht und das Bestreben
Psalm 119 ist nicht nur das längste Kapitel der Bibel, sondern ein tiefes Zeugnis der Liebe zu Gottes Wort! Der Psalm ist in 22 Abschnitte unterteilt, die jeweils mit einem Buchstaben des hebräischen Alphabets beginnen, was seine poetische und systematische Struktur unterstreicht. Mit seinen 176 Versen hebt Psalm 119 auf einzigartige Weise die Schönheit und die lebensverändernde Kraft von Gottes Wort hervor (Ps 19:8-11).
Der Vers 5 drückt die tiefe Sehnsucht des Psalmisten aus: "O dass mein Leben deine Gebote mit ganzem Ernst hielte." Er wünscht sich nichts sehnlicher, als dass sein Leben mit Gottes Willen übereinstimmt. Doch zwischen den Zeilen spüren wir auch den inneren Kampf, der damit verbunden ist (Röm 7:19-24). Der Autor ringt um ein Herz, das ganz von Gottes Wort geprägt ist, und bittet immer wieder um Hilfe und Leitung (vgl. Ps 119:33; Ps 119:133). Dies zeigt, dass es für ihn – wie für uns alle – eine Herausforderung ist, Gott treu zu bleiben.
Manche versuchen, Jesus nachzufolgen und ihr Leben nach Gottes Wort auszurichten. Doch wenn sie bemerken, dass dies oft auch mit einem "Kampf" verbunden ist, geben sie schnell auf (Mt 13:20-21). Der Psalmist hingegen gibt ein anderes Beispiel: Er bleibt trotz Schwierigkeiten standhaft, getragen von seiner Liebe zu Gott und der Hoffnung auf Gottes Treue. Dies fordert uns auf, ehrlich über unsere eigene Nachfolge nachzudenken. Haben wir eine Liebe zu Gott, die uns durch die Kämpfe trägt? Oder sind wir schnell bereit aufzugeben?
Advent: Das Kommen des Wortes Gottes
Im Advent erinnern wir uns an das erste Kommen Jesu, des Sohnes Gottes, in diese Welt (Joh 1:14). Johannes der Täufer rief die Menschen zur Buße auf, um sie auf das nahe Himmelreich vorzubereiten (Mt 3:2). Mit Jesus war das Reich Gottes tatsächlich zu den Menschen gekommen – das lebendige Wort Gottes, nach dem sich auch der Psalmist gesehnt hatte.
Doch der Advent weist uns nicht nur zurück auf Jesu Geburt, sondern auch nach vorne, auf seine Wiederkunft (Offb 22:20). Jesus Christus wird wiederkommen, um die zu sich zu holen, die ihn lieben und in seinem Wort leben. Die Zeichen seiner Wiederkunft, die Jesus in Matthäus 24 beschreibt, sind heute aktueller denn je. Sie gleichen den Geburtswehen, die ankündigen, dass etwas Großes bevorsteht (Mt 24:8). Ein Großteil dieser Zeichen – wie Kriege, Hungersnöte, Verfolgungen und die Verkündigung des Evangeliums bis an die Enden der Erde – ist bereits eingetreten.
Bist du bereit für sein Kommen? Buße bzw. Umdenken und Nachfolge sind der Weg, um bereit zu sein (Apg 3:19). Der 1. Advent erinnert uns nicht nur an Gottes Treue, sondern auch daran, dass die Zeit drängt. Gott lädt uns ein, ihm mit ganzem Herzen nachzufolgen, so wie es der Psalmist in Psalm 119 beschreibt: mit einer tiefen Liebe zu seinem Wort, die auch in schwierigen Zeiten nicht nachlässt (Ps 119:97).
Montag, 2. Dezember 2024
Verlasst euch auf den HERRN immerdar; denn Gott der HERR ist ein Fels ewiglich.
Jesaja 26:4
Jesus spricht: Wer zu mir kommt und hört meine Rede und tut sie - ich will euch zeigen, wem er gleicht. Er gleicht einem Menschen, der ein Haus baute und grub tief und legte den Grund auf Fels.
Lukas 6:47-48
Wie ein Fels in der Brandung
Vor etwa 47 Jahren machte ich eine Lehre als Hochbauzeichner. Mein Lehrbetrieb wurde von einem Geschäftspartner meines Vaters geführt, während sich das Architekturbüro meines Vaters eine Etage höher befand. Damals stand es finanziell nicht gut um meinen Vater, und auch mein Großvater, der zwar nicht mehr im operativen Geschäft tätig war, aber finanziell weiterhin mit der Firma verbunden war, hatte kaum Ressourcen.
Eines Tages erhielt mein Vater einen Einschreibebrief mit einer „Hiobsbotschaft": Es handelte sich um eine Betreibungsandrohung bzw. einen Zahlungsbefehl über 800’000 Franken. Ursache waren massive Fassadenschäden an drei Mehrfamilienhäusern, die durch einen Ausführungsfehler des mittlerweile insolventen Baumeisters entstanden waren. Da das Architekturbüro meines Vaters diese Häuser als Generalunternehmer errichtet hatte, lastete die gesamte Garantieforderung auf ihm. Da weder mein Vater noch mein Großvater über genügend finanzielle Reserven verfügten, drohte ihnen beiden die Privatinsolvenz (Ps 34:20).
Mein Vater war emotional am Ende und rief meinen Großvater an, der ebenfalls betroffen war. Die Reaktion meines Großvaters werde ich nie vergessen. Er sagte: „Du, Erich, das nehmen wir ganz gelassen aus Jesu Händen!" Mit diesem unerschütterlichen Gottvertrauen war mein Großvater für uns wie ein „Fels in der Brandung".
Nach einem gerichtlichen Verfahren einigte man sich schließlich auf einen Schadenersatz von 160’000 Franken. Doch auch dieses Geld fehlte. Es wurde eine Zahlung in vier Raten vereinbart. Vor der zweiten, dritten und vierten Rate wusste mein Vater nicht, woher das nötige Geld kommen sollte. Doch der HERR schenkte ihm jedes Mal den benötigten Betrag kurz vor der Fälligkeit, sodass weder mein Vater noch mein Großvater in die Insolvenz gerieten. Gott hilft nicht zu früh, aber immer pünktlich, wenn wir ihm vertrauen!
Der Losungstext stammt aus einem größeren Loblied (Jes 26:1-19), das auch als „Lied der Erlösten" bekannt ist. Ja, die Erlösten Gottes haben allen Grund, sich auf den HERRN zu verlassen, denn er steht ihnen bei und ist wie ein „Fels", der alle Zeiten überdauert (Ps 18:3).
In einem Gleichnis vertieft Jesus dieses Bild eines unerschütterlichen Felsens und macht indirekt deutlich, dass er selbst dieser Fels ist, von dem das Alte Testament spricht. Der Apostel Paulus bestätigt dies in 1Kor 10:4. Das Gleichnis steht in einem Kontext von mahnenden Worten Jesu. In Lk 6:46 ermahnt er zuerst dazu, so barmherzig zu sein wie der Vater im Himmel. Anschließend mahnt er, andere nicht zu richten oder zu verurteilen. Diese Warnung unterstreicht er mit einer Metapher über den „Splitter im Auge des Bruders" (Lk 6:41-42).
Wir Menschen neigen oft dazu, den Splitter im Auge des Bruders zu sehen, ohne den „Balken" im eigenen Auge zu bemerken (Mt 7:3). Zum Beispiel erkennen wir, wenn sich jemand unpassend verhält, und fühlen uns gedrängt, dies zu kritisieren. Dabei übersehen wir, dass wir den Bruder gleichzeitig verachten. Diese Geringschätzung (der „Balken") ist in den Augen Gottes viel schlimmer als ein unbeabsichtigtes Fehlverhalten (der „Splitter").
Wer seine Geschwister verurteilt und sich unbarmherzig verhält – obwohl er die Worte Jesu gehört hat – gleicht jemandem, der das Gehörte nicht in die Tat umsetzt (Jak 1:22). Wenn wir in diesem Zustand verharren, wird im Gericht Gottes alles weggespült, was wir uns aufgebaut haben. Darum lasst uns einander in Wort und Tat lieben und barmherzig sein (1Joh 3:18)!
Dienstag, 3. Dezember 2024
Samuel sprach zu Saul: Der Geist des HERRN wird über dich kommen; da wirst du umgewandelt und ein anderer Mensch werden.
1.Samuel 10,6
Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind.
Römer 8,16
Der Geist ist das alles Entscheidende
Ohne die unsichtbare Denkfähigkeit des Menschen gäbe es kein einziges Auto auf dieser Welt. Genauso gäbe es ohne den unsichtbaren Geist Gottes keine einzige lebende Zelle! Seitdem die Menschheit weiß, dass eine Zelle nur deshalb „funktioniert", weil sie über eine entsprechende GEN-Information verfügt, dürfte auch klar geworden sein, dass es einen Informationsgeber geben muss (1Mo 1:27). Jede lebende Zelle ist das Meisterwerk göttlicher „Programmierkunst".
Eine menschliche Zelle hat einen Durchmesser von durchschnittlich 10 bis 30 Mikrometern (0,01 bis 0,03 Millimeter). In diesem Winzling verbirgt sich das Datenmaterial von etwa 1’792 Megabyte. Zum Vergleich: Das Alte und Neue Testament enthalten im hebräischen und griechischen Grundtext gerade mal 2,7 MB! Mit anderen Worten: In einer menschlichen Zelle gibt es so viele Daten wie in 664 Bibeln (1’792 MB ÷ 2,7 MB ≈ 664). Die menschliche Zelle ist nicht nur ein gigantischer Datenspeicher, sondern auch ein Supercomputer, denn die Daten sind genau so angeordnet, dass daraus ein Mensch entstehen kann (Ps 139:14)!
Vielleicht verstehen wir jetzt besser, warum Johannes sinngemäß schreibt:
„Im Anfang war das Wort (oder die Information, die Rechnung) … und durch das Wort wurde alles geschaffen!" (Joh 1:1-3) Der unsichtbare Geist Gottes hat alles ins Dasein gerufen, und ohne Ihn gäbe es weder Zellen noch Atome oder Quarks!
Trotz der absoluten Genialität einer menschlichen Zelle verfügt der Mensch nur deshalb über eine lebendige Seele – und somit auch über ein Bewusstsein –, weil er von Gott „angehaucht" wurde (1Mo 2:7). Obwohl der Mensch über ein Bewusstsein verfügt und in der Regel wunderbar „funktioniert", befindet er sich trotzdem noch nicht in dem Zustand, den Gott für ihn geplant hat. Der Endzustand wird erst dann erreicht sein, wenn wir ganz mit dem Geist Gottes erfüllt sind – und somit auch mit der vollkommenen Liebe (1Jo 4:12)! Im Endzustand haben wir keinen fleischlichen, sondern einen geistlichen und unverderblichen Leib (1Kor 15:44).
Als der Geist des HERRN über Saul kam, war das nur ein kleiner Vorgeschmack darauf, wie es einmal sein würde, wenn der Geist Gottes bleibend in einem Menschen „Wohnung" gemacht hat. Im Alten Testament kam der Heilige Geist nur punktuell und phasenweise über einen Menschen. Seit Pfingsten dürfen alle, die ihr Leben dem Herrn Jesus Christus anvertraut haben, den Heiligen Geist bleibend in sich tragen (Apg 2:38). Durch diesen Geist, der nun bleibend in uns wohnt, dürfen wir Kinder und Söhne Gottes sein!
Ein Mensch, der ohne Gott lebt, ist wie eine Eizelle in der Gebärmutter, die noch keine männliche Samenzelle empfangen hat. Ein Mensch, der aus dem Vertrauen zu Gott lebt, ist wie eine befruchtete Eizelle, die an die Gebärmutter angedockt hat und mit ihr verbunden ist, bis die Zeit der Geburt gekommen ist. Während des Sterbeprozesses spüren wir die Geburtswehen, die eine baldige Geburt ins Licht ankündigen (Röm 8:22). So wie die befruchtete Eizelle die Grundlage für ein neues Leben ist, ist auch der Geist Gottes die Grundlage für unsere geistliche Geburt (Joh 3:5-6). Nur durch diese „Anbindung" an Gott können wir in den Zustand gelangen, den er für uns geplant hat: ein ewiges, unverderbliches Leben in seiner Gegenwart. Wir können unserem Gott nicht genug dafür danken, dass er uns – durch seine Gnade und durch seinen Geist – zu seinen Kindern gemacht hat (1Jo 3:1)!
Mittwoch, 4. Dezember 2024
O dass du auf meine Gebote gemerkt hättest, so würde dein Friede sein wie ein Wasserstrom und deine Gerechtigkeit wie Meereswellen.
Jesaja 48,18
Die Frucht der Gerechtigkeit wird gesät in Frieden für die, die Frieden stiften.
Jakobus 3,18
Gerechtigkeit und Frieden
Der Apostel Paulus prophezeite in 1. Thessalonicher 5:3, dass die Menschheit in der Endzeit unter folgendem Motto stehen und sagen wird: „Friede und Sicherheit!" Tatsächlich hören wir diesen Slogan immer wieder. So war er beispielsweise der zentrale Leitsatz während der Nahost-Friedensverhandlungen 2019: „Peace and Security". Das Bedürfnis nach Frieden und Sicherheit können wir alle gut nachvollziehen – besonders in einer Welt, die immer turbulenter wird. Doch erleben wir gleichzeitig das, was Jesus in Matthäus 24:6 voraussagte: „Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören."
Warum gelingt es der Menschheit nicht, „Frieden und Sicherheit" zu schaffen?
Obwohl sich eine Mehrheit Frieden und Sicherheit wünscht, bleibt dieses Ziel unerreicht. Die Bibel erklärt den Grund (Jes 32:17): „Ohne Gerechtigkeit kann es keinen Frieden geben!" Gerechtigkeit ist die absolute Grundlage für einen bleibenden Frieden. Warum aber fällt es uns so schwer, Gerechtigkeit zu praktizieren? Die Antwort liegt in unserer menschlichen Natur (Jer 17:9): Wir sind von Natur aus egoistisch und gierig.
Warum verhalten wir uns egoistisch und gierig? Weil wir möglichst viel genießen und uns für die Zukunft absichern wollen! Und warum tun wir das? Weil wir glauben, dass Genuss wahre Erfüllung bringt und wir für unsere Sicherheit selbst sorgen müssen. Dieses Verhalten zeigt jedoch ein grundlegendes Problem: mangelndes Vertrauen auf Gott – oder anders gesagt, Unglaube (Hebr 3:12).
Die Menschheit irrt, wenn sie meint, ohne den Glauben an ihren Schöpfer „gut und friedlich" werden zu können. Ohne Gottvertrauen finden wir nicht aus der „Egoismus-Spirale" heraus.
Die Grundlage für Frieden: Gerechtigkeit
Eine umfassende Gerechtigkeit ist die Voraussetzung für äußeren Frieden. Nur ein bleibender Frieden gibt uns die Sicherheit, nach der wir uns alle sehnen. Die Bibel weist jedoch darauf hin, dass ein weltweiter Friede von Menschenhand nur von kurzer Dauer sein wird. In Offenbarung 6:2 lesen wir von einem Reiter auf einem weißen Pferd, der alles besiegt. Dieser bringt einen globalen Frieden, der jedoch durch den Reiter auf dem feuerroten Pferd wieder genommen wird (Offb 6:4).
Einen bleibenden Frieden auf Erden können wir Menschen nicht schaffen – das wird allein der Herr tun, wenn er in großer Macht und Herrlichkeit vom Himmel her wiederkommt (Offb 19:11-16)!
Was ist jetzt wichtig?
Es geht jetzt nicht darum, den Weltfrieden zu schaffen. Vielmehr sollten wir lernen, aus einem Gottvertrauen zu leben (Spr 3:5-6), auch wenn die Zeiten immer stürmischer werden. Durch dieses Gottvertrauen werden wir mit der Gerechtigkeit Jesu Christi beschenkt. Diese geschenkte Gerechtigkeit schenkt uns Frieden mit Gott und Frieden in unseren Herzen (Röm 5:1).
Nur mit dem Frieden Gottes in unseren Herzen können wir auch in unserem Umfeld Frieden stiften. Paulus schreibt dazu in Röm 12:18: „Wenn es möglich ist und soweit es an euch liegt, lebt mit allen Menschen in Frieden."
Dort, wo wir gehasst werden, mag äußerer Friede nicht möglich sein. Dennoch bleibt unsere Aufgabe, diejenigen zu lieben, die uns hassen (Mt 5:44). Nur die göttliche Liebe allein kann letztlich jede Form des Hasses überwinden und so den Weg für einen ewigen Frieden ebnen.
Donnerstag, 5. Dezember 2024
Liebt Wahrheit und Frieden!
Sacharja 8,19
Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren.
Philipper 4,7
Die geschützten Gedanken
In der gestrigen Andacht wurde deutlich, dass es ohne Gerechtigkeit keinen bleibenden Frieden geben kann. Genauso ist aber auch eine Gerechtigkeit ohne Wahrheit undenkbar! Jesus Christus sagte in Johannes 14:6: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich." Jeder normale Mensch, der so etwas von sich behaupten würde, müsste als größenwahnsinnig bezeichnet werden. Jesus konnte dies jedoch nur deshalb sagen, weil er der von Gott gezeugte Sohn ist und weil durch ihn alles Sichtbare und Unsichtbare erschaffen wurde (Kol 1:16)! Nur der Schöpfer des Universums kann von sich behaupten, der Weg, die Wahrheit und das Leben zu sein. Alle anderen, die so etwas behaupten, müssen als Lügner und Hochstapler bezeichnet werden.
Wer die Wahrheit liebt, wird früher oder später auch den lieben, der die Wahrheit in Person ist (Joh 14:6)! Warum sage ich das?
Wahrhaftige und authentische Menschen sind auch solche, die zu ihren Fehlern stehen. Zu seinen Fehlern zu stehen ist vielleicht nicht so besonders schwer, wenn sie vor aller Augen offenbar wurden. Aber sobald man versucht, auch vor Gott „wahr" zu werden, bedeutet dies, dass man auch zu seinen gedanklichen und inneren Fehlern stehen muss – selbst zu denen, die kein Mensch je gesehen hat (Ps 139:23-24). Wer dies tut – und dazu braucht es sehr viel Mut – wird sehr schnell erkennen, wie verloren er ist, weil er in diesem Zustand vor dem heiligen und vollkommenen Gott niemals bestehen kann. Das daraus entstehende Schuldbewusstsein zeigt, wie weit man von der göttlichen Liebe und Gerechtigkeit entfernt ist.
Doch das ist nicht das Ende! Sobald ein Verlorener durch das Evangelium von der Gnade Gottes hört, keimt eine wunderbare und berechtigte Hoffnung auf (Röm 10:17). Gott sandte seinen Sohn, der als Einziger die Schuldfrage – die jeden früher oder später beschäftigen wird – gelöst hat. Bei Gott finde ich die ultimative Gnade, weil er meine Sünden am Kreuz vollständig ausgelöscht hat (Kol 2:14 / 1Jo 1:7). Dieses Bewusstsein bewirkt in mir unter anderem den Frieden Gottes, der alles Denken übersteigt.
Absolute Wahrhaftigkeit erzeugt ein Schuldbewusstsein vor Gott, und diese Erkenntnis weckt eine Sehnsucht und Suche nach Erlösung. Wer dann das Evangelium hört und versteht, darf die totale Vergebung für sich in Anspruch nehmen (1Jo 1:9). Durch die Reinigung Gottes und durch die geschenkte Gerechtigkeit Jesu Christi darf ich einen Frieden haben, der höher ist als alle Vernunft. Daraus erkennen wir, dass das Wahr-Werden eine wichtige Voraussetzung ist, um den zu lieben, der die Wahrheit in Person ist.
Unsere Herzen werden nicht von einem „Gedankenkontrolleur" bewahrt, sondern von dem Frieden Gottes, der alles Denken übersteigt (Phil 4:7). Ich kann mir keinen schöneren Beschützer meines Herzens vorstellen. Wie aber kommt es dazu? Indem wir das tun, was Paulus einen Vers davor schreibt: „Macht euch um nichts Sorgen! Wendet euch vielmehr in jeder Lage mit Bitten und Flehen und voll Dankbarkeit an Gott und bringt eure Anliegen vor ihn." (Phil 4:6; NGÜ)
Wer dies ständig übt, darf durch das gewachsene Vertrauen immer mehr diesen wunderbaren Frieden Gottes erfahren (Phil 4:9)!
Freitag, 6. Dezember 2024
Ach HERR, siehe, du hast Himmel und Erde gemacht durch deine große Kraft und durch deinen ausgereckten Arm, und es ist kein Ding vor dir unmöglich.
Jeremia 32,17
Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
Johannes 3,16
Das Wichtigste
Mein Vater erzählte einmal, wie meine kleine Schwester ihm über eine Zeit hinweg viele selbstgemachte Zeichnungen schenkte, um ihm eine besondere Freude zu bereiten. Doch eines Tages kam sie zu ihm, umarmte ihn und sagte: "Papa, ich habe dich so lieb!" Das war für ihn das schönste Geschenk, das er jemals von ihr erhielt. Es erfreute ihn mehr als alles andere. Diese kleine Episode zeigt: Eine echte Liebesbeziehung ist mit nichts anderem vergleichbar. Für die Liebe gibt es keinen vergleichbaren Gegenwert (Hl 8:7).
Gott liebt sein Volk so sehr, dass er die "unmöglichsten" und scheinbar "sinnlosesten" Dinge tat, um die zerstörte Beziehung wiederherzustellen (Hos 11:8). Seine Sehnsucht nach einer wahren Liebesbeziehung zu seinem Volk war so groß, dass er inmitten von Gerichtsprophezeiungen immer wieder auch Erlösung und Wiederherstellung verhieß (Jer 31:3). So geschah es auch bei Jeremia, der wiederholt die Zerstörung Jerusalems und eine siebzigjährige Gefangenschaft ankündigen musste (Jer 25:11-12; Jer 29:10).
Manchmal unterstrich Gott diese Zusagen durch scheinbar widersinnige Zeichen oder Handlungen. Vor der Zerstörung Jerusalems und aus dem Gefängnis heraus sollte Jeremia einen Acker kaufen. Er sollte zu einem Zeitpunkt investieren, als niemand, der die kommende Katastrophe voraussah, auch nur einen "müden Cent" investiert hätte. Selbst Jeremia erkannte darin kaum einen Sinn (Jer 32:25). Doch der HERR antwortete ihm: "Siehe, ich bin der HERR, der Gott allen Fleisches! Sollte mir irgendein Ding unmöglich sein?" (Jer 32:27).
Gott investiert nicht in Reichtum, Ehre und Macht, sondern in Liebesbeziehungen (1Joh 4:16)! Weil ihm die Beziehung zu den Menschen wichtiger ist als alles andere, konnte er auch auf alles andere verzichten. Als Jesus vom Satan versucht wurde (Mt 4), konnte er – trotz mörderischen Hungers – auf seine körperlichen Bedürfnisse verzichten. Auch war er in der Lage, kurzfristige Ehre und Anerkennung von Menschen auszuschlagen. Seine Liebesbeziehung zu seinem Vater war ihm wichtiger als alle Reiche der Welt – die er vom Satan hätte bekommen können, ohne den Weg des Kreuzes zu gehen. Aus Liebe zu seinem Vater und zu uns Menschen hing Jesus auch nicht an seinem irdischen Leben (Joh 15:13). Er war bereit, es inmitten größter Verachtung hinzugeben. Mehr noch: Er war entschlossen, das Kostbarste, was er hatte, loszulassen – seine Gottverbundenheit, die er verlor, als Gott ihn am Kreuz verließ (Mt 27:46).
Das Schönste für den himmlischen Vater war die innigste Gemeinschaft mit seinem Sohn (Joh 17:5). Die Tatsache, dass sein Sohn immer an seiner Seite war und dass er mit und durch ihn alles ins Dasein rufen konnte (Kol 1:16), war von unschätzbarem Wert. Welche Schmerzen es dem himmlischen Vater bereitete, seinen Sohn herzugeben, kann vielleicht Abraham am ehesten nachempfinden, der ebenfalls bereit war, seinen Sohn zu opfern (1Mo 22). Die Liebe Gottes zur ganzen Welt war so groß, dass er bereit war, seinen größten Schatz – sein Kostbarstes – loszulassen, um in eine zukünftige Liebesbeziehung mit seinen Geschöpfen zu "investieren" (Joh 3:16).
Als Jesus am Kreuz starb, schrie Gott im Himmel vielleicht dieselben Worte wie David in 2Sam 19:1+5: "Mein Sohn...! Mein Sohn, mein Sohn...! Wäre ich doch an deiner Stelle gestorben!" Achtmal rief David in seiner Trauer: "Mein Sohn!" Ein anderer Sohn Davids schrieb später: "Stark wie der Tod ist die Liebe!" (Hl 8:6).
Samstag, 7. Dezember 2024
Der HERR sprach zu Kain: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde.
1.Mose 4,10
Das ist gewisslich wahr und ein teuer wertes Wort: Christus Jesus ist in die Welt gekommen, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin.
1.Timotheus 1,15
Unschuldiges Blut
Der erste Mord war ein Brudermord – eine abscheuliche und grausame Tat (1Mo 4:8). Unweigerlich fragt man sich: „Wie konnte es nur so weit kommen?" Doch die Tragödie begann bereits lange vor der Geburt von Kain und Abel. Alles nahm seinen Anfang mit der Gier nach mehr und einem grundlegenden Misstrauen gegenüber Gott (1Mo 3:1-6).
Eva, die Mutter von Kain und Abel, wollte „sein wie Gott". Durch die Versuchung Satans begann sie, an Gottes guten Absichten zu zweifeln, als er ihnen verbot, von der Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen. Dieses Misstrauen führte zum Ungehorsam, und die erste Sünde der Menschheitsgeschichte war geboren (1Mo 3:4-5). Wer Gott nicht vertraut, trennt sich von der Quelle des Lebens und betritt so das Territorium des Todes. Auf diesem Territorium ist jede Abscheulichkeit möglich – bis hin zum Brudermord.
Warum töten Menschen? Die Bibel berichtet nicht explizit über Kains inneren Kampf, der ihn zum Mörder werden ließ. Doch zwischen den Zeilen und anhand der biblischen Gesamtaussage lässt sich Folgendes ableiten: Kain erkannte, dass Abel etwas hatte, das ihm selbst fehlte – eine liebevolle und vertrauensvolle Beziehung zu Gott. Die Bibel beschreibt Abel als „gerecht". In Hebräer 11:4 heißt es:
„Durch Glauben brachte Abel Gott ein besseres Opfer dar als Kain; durch ihn erhielt er das Zeugnis, dass er gerecht sei, indem Gott über seine Gaben Zeugnis ablegte, und durch ihn redet er noch, obwohl er gestorben ist."
Kain hingegen bemühte sich nicht, ebenfalls eine solche Beziehung zu Gott aufzubauen. Stattdessen wurde er neidisch auf Abel (1Mo 4:4-5). Dieser Neid führte zu Bitterkeit, und die Bitterkeit verwandelte sich in Hass. Schließlich brachte dieser Hass ihn dazu, seinen Bruder zu töten.
In Gottes Augen beginnt Mord nicht mit der Tat, sondern mit dem Herzen. Deshalb heißt es in 1. Johannes 3:15: „Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Mörder; und ihr wisst, dass kein Mörder ewiges Leben bleibend in sich hat."
Die zerstörerische Kraft des Hasses
Alle Menschen sind anfällig für Neid, Bitterkeit und Hass. Doch nur Gott kann unsere Herzen von Neid befreien und vor Bitterkeit und Hass bewahren (Ps 51:12). Selbst ein gottesfürchtiger König wie David ließ sich von der Gier nach mehr zum Mörder treiben (2Sam 11). Saulus von Tarsus, der spätere Paulus, wollte Gott mit äußerstem Eifer dienen und stimmte dennoch zu, als Stephanus, der erste christliche Märtyrer, gesteinigt wurde (Apg 7:58).
Saulus war mitschuldig am Blut eines unschuldigen Mannes und verfolgte die Christen mit fanatischem Eifer – auch er wurde zum Mörder (Apg 9:1). Können wir behaupten, besser zu sein als David oder Paulus, nur weil wir niemanden getötet haben? Nein! Von Natur aus befinden wir uns alle auf dem Territorium des Todes (Röm 3:23). Ohne Gottes Gnade wären wir zu den schlimmsten Taten fähig.
Das unschuldigste Blut
So wie Kain seinen unschuldigen Bruder tötete, brachte die Menschheit den einzig wahrhaft Gerechten um: Jesus Christus (Apg 3:14-15). Sein Blut, das unschuldigste Blut überhaupt, wurde vergossen – und auch ich bin daran schuldig. Doch Gott hat meine Schuld ans Kreuz genagelt und ausgelöscht (Kol 2:14), damit ich als Sünder, durch das Vertrauen auf ihn, selig werden kann.
Als Sünder bin ich ungerecht und verloren. Doch Jesus hat mich durch seine Gnade gerettet und mich mit seiner Gerechtigkeit beschenkt (2Kor 5:21). Durch das Vertrauen auf Gottes Handeln darf ich das Territorium des Todes verlassen und das Paradies des wahren Lebens betreten (Joh 5:24).
Wer kann dieses Wunder fassen?
Sonntag, 8. Dezember 2024
Wir haben gesündigt samt unsern Vätern, wir haben unrecht getan und sind gottlos gewesen.
Psalm 106,6
So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.
Römer 3,28
Kann sich ein Mensch vor Gott rechtfertigen?
Folgende Situation dürfte uns allen bekannt sein: Die Kinder werden von ihrem Vater dabei erwischt, wie sie eine Dummheit angestellt haben. Häufig folgt die naheliegende Frage des Vaters an das älteste Kind: „Was habt ihr hier gemacht?" Weil es eine Strafe befürchtet, versucht sich das Kind mit allen möglichen Mitteln zu rechtfertigen. Manchmal hört man dann Sätze wie: „Das war nicht meine Idee!" oder „Die anderen haben auch ...!" Die wenigsten Kinder sagen: „Ja, ich habe einen dummen Fehler gemacht – es tut mir leid!" Wenn das eines meiner Kinder zu mir gesagt hat – was sehr selten vorkam –, hatte ich nicht mehr den Eindruck, dass es nötig ist, es zu bestrafen. Warum? Weil mir klar wurde, dass der Betreffende einsichtig geworden ist. Eine Bestrafung hat ja lediglich den Zweck, den „Übeltäter" zur Besinnung zu bringen.
Das typische Verhalten der Selbstrechtfertigung existiert seit dem Sündenfall! Adam sagte: „Die Frau, die du mir gegeben hast, gab mir von der verbotenen Frucht!" (1Mo 3:12) Bei dieser Selbstrechtfertigung schob Adam die Schuld indirekt sogar Gott zu. Mit anderen Worten: „Eigentlich bist du der Schuldige, denn wenn du sie mir nicht gegeben hättest, wäre das nie passiert!" Als die Frau gefragt wurde, sagte sie: „Die Schlange hat mich getäuscht, da aß ich." (1Mo 3:13) Auch hier hätte sie noch zusätzlich sagen können: „Warum hast du die Schlange in den Garten gelassen, und warum hast du den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen dort hingestellt?" Das war das erste böse „Schwarze-Peter-Spiel". Eva schob die Schuld der Schlange zu, und Adam schob sie auf seine Frau und indirekt auch auf Gott.
Und Gott? Was machte er mit dieser Schuld? Er trug sie selbst an das Kreuz von Golgatha und vernichtete somit die Schuld der ganzen Welt! (1Jo 2:2) Dadurch zeigte er uns seine unendlich große Liebe und gleichzeitig gab er jedem die Möglichkeit, den tödlichen Weg des Misstrauens gegenüber Gott zu verlassen! Wir können ganz schuldenfrei in eine liebevolle Vertrauensbeziehung zu Gott treten (Röm 5:1). Durch den Glauben schenkt er uns seine Gerechtigkeit! Das hat er schon bei Abraham so gemacht (1Mo 15:6).
In Ps 106:6 sehen wir nicht nur ein Erkennen der eigenen Schuld, sondern es wird auch deutlich, wie sehr sich der Schreiber dieses Psalms mit der Sünde seines ganzen Volkes identifiziert und sie vor Gott bekennt. Dadurch wird eine priesterliche Gesinnung sichtbar, die dem Liebeswesen Gottes entspricht und unter seinem Wohlgefallen steht.
Im Gesetz des Mose steht: „Und meine Ordnungen und meine Rechtsbestimmungen sollt ihr halten. Durch sie wird der Mensch, der sie tut, Leben haben. Ich bin der HERR." (3Mo 18:5). Aus dieser und anderen ähnlichen Aussagen entstanden Bestrebungen, alle Gebote Gottes aus eigener Kraft einzuhalten, um sich so eine eigene Gerechtigkeit aufzubauen (Phil 3:9). Um dies zu bewerkstelligen, erstellte man unzählige neue Regeln (so z. B. durch den Talmud, die Mischna, den Midrasch u. a.). Daraus entstanden dann Handlungen und Werke, mit denen man nach der eigenen Ehre suchte. Diese „Gesetzeswerke" geschahen dann aber häufig nicht aus einer Vertrauensbeziehung zu Gott oder aus selbstloser Liebe zu den Mitmenschen, sondern um sich selbst rechtfertigen zu können.
Durch Gesetzeswerke kann aber kein Mensch vor Gott gerechtfertigt werden, sondern nur durch den Glauben bzw. das Vertrauen auf Gott! (Gal 2:16) Gesetzeswerke könnten zum Beispiel regelmäßige Opfergaben, strikte Sabbatheinhaltung oder das Einhalten detaillierter Speisevorschriften sein, die oft aus Pflichtbewusstsein oder Eigeninteresse vollzogen wurden. Glaubenswerke hingegen sind Handlungen wie das Teilen mit Bedürftigen (Jak 2:14-17) oder das Vergeben von Schuld (Mt 6:14-15), die aus einer tiefen, vertrauensvollen Beziehung zu Gott und aus Liebe zu den Mitmenschen entstehen. Wer glaubt, ist erlöst, gerettet und gerechtfertigt und tut gute Werke aus Liebe und zur Ehre Gottes. Das sind dann keine Gesetzeswerke, sondern „Glaubenswerke".
Montag, 9. Dezember 2024
Lass sich freuen alle, die auf dich trauen.
Psalm 5,12
Paulus schreibt: In allem erweisen wir uns als Diener Gottes: als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben und doch alles haben.
2.Korinther 6,4.10
Können Arme reich machen?
Auf einer Reise nach Rumänien besuchten wir eine einsame, verlassene Frau. Die 76-jährige Mia war querschnittsgelähmt und verbrachte die Sommermonate auf einer Matte unter ihrer Gartenlaube. Um sie herum befanden sich ihre wenigen Habseligkeiten: eine Matte, Kissen und Decke zum Schlafen, einige Lebensmittel, Geschirr und ein paar weitere Utensilien. Da sie keine Familie hatte, die sich um sie kümmerte, war sie darauf angewiesen, dass die Nachbarn für sie einkauften. Manchmal bat sie auch Fremde, die an ihrem Haus vorbeigingen, ihr etwas mitzubringen. Dafür gab sie ihnen ein wenig Geld, das sie von ihrer Minimalrente übrig hatte. Es kam jedoch vor, dass Fremde das Geld nahmen und nicht zurückkehrten.
Wir fragten uns, wie man unter solchen Bedingungen überhaupt leben kann. Doch das Besondere an Mia war ihre große Freude und Zufriedenheit, die sie ausstrahlte. Voller Dankbarkeit erzählte sie uns, wie der Herr Jesus sie Tag für Tag treu versorgte (Mt 6:26). Ihr großer Glaube beeindruckte uns zutiefst und bereicherte auch unseren Glauben.
Gott schenkt Freude denen, die ihm vertrauen – manchmal sogar unter den unmöglichsten Umständen (Ps 30:12). Wahre Diener Gottes dienen ihm nicht nur, wenn es ihnen gut geht und sie auf einer „Erfolgswelle" reiten, sondern auch dann, wenn die Lebensumstände schwierig sind (Phil 4:12).
In Philipper 2:27 berichtet Paulus davon, dass er eine Zeit lang eine Traurigkeit nach der anderen erlebte. Man muss sich das vorstellen: Der eifrigste Verkündiger der frohen Botschaft aller Zeiten wurde von Gott Wege geführt, die ihm unsagbar viel Traurigkeit und Kummer kosteten. Gleichzeitig befiehlt er den Gläubigen in Philippi: „Freut euch allezeit im Herrn!" (Phil 4:4). Wer die unendlich große Liebe Gottes erkannt hat (1Jo 4:16 / Röm 5:8), kann sich selbst inmitten von Traurigkeit freuen (2Kor 6:10), weil er die alles überragende Gnade des Herrn sehen durfte (2Kor 12:9), die uns in die ewige Heimat führen wird – in das Reich des Sohnes seiner Liebe (Kol 1:13) und somit in das Haus des himmlischen Vaters (Joh 14:2)! Paulus verkündigte eine Botschaft, die alle gläubigen Hörer unendlich reich machte.
Als Jesus Christus nackt am Kreuz hing, hatte er gar nichts mehr. Er war ärmer als die Ärmsten! Warum? Weil er gleichzeitig die Schuld der ganzen Welt trug (2Kor 5:21). Durch diesen katastrophalen Zustand hat er uns arme Sünder unendlich reich gemacht, sodass Paulus die rhetorische Frage stellen konnte: „Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat – wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?" (Röm 8:32).
Verfolgte Christen gehören nicht selten zu den Ärmsten der Armen. Doch Gott hat sie reicher gemacht als alle anderen, weil ihnen in Christus alles geschenkt ist: die Welt, das Leben und der Tod, Gegenwärtiges und Zukünftiges; alles gehört denen, die ihm vertrauen und um Jesu willen arm geworden sind (1Kor 3:22). Würden die Milliardäre dieser Welt das verstehen, wären sie alle neidisch auf uns (Jak 2:5)!
Dienstag, 10. Dezember 2024
Deine Sonne wird nicht mehr untergehen und dein Mond nicht den Schein verlieren; denn der HERR wird dein ewiges Licht sein.
Jesaja 60,20
Gott, der da sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass die Erleuchtung entstünde zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.
2.Korinther 4,6
Die Erleuchtung der Herzen
Als Nelson Mandela nach 27 Jahren Haft das Sonnenlicht wieder bewusst wahrnahm, sagte er: „Nach so vielen Jahren Dunkelheit ist es wie eine Wiedergeburt." Ein chilenischer Bergarbeiter, der 2010 nach 69 Tagen aus einer eingestürzten Mine gerettet wurde, erzählte: „Ich weinte, als ich die ersten Lichtstrahlen sah. Es war ein Zeichen, dass wir gerettet wurden." Diese Beispiele verdeutlichen, wie kostbar das Licht für uns wird, wenn wir lange Zeit in Dunkelheit gelebt haben (Joh 8:12).
Licht ist in jeder Hinsicht faszinierend. Es kann nicht nur Räume erhellen, sondern auch wärmen, erhitzen, schneiden und Daten übertragen; zudem ermöglicht es uns, Daten zu lesen und zu schreiben. Licht erscheint in verschiedensten Farben und gibt uns Orientierung (Ps 119:105). Eine Lichtquelle erzeugt es, und wenn es auf einen Gegenstand trifft, wird es reflektiert oder absorbiert. Ein Spiegel reflektiert Licht nahezu zu 100 %, während Materialien wie das künstlich hergestellte Vantablack über 99 % des Lichts absorbieren und in Wärme umwandeln können.
Finsternis ist das Gegenteil von Licht. Während physikalisches Licht aus Wellen und Teilchen besteht, ist Finsternis lediglich die Abwesenheit von Licht – ein Nichts. In der Bibel dient das natürliche Licht als sichtbares Symbol für das wahre, göttliche Licht (Joh 1:9). Dieses göttliche Licht steht für Leben, Wahrheit und vollkommene Liebe. Das Wort Gottes wird mit einem Spiegel verglichen, der dieses Licht reflektiert (2Kor 3:18). Finsternis hingegen wird mit Lüge, Hass und Bosheit gleichgesetzt (1Jo 1:6 / 1Jo 2:11). Sie existiert nur dort, wo Gott nicht erwünscht ist und sich zurückzieht. Blickt man auf die Ewigkeit, bleibt die Finsternis bedeutungslos, denn sie vergeht. Was bleibt, sind Glaube (oder Treue), Hoffnung (oder Erwartung) und Liebe (1Kor 13:13).
Wer seine Gedanken vom Wort Gottes prägen lässt, gleicht einem Spiegel, der das göttliche Licht optimal weitergibt (Jak 1:23-25). Wer jedoch die Aussagen des Allmächtigen ignoriert, gleicht Ruß, der nur wenig Licht reflektiert. Dämonische Mächte sind wie Vantablack – sie lassen kein Licht durch.
In Jesaja 60 blickt der Prophet in eine ferne Zukunft, eine Zeit, in der es keine Dunkelheit mehr geben wird. Der HERR, das wahre Licht, wird dann nicht mehr verborgen sein, sondern sichtbar und dauerhaft gegenwärtig. In Offenbarung 21 wird das himmlische Jerusalem beschrieben, das keine Sonne mehr benötigt, weil der HERR selbst die Stadt erleuchtet (Offb 21:23). In dieser Stadt wird es nur noch Wahrheit, Leben und Liebe in unvorstellbarer Fülle geben.
Heute jedoch leben wir in einer Zeit, in der die Finsternis zunimmt (2Tim 3:1-5 / 1Joh 2:18). Doch wer dem Herrn Jesus die Tür seines Herzens öffnet, wird erleben, wie seine Liebe und sein Friede das Herz erleuchten (Joh 14:27 / Eph 3:17 / Joh 1:12). Durch Jesus Christus wird uns die Herrlichkeit Gottes offenbart. Die Erleuchtung des Herzens ist ein kostbares Geschenk der Gnade Gottes. Sie schenkt uns die Gewissheit, bedingungslos geliebt zu sein (Röm 8:38-39).
Hast du ihm schon dein Herz geöffnet (Offb 3:20)?
Mittwoch, 11. Dezember 2024
Das Warten der Gerechten wird Freude werden.
Sprüche 10,28
Seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf dass, wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich auftun.
Lukas 12,36
Ein Plädoyer für das Warten
Wir leben in einer schnelllebigen Zeit. In der Herstellung von Produkten gilt oft die Formel: „Wer weniger Zeit benötigt, kann günstiger produzieren und verkaufen. Dadurch wird er wirtschaftlich konkurrenzfähiger." Mit Computern, Maschinen und Robotern sind wir immer effizienter geworden, und die Logik „Je schneller ich etwas erledigt habe, desto mehr Zeit bleibt für anderes" erscheint uns einleuchtend. Unsere Gesellschaft ist förmlich „geschwindigkeitssüchtig" geworden. Dabei merken wir oft zu spät, dass wir nur noch Getriebene sind – gefangen in einem Hamsterrad, das sich immer schneller dreht (Pred 1:8).
Unsere Geschwindigkeitsabhängigkeit macht uns das Warten unerträglich. Früher bot es Gelegenheit zur Reflexion, heute überbrücken wir es mit dem Handy – Chats, News, Unterhaltung. Statt uns auf unser Umfeld einzulassen, füllen wir die Leere mit Ablenkung. Aber nehmen wir dabei unseren Nächsten im Wartezimmer, an der Bushaltestelle oder im Zug überhaupt noch wahr?
Tatsächlich können wir unseren Nächsten nur dann lieben wie uns selbst, wenn wir ihn wahrnehmen und auf ihn zugehen (Mt 22:39). Nur so lässt sich Nächstenliebe praktizieren. Heutzutage wird Nächstenliebe jedoch zunehmend „digitalisiert".
Dabei ist das Warten wertvoll, weil es Prozesse in Gang setzt, die uns guttun. Warten gibt uns die Gelegenheit, „zur Ruhe zu kommen" und bewusster wahrzunehmen, was um uns herum geschieht (Ps 46:11). Wenn wir warten „müssen" – oder besser: „dürfen" –, haben wir Zeit, über unser Leben, unsere Aktivitäten und Beziehungen nachzudenken. Warten erlaubt uns, unser Leben aus einer gewissen Distanz zu betrachten.
Abraham und Sarah mussten jahrzehntelang auf den verheißenen Sohn warten (1Mo 21:5). Das Volk Israel wartete über hundert Jahre auf die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei und anschließend noch 40 Jahre, bevor es das verheißene Land betreten konnte (2Mo 16:35). Schließlich wartete Israel Jahrhunderte auf den Messias. Gott verordnete diese Wartezeiten, weil sie wertvolle Prozesse in den Wartenden auslösten.
Ein Warten ohne etwas zu erwarten ist viel schwerer und aus göttlicher Sicht auch nicht gut! Wer die Verheißungen Gottes kennt, kann mit Erwartung warten! (Jes 40:31) Wer den Herrn Jesus Christus jederzeit erwartet, lebt anders als jemand, der nicht mit seiner baldigen Wiederkunft rechnet. Ein junger Mensch, der sich bewusst ist, dass sein Leben plötzlich enden könnte, wird anders leben als jemand, der fest mit einem hohen Alter rechnet (Jak 4:14). Das Warten gibt uns Zeit, uns innerlich auf eine Begegnung vorzubereiten.
Die Christenheit wartet seit bald 2’000 Jahren auf die Wiederkunft des Herrn. Das Warten ist eine Zeit der Vorbereitung – eine Gelegenheit, tiefer zu lieben, bewusster zu leben und sich nach dem Kommenden zu sehnen (Tit 2:13). Wer wartet, erfährt eine innere Ruhe, die schon jetzt ein Vorgeschmack auf die Freude ist, die kommt. Jede Wartezeit, egal wie lang, schenkt uns etwas Wertvolles – Zeit für Gott, für uns selbst und für andere. Wer von Herzen auf den Herrn wartet, wird ihn immer mehr lieben und ist bereit für eine Begegnung mit ihm – sei es nach dem Sterben oder bei seiner Wiederkunft (1Thes 4:16-17). Vielleicht ist die „Generation Z" tatsächlich die letzte Generation, die auf Jesu Wiederkommen wartet.
Ob jemand treu ist, zeigt sich auch daran, ob er warten kann! Geduldiges Warten führt zu göttlicher Bewährung und wird reich belohnt (Jak 5:7-8). Warte geduldig auf den Herrn – es lohnt sich in jedem Fall!
Donnerstag, 12. Dezember 2024
Gott erhöht die Niedrigen und hilft den Betrübten empor.
Hiob 5,11
Was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist.
1.Korinther 1,27
Erniedrigte werden erhöht und Mächtige beschämt
Es ist eine der bevorzugten Handlungen Gottes, Schwache zu stärken, Arme zu beschenken, Erniedrigte zu erhöhen und Trauernde zu trösten (Ps 147:6). Besonders freut es ihn, Demütige mit Gnade und Barmherzigkeit zu beschenken (Jak 4:6). Diese Wahrheit findet sich an vielen Stellen in der Bibel. Jesus fasste sie in den Seligpreisungen zusammen: Er erklärte, dass den „Armen im Geist" das Himmelreich gehört, die Trauernden glückselig sind, weil sie getröstet werden, und die nach Gerechtigkeit Hungernden und Dürstenden gesättigt werden (Mt 5:3-6).
Die Erhöhung der Erniedrigten führt oft dazu, dass die ursprünglich Privilegierten plötzlich in einer schwächeren oder untergeordneten Position sind. Dies kann für sie beschämend sein – insbesondere wenn sie zuvor ihre Macht genossen haben, um andere zu unterdrücken (Ps 75:8).
Ein Beispiel dafür ist Josef: Als er nach Ägypten verschleppt und als Sklave verkauft wurde, befand er sich in einer Position, in der Mächtige ihn unterdrücken konnten (1Mo 37:28). Die Frau Potifars, seines Herrn, wollte ihn verführen. Aus Treue gegenüber Gott und seinem Herrn wies Josef sie ab. Doch sie rächte sich an ihm, indem sie ihn verleumdete (1Mo 39:7-20). Josef wurde ins Gefängnis geworfen, wo es naheliegt, dass er zu Beginn von Mitgefangenen oder Wächtern schikaniert wurde – ein damals verbreitetes Verhalten. Zwar lesen wir von einem wohlgesinnten Gefängnisaufseher, doch manche sadistisch veranlagten Wärter könnten ihre Macht genutzt haben, um Josef weiter zu demütigen.
Als Gott Josef jedoch zum zweitmächtigsten Mann Ägyptens erhob, wurden gerade seine Unterdrücker beschämt. Sie mussten um ihre Position, möglicherweise sogar um ihr Leben fürchten (1Mo 41:41-43).
Wenn wir 1Kor 1:27 lesen, könnten wir uns fragen: Bereitet es Gott Freude, die Starken zu beschämen? Das dürfte nicht der Fall sein, denn in Klagelieder 3:33 steht:
„Denn nicht von Herzen plagt und betrübt er die Menschen."
In den folgenden Versen heißt es weiter:
„Wenn man alle Gefangenen auf Erden unter die Füße tritt und eines Mannes Recht vor dem Allerhöchsten beugt und eines Menschen Sache verdreht – sollte das der Herr nicht sehen?"
Gott erfreut sich meines Erachtens nicht am Leid der Starken, Stolzen oder Hochmütigen. Er empfindet keine „sadistische Freude" daran, wenn diese beschämt werden. Stattdessen liegt seine Freude darin, was aus diesem Prozess entsteht: Demut. Hochmut geht oft mit der Verachtung der Schwachen einher, und diese Haltung ist Gott ein Gräuel, da sie den Schwachen entwertet und seiner Würde beraubt (Spr 3:34).
Jesus verachtete reuige Zöllner und Huren nicht! Im Gegenteil: Er schenkte ihnen Wertschätzung und eine neue Perspektive (Lk 19:1-10). Gleichzeitig ging er mit den selbstgerechten, scheinbar frommen Juden hart ins Gericht (Mt 23:13-15). Gott schreibt mit den Schwachen und Elenden Welt- und Heilsgeschichte – und das wird eines Tages die Mächtigen dieser Welt beschämen (1Kor 1:28-29).
Freitag, 13. Dezember 2024
Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.
2. Mose 3,6
Jesus trat zu den Jüngern, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.
Matthäus 17,7-8
Ein verhülltes und ein aufgedecktes Angesicht
Wenn wir sterbliche Menschen das herrliche und hellstrahlende Angesicht Gottes anschauen würden, hätte das weit schlimmere Auswirkungen, als drei Minuten lang mit ungeschützten Augen direkt in die Mittagssonne zu sehen. Sowohl Mose als auch Elia verhüllten auf dem Berg Horeb ihr Angesicht, als sie die heilige Gegenwart Gottes verspürten (1Kö 19:13). Es waren Ehrfurcht gebietende Momente, die Veränderung und etwas Neues ankündigten. Intuitiv stellte sich die bewusste oder unbewusste Frage: „Wird der HERR mir gnädig sein, oder wird er mich ablehnen, da ich ein sündiger Mensch bin?"
Die Tatsache, dass wir fehlerhafte Menschen die heilige Gegenwart Gottes nicht aushalten können, zeigt sich an vielen Stellen in der Bibel. Jesaja erkannte in der Gegenwart Gottes seine Sündhaftigkeit und Verlorenheit (Jes 6:5). Daniel fiel sogar auf sein Angesicht, als ihm ein herrlicher Engel erschien (Dan 10:9). Dasselbe erlebte Johannes, als ihm Jesus in seinem Glanz erschien (Offb 1:17).
Wie musste sich der Christenverfolger Saulus gefühlt haben, als er von einem Licht geblendet wurde und eine Stimme ihn fragte: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?" (Apg 9:4) Nach alttestamentlichem Gesetz und menschlichem Empfinden konnte Saulus nur noch mit dem Zorn Gottes rechnen. Doch es kam anders!
Als die Jünger Jesu mit ihm auf dem „Berg der Verklärung" waren, sahen sie, wie Jesus „umgestaltet" wurde. Mit einem Mal leuchtete sein Angesicht wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht (Mt 17:2). Genau in diesem Moment erschienen auch Mose und Elia. Die Parallele zum Alten Testament ist kaum zu übersehen.
Warum verhüllten die Jünger hier nicht ihr Angesicht oder fielen zu Boden? Lag es daran, dass sie Jesus bereits kannten und sich nicht mehr vor ihm fürchteten, obwohl er so viel Herrlichkeit ausstrahlte? Das ist denkbar. Doch als eine Wolke kam und der himmlische Vater sprach: „Dies ist mein geliebter Sohn, über den ich mich von Herzen freue. Auf ihn sollt ihr hören" (Mt 17:5), da fielen die Jünger auf ihr Angesicht zu Boden! Hier wurden die Jünger von der Stimme Gottes ‚überwältigt'. Nachdem Jesus auf sie zukam, sie anrührte und sagte: „Steht auf und fürchtet euch nicht!", konnten sie aufblicken und ihn anschauen.
Durch unsere Sündhaftigkeit passen wir nicht zu Gott, und seine heilige Gegenwart ist in diesem Zustand unerträglich (Jes 59:2). Das ist unter anderem ein Grund dafür, warum wir manchmal sein Wort meiden – wir fühlen uns in seiner Gegenwart unwohl.
Doch Jesus kam auf uns zu, er rührte uns an und befreite uns von unserer Sünde (1Jo 1:7), damit wir frei von Schuld und mit seiner geschenkten Gerechtigkeit das Angesicht des HERRN schauen dürfen. Darum schreibt Paulus in 2Kor 3:18: „Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden so verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn, dem Geist, geschieht." Wahrscheinlich erahnen wir nur zu einem Bruchteil, wie wunderbar diese Aussage ist – was sie bedeutet und welche Auswirkungen sie in Zukunft haben wird!
Samstag, 14. Dezember 2024
Warum hast du denn das Wort des HERRN verachtet, dass du getan hast, was ihm missfiel?
2.Samuel 12,9
Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes? Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!
Römer 7,24-25
Die „Warum-Frage“
Wer kennt sie nicht? Die „Warum-Frage"! Wir hören sie immer wieder: „Warum lässt ein Gott der Liebe so viel Leid zu?" Doch bevor wir Gott diese Frage stellen, sollten wir uns vielleicht selbst eine andere stellen – die, die Gott heute an uns richtet: „Warum hast du denn das Wort des HERRN verachtet?"
Sollten wir Menschen nicht zuerst diese Frage beantworten, bevor wir Gott fragen, warum er Leid zulässt? Warum handeln wir immer wieder gegen Gottes Wort, obwohl wir doch wissen, dass er uns liebt und es gut mit uns meint? (Jer 29:11)
- Warum bin ich gierig, obwohl Gott gesagt hat: „Du sollst nicht begehren, was deinem Nächsten gehört"? (2Mo 20:17)
- → Macht uns das nicht unzufrieden und undankbar? Und Neid macht uns oft bitter, stimmt's?
- Warum brechen wir die Ehe, obwohl das Wort des HERRN lautet: „Du sollst nicht ehebrechen"? (Vor Gott sind wir schon Ehebrecher, wenn wir uns im Herzen einen anderen Partner wünschen; Mt 5:28)
- → Haben wir nicht oft erlebt, dass dabei Vertrauen zerstört wird – nicht nur das unseres Partners, sondern auch unser eigenes?
- Warum stehlen und betrügen wir, obwohl Gott sagt: „Du sollst nicht stehlen"? (2Mo 20:15)
- → Wissen wir nicht tief im Herzen, dass wir damit anderen Schaden zufügen?
- Warum reden wir nicht die Wahrheit, obwohl der HERR sagt: „Du sollst kein falsches Zeugnis geben"? (2Mo 20:16)
- → Täuschen wir uns nicht selbst, wenn wir behaupten: „Die Wahrheit ist relativ"?
- Warum werden Menschen zu Mördern, obwohl der HERR sagte: „Du sollst nicht morden"? (2Mo 20:13)
- → Gibt es einen besseren Weg, die Welt zur „Hölle" zu machen, als das Leben anderer zu zerstören?
Solange wir diese Fragen nicht ehrlich beantworten, haben wir kein Recht, Gott zu fragen, warum er Leid zulässt.
Im Losungstext stellt Gott die „Warum-Frage" an König David, der als „ein Mann nach dem Herzen Gottes" bekannt war (1Sam 13:14). David begehrte die Frau seines Nächsten und war Gott gegenüber undankbar und unzufrieden mit dem, was er hatte. Er beging Ehebruch und stahl dabei seinem Nächsten das Wertvollste, obwohl er selbst viele Frauen hatte. Er belog ihn, indem er vorgab, ihm wohlgesinnt zu sein, und ließ ihn schließlich ermorden (2Sam 11).
David kannte die zehn Gebote! In 2. Samuel 11 übertrat er die zweite Hälfte der 10 Gebote, nämlich die Gebote 6–10. Es ist nicht überliefert, dass David mit Worten das Wort des HERRN verachtete, aber er tat es durch seine Taten! Was nützt es, zu sagen, dass das Gebot der Nächstenliebe gut und wichtig ist, wenn wir es nicht in die Tat umsetzen? (Jak 2:14) Wer liebt, ist treu, wahrhaftig und tut seinem Nächsten Gutes.
Trotz seiner schrecklichen Tat liebte David den HERRN. Er tat Buße, indem er umkehrte und seine Taten zutiefst bereute (Ps 51). In seiner großen Gnade vergab Gott David seine Sünde, doch die Konsequenzen blieben: David verlor einige seiner Söhne.
In Römer 7 bringt Paulus seine Verzweiflung darüber zum Ausdruck, dass er zwar von Herzen das Gute will, aber oft nicht in der Lage ist, es zu tun (Röm 7:19). Er verabscheute alles Böse und Egoistische und musste dennoch feststellen, dass er sich manchmal so verhielt. Warum? Weil er immer noch in einem sündhaften Leib lebte.
Für Gott zählt jedoch, dass wir das Gute wollen und lieben, auch wenn wir es nicht immer umsetzen können. Durch Gottes Gnade und sein Heilshandeln am Kreuz von Golgatha dürfen alle Gläubigen in Christus versetzt sein (2Kor 5:17) und stehen trotz dieses Spannungsfeldes nicht mehr unter der Verdammnis (Röm 8:1). Ihm sei dafür von Herzen Dank!
Ein letzter Gedanke: Zur »Warum-Frage« gab jemand einst diese wunderbare Antwort: »Du wirst in die Antwort hineinleben!«
Sonntag, 15. Dezember 2024
Verlasst euch nicht auf Lügenworte, wenn sie sagen: Hier ist des HERRN Tempel, hier ist des HERRN Tempel, hier ist des HERRN Tempel! Sondern bessert euer Leben und euer Tun.
Jeremia 7,4-5
Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk, dass wir ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen.
Lukas 1,68. 74-75
Drohende Gefahr und Erlösung
Sowohl in der Schweiz als auch in der Europäischen Union gibt es Barometer, die die größten Sorgen der Bevölkerung erfassen. Die Ranglisten dieser Barometer sehen wie folgt aus:
|In der Schweiz:
- Gesundheits- & Krankenkassenkosten
- Umweltschutz & Klimawandel
- Altersvorsorge
- Wohnkosten
- Versorgungs-sicherheit
In der EU:
- Wirtschaftliche Sorgen
- Umweltschutz & Klimawandel
- Ukraine-Krieg
- Migration
- Gesundheit
Könnten wir die Stadtbewohner Jerusalems zur Zeit Jeremias befragen, hätten sie vermutlich die babylonische Bedrohung, die Versorgungssicherheit der Stadt, die zunehmende Korruption und die Ungerechtigkeit als größte Probleme genannt. Äußerlich betrachtet war das sicher richtig, doch aus Gottes Sicht lag die Ursache der Bedrohung woanders!
Zur Zeit Hiskias waren 185’000 assyrische Soldaten vor den Toren Jerusalems stationiert. Die Aussicht, dass die Stadt diese Belagerung überlebt, war praktisch bei null. Doch Gott, der Allmächtige, nahm diese Sorge über Nacht hinweg: Er sandte einen Engel, der die gesamte assyrische Armee vernichtete. Wie kam es dazu? Einerseits war es Gottes große Gnade, andererseits vertrauten die Stadtbewohner auf Gott und glaubten den Worten des Propheten Jesaja (Jes 37:36).
Zur Zeit Jeremias jedoch war die Lage anders. Die Stadtbewohner lebten in großem Unrecht. Ihre "Verfehlungsliste" war lang: Lügen, Korruption, Unterdrückung von Fremden, Witwen und Waisen, Blutvergießen, Diebstahl, Mord, Hurerei und Götzendienst (Jer 7:5-9). Gleichzeitig kamen sie in den Tempel und "beteten Gott an". Sie dachten: "Solange wir Gott durch Opfer und Gebete zufriedenstellen, sind wir sicher! Dann können wir so gierig und rücksichtslos leben, wie wir wollen. Gott hat diese Stadt vor der assyrischen Armee gerettet; er wird uns auch vor den Babyloniern retten – schließlich wird er seinen Tempel nicht zerstören lassen!"
Jeremia musste sie warnen: "Es nützt nichts, wenn ihr den Tempel beschwört und gleichzeitig Böses tut! Der Tempel wird euch vor Gottes Zorn nicht schützen!" (Jer 7:4)
Heute stehen wir womöglich vor einem ähnlichen Problem. Während sich die Sorgen unserer Gesellschaft um Gesundheit, Klimawandel und Wirtschaft drehen, zeigt die Bibel, dass es oft nicht die äußeren Umstände sind, die eine Gesellschaft gefährden, sondern ihre innere Ausrichtung (Spr 14:34). Meiner Meinung nach sind nicht die Punkte auf dem "Sorgenbarometer" das größte Problem, sondern die zunehmende Gottlosigkeit! Unsere Gesellschaft meint, Gott und seine Gebote nicht mehr zu brauchen – doch das führt unweigerlich zu mehr Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit. Was wir brauchen, ist eine Umkehr zu Gott, eine neue Ehrfurcht vor ihm und seinem Wort (2Chr 7:14).
Als Johannes der Täufer geboren wurde, erkannte sein Vater Zacharias, dass dieses Kind dem künftigen Erlöser Israels den Weg bereiten würde, indem es das Volk zur Umkehr rief (Lk 1:76-77). Ziel war es, die Rettung Gottes zu erkennen und die Vergebung der Sünden zu empfangen.
Wer sein Vertrauen auf Jesus, den Retter der Welt, setzt, wird erleben, wie Gott "Sorgenberge" beiseite räumen kann (Mt 11:28).
Montag, 16. Dezember 2024
Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann, der du zugesagt hast, mir zu helfen.
Psalm 71,3
Jesus fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst!
Matthäus 26,39
Eine radikale Unterordnung
Psalm 71 beginnt mit den Worten: „Bei dir, HERR, habe ich mich geborgen. Lass mich niemals beschämt werden! In deiner Gerechtigkeit befreie mich und rette mich!" (Ps 71:1-2) Diese Worte drücken das Vertrauen eines Beters aus, der Gottes Beistand in schweren Prüfungen sucht. Sie sind eine Hoffnung, die auch Jesus in seinem Leiden getragen haben dürfte. Gegen Ende des Psalms lesen wir: „Der du uns viele und unheilvolle Nöte hast sehen lassen, du wirst uns wieder beleben und uns aus den Tiefen der Erde wieder heraufführen." (Ps 71:20) Diese Aussage deutet auf eine Auferstehung aus den Toten hin.
Es stellt sich jedoch unweigerlich die Frage: Wurde Jesus in seiner Passion nicht dennoch beschämt? Man spuckte ihn an und verhöhnte ihn. Die Leute verspotteten ihn und sagten: „Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. Er ist Israels König, so steige er jetzt vom Kreuz herab, und wir werden an ihn glauben." (Mt 27:42) Aus menschlicher Sicht sah es damals keineswegs so aus, als ob Jesus geholfen oder gerettet würde, während er am Kreuz hing.
Aus göttlicher Sicht trug Jesus keine Schande, sondern er blieb der gehorsame Sohn, der den Willen seines Vaters erfüllte (Phil 2:8). Der himmlische Vater ließ Jesus nicht im Tod zurück, sondern bewirkte seine Auferstehung. Dadurch wurde sichtbar, dass die vermeintliche Schande in Wahrheit der Weg zum Triumph war: Jesus besiegte die Macht der Sünde und des Todes und offenbarte Gottes Herrlichkeit (1Kor 15:54-57). So wurde der Spott am Kreuz ins Gegenteil verkehrt – sein Sterben war der entscheidende Sieg der Liebe über die Finsternis. Gott gab Jesus die Kraft, an seinem Vertrauen festzuhalten und bis ans Ende in Liebe zu handeln – ohne bitter zu werden.
Gerade dadurch entlarvte Jesus alle Feinde, die darauf hofften, er würde am Kreuz fluchen oder sich vom Hass leiten lassen. Die Finsternis konnte das Licht nicht auslöschen, und der Hass war nicht imstande, die Liebe zu überwinden (Joh 1:5)! Auch wenn es zunächst anders schien, war der Vater im Himmel für Jesus ein starker Fels, der ihm half und ihn aus den „Klauen des Todes" rettete.
Matthäus 26,39 beschreibt Jesu schweren Gebetskampf im Garten Gethsemane, der seine Menschlichkeit und Göttlichkeit gleichermaßen offenbart. Einerseits fürchtete er sich vor der bevorstehenden Gottverlassenheit und andererseits offenbarte er seinen unerschütterlichen Willen, genau das zu tun, was sein Vater von ihm erwartete.
Die Gottverlassenheit war für Jesus ein völlig neues, beängstigendes Terrain. Dieser bevorstehende Zustand löste in ihm ein nie dagewesenes Grauen aus. In diesem Kampf könnten Zweifel in ihm aufgekommen sein: „Kann ich das ertragen, ohne mich zu versündigen? Wird meine Liebe stark genug bleiben?" Doch im Gebet fand Jesus die Kraft, sich seinem Vater radikal unterzuordnen (Hebr 5:7).
Die Gottverlassenheit Jesu zeigt die Tiefe seiner Hingabe: Er ließ alles los – seine Ehre, sein Leben und selbst die Geborgenheit in der Nähe Gottes. Doch trotz der Gottverlassenheit hielt er an seiner Liebe fest. Er fluchte nicht, sondern betete: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." (Lk 23:34) Damit offenbarte er, dass die göttliche Liebe stärker ist als jede Form von Hass, Dunkelheit oder Sünde.
Genau hier wird sichtbar, warum es so entscheidend war, dass das Wort Fleisch wurde (Joh 1:14). Vollkommene göttliche Liebe zeigt sich erst dort, wo jemand um der Liebe willen alles loslassen kann. Liebe ist keine abstrakte oder theoretische Idee. Sie ist eine Person, die sich selbst opfern kann und in den größten Schmerzen sowie in absoluter Gottverlassenheit als wahrhaftige Liebe erwiesen hat.
Philipper 2,9-11 fasst dieses Geheimnis zusammen: „Darum hat ihn auch Gott über alle Maßen erhöht und ihm den Namen verliehen, der über allen Namen ist." (Phil 2:9-11) Jesus wurde erhöht, weil er sich in der Tiefe erniedrigte. Durch seine Hingabe offenbarte er die vollkommene göttliche Liebe, die auch unter größtem Druck nicht zerbricht. Ihm allein gebührt Ehre und Anbetung!
Dienstag, 17. Dezember 2024
Recht muss doch Recht bleiben, und ihm werden alle frommen Herzen zufallen.
Psalm 94,15
Jesus spricht: Sollte nun Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht Recht verschaffen, und sollte er ihre Sache aufschieben? Ich sage euch: Er wird ihnen Recht verschaffen, und zwar unverzüglich.
Lukas 18,7-8
Die Sehnsucht nach der Wiederherstellung des Rechts
In Staaten, in denen Korruption vorherrscht, ist es für Menschen ohne Geld und ohne gute Beziehungen äußerst schwierig, zu ihrem Recht zu kommen. Oft müssen sie lange warten, und wenn sie keine "Schmiergelder" zahlen können, lässt man sie meist „im Regen stehen".
Der Dichter von Psalm 94 klagt über eine weit verbreitete Ungerechtigkeit. Er beschreibt, wie Witwen, Fremde und Waisen von Gottlosen ausgebeutet werden (Ps 94:6). Dabei mahnt er die Stolzen zur Umkehr und Einsicht, denn Gott sieht und hört alles! Der Psalmist prophezeit, dass eines Tages der HERR die Gerechtigkeit durch sein rechtschaffendes Gericht wiederherstellen wird. Das bedeutet, dass die Unterdrücker mit der Rache Gottes und seinem Strafgericht rechnen müssen. Die Unterdrückten hingegen werden Gerechtigkeit erfahren und endlich zu ihrem lang ersehnten Recht kommen.
Psalm 94:15 könnte wörtlich übersetzt lauten: „Denn zur Gerechtigkeit wird zurückkehren das rechtschaffende Gericht, und hinter ihm her alle, die von Herzen aufrichtig sind." Ohne ein rechtschaffendes Gericht gibt es keine Gerechtigkeit, und ohne Gerechtigkeit gibt es kein Recht. Der Psalmist glaubte fest daran, dass Gott das Recht wiederherstellen wird.
In Lukas 18 erzählt Jesus das Gleichnis von einer Witwe, die einen Richter bittet, ihr Recht zu verschaffen. Das Problem: Der Richter kannte keine Gottesfurcht und achtete die Menschen nicht (Lk 18:2). Er missachtete somit auch die menschliche Würde. Die Chance, dass eine arme, unbekannte Witwe bei ihm Recht bekommt, war äußerst gering. Eigentlich hätte sie sagen können: „Ich habe keine Chance, und es ist nahezu aussichtslos, dass mir dieser Richter zu meinem Recht verhilft." Doch die Frau war hartnäckig, gab ihre Hoffnung nicht auf und zeigte eine bewundernswerte Ausdauer. Sie rechnete wider alle Erwartungen damit, dass sie eines Tages Gerechtigkeit erfahren würde – selbst wenn die Chancen schlecht standen.
Die Hartnäckigkeit der Witwe wurde dem Richter so lästig, dass er sinngemäß sagte: „Ich verhelfe ihr zu ihrem Recht, damit ich nicht weiter belästigt werde und endlich meine Ruhe habe" (Lk 18:5).
Die Witwe glaubte fest daran, dass ihr einmal Recht verschafft wird, und ließ nicht nach, den ungerechten Richter zu bedrängen. Mit diesem Beispiel wollte Jesus die Zuhörer ermutigen, im betenden Vertrauen auf Gott nicht nachzulassen (Lk 18:1)! Aber er äußerte auch Zweifel daran, ob er bei seiner Wiederkunft einen solchen hartnäckigen Glauben finden würde (Lk 18:8), obwohl der himmlische Vater – im Gegensatz zum ungerechten Richter – voller Güte und Gnade ist. Gott wird das Recht schnell, das heißt in kürzester Zeit, wiederherstellen. Die Tatsache, dass die Auserwählten Tag und Nacht im Gebet zu ihm schreien, zeigt jedoch auch, dass vor der Wiederkunft Jesu Geduld und ein betendes Warten nötig sind.
Lassen wir uns nicht entmutigen, wenn wir – wie die Witwe – lange warten müssen, bis der HERR wiederkommt und das Recht wiederherstellt! Auch Jesaja 57:1-2 beschreibt die Wiederkunft des HERRN, bei der er die Gläubigen bei der Entrückung einsammelt. Dort heißt es:
„Und die treuen Männer werden hinweggerafft (wörtlich: eingesammelt), ohne dass jemand es beachtet. Ja, vor der Bosheit wird der Gerechte hinweggerafft (wörtlich: eingesammelt); er geht ein zum Frieden. Sie ruhen auf ihren Lagerstätten, jeder, der seinen geraden Weg geht."
Mittwoch, 18. Dezember 2024
Der HERR sprach: Fürchte dich nicht, Abram! Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn.
1. Mose 15,1
Und so wartete Abraham in Geduld und erlangte die Verheißung.
Hebräer 6,15
Der große Lohn
Kaiser Augustus erlangte großen Ruhm und machte Rom besonders mächtig. Aus historischer Sicht gehört er vermutlich zu den bedeutendsten Kaisern der Geschichte. Er wird sogar im Neuen Testament erwähnt und war derjenige, der die Volkszählung veranlasste, durch die Josef und Maria nach Bethlehem reisen mussten (Lk 2:1-3). Bereits zu Lebzeiten wollte Augustus sich verewigen, weshalb er von sich eine Büste anfertigen ließ, die noch heute in einem vatikanischen Museum zu sehen ist. Laut Sueton verabschiedete er sich mit einer Anspielung auf die Vollendung seines Lebenswerks, indem er sein Leben mit einem Theaterstück verglich: „Habetis plausum?", auf Deutsch: „Habe ich Beifall verdient?" oder „Habe ich meine Rolle gut gespielt?"
Abram, der später Abraham genannt wurde (1Mo 17:5), war ein völlig anderes „Kaliber". Als wohlhabender Herdenbesitzer erreichte er aus materieller Sicht nicht viel. Abgesehen von einem kleinen Grundstück, das er als Grabstätte kaufte, besaß er kein Land (1Mo 23:17-20). Nach der Rettung seines Neffen Lot lehnte er sogar Geschenke des Königs von Sodom ab (1Mo 14:22-23). Jahrzehntelang litt er darunter, keine Nachkommen zu haben. Dennoch kam er nicht auf die Idee, eine zweite Frau zu nehmen – was damals üblich war –, um endlich einen Erben zu bekommen. Erst auf Drängen seiner Frau Sarah zeugte er mit Hagar seinen erstgeborenen Sohn Ismael, den Stammvater der arabischen Völker (1Mo 16:1-4). Doch das war nicht der von Gott verheißene Sohn!
Isaak, der verheißene Sohn, wurde später von Sarah geboren, die aus medizinischer Sicht längst keine Kinder mehr bekommen konnte (1Mo 21:1-3). Isaak war ein erstes sichtbares Zeichen dafür, dass der HERR für Abram ein sehr großer Lohn war. Noch wichtiger jedoch war der unsichtbare Lohn: Eine von Gott geschenkte Gerechtigkeit, die Abram eine ewige Gemeinschaft mit Gott ermöglichte (1Mo 15:6). Abraham vertraute auf Gott und wartete geduldig, bis dieser sein Versprechen erfüllte.
Abraham hätte nach Jahrzehnten des Wartens auch resignieren können: „Gott hat mich getäuscht! Sarah ist zu alt, um Kinder zu bekommen, und mein Vertrauen hat sich nicht gelohnt. Vielleicht ist Jahwe doch nicht der allmächtige Gott – ich suche mir einen anderen." Aber Abraham wartete weiter. Sein Glaube blieb fest, bis Gott sein Versprechen wahr machte (Hebr 11:11-12).
Während Abraham zu Lebzeiten wenig Aufsehen erregte und kein Imperium gründete, war Augustus der unangefochtene Herrscher seiner Zeit, der wohl mächtigste Mann seiner Ära. Und heute? Heute kann man noch Augustus' Büste bewundern und in Geschichtsbüchern von seinen militärischen Erfolgen lesen. Doch welche Bedeutung hat er für das Innere eines Menschen?
Für das Judentum, das Christentum und den Islam hat Abraham eine weit größere Bedeutung als Augustus. Diese drei Weltreligionen werden auch als abrahamitische Religionen bezeichnet. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung zählt sich zu diesen Glaubensrichtungen. Abraham hat sich im Gegensatz zu Augustus wirklich „verewigt". Abrahams "Ruhm" hat über Jahrtausende hinweg Bestand! Warum? Weil er auf Gott vertraute und geduldig auf dessen Verheißung wartete (Röm 4:20-21).
Abraham hatte noch eine andere Verheißung: Er erwartete eine Stadt, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist (Hebr 11:10). Diese ewige, herrliche Stadt wird in Offenbarung 21 beschrieben (Offb 21:2-3). Sie wird eines Tages auf die neue Erde herabkommen.
Wartest auch du im Vertrauen auf Gott auf diese herrliche Stadt?
Donnerstag, 19. Dezember 2024
Jakob sprach zu Josef: Geh hin und sieh, ob's gut steht um deine Brüder und um das Vieh.
1. Mose 37,14
Wir wollen uns umeinander kümmern und uns gegenseitig zur Liebe und zu guten Taten anspornen.
Hebräer 10,24
Die Fürsorge des Vaters und die Motivation zur Liebe
Die dramatische Familiengeschichte Jakobs und seiner zwölf Söhne, die in den letzten Kapiteln der Genesis erzählt wird (1Mo 37-50), berührt viele Facetten unseres Lebens. Themen wie Liebe, Stolz, Eifersucht, Vergebung und Versöhnung sind auch heute noch aktuell. Sowohl Kinder als auch Erwachsene können sich in diesen Geschichten wiederfinden.
Doch der zentrale Punkt ist nicht nur das Handeln der Menschen, sondern das unsichtbare, leitende Wirken Gottes (Röm 8:28). Er nutzt die Höhen und Tiefen dieser Familiengeschichte, um alle Beteiligten zu formen und zu verändern. Jakob, der seinen Lieblingssohn Josef loslassen musste, lernte, Gott zu vertrauen. Josef selbst wurde durch Schicksalsschläge von seinem Stolz befreit und entwickelte Demut. Auch die Brüder, die einst voller Hass und Eifersucht waren, durchliefen einen Prozess der Läuterung! Erst nachdem ihre Persönlichkeitsentwicklung abgeschlossen war, kam es zum Frieden und zur großen Versöhnung.
Diese Geschichte ist nicht nur ein Spiegel menschlicher Erfahrungen, sondern auch ein Hinweis auf Gottes Heilshandeln an der gesamten Menschheit. Josef ist dabei eine Vorschattung auf Jesus Christus. Wie Josef von seinem Vater Jakob zu seinen Brüdern gesandt wurde, so sandte der himmlische Vater seinen Sohn Jesus zu uns (Joh 3:16).
Schalom: Mehr als nur Frieden
In 1. Mose 37,14 taucht das hebräische Wort „Schalom" zweimal auf – ein Begriff, der weit über die Abwesenheit von Krieg hinausgeht. „Schalom" bedeutet umfassendes Wohlergehen, Vollständigkeit und Vollkommenheit. (Mehr dazu hier) Eine wörtlichere Übersetzung des Verses könnte lauten: „Geh hin und sieh, ob bei deinen Brüdern ‚Frieden' ist und ob auch das Vieh ‚Frieden' hat." Jakob kümmert sich nicht nur um das Wohl seiner Söhne, sondern auch um das seiner Tiere – ein Hinweis auf die ganzheitliche Fürsorge, die Gott uns zeigt (Ps 145:9).
Wie Josef war auch Jesus bereit, sich vom Vater senden zu lassen (Joh 6:38). Ein Vers zuvor lesen wir: „Da sagte Israel zu Josef: Weiden nicht deine Brüder bei Sichem? Komm, ich will dich zu ihnen senden! Er aber sagte zu ihm: Hier bin ich." (1Mo 37:13)
Auch der Lieblingssohn des himmlischen Vaters war bereit, zu uns – seinen Brüdern – zu kommen, um uns den wahren Frieden zu bringen (Joh 14:27). Zuerst brachte er uns inneren Frieden, indem er uns von unserer Schuld befreite und den Zugang zum himmlischen Vater ermöglichte (Röm 5:1). Bei seinem zweiten Kommen wird er jedoch auch den äußeren Frieden auf die Erde bringen (Jes 9:5)!
Eine Motivation zur Liebe
Hebräer 10,24 ermutigt uns, uns gegenseitig zur Liebe und zu guten Taten anzuspornen. Gottes Fürsorge und Liebe, die in der Geschichte von Josef und Jakob deutlich wird, soll uns inspirieren (1Jo 4:19). Genauso wie der Vater handelt, dürfen auch wir handeln: in Liebe, in Fürsorge und mit Blick auf das Wohlergehen anderer. Gute Taten, die aus dieser Liebe heraus geschehen, tragen den Frieden Gottes weiter in die Welt (Mt 5:16).
Freitag, 20. Dezember 2024
Israel aber wird errettet durch den HERRN mit einer ewigen Rettung, und ihr werdet nicht zuschanden noch zu Spott immer und ewiglich.
Jesaja 45:17
Der Engel sprach zu Josef: Maria wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.
Matthäus 1:21
Der prophezeite Retter
In Jesaja 45:1 lesen wir:
"So spricht der HERR zu seinem Gesalbten, zu Kyrus, den ich bei seiner Rechten ergriffen habe, um Nationen vor ihm zu unterwerfen – und die Hüften der Könige entgürte ich –, um Torflügel vor ihm zu öffnen, und Tore bleiben nicht verschlossen."
In den Versen 4-5 heißt es weiter:
"Wegen meines Knechtes Jakob und Israels, meines Auserwählten, habe ich dich bei deinem Namen gerufen. Ich gebe dir einen Ehrennamen, ohne dass du mich erkannt hast. Ich bin der HERR und sonst keiner. Außer mir gibt es keinen Gott."
Kyros II. ist einer der wenigen heidnischen Könige, der in der Bibel bereits Jahrhunderte vor seiner Erscheinung prophezeit wurde. Manche vermuten, dass diese Prophezeiungen des Jesaja erst nach dem Erscheinen von Kyros II. geschrieben wurden, da Jesaja in der Zeit des assyrischen Großreichs lebte (ca. 740 bis 700 v. Chr.), während Kyros II. von ca. 600 bis 530 v. Chr. lebte. Doch die gefundene Jesaja-Rolle von Qumran, die aus dem ersten bzw. zweiten vorchristlichen Jahrhundert stammt, enthält auch Prophezeiungen auf Jesus Christus (Jes 7:14-25, Jes 9:5-6, Jes 53 u. a.). Dadurch ist erwiesen, dass die Jesaja-Rolle göttliche Voraussagen enthält, die sich dann tatsächlich ereignet haben.
Wenn man nach Beweisen sucht, warum die Bibel Gottes Wort ist, spielen gerade solche Prophezeiungen eine ganz wesentliche Rolle (2Petr 1:21). Darum stellt der HERR in Jesaja 45:21b die entscheidende Frage:
"Wer hat dies von alters her hören lassen, schon längst es verkündet? Nicht ich, der HERR?"
Mit anderen Worten: "Prüft doch selbst, welcher Gott Jahrhunderte – und manchmal auch Jahrtausende – zuvor Ereignisse angekündigt hat, die dann auch wirklich eingetroffen sind!" Die Liste erfüllter Prophezeiungen ist sehr lang (siehe hier!). Kein anderes Buch in dieser Welt kann auch nur annähernd so viele erfüllte Prophezeiungen präsentieren. Dadurch hat sich der Gott der Bibel als ein ewiger, allmächtiger Gott bewiesen, der über Raum und Zeit steht (Jes 46:10). Nur dieser Gott kann uns auch bleibend retten. Darum fährt der HERR in Vers 21 wie folgt fort:
"Und sonst gibt es keinen Gott außer mir. Einen gerechten und rettenden Gott gibt es außer mir nicht! Wendet euch zu mir und lasst euch retten, alle ihr Enden der Erde! Denn ich bin Gott und keiner sonst."
Gott wachte während bald 4’000 Jahren darüber, dass sein auserwähltes Volk überlebte und seine Identität nicht verlor (5Mo 7:6). Durch seinen verheißenen Sohn wurde Israel – aber auch die ganze Welt – von ihren Sünden befreit bzw. gerettet (Jes 53; 1Jo 2:2). Dadurch hat Gott zunächst alle Menschen rechtlich von ihrer Schuld befreit. Das bedeutet: Jesus hat für unsere Sünden bezahlt, damit wir vor Gott schuldlos dastehen können (2Kor 5:21) – ein rechtliches und geistliches Geschenk, durch das uns Gott allein aus Gnade gerechtfertigt hat. Die physische und sichtbare Rettung steht zwar noch aus, doch auch diese ist verheißen und wird sich bei der Wiederkunft Jesu Christi erfüllen (1Thes 4:16-17)!
Der Gott der Bibel ist der einzige, der bleibend retten kann und wird (Apg 4:12). Ihm sei alle Ehre und Anbetung!
Samstag, 21. Dezember 2024
Mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.
Psalm 84,3
Elisabeth sprach zu Maria: Wie geschieht mir, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe.
Lukas 1,43-44
Ganz nah bei Gott
Wer die unmittelbare Gegenwart Gottes je erlebt hat, weiß, dass es nichts Schöneres gibt (Ps 16:11). Seine Nähe ist erfüllender und beglückender als alles andere. Während des Gebets und der Ruhe vor Gott schenkt der HERR manchmal eine Glückseligkeit, die alles durchdringt: Leib, Seele und Geist. (Phil 4:7).
Solche Momente sind in meinem Leben jedoch eher selten. Obwohl ich mich täglich über das Wort Gottes freue, spüre ich oft auch ein „Gedeckelt-Sein". Es ist eine gewisse Traurigkeit, die viele Ursachen hat: die schweren Schicksale anderer Menschen, die mich beschäftigen, oder eigene Herausforderungen, die das Leben mit sich bringt. Auch mein Körper ist nicht mehr der jüngste, sodass ich hin und wieder mit kleineren Beschwerden zu kämpfen habe. Dennoch halte ich alles für erträglich und habe keinen Grund zur Klage.
Der Losungstext scheint so, als habe der Psalmist (ein Nachkomme Korachs) absolute Glückseligkeit erlebt. Doch der ganze Vers in der Elberfelder Übersetzung lautet:
„Es sehnt sich, ja, es schmachtet meine Seele nach den Vorhöfen des HERRN; mein Herz und mein Leib, sie jauchzen dem lebendigen Gott [entgegen]."
Hier wird deutlich: Der Psalmist befand sich nicht in vollkommener Freude, sondern in einer intensiven Sehnsucht nach Gottes Nähe (Ps 42:2-3). Diese Nähe erlebte er besonders in den Vorhöfen des Tempels, im Haus Gottes. Seine Sehnsucht könnte auf eine erzwungene Abwesenheit vom Tempel hindeuten.
In den Versen 6 und 7 beschreibt der Psalmist:
„Glücklich ist der Mensch, dessen Stärke in dir ist, in dessen Herz gebahnte Wege sind! Sie gehen durch das Tränental und machen es zu einem Quellort."
Diese Worte offenbaren ein Geheimnis: Gerade die Zeiten der Trauer können zu einer Quelle des Lebens werden (2Kor 1:3-4). Sie laden uns ein, die wahre Quelle zu entdecken – den HERRN selbst. In Jer 2:13 bezeichnet Gott sich als die „Quelle lebendigen Wassers". Und Jesus sagte zur Samariterin, dass er ihr Wasser geben könne, das ihren Durst vollends und bleibend stillt (Joh 4:14).
Als die schwangere Maria ihre Verwandte Elisabeth besuchte, „hüpfte" das Kind in Elisabeths Leib. Das war die erste Begegnung zwischen Jesus und Johannes dem Täufer. Schon der ungeborene Johannes spürte die Nähe des Messias – und reagierte mit unbändiger Freude (Lk 1:41).
Das Erleben von Gottes Gegenwart ist immer ein Geschenk seiner Gnade (Eph 2:8). Doch es gibt eine wichtige Voraussetzung, die uns dieser Nähe entgegenführt: die Sehnsucht danach. Viele Liederdichter haben diese Sehnsucht in Worte gefasst. Sarah Flower Adams schrieb 1841 das bekannte Lied „Näher, mein Gott, zu dir". Und im Appenzeller Landsgemeindelied heißt es in der vierten Strophe:
„Deiner Gegenwart Gefühl sei mein Engel, der mich leite."
Jeder, der sein Leben dem Herrn Jesus Christus anvertraut hat, empfängt das Geschenk des Heiligen Geistes (Apg 2:38). Damit wohnt Gott selbst mit seiner Liebe in seinem Herzen. Dies ist die Voraussetzung, um einmal in das Haus des himmlischen Vaters einzuziehen, wo wir die alles umfassende Glückseligkeit seiner Gegenwart für immer erleben dürfen (Offb 21:3).
Sonntag, 22. Dezember 2024 - 4. SONNTAG IM ADVENT
Du bist meine Zuversicht, HERR, mein Gott, meine Hoffnung von meiner Jugend an.
Psalm 71,5
Wir sind gerettet, aber noch ist alles Hoffnung. Eine Hoffnung, die sich schon sichtbar erfüllt hat, ist keine Hoffnung. Ich kann nicht erhoffen, was ich vor Augen habe. Wenn wir aber auf etwas hoffen, das wir noch nicht sehen können, dann heißt das, dass wir beharrlich danach Ausschau halten.
Römer 8,24-25
Eine Hoffnung, die Zuversicht schenkt
Eine hoffnungsvolle Zuversicht kann auf zwei Dingen basieren: Entweder beruht sie darauf, dass ich mir etwas einbilde, das überhaupt nicht der Realität entspricht, oder es gibt sehr starke Indizien, die dafür sprechen, dass meine Zuversicht auf einem soliden Grund steht (Hebr 11:1). Das griechische Wort elpis, das die meisten mit Hoffnung übersetzen, ist wesentlich mehr als eine vage und unsichere Hoffnung. Es hat vielmehr die Bedeutung der Erwartung (Röm 5:5).
Worin aber besteht der Unterschied zwischen Hoffnung und Erwartung? Wenn eine Frau sagt: „Ich hoffe, dass ich schwanger werde und ein Kind bekomme", dann ist das nicht dasselbe, wie wenn sie sagt: „Ich erwarte ein Kind!" Die Frau, die ein Kind erwartet, ist schwanger! Sie weiß, dass es in ihr eine Veränderung gegeben hat, die ihre vage Hoffnung auf ein Kind in eine zuversichtliche Erwartung verwandelte. Obwohl das zu Beginn von außen nicht sichtbar ist, weiß sie dennoch, dass sie ein Kind bekommen wird.
Menschen, die zum lebendigen Glauben an Jesus Christus gekommen sind, haben erkannt, dass in ihnen etwas Neues entstanden ist (2Kor 5:17). Einige spüren diese Veränderung so stark, dass sie von einem Tag auf den anderen wissen: „Gott hat mir heute seinen Heiligen Geist geschenkt, und jetzt darf ich ein Kind Gottes sein!" (Röm 8:16) Bei anderen hingegen ist das ein etwas längerer Prozess. Sie realisieren erst nach einer gewissen Zeit, dass sie wirklich gläubig geworden sind.
Für Christen ist die biblische Hoffnung eine zuversichtliche Erwartung, weil sie in sich selbst eine grundlegende Veränderung festgestellt haben. Darum ist der Glaube eines überzeugten Christen nicht einfach eine Einbildung oder eine Illusion. Dieser Glaube basiert auf zwei Säulen: erstens auf der eben erwähnten inneren Veränderung und zweitens auf der Zusage des Wortes Gottes, das sich durch die vielen erfüllten Prophezeiungen als wahr erwiesen hat (2Petr 1:19).
In Römer 8 formuliert Paulus eine zentrale theologische Aussage zur biblischen Erwartung. Er erklärt, dass die Rettung der Gläubigen bereits geschehen ist (Aorist). Doch die volle Verwirklichung steht noch aus. Sie ist Gegenstand einer zuversichtlichen Hoffnung – und somit einer festen Erwartung (Röm 8:24-25). Der Apostel verdeutlicht hier die Spannung zwischen „bereits" und „noch nicht", indem er die unsichtbare Realität der sichtbaren gegenüberstellt.
Die christliche Erwartung bezieht sich auf das noch Unsichtbare. Das unterscheidet sie von bloßer Hoffnung. An etlichen Stellen in seinen Briefen betont Paulus das Phänomen des „Schon jetzt" und des „Noch nicht" des christlichen Lebens. Die Gläubigen haben die Gewissheit der Erlösung, weil Jesus sie vollständig von der Schuld befreit und ihnen seine Gerechtigkeit geschenkt hat (2Kor 5:21). Gleichzeitig müssen sie aber noch geduldig auf die sichtbare Verwirklichung bzw. die Erlösung ihres Leibes warten.
In den Versen zuvor beschreibt der Apostel die biblische Erwartung, dass sogar die ganze Schöpfung zu der Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes gelangen darf, obwohl sie noch der Verderblichkeit unterworfen ist (Röm 8:21). Das ist eine wunderbare und unübertreffliche Zuversicht, die alle miteinschließt!
Wie sieht deine Zuversicht aus? Hast du schon einmal die Verwandlung von Hoffnung zu Erwartung erlebt?
Montag, 23. Dezember 2024
Ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde ist immer vor mir.
Psalm 51,5
Wenn wir unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.
1. Johannes 1,9
Sündenerkenntnis, Buße und Reinigung
Die erstaunliche Gnade Gottes
Bei den meisten Juden und Christen genießt König David außergewöhnliche Ehre und Wertschätzung. Dies liegt sicherlich nicht daran, dass er einen Ehebruch begangen und einen Mord verübt hat (2Sam 11), sondern an anderen Gründen. Die Hauptursache für diese erstaunliche Tatsache ist, dass Gott ihm Ehre geschenkt und ihn – trotz allem – als „einen Mann nach seinem Herzen" bezeichnet hat (1Sam 13:14). Es ist ebenso bemerkenswert, dass sich Jesus Christus, der Sohn Gottes, nicht schämt, „Sohn Davids" genannt zu werden (Mt 1:1).
Auch Saulus von Tarsus, ein eifriger Verfolger der Christen (Apg 9:1-2), wurde durch Gottes Eingreifen zu Paulus, einem der einflussreichsten Apostel der Weltgeschichte. Sein Einfluss geht weit über das hinaus, was beispielsweise Alexander der Große erreicht hat. Warum schenkte Gott diesen beiden Männern trotz ihrer Vergehen solche Ehre?
Klar ist, dass sie diese Ehre nicht deshalb erhielten, weil sie bessere Menschen waren, sondern weil Gott an ihnen seine große Gnade demonstrieren wollte (1Tim 1:16). Gott kann durch seine überfließende Gnade Menschen mit Ehre beschenken, selbst wenn sie sich zuvor mit Schande bedeckt haben.
Sind wir besser als David oder Paulus?
Es wäre falsch zu denken, wir seien besser als David oder Paulus, nur weil wir nie jemanden getötet oder verfolgt haben. Die Wahrheit ist: Unter bestimmten Umständen und mit entsprechenden Veranlagungen könnten auch wir zu ähnlichen Taten fähig sein. Für Gott sind alle Menschen Sünder (Röm 3:23) – niemand genügt von sich aus den Anforderungen seiner vollkommenen Liebe.
Echte Sündenerkenntnis und Buße
David und Paulus haben ihre Schuld nicht oberflächlich eingeräumt. Sie sagten nicht einfach: „Ich habe einen Fehler gemacht. Tut mir leid." Ihre Sündenerkenntnis ging viel tiefer. Sie erkannten ihre absolute Verlorenheit und verabscheuten ihre Sünden zutiefst (Ps 51:5). Ja, sie verspürten regelrecht einen Ekel, wenn sie an ihre Taten dachten – ähnlich, wie wenn wir uns mit Hundekot beschmutzt haben.
Diese Abscheu und tiefe Sündenerkenntnis bilden die Grundlage, um eine echte Buße zu vollziehen, die in einer radikalen Umkehr mündet. Eine echte Umkehr zeigt sich nicht nur in der Sündenerkenntnis, sondern auch im Sündenbekenntnis (1Joh 1:9). Das griechische Wort für „Bekenntnis" lautet homologeo und bedeutet so viel wie „dasselbe sagen" – also mit Gott übereinstimmen in Bezug auf unsere Sünde.
Reinheit durch Gottes Gnade
Wer das von ganzem Herzen tut, will auch nicht mehr sündigen, denn die Sünde verfehlt das Ziel der vollkommenen Liebe (1Jo 3:6). Wer seine Sünde erkannt, bekannt und umgekehrt ist, darf erleben, wie Gott ihn von jeder Ungerechtigkeit reinigt, sodass er vollständig rein wird. In Psalm 51 beschreibt David, wie Gott ihn „weißer als Schnee" macht (Ps 51:9).
Traust du Gott zu, dass er dich so rein machen kann?
Dienstag, 24. Dezember 2024 - Heiliger Abend
Ein jeder gebe, was er geben kann nach dem Segen, den dir der HERR, dein Gott, gegeben hat.
5.Mose 16,17
Die Weisen taten ihre Schätze auf und schenkten dem Kindlein Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Matthäus 2,11
Das größte Geschenk aller Zeiten
Heute Abend und morgen feiern viele Menschen Weihnachten. Es ist ein ganz besonderes Fest – vor allem dann, wenn man sich voller Dankbarkeit daran erinnert, dass der Schöpfer dieser Welt zu uns Menschen herabgekommen ist und selbst Mensch wurde (Joh 1:14). Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, kam freiwillig und voller Liebe zu uns. Er wurde ganz klein und „hilflos", um uns alle zu beschenken (2Kor 8:9). Er hat sich selbst uns geschenkt, damit wir von unserer Schuld befreit werden und ewiges Leben haben können (Joh 3:16). Das ist der wahre Sinn von Weihnachten und ein Grund zur großen Freude!
In diesen Tagen beschenken wir uns gegenseitig, damit wir uns alle noch mehr freuen können. Aber warum machen wir das eigentlich? Ist es einfach nur eine schöne Angewohnheit oder eine alte Tradition?
Es begann damit, dass die Weisen (oder Magier) aus dem Morgenland dem kleinen, armen Jesuskind kostbare Geschenke brachten – nämlich Gold, Weihrauch und Myrrhe (zwei wertvolle Harze mit heilender Wirkung) (Mt 2:11). Die Geschenke der Weisen – Gold, Weihrauch und Myrrhe – waren nicht zufällig gewählt. Gold steht für Jesu königliche Herrschaft, Weihrauch symbolisiert seine Göttlichkeit und Myrrhe verweist prophetisch auf sein Leiden und seinen Tod.
Vor mehr als 1’600 Jahren beschenkte ein Bischof namens Nikolaus arme Menschen heimlich, etwa indem er Münzen durch Fenster oder in Stiefel legte. Am 6. Dezember erinnern wir uns daran.
Im Mittelalter wurden in Klöstern und Kirchen Almosen verteilt, um Menschen zu unterstützen, die zu wenig Geld zum Leben hatten. Martin Luther setzte sich dafür ein, dass nicht der „heilige Nikolaus", sondern das „Christkind" (symbolisch für Jesus) die Geschenke bringt. Daraus entwickelte sich dann die Bescherung am Weihnachtsabend.
Diese biblischen und historischen Ursprünge zeigen, warum wir uns heute beschenken. Während früher vor allem arme Menschen im Mittelpunkt standen, geht es heute darum, Freude miteinander zu teilen. Dennoch erinnert uns die ursprüngliche Tradition daran, dass Geben nicht nur ein Geschenk für andere, sondern auch für uns selbst ist (Apg 20:35). Kürzlich waren wir bei einer Familie mit 15 Kindern, die in ihrem Haus viele Weihnachtsgeschenke hatten. Diese waren jedoch nicht für die Kinder bestimmt, sondern wurden für Obdachlose verpackt, um ihnen eine Freude zu machen. Das hat uns beeindruckt! Diese Familie hat – vielleicht ohne es zu wissen – die ursprüngliche Tradition neu für sich entdeckt.
Jesus ist Gottes größtes Geschenk an uns (2Kor 9:15). Dieses größte Geschenk, das uns Gottes Liebe und Gnade offenbart, bewegt uns bis heute dazu, einander zu beschenken. Es ist eine Erinnerung daran, dass wahre Freude im Geben liegt. Als Jesus auf diese Welt kommen sollte, fanden seine armen Eltern keinen Raum in der Herberge, sodass er im Stall oder vielleicht sogar in einer Höhle geboren wurde (Lk 2:7).
Heute sucht Jesus keine Unterkunft, sondern einen Platz in den Herzen der Menschen (Offb 3:20). Wer ihm diesen Platz gibt, wird immer mehr mit der Liebe Gottes erfüllt und darf sich darum auch immer mehr freuen. Wer Jesus im Herzen hat, der hat alles geschenkt bekommen, denn Jesus gehört die ganze Welt und alles darüber hinaus. Paulus erinnert uns daran, dass Gott uns mit Jesus alles gegeben hat. Wer dieses Geschenk annimmt, empfängt nicht nur materiellen Segen, sondern eine ewige Beziehung zu Gott (Röm 8:32 / 1Kor 3:21-23).
Mittwoch, 25. Dezember 2024 - WEIHNACHTSFEST
Ich will euch annehmen zu meinem Volk und will euer Gott sein.
2. Mose 6,7
Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch!
1.Johannes 3,1
Der Liebeswille Gottes
Im heutigen Losungs- und Lehrtext wird der Liebeswille Gottes deutlich. Der HERR beschreibt hier seine Absichten und Pläne. Im Gegensatz zu seinen Geschöpfen kann Gott alles tun, was er will. Kein Plan ist für ihn unausführbar. Wie es in Ps 115:3 heißt: „Unser Gott ist im Himmel; er tut alles, was ihm gefällt."
Wenn Gott seinen Willen kundtut, verwendet er oft die Worte „Ich werde …", was eine klare und sichere Handlung ankündigt. In 2Mo 6:6-8 offenbart Gott Mose eine Reihe von Absichten, die seinen Liebeswillen verdeutlichen:
- Ich werde euch von den Lastarbeiten der Ägypter befreien.
- Ich werde euch erretten.
- Ich werde euch mit ausgestrecktem Arm und durch große Gerichte erlösen.
- Ich werde euch als mein Volk annehmen.
- Ich will euer Gott sein.
- Es ist mein Wille, dass ihr erkennt: Ich bin der HERR, euer Gott, der dies alles tut.
- Ich werde euch in das verheißene Land bringen, wie ich es euren Vätern versprochen habe.
- Ich werde euch dieses Land zum Besitz geben.
Man könnte diesen „kurzen Heilsplan" mit „Vom Sklaven zum Großgrundbesitzer" überschreiben. Dies alles wurde nur möglich, weil Gott selbst handelte. Wenn die Bibel von übernatürlichen Ereignissen berichtet, ist immer Gott der eigentliche Akteur (Jes 46:10).
Es war nicht Moses' eiserner Wille, der das versklavte Volk aus Ägypten führte, und es waren auch nicht seine Zauberkünste, durch die sein Stab zur Schlange wurde oder das Schilfmeer sich teilte. Es war der allmächtige Gott, der dies alles bewirkte (2Mo 14:21).
Die Größe Gottes und seine Liebe zu uns
Wenn ich zur Internationalen Raumstation (ISS) fliegen und auf die Erde blicken würde, könnte ich keinen einzelnen Menschen mit bloßem Auge erkennen. Aus dieser Perspektive ist der Mensch verschwindend klein. Betrachtet man unser Sonnensystem, ist die Erde im Vergleich ebenfalls winzig. Und im Kontext der Galaxien und des gesamten Universums ist sie kaum mehr als ein Staubkorn (Ps 8:4-5).
In Anbetracht dieser gewaltigen Dimensionen erscheint der Mensch – was seine „räumliche Größe" betrifft – wie ein Nichts. Auch in seiner „geistlichen Größe" sieht es oft nicht besser aus: Bis heute wird die Menschheit überwiegend von Egoismus, Gier und Ehrsucht beherrscht (Röm 3:23).
Umso erstaunlicher ist es, dass Gott uns in seiner Liebe zu seinen Kindern gemacht hat! Das zeigt, welche „familiäre Nähe" Gott zu uns sucht. Wenn wir unser Herz dem Herrn Jesus schenken, wohnt der Heilige Geist in uns, und wir dürfen bereits Kinder Gottes sein (Joh 1:12)!
Doch diese Wahrheit ist noch nicht sichtbar. Es kommt jedoch der Tag, an dem geschehen wird, was Johannes in einem Vers weiter schreibt:
„Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass wir, wenn es offenbar wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist" (1Jo 3:2).
Was für ein unfassbares Wunder der Liebe Gottes (Röm 8:38-39)!
Donnerstag, 26. Dezember 2024 - 2. WEIHNACHTSTAG
Sie sollen erfahren, dass ich, der HERR, ihr Gott, bei ihnen bin und dass die vom Hause Israel mein Volk sind, spricht Gott der HERR.
Hesekiel 34,30
Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
Lukas 2,11
Der Gute Hirte und die Hirten
Neben Psalm 23 ist Hesekiel 34 das klassische Hirtenkapitel des Alten Testaments. Es beginnt mit einer Anklage des HERRN gegen die schlechten Hirten Israels, die „sich selbst weiden", statt sich mit liebender Fürsorge um die Herde zu kümmern (Hes 34:2-3). Mit den Hirten Israels waren nicht die einfachen Hirten auf dem Feld gemeint, sondern die verantwortlichen Leiter des Volkes, die das Volk lediglich ausbeuteten. Wie es dem Volk dabei erging, war ihnen völlig gleichgültig!
Darum spricht der HERR in Vers 11: „Siehe, ich bin es, und ich will nach meinen Schafen fragen und mich ihrer annehmen." Und in Vers 22 verspricht der HERR: „… so will ich meine Schafe retten …" (Hes 34:11,22).
Als Jesus in Johannes 10:11 sagte: „Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe", erkannte die fromme Elite im Tempel, dass Er sich auf Hesekiel 34 bezog und sich damit als der HERR zu erkennen gab. Das galt in ihren Augen als Gotteslästerung. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass viele von ihnen sagten: „Er hat einen Dämon und ist von Sinnen. Was hört ihr auf ihn?" (Joh 10:20)
Damals feierten sie das Fest der Tempelweihe (hebr. Chanukka), das gestern Abend auch in Israel begonnen hat. Dieses Fest erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels im Jahr 164 v. Chr., nachdem er von der Entweihung durch Antiochus Epiphanes gereinigt worden war. Im Jahr 167 v. Chr. hatte Antiochus den Tempel in Jerusalem entweiht, indem er heidnische Altäre errichtete und Schweine opferte – eine ungeheuerliche Tat für die Juden. Darüber hinaus verbot er die jüdischen Bräuche, einschließlich des Sabbats und der Beschneidung, und zwang die Juden, griechische Götter zu verehren.
Auch Jesus selbst reinigte den Tempel – und zwar zweimal –, indem er die Händler und Geldwechsler hinaustrieb. Damals warf er ihnen vor, sie hätten aus dem „Haus des Gebets" ein „Kaufhaus" und eine „Räuberhöhle" gemacht (Joh 2:13-16 / Mt 21:12-13 / Mk 11:15-17 / Lk 19:45-46).
Nachdem der Gute Hirte sein Leben für die Schafe gelassen (Joh 10:11) und am Kreuz für die Sünden der gesamten Menschheit gestorben war, kam es zu einer umfassenden Reinigung durch sein Blut (1Jo 1:7). Sein Opfer reinigte uns von unseren Sünden. Dadurch wurde auch die Gemeinde Jesu Christi – die in der Bibel als ein ‚geistlicher Tempel' bezeichnet wird (1Kor 3:16) – gereinigt und für Gott geweiht. Das bedeutet, dass Gott nicht mehr in einem physischen Gebäude wie dem Tempel wohnt, sondern in der Gemeinschaft der Gläubigen und in jedem Einzelnen, der an Christus glaubt (2Kor 6:16).
Auch sein Volk Israel wird dies erfahren und erkennen, dass der HERR bei ihnen ist (Hes 34:30). Mit Beginn des 1’000-jährigen Reiches (Offb 20:4) – einer Zeit, die in der Offenbarung als eine Phase des Friedens und der Herrschaft Christi auf der Erde beschrieben wird – werden sich die Zustände erfüllen, die gegen Ende von Hesekiel 34 beschrieben sind: Frieden, Ruhe, Segen, Reichtum und Bewahrung.
Die unterprivilegierten Hirten zur Zeit Jesu waren die ersten, die den Retter in der Krippe sehen durften (Lk 2:15-16). Sie erkannten: Er kam zu uns, und er wurde einer von uns! Auch dies zeigt uns die Demut und Sanftmut unseres wunderbaren HERRN (Mt 11:29).
Freitag, 27. Dezember 2024
Aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Psalm 98,3
Wir warten auf das, was unsere wunderbare Hoffnung ist: auf das Erscheinen der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Retters Jesus Christus.
Titus 2,13
Der gekommene Retter und der kommende Richter
"Jetzt bin ich ertappt worden und sie haben mich ergriffen! Darum bin ich ein Kind des Todes!" Das mag die Frau gedacht haben, als sie bei ihrem Ehebruch erwischt wurde (Joh 8:3-11). Nach dem Gesetz des Mose sollte sie gesteinigt werden (3Mo 20:10) und kein wahrer Prophet Gottes durfte dieses Gesetz einfach auflösen und für ungültig erklären! Das wussten die Juden, als sie die Ehebrecherin zu Jesus schleppten, und sie wussten auch, dass Jesus einer war, der den Sündern gerne vergab! Sie waren davon überzeugt, dass Jesus diesmal nicht einfach vergeben konnte, ohne gleichzeitig das Gesetz des Mose zu brechen! Sie hatten ihm die "perfekte Falle" gestellt.
Mit nur einem Satz konnte Jesus diese verzweifelte Frau vor dem sicheren Tod retten: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie" (Joh 8:7). Keiner war in der Lage, den ersten Stein zu werfen, und derjenige, der dazu berechtigt gewesen wäre - weil er ohne Sünde war - wollte es nicht, weil er vermutlich die tiefe Reue der Frau sah und weil er sie retten wollte! Darum sagte er zu ihr: "Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr!" (Joh 8:11) Das ganze Volk im Tempel sah, wie Jesus eine Sünderin aus einer "unmöglichen Situation" retten konnte!
Heute gibt es wohl keine Nation auf dieser Erde, wo nicht schon einzelne Bürger das Heil und die Rettung Gottes erkennen durften. Gott hat durch das Opfer seines Sohnes am Kreuz die Schuld der ganzen Welt beseitigt (Joh 1:29) und sie dadurch von der Macht der Sünde befreit (Röm 6:22). Darum ist Psalm 98:3 bereits heute schon teilweise in Erfüllung gegangen.
Der Retter und Heiland dieser Welt ist bereits gekommen und er wird wieder kommen: Das nächste Mal kommt er aber als Richter! Er wird nicht mehr als unscheinbarer Mensch auf diese Erde kommen, sondern mit großer Macht und Herrlichkeit am Himmel erscheinen (Mt 24:30). Für solche, die Gott die Ehre gaben, wird dies ein Tag der Freude sein (Offb 14:7) und für diejenigen, die über Gott lästerten, wird es ein Tag des Wehklagens sein (Offb 1:7).
Max Lucado prägte den Satz:
"Gott sieht die Christen so, wie er Christus sieht: ohne Sünde und vollkommen (2Kor 5:21). Deshalb können Christen das Gericht so sehen wie Christus: mit Zuversicht und Hoffnung."
Weil die Gnade Gottes durch Jesus Christus erschienen ist und allen Menschen das Heil bzw. die Rettung gebracht hat (Tit 2:11) und weil diese Gnade uns jetzt aus Liebe erzieht (Tit 2:12), dürfen wir eine wunderbare Erwartung haben! Wir warten auf das Erscheinen der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Retters Jesus Christus. Heute werden weltweit mehr als 365 Millionen Christen verfolgt (2Tim 3:12). Gerade für sie wird der Tag, an dem der Weltenrichter kommt, ein besonderer Tag der Freude sein, weil der HERR dann das Recht endlich wieder herstellt! Lasst uns daher voller Zuversicht leben und auf den Tag warten, an dem Jesus wiederkommt – als unser Retter und gerechter Richter.
Samstag, 28. Dezember 2024
Wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem HERRN, und der wird ihm vergelten, was er Gutes getan hat.
Sprüche 19,17
Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen.
Lukas 6,38
Investieren – im Vertrauen auf Gott
Wer 1990 Apple-Aktien im Wert von 100 Dollar gekauft und sie bis heute behalten hat, hätte dadurch aktuell 5’726’000 Dollar. So mancher Aktienhändler denkt sich heute vielleicht: „Ach, hätte ich das doch damals gemacht und wäre ich so klug gewesen, diese Aktien in den vergangenen Jahrzehnten nicht zu verkaufen, dann wäre ich heute ein reicher Mann!"
Ein Aktienhändler investiert nur in Firmen, von denen er überzeugt ist, dass sie an Wert gewinnen. Wer in seiner Einschätzung richtig liegt und dazu geduldig warten kann – in unserem Beispiel 34 Jahre – wird reich belohnt (Spr 13:11).
Ein Anleger würde niemals in eine Firma investieren, die als schwach und chancenlos gilt. Doch wenn er wüsste, dass diese Firma eines Tages ein gewaltiges Erbe erhalten wird, würde er handeln. Genau das tut Gott, wenn er uns auffordert, in Bedürftige zu investieren (2Kor 8:9).
Wer den Armen und Bedürftigen hilft, rechnet in der Regel nicht damit, jemals etwas dafür zu bekommen, da er sich sagt: „Das ist eine Spende und keine Investition!" Und das ist richtig so – wer Almosen gibt, sollte dies nicht aus Berechnung, sondern aus Liebe tun (1Kor 13:3).
Doch zugleich ist es auch eine Investition – und zwar die beste, die es überhaupt gibt! Wenn ich aus Liebe und Barmherzigkeit handle, indem ich mich um Bedürftige kümmere, „leihe" ich dem HERRN. Das zeigt, dass sich der allmächtige Gott vollkommen mit den Armen und Hilflosen identifiziert. Wer Bedürftigen etwas gibt, gibt es auch dem HERRN. Das wird besonders deutlich in der Endzeitrede Jesu, in der er sagt: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." (Mt 25:40)
Laut Sprüche 19:17 mache ich den Allmächtigen zum „Schuldner", wenn ich mich der Armen erbarme. Eigentlich ist diese Aussage „ein Witz". Warum? Weil alles, was ich besitze, zuvor von Gott geschenkt wurde (1Chr 29:14). Doch gerade weil der HERR so großzügig ist, freut er sich, wenn auch wir großzügig werden.
Wenn mein achtjähriger Sohn von mir das wöchentliche Taschengeld bekommt und mir damit ein Geburtstagsgeschenk kauft, hat dieses Geschenk für mich eine ganz besondere Bedeutung – nicht, weil ich mir das nicht auch selbst hätte kaufen können, sondern weil es ein Symbol für die Liebe meines Sohnes ist.
Wer aus Liebe und im Glauben, d. h. im Vertrauen auf Gott, lebt, hilft auch den Bedürftigen. Damit investiert er in eine „Firma", die in ferner Zukunft so ertragreich sein wird, dass sie alle Erwartungen übertrifft (Mt 6:20). Wer kann sich wirklich vorstellen, was es bedeutet, wenn Paulus schreibt: „Er (Gott, der Vater), der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat – wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?" (Röm 8:32)
Sonntag, 29. Dezember 2024
Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen - deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott.
Psalm 84,4
Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.
Matthäus 8,20
Der große Wohneigentümer ohne festen Wohnsitz
In meiner militärischen Grundausbildung gab es eine sogenannte Überlebenswoche. Das bedeutete in meinem Fall, dass unsere Einheit in der ersten Nacht draußen campieren musste und am nächsten Tag – schwer beladen und zu Fuß – bei Schneegestöber einen Alpenpass überquerte. Die zweite Nacht verbrachten wir auf Stroh in einem Kuhstall, und die dritte Nacht „schlief" ich unter offenem Himmel in einer Kiesgrube. Von Schlafen konnte jedoch keine Rede sein, da ich die ganze Nacht fror und den Mond beobachtete, wie er langsam von einem Ende des Himmels zum anderen zog. Diese Nacht dauerte gefühlt eine „halbe Ewigkeit". Am letzten Abend verschüttete ich mein Essen auf meine verschwitzten Kleider. Nach vier Tagen größter Anstrengung und ohne Dusche stank ich so sehr, dass ich mich vor mir selbst ekelte. Als sich die Übung dem Ende zuneigte, sehnte ich mich wie nie zuvor nach einer Dusche, frischen Kleidern und unserer Matratzenunterkunft im Bunker – weil das zehnmal besser war als eine Nacht in der Kiesgrube.
In Psalm 84 beschreiben die Söhne Korachs unter anderem ihre Pilgerreise zum Tempel Gottes. In Vers 7 ist von einem „Tränental" die Rede, was darauf schließen lässt, dass auch ihre Reise sehr beschwerlich war. Die Korachiter sehnten sich danach, wieder ihren Dienst im Hause des HERRN zu tun – sie sehnten sich nach der unmittelbaren Gegenwart des HERRN. Für sie wäre es ein ganz besonderes Privileg, im Hause des HERRN zu wohnen. Das brachte auch David in Ps 23:6 zum Ausdruck, als er dichtete: „Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar."
Ich stelle mir diese Pilger vor, wie sie mit großer Sehnsucht nach Jerusalem hinaufzogen (Ps 122:4), den Tempel von Ferne sahen und die Vögel beobachteten, die in den Mauerritzen des Tempels ein Nest bauen konnten. Die Vögel umflogen den Tempel, suchten und fanden einen Nistplatz. Vermutlich wurde diese Beobachtung für die Korachiter wie eine Metapher für ihre Gottsuche: „Sich in der Nähe Gottes bewegen, nach ihm suchen, bis man bei ihm den passenden Wohnplatz gefunden hat" (Ps 27:4). Und plötzlich kam die Erleuchtung: Seine Altäre! Sie waren der Ort, wo man den HERRN anbetete und die Verbindung mit Gott suchte. Bereits Noah (1Mo 8:20) und Abraham (1Mo 12:7) bauten Altäre, um Opfer darzubringen, Gott anzubeten und seine Nähe zu suchen. Opferbereite Hingabe und Anbetung – das waren die Schlüssel für ein Leben in der Gegenwart Gottes, das schöner und erfüllender ist als alles andere!
Während die Vögel des Himmels sogar beim Haus des HERRN einen Platz fanden, gab es auf dieser Erde für den größten Wohneigentümer aller Zeiten keine eigene Wohnung, wo er sich zu Hause fühlen konnte (Joh 1:11). Der Menschensohn war der HERR des Tempels (Mt 12:6), aber statt ihm hier einen würdigen Platz zu geben, trieben sie ihn aus der Stadt und hängten ihn an ein Holz (Apg 7:52)! Für den Erschaffer und Besitzer des Universums (Joh 1:3) gab es nicht nur keine Wohnung mehr, sondern überhaupt keinen Platz mehr auf dieser Erde! Aus lauter Liebe zu uns verzichtete er freiwillig darauf, damit er für uns den Zugang zu Gott eröffnen (Hebr 10:20) und eine ewige Wohnung im Haus des himmlischen Vaters vorbereiten konnte (Joh 14:2)!
Montag, 30. Dezember 2024
Unser Herr ist groß und von großer Kraft, und unermesslich ist seine Weisheit.
Psalm 147,5
Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade lag auf ihm.
Lukas 2,40
Kraft, Verständnis, Weisheit und Gnade
Bis zum heutigen Tag ist die Wissenschaft nicht in der Lage, alle Sterne unseres Universums zu zählen – geschweige denn, sie zu benennen. Es gibt lediglich grobe Schätzungen. Aktuell geht man von etwa einer Sextillion Sternen aus. Das entspricht einer Zahl mit 21 Nullen. Der Psalmist, inspiriert durch den Heiligen Geist, sagt in Vers 4: „Er (der HERR) zählt die Zahl der Sterne, er ruft sie alle mit Namen." (Ps 147:4) Wenn Gott jeden Stern mit Namen kennt, können wir nur erahnen, wie groß er ist! Gott ist noch unfassbarer als das Universum! Er ist groß im Großen und groß im Kleinen! Auch die Atome mit ihren Neutronen und Protonen sind ein Wunderwerk, über das man immer wieder staunen kann (Ps 139:14).
Der HERR ist groß in der Höhe – ja, er ist erhaben über alle Götter (Ps 97:9 / Ps 82)! Und er ist groß in der Tiefe: Jesus Christus hat den Tod besiegt, als er seine Seele dahin ausschüttete (Jes 53:12). Selbst in seiner größten Schwachheit besiegte er die stärkste Kraft des Universums. Der Tod war so mächtig, dass letztlich alles Erschaffene ihm geweiht war. Aber – Gott sei Dank – er ist besiegt (1Kor 15:55)!
Der Liederdichter stellt in diesem „Hallel-Psalm" weiter fest, dass der HERR in seiner Kraft viele wunderbare Dinge tut. Er heilt zerbrochene Herzen (Ps 147:3), hilft den Elenden auf, sammelt die Vertriebenen wieder ein und ist der HERR über alle Naturgewalten.
Das Wort, das die Lutherbibel mit Weisheit übersetzt, lautet im Hebräischen „tabun" und bedeutet eigentlich „Verständnis" oder „Einsicht". Im Gegensatz zu seinen Geschöpfen versteht der HERR alles! Er kennt alle Ursachen und Zusammenhänge – sei es im physikalischen, psychischen oder geistlichen Bereich (Ps 139:2-4). Dieses Verständnis schließt auch eine tiefe Einsicht in alles Verborgene ein. Sein Verständnis und seine Einsicht sind jedoch immer mit Liebe verbunden (1Joh 4:8). Christian Morgenstern sagte einmal: „Es gibt in Wahrheit kein letztes Verständnis ohne Liebe."
Die Tatsache, dass der Schöpfer des Universums ein kleines Kind wurde, das alles von Grund auf lernen musste, ist ein weiteres Mysterium (1Tim 3:16). Weil er als Einziger vom Heiligen Geist gezeugt wurde (Lk 1:35) und von klein auf Gefallen an der Gottesfurcht hatte, war er stets mit göttlicher Weisheit erfüllt. Als kleines Kind war sein Intellekt noch nicht voll ausgebildet, und er wusste auch noch nicht alles. Aber da er vollkommen mit seinem himmlischen Vater verbunden war, konnte er immer die richtige Entscheidung treffen! Nie hat er gesündigt oder das Ziel verfehlt (Hebr 4:15). Mit göttlicher Weisheit kann man Entscheidungen treffen, die sich – mit Blick auf die Ewigkeit – optimal auswirken. Obwohl Jesus keine Vergebung benötigte, weil er sündlos war, brauchte er dennoch die Gnade Gottes, damit auch sein gesamtes Werk gelingen konnte! Wahrlich, Gott, der HERR ist in jeder Hinsicht herrlich und erhaben!
Dienstag, 31. Dezember 2024
Dieser ist Gott, unser Gott für immer und ewig. Er ist's, der uns führet.
Psalm 48,15
Jesus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.
Johannes 14,6
Vergänglichkeit und Ewigkeit
Ein Jahr neigt sich dem Ende zu, und es wird uns einmal mehr bewusst, dass alles, was 'Raum und Zeit' unterworfen ist, ein Ende hat. Ewigkeit, im Sinne einer nie endenden Zeit, ist für uns sterbliche Menschen schwer vorstellbar (Pred 3:11). Dabei stellt sich auch die Frage, ob eine fortschreitende Zeit, die niemals endet, überhaupt wünschenswert wäre. Meine Kinder haben mich einmal gefragt, ob es nicht irgendwann langweilig wird, wenn wir unendlich lang leben. Auch wenn wir über diese Frage vielleicht schmunzeln – sie ist berechtigt, und es lohnt sich, darüber nachzudenken.
Für mich ist eines jedoch klar: Eine nie endende Existenz im jetzigen, fleischlichen Körper wäre eine Katastrophe – selbst dann, wenn wir gesund blieben und keine Probleme hätten (1Kor 15:50). In einem solchen Fall käme tatsächlich irgendwann das Problem der Langeweile auf. Die gegenwärtige Welt mit ihren sterblichen Wesen wurde nicht für eine endlose Existenz geschaffen. Sie ist jedoch der 'Acker' und die 'Saat' für eine 'ewige Frucht' – für unsterbliche Wesen (1Kor 15:42-44).
Durch die Bibel wissen die Kinder Gottes, dass alles Sichtbare und Vergängliche durch einen unsichtbaren und unvergänglichen Gott ins Dasein gerufen wurde (Kol 1:16). Paulus schreibt, dass alles Sichtbare 'zeitlich' und nur das Unsichtbare 'ewig' ist (griech. αἰώνια = aionia = äonisch) (2Kor 4:18). Das Äonische ist etwas göttlich Verborgenes, das auch einen Zeitfaktor enthält. Es umfasst eine göttliche Qualität, die unserer menschlichen Wahrnehmung größtenteils verborgen bleibt – sowohl in Bezug auf die Qualität als auch auf die Quantität. Trotz ihrer göttlichen Qualität wurden 'die Äonen' (übersetzt: Weltzeiten) durch Christus geschaffen und gehören somit ebenfalls zur 'Schöpfung' (Hebr 1:2). Ob es in der Vollendung noch Äonen gibt und ob Zeit überhaupt noch existiert, wenn Gott alles in allem ist, bleibt eine offene Frage (1Kor 15:28).
Der allmächtige Gott, der Himmel und Erde sowie alle Zeitalter erschuf, steht jedenfalls über 'Raum und Zeit'. Er allein besitzt Unsterblichkeit (1Tim 6:16) und ist somit ohne Anfang und Ende. Unsterblichkeit erlangen nur diejenigen, die zu Gott gehören und Teil von ihm geworden sind (1Kor 15:53).
Nur derjenige, der das Leben selbst ist und alles Leben geschaffen hat, kann sagen: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben." Wäre Jesus nur ein 'vorbildlicher Mensch' gewesen und nicht zugleich der Sohn Gottes, wäre diese Aussage völlig vermessen. Das, was Jesus in Joh 14:6 gesagt hat, ist entweder die absolute Wahrheit – weil er der Schöpfer des Lebens ist – oder ein Ausdruck völligen Größenwahns, wenn er nur ein 'guter Mensch' war. Es gibt keinen Mittelweg. Wir können uns nur für das eine oder das andere entscheiden.
Dass Jesus nicht größenwahnsinnig war, zeigt sein gesamter Lebenslauf sowie die unzähligen positiven Auswirkungen auf die Weltgeschichte (Joh 10:37-38). Für mich ist klar: "Jesus ist der Sohn des lebendigen Gottes und deshalb der einzige Weg zum Vater und zur Unsterblichkeit." Weil Jesus Christus der Schöpfer des Lebens ist, ist er auch die absolute Wahrheit und das einzig wahre Leben (Joh 1:3-4).
Was ist er für dich?
