1Mo 18:3
Grundtext
MAS 1Mo 18:3 וַיֹּאמַר אֲדֹנָי אִם־נָא מָצָאתִי חֵן בְּעֵינֶיךָ אַל־נָא תַעֲבֹר מֵעַל עַבְדֶּֽךָ׃
Übersetzungen
SEP 1Mo 18:3 καὶ εἶπεν κύριε εἰ ἄρα εὗρον χάριν ἐναντίον σου μὴ παρέλθῃς τὸν παῖδά σου
ELB 1Mo 18:3 und sagte: Herr, wenn ich denn Gunst gefunden habe in deinen Augen, so geh doch nicht an deinem Knecht vorüber!
ELO 1Mo 18:3 und er sprach: Herr, wenn ich anders Gnade gefunden habe in deinen Augen, so gehe doch nicht an deinem Knechte vorüber!
LUO 1Mo 18:3 und sprach +0559 (+08799): Herr +0136, habe ich Gnade +02580 gefunden +04672 (+08804) vor deinen Augen +05869, so gehe +05674 +00 nicht an deinem Knecht +05650 vorüber +05674 (+08799).
SCH 1Mo 18:3 und sprach: Mein Herr, habe ich Gnade vor deinen Augen gefunden, so gehe doch nicht an deinem Knechte vorüber!
KAT 1Mo 18:3 Da sagte er: Mein Herr, wenn ich doch Gnade in Deinen Augen gefunden habe, so geh doch nicht an Deinem Diener vorüber.
PFL 1Mo 18:3 Und er sprach: “Mein Oberherr, wenn anders ich finde Gnade in Deinen Augen, wollest du doch ja nicht vorübergehen von Deinem Knechte weg.
TUR 1Mo 18:3 und sprach: „O Herr, wenn ich doch Gunst gefunden in deinen Augen, so gehe doch nicht an deinem Knecht vorüber!
Vers davor: 1Mo 18:2 --- Vers danach: 1Mo 18:4
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Zum Kontext 1Mo 18.
Informationen
Kommentare
- Drei Männer besuchen Abraham und Sara (H. Schumacher)
Interlinear-Übersetzung
| Grundtext | Transliteration | Übersetzung | Strong-Nr. |
|---|---|---|---|
| וַיֹּאמַר | wayyomar | und er sprach, und er sagte | H559 |
| אֲדֹנָי | adonai | Herr, mein Herr | H136 |
| אִם־נָא | im-na | wenn doch, bitte wenn | H518 / H4994 |
| מָצָאתִי | matzati | ich fand, ich habe gefunden | H4672 |
| חֵן | chen | Gnade, Gunst | H2580 |
| בְּעֵינֶיךָ | be'einecha | in deinen Augen | H5869 |
| אַל־נָא | al-na | nicht doch, bitte nicht | H408 / H4994 |
| תַעֲבֹר | ta'avor | du gehst vorüber, vorübergehen | H5674 |
| מֵעַל | me'al | von, von über | H5921 |
| עַבְדֶּךָ | avdecha | dein Knecht, dein Diener | H5650 |
Versanalyse & Erläuterungen
Grammatikalische Struktur
Der Vers beginnt mit der Narrativform וַיֹּאמַר (wayyomar) - "und er sprach". Dies ist das typische Waw-Konsekutiv, das die Handlung vorantreibt und zeitlich einordnet.
Die Anrede "Adonai" (אֲדֹנָי)
Abraham verwendet hier אֲדֹנָי (Adonai), was sowohl "mein Herr" als auch als Gottesname verstanden werden kann. Im Kontext von 1Mo 18:1-2 erscheint Abraham zunächst drei Männer zu sehen, doch er erkennt offenbar die göttliche Gegenwart. Die Verwendung von Adonai deutet auf eine respektvolle, möglicherweise göttliche Anrede hin.
Die Bitte um Gnade
Die Formulierung אִם־נָא מָצָאתִי חֵן בְּעֵינֶיךָ (im-na matzati chen be'einecha) - "wenn ich doch Gnade gefunden habe in deinen Augen" - ist eine demütige Höflichkeitsformel, die im Alten Testament häufig vorkommt (1Mo 33:10, 1Mo 47:29, Rt 2:13).
Das Partikel נָא (na) verstärkt die Bitte und verleiht ihr einen dringenden, höflichen Charakter.
Die Hauptbitte
Abraham bittet: אַל־נָא תַעֲבֹר מֵעַל עַבְדֶּךָ (al-na ta'avor me'al avdecha) - "gehe doch nicht vorüber an deinem Knecht". Das Verb עָבַר (avar) bedeutet "vorübergehen, hindurchgehen". Abraham möchte nicht, dass der Besucher ohne Aufenthalt weitergeht.
Die Selbstbezeichnung als "Knecht/Diener"
Abraham bezeichnet sich als עַבְדֶּךָ (avdecha) - "dein Knecht/Diener". Dies ist ein Ausdruck tiefer Demut und Ehrerbietung vor dem Besucher (1Mo 18:5, Ps 116:16).
Theologische Bedeutung
Dieser Vers zeigt Abrahams Gastfreundschaft als geistliche Haltung. Er erkennt in den Fremden möglicherweise göttliche Boten oder sogar Gott selbst. Die Begegnung erinnert an Hebr 13:2: "Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu wissen, Engel beherbergt."
Kultureller Hintergrund
Im alten Orient war Gastfreundschaft eine heilige Pflicht. Abraham sitzt am Eingang seines Zeltes während der Hitze des Tages (1Mo 18:1) - eine typische Position, um Reisende zu empfangen. Seine sofortige und demütige Reaktion spiegelt die Kultur der bedingungslosen Gastfreundschaft wider.
Verbindung zum Gesamtkontext
Diese Begegnung führt zur Verheißung der Geburt Isaaks (1Mo 18:10) und zu Abrahams Fürbitte für Sodom (1Mo 18:22-33). Abrahams demütige Haltung hier bereitet den Weg für diese bedeutenden Offenbarungen.
Parallelstellen
- Gastfreundschaft als heilige Pflicht (Hebr 13:2 / 1Petr 4:9 / Röm 12:13)
- Gnade finden vor Gott/Menschen (1Mo 6:8 / 1Mo 33:10 / 2Mo 33:12-13 / Rt 2:13)
- Demut und Selbstbezeichnung als Knecht/Diener (1Mo 18:5 / Ps 116:16 / Lk 17:10)
- Göttliche Erscheinungen in menschlicher Gestalt (1Mo 18:1-2 / Jos 5:13-15 / Ri 6:11-12 / Ri 13:3-22)
- Bitte an Gott, nicht vorüberzugehen (2Mo 33:15 / Lk 24:29)
- Anrede "Adonai" (Herr) (1Mo 15:2 / 2Mo 4:10 / Jos 7:8)
- Höflichkeitsformeln mit "wenn ich Gnade gefunden habe" (1Mo 30:27 / 1Mo 47:29 / 1Mo 50:4 / 2Mo 33:13)
- Kontext: Verheißung der Geburt Isaaks (1Mo 18:10-14 / 1Mo 17:19 / Röm 9:9)
- Kontext: Fürbitte für Sodom (1Mo 18:22-33)
