2024-07 - Andachten vom Juli 2024

Aus Bibelwissen
Version vom 5. März 2026, 13:06 Uhr von DM (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Hier geht es zur Übersichtstabelle

Montag, 1. Juli 2024

Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

Psalm 106,1

Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

Kolosser 3,17

Lobt Gott, denn seine Gnade währt ewig

Mit Psalm 106 endet das vierte Buch der Psalmen. Psalm 107 – den man auch als den Gerichts- und Rettungspsalm bezeichnen könnte – eröffnet das fünfte und somit letzte Buch der Psalmen. Der 106. Psalm fasst die zurückliegende Geschichte Israels zusammen. Diese Rekapitulation beginnt mit den Wundertaten Gottes in Ägypten (Vers 7) und endet mit der Wegführung in die babylonische Gefangenschaft (Vers 46). Doch damit endet der Psalm nicht!

Dieser Rückblick in die Geschichte ist in das Lob Gottes eingebettet. "Dankt dem HERRN" müsste eher mit "Lobet den HERRN" übersetzt werden (hebräisch "hallelujah"). Das erste und das letzte Wort dieses Psalms ist ein "Halleluja", wodurch dieser Psalm mit dem Lob Gottes beginnt und endet. Nebenbei bemerkt: "Halleluja", "Hosanna" (rette doch) und "Amen" (so sei es) gehören zu den wenigen Wörtern, die in fast allen Sprachen dieser Welt unverändert wiedergegeben werden.

Der Rückblick in die Geschichte Israels (Verse 7-46) enthält ein vernichtendes Urteil über das Verhalten des auserwählten Volkes. Mit der Beschreibung dieses umfassenden Versagens macht Gott mehrere Dinge deutlich:

  1. Trotz Auserwählung und reichlicher Beschenkung sind die Auserwählten nicht in der Lage, treu zu bleiben.
  2. Die Untreue Israels demonstriert letztendlich den Unglauben aller Menschen. Paulus schreibt: "Da ist keiner, der Gutes tut" (Röm 3:12).
  3. Weder die Untreue Israels noch das totale Versagen der Menschen führt dazu, dass Gottes Gunst, Gnade, Barmherzigkeit (hebräisch "chesed") und Güte (hebräisch "tob") enden. Sie bleiben durch alle Zeitalter hindurch bestehen und bewirken am Ende ein umfassendes Lob Gottes.

Mahatma Gandhi wird folgendes Zitat zugeschrieben: "Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende." Die Bibel beschreibt dies mit anderen Worten: "Denn Gott hat alle zusammen in den Unglauben eingeschlossen, um alle zu begnadigen" (Röm 11:32) und "... jede Zunge wird bekennen, dass Jesus Christus Herr ist, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters" (Phil 2:11). Wenn das kein Grund ist, im Namen des Herrn Jesus Gott, dem Vater, zu danken und ihn zu loben, was dann?

Dienstag, 2. Juli 2024

Die den HERRN lieb haben, sollen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht!

Richter 5,31

Jesus spricht: Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf dem Berge liegt, nicht verborgen sein. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten.

Matthäus 5,14.16

Die Leuchtkraft der Liebe

Als Jugendliche und junge Erwachsene sind wir in den Schweizer Bergen manchmal um 3:00 Uhr nachts losmarschiert, um auf einem Gipfel den Sonnenaufgang zu bestaunen. Es war jedes Mal ein beeindruckendes Erlebnis, als am Horizont zuerst ein kleiner Punkt aufstrahlte, der dann immer heller wurde und langsam als leuchtende, feurige Kugel auftauchte.

Dieses mächtige Bild verwendet die Bibel, um diejenigen zu beschreiben, die den HERRN lieben. Dieser Vers aus Richter 5:31 ist der letzte Satz aus dem Siegeslied von Debora und Barak. Das Volk Israel litt 20 Jahre unter der Gewaltherrschaft des Königs Jabin und seines Generals Sisera (Ri 4:2-3). Zu dieser Zeit war Debora Richterin in Israel, und Gott verlieh ihr so viel Vollmacht, dass viele Männer auf ihr Urteil hörten. Im Gegensatz zu anderen mächtigen Frauen des Altertums erhielt Debora ihre Autorität wohl kaum durch Intrigen oder Machtkämpfe, sondern weil sie von Gott offensichtlich mit besonderer Weisheit ausgestattet wurde, um ein ganzes Volk zu richten.

Sie ermutigte Barak zum Kampf gegen Sisera. Dieser traute sich das jedoch nur zu, wenn Debora mitgehen würde (Ri 4:8). Infolge seines zögerlichen Verhaltens prophezeite ihm Debora, dass der brutale Sisera nicht von einem Mann, sondern von einer Frau überwältigt würde, was dann durch Jael geschah (Ri 4:21). In dieser Zeit triumphierten die Frauen in Israel. Warum? Es gab damals offensichtlich keinen Mann, der über eine entsprechende geistliche Vollmacht verfügte. Debora hatte eine solche Autorität, weil sie diese von Gott bekommen hatte. Dabei dürfte ihre Liebe zu Gott auch eine wesentliche Rolle gespielt haben.

Jesus sagte in Johannes 8:12b: "Ich bin das Licht der Welt!" In Matthäus 5:14 sagte er auch: "Ihr seid das Licht der Welt!" Wie kann so etwas geschehen? Das ist nur dann möglich, wenn Jesus Christus durch seine Liebe in den Herzen derjenigen wohnt, die ihm zuhören. Das Licht Gottes wird für die Welt nur dann sichtbar, wenn wir Gott lieben und mit ihm verbunden sind, damit er uns zeigen kann (Eph 2:10), wie wir seine Liebe in die Tat umsetzen können (1Jo 3:18).

Als Paulus in Epheser 5:8-9 schrieb, dass wir als Kinder des Lichts wandeln sollen, erwähnte er auch die Frucht des Lichts, die aus Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit besteht. Darum schreibt er auch, dass wir reich an guten Werken sein sollen (1Tim 6:18). Nur so leuchtet das Licht der Liebe für alle Menschen sichtbar auf!

Mittwoch, 3. Juli 2024

Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider und kehrt um zu dem HERRN, eurem Gott!

Joel 2,13

Ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe.

1.Korinther 6,20

Eine heilsame Betroffenheit

In der Bibel war das Zerreißen der Kleider ein sichtbares und dramatisches Zeichen innerer Gefühlsregungen. Folgende Empfindungen wurden damit zum Ausdruck gebracht: Trauer und Kummer (1Mo 37:34 / 2Sam 1:11), Reue und Buße (2Kö 22:11), Empörung und Entsetzen (2Kö 19:1) und auch eine große Verzweiflung (Est 4:1). Dieses äußere Zeichen der Trauer und Reue ist an und für sich nicht negativ, aber wenn es nicht von innen kam, wollte man lediglich seine "Frömmigkeit" zur Schau stellen, sodass diese Handlung zu einer reinen Heuchelei wurde.

Sowohl die Propheten als auch Jesus und die Apostel haben unermüdlich darauf hingewiesen, dass die innere Motivation das Entscheidende ist. Alles, was wir tun, sollte von innen kommen und von ganzem Herzen geschehen. Zu Beginn tun wir eine Sache oft von ganzem Herzen, aber manchmal entsteht daraus eine Gewohnheit, die einen Automatismus zur Folge hat, sodass die Handlung nicht mehr von Herzen geschieht. So kann es passieren, dass wir unsere Gebete aus lauter Gewohnheit sprechen und wir uns in Gedanken ganz woanders befinden. Auf diese Gebete kann Gott verzichten. Besser, wir beten kurz, aber mit ganzem Herzen, als dass wir lange und schön formulierte Gebete sprechen, die die menschlichen Zuhörer beeindrucken sollen. Lange Gebete, die alleine und aus Liebe zu Gott gesprochen werden, sind jedoch sehr wertvoll.

Die Zeitgenossen Joels wollten offensichtlich ihr Entsetzen, ihre scheinbare Buße und Reue öffentlich zur Schau stellen. Wahrscheinlich hofften sie auch, dass Gott das Zerreißen ihrer Kleider sah, sodass er jetzt mit ihnen zufrieden sein müsste. Aber für Gott war diese Handlung bedeutungslos, weil sie nicht von Herzen kam. Darum sagte der HERR durch Joel: "Zerreißt eure Herzen!" Der Aufruf aus Joel 2:13 legt den Schluss nahe, dass die Menschen zwar immer noch religiöse und fromme Rituale vollzogen, aber mit ihren Herzen weit von Gott entfernt waren. Deshalb war eine Umkehr dringend notwendig, bei der sie ihre Herzen vom Egoismus lösten und dadurch "zerrissen"!

Der zweite Teil dieses Verses lautet: "... denn er ist gnädig und barmherzig, langsam zum Zorn und groß an Güte und lässt sich des Übels gereuen", und in Vers 14 heißt es weiter: "Wer weiß, vielleicht wendet er das Unheil ja noch ab und segnet euch aufs Neue!" Wenn ein egoistisches und ungerechtes Volk Buße tut und umkehrt, dann könnte es sein, dass Gott ein angekündigtes Gericht nicht vollstreckt, weil er sehr gerne Gnade und Barmherzigkeit ausübt (siehe Jon 3)!

Paulus durfte den Korinthern und somit allen gläubigen Christen deutlich machen, wie sehr Gott sie gewürdigt hat, indem er sie zu Gliedern des Leibes Jesu Christi machte (1Kor 6:15) und ihre Körper zu einem Tempel des Heiligen Geistes wurden (1Kor 6:19). Weil Gott uns so sehr liebt, hat er uns auch teuer erkauft, indem er für uns seinen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben haben darf (Joh 3:16). Darum dürfen wir aus Liebe und von ganzem Herzen Gott in unserem Leib verherrlichen!

Donnerstag, 4. Juli 2024

Wohl dem, der sich des Schwachen annimmt! Den wird der HERR erretten zur bösen Zeit.

Psalm 41,2

Gutes zu tun und mit anderen zu teilen vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.

Hebräer 13,16

Unter dem Wohlgefallen Gottes

Wer sich um Schwache, Elende und Arme kümmert, wird im Wort Gottes an mehreren Stellen als "glückselig" gepriesen. In Psalm 41 kommt noch eine Verheißung dazu: "Der HERR lässt ihn am 'bösen Tag' entkommen!", wie man auch übersetzen könnte. Gutes zu tun und mit anderen zu teilen ist ein Akt der Nächstenliebe und steht unter dem Wohlgefallen Gottes.

Wer anderen Menschen Gutes tut, investiert in die "Ewigkeit"! Es haben aber nur die guten Dinge Bestand, die auch aus Liebe geschehen (1Kor 13:1-3). Wenn wir unseren Mitmenschen wohltun und bei ihnen ein dankbares Lächeln hervorrufen können, dann erzeugt das bei einem selbst oft mehr Freude, als wenn man lediglich etwas für sich allein genossen hat.

Jesus sagte: "Geben ist seliger als Nehmen" (Apg 20:35). Geben erzeugt sehr oft schon im "Hier und Jetzt" mehr Freude als Nehmen. Kürzlich bekamen wir einen handgeschriebenen Brief und darin stand unter anderem Folgendes:

"Ich kann Ihnen nicht sagen, was mir die Begegnung mit Ihnen bedeutet hat, ... nie zuvor habe ich solch tiefe und herzliche geschwisterliche Liebe kennenlernen dürfen!"

Solche Worte haben uns mehr erfreut, als wenn wir 500 Franken erhalten hätten.

Aus Liebe Gutes zu tun, wird hier auch als Gott wohlgefälliges "Opfer" bezeichnet. Wer mit den Bedürftigen sein Geld teilt, opfert einen Teil seines Ertrages. Wenn wir versuchen, aus einer hilfsbereiten und treuen Liebe zu leben, merken wir aber auch sehr schnell, dass dies längst nicht immer "Friede, Freude, Eierkuchen" ist! Es ist zuweilen harte Arbeit. Die Betreuung kranker oder alter Menschen ist oft kräftezehrend, und auch die kontinuierliche Begleitung psychisch angeschlagener Personen ist mit Mühe verbunden. So kann es auch geschehen, dass hilfsbereite Menschen an die Grenze ihrer Belastbarkeit gelangen. Es sind Menschen, die sich aus Liebe hingeben. Daran dürfte Paulus unter anderem gedacht haben, als er in Römer 12:1 schrieb:

  • "Ich ermahne und ermuntere euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzubringen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer; [das sei] euer sinnvoller Gottesdienst."

Aber die Belohnung Gottes für solche Liebesmühe wird viel größer sein, als wir uns das heute vorstellen können.

Freitag, 5. Juli 2024

Die ihr den HERRN fürchtet, hoffet auf den HERRN!

Psalm 115,11

Schaut auf die Vögel des Himmels: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in Scheunen – euer himmlischer Vater ernährt sie.

Matthäus 6,26

Vertrauen hat Segen zur Folge

Der Psalmist hatte vermutlich mehrfach Kontakt mit den Heiden. Als "Heiden" werden diejenigen bezeichnet, die an mehrere Götter glauben und von diesen "Göttern" auch Skulpturen anfertigen, die sie dann anbeten. Diese Heiden konnten damals kaum verstehen, dass die Israeliten an einen Gott glaubten, den man nicht sehen konnte. Für sie war es möglicherweise geradezu lächerlich, auf einen unsichtbaren Gott zu vertrauen.

Dieser Umstand dürfte die Ursache gewesen sein, warum der Psalmist zu Beginn betet: "Gib deinem Namen Ehre! ... Warum sollen die Nationen sagen: 'Wo ist denn nun ihr Gott'?" (V. 2). Während die Heiden auf ihre Götzenbilder stolz waren, wollte der Psalmdichter aufzeigen, wie unlogisch es ist, eine selbstgemachte Skulptur anzubeten, die weder sehen noch hören kann. Er beendet diese Feststellung mit der Bemerkung: "Ihnen gleich [an Ohnmacht] sind ihre Hersteller [sowie] jeder, der auf sie vertraut." (V. 8 - HSN)

Anschließend motiviert der Psalmist die Israeliten, die Nachkommen Aarons und alle, die den HERRN fürchten, "auf den HERRN zu vertrauen", was eine treffendere Übersetzung von "hoffet auf den HERRN!" ist (V. 9-11).

Was bedeutet es, "den HERRN zu fürchten" und was versteht man unter "Gottesfurcht"? Sollen wir vor Gott Angst haben? Sollen wir ihn so fürchten, wie man sich vor einem brutalen Machthaber fürchtet? Wie können wir eine Liebesbeziehung zu einer Person aufbauen, vor der wir Angst haben?

Die ersten Verse von Jesaja 11 sprechen prophetisch vom Messias, also von Jesus Christus. Von ihm heißt es in Vers 3: "Er hat Wohlgefallen an der Furcht des HERRN." Wenn wir die Evangelien lesen, dann erkennen wir, dass Jesus eine innige Liebesbeziehung zu seinem himmlischen Vater hatte. Besonders deutlich wird dies in Johannes 17. Jesus wusste sich von seinem Vater total geliebt und trotzdem hatte er Gefallen an der 'Furcht des HERRN'. Diese beinhaltet eine umfassende Ehrfurcht und großen Respekt vor Gott. Praktisch bedeutete dies, dass er nur seinem Vater gehorchte und vor den Menschen keine Angst hatte. Wer wirkliche Ehrfurcht vor Gott hat, tut keine Dinge, die dem Allmächtigen missfallen. Gott missfällt z.B. Unehrlichkeit, Überheblichkeit und Rücksichtslosigkeit. Dagegen freut er sich an Wahrhaftigkeit, Demut, Liebe und Barmherzigkeit! Wer seine Mitmenschen betrügt oder verachtet, dem fehlt es an wahrer Gottesfurcht. Wer gottesfürchtig ist, den könnte man mit einem Sohn vergleichen, der sich von seinem Vater total geliebt weiß und dadurch größten Respekt vor ihm hat.

Wer Gott in diesem Sinne "fürchtet", kann ihm auch vollkommen vertrauen und das hat großen Segen zur Folge, wie in den nachfolgenden Versen ersichtlich wird (V. 12-15). Auch Jesus motivierte seine Zuhörer zu einem uneingeschränkten Vertrauen auf den himmlischen Vater, indem er sie auf die Vögel hinweist, die genügend Speise finden, obwohl sie nicht säen, ernten und in Scheunen sammeln. Warum sind wir oft so "kleingläubig" und weshalb ist unser Vertrauen manchmal so klein?

Samstag, 6. Juli 2024

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.

Psalm 91,1-2

Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Klein und Groß.

Apostelgeschichte 26,22

Unter dem Schirm des Höchsten

Neulich sah ich das Foto eines Schwans, der zwei Küken zwischen bzw. unter seinen Flügeln hatte. Sie saßen auf dem Rücken der Mutter oder des Vaters (1*) und waren fast vollständig von den Flügeln eingehüllt. Wenn man sich beim „Flugstart“ eines Schwans in dessen Nähe befindet, kann man das Schlagen seiner Flügel hören und ahnt, wie viel Kraft in diesen Flügeln steckt. Das ist für mich ein Bild für die Aussage in Vers 4, wo es heißt: „Mit seinen Schwingen wird er dir Deckung bieten und unter seinen Flügeln wirst du Zuflucht finden“.

Im ersten Vers dachte der Psalmist vermutlich an ein schattenspendendes königliches Zelt in der Wüste. Das hebräische Wort „seter“, das Luther mit „Schirm“ übersetzte, bedeutet eher „Decke, Versteck, Geheimhaltung, Schutz“. Man stelle sich den mächtigen König Salomo vor, der auf Reisen ist und uns als Freunde in sein wunderbares Zelt einlädt, um bei ihm zu speisen und uns auszuruhen. Dieses Zelt ist selbstverständlich auch von den besten Elitesoldaten umgeben. Hier würden wir uns wohl und absolut sicher fühlen!

Wer mit ganzem Herzen glaubt und sich zum HERRN bekennt, indem er sagt: „Der HERR ist meine Zuversicht und meine Burg“, darf sich noch sicherer fühlen als im Zelt Salomos. Wie kann ich aber unter diesem königlichen Zelt sitzen und wie kann ich im Schatten des Allmächtigen (hebr. „schadaj“) bleiben? Zuerst ist es die bewusste Entscheidung, dem unsichtbaren und allmächtigen Gott zu vertrauen, und dann geht es darum, dieses Vertrauen immer wieder neu einzuüben, indem ich mich ganz auf ihn verlasse oder mich „in ihm sichere“, wie es in der Dabhar-Übersetzung wiedergegeben wird.

Paulus bezeugte vor König Herodes Agrippa II. und dem Statthalter Felix (2*), wie er Gottes Hilfe bis auf diesen Tag erfahren durfte. Auch wenn Paulus viel Schweres erleiden musste (siehe dazu 2Kor 11:16-33), so durfte er sich innerlich doch im Schutzzelt Gottes wissen, weil er auf seinen Herrn Jesus vertraute und weil er wusste, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen müssen  (Röm 8:28). Am Ende der Zeiten und gegen Schluss der Bibel heißt es in der Übersetzung von Heinz Schumacher:

  • „Sieh, die Zeltwohnung Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen sein Zelt (3*) aufschlagen und sie werden seine Völker sein und er selbst, Gott, wird als ihr Gott bei ihnen sein. Und er wird jede Träne aus ihren Augen wischen und der Tod wird nicht mehr sein und auch Leid und Geschrei und Schmerz werden nicht mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ (Offb 21:3-4)

1* Bei Schwänen kümmern sich beide Elternteile um die Küken.

2* Marcus Antonius Felix war von 52-60 n. Chr. Prokurator über die römische Provinz Judäa.

3* Das griechische Wort „skene“ (Zelt) kommt von „skia“, was mit „Schatten“ übersetzt wird.

Sonntag, 7. Juli 2024

Wenn sich der Ungerechte abkehrt von seiner Ungerechtigkeit, die er getan hat, und übt nun Recht und Gerechtigkeit, der wird sein Leben erhalten.

Hesekiel 18,27

Denn was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber Schaden nimmt an seinem Leben?

Matthäus 16,26

Durch Umkehr das Leben gewinnen

Bei Gott gibt es keine hoffnungslosen Fälle! Selbst der Ungerechte und der "gottlose Mann der Bosheit" (hebr. "rasha") kann durch die Gnade Gottes leben, wenn er seine egoistischen und rücksichtslosen Gedanken verlässt und sich dem HERRN zuwendet (Jes 55:7). Auch der Schwerverbrecher, der mit Jesus gekreuzigt wurde und sich kurz vor seinem Tod dem Herrn Jesus zuwandte, durfte "das wahre Leben" finden, weil Jesus ihm versprach: "Wahrlich (o. Amen), ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein" (Lk 23:43).

Das ganze 18. Kapitel des Propheten Hesekiel ist ein "Ruf zur Umkehr" und somit ein Appell zum Umdenken. Dieser Text macht deutlich, worauf es ankommt. Entscheidend ist nicht, wie viel Gutes ich getan habe, sondern wie ich ende. Wenn ich ein ganzes Leben lang Gutes getan habe und gegen Ende meines Lebens böse und voller Hass bin, werde ich meine Seele verlieren, während der Schwerverbrecher am Kreuz seine Seele für das ewige Leben gewinnen durfte, weil er seine Sünden bekannte (Lk 23:41), seine Hoffnung auf die Gnade Gottes setzte und sich Jesus zuwandte.

Vielleicht denkt der eine oder andere: "Das ist aber ungerecht!" Dazu muss ich Folgendes sagen: Weil Jesus für die Schuld der ganzen Welt starb (1Jo 2:2), hat er auch die Möglichkeit, jeden, den er will, zu begnadigen (2Mo 33:19).

Ins himmlische Paradies und somit ins unsterbliche Leben können nur diejenigen kommen, die auch vollkommen lieben, weil ein ewiges Paradies ohne vollkommene Liebe früher oder später zur Hölle wird. Für den Eintritt in das Himmelreich ist der aktuelle Zustand des Herzens entscheidend und nicht die Vergangenheit. Im Wort Gottes finden wir einige Beispiele von Menschen, die sehr gut "gestartet" sind und schlecht geendet haben (z.B. Saul und Salomo). Das Gleiche gilt auch umgekehrt (Paulus). Es gibt solche, die schlecht beginnen und schlecht bleiben. Diejenigen, die gut starteten und auch gut endeten, erlebten in der Zwischenzeit etliche Rückschläge, die sie demütig hielten (z.B. David). Ohne Demut erreicht keiner das Ziel, weil es ihm einerseits an der Gnade Gottes und andererseits an der wertschätzenden Liebe anderen gegenüber fehlt (Jak 4:6).

In der Geschichte gab es immer wieder machthungrige Menschen, die am liebsten die ganze Welt für sich gewinnen wollten. Es waren solche, die egoistisch und gierig alles an sich rissen. Sie sind allesamt gescheitert. Der einzige, der alles gewann, war derjenige, der alles loslassen konnte. Jesus Christus konnte seinen himmlischen Reichtum, seine Ehre, sein Wohlbefinden und sein Leben bzw. seine Seele loslassen und darum gewann er alles!

Es gibt viele, die nicht unbedingt die ganze Welt beherrschen wollen, aber alles, was die Welt zu bieten hat, genießen möchten. Sie sind meist habgierig, und alle besitzergreifenden Menschen "ketten" ihre Seele an die "vergängliche Welt". Das ist auch der Grund, weshalb sie Schaden an ihrer Seele nehmen. Wer hingegen aus Liebe "loslassen" kann (Mt 16:25), wird seine Seele gewinnen und das wahre Leben aus Gott erhalten, weil er nicht das Materielle zu seinem Gott gemacht hat, sondern denjenigen, der die Liebe in Person ist!

Montag, 8. Juli 2024

Eure Augen haben die großen Werke des HERRN gesehen, die er getan hat.

1.Mose 11,7

Wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit mit eigenen Augen gesehen.

1.Petrus 1,16

Das Sehen der Herrlichkeit des HERRN

Das Volk Israel, das mit Mose durch die Wüste zog, sah so viele Wundertaten Gottes wie sonst kaum eine Generation. Lediglich die Zeit Jesu, d.h. die drei bis vier Jahre, in denen der Sohn Gottes als Mensch wirksam war, dürfte die "Wunderzeit" des Mose noch übertreffen. Diese beiden Generationen hatten dadurch ein unglaubliches Vorrecht, weil sie das außergewöhnliche Wirken Gottes sehen durften.

Einige Zeit dachte ich: "Wenn doch die Menschen von heute auch so große Wunder sehen könnten, dann wäre es für sie viel einfacher, an den allmächtigen Gott zu glauben!" Aber erstaunlicherweise führten weder die Wunder zur Zeit des Mose noch jene von Jesus dazu, dass diese beiden Generationen zu einem bleibenden Vertrauen auf Gott fanden. Konstanter Glaube wird nicht durch außergewöhnliche Wunder erzeugt, sondern ausschließlich durch den Geist Gottes. Nur wenn der Heilige Geist uns ein neues Herz schenkt und unseren Geist erneuert, kann ein beständiger Glaube entstehen (Hes 36:26). Darum ist auch der Glaube ein Geschenk (Eph 2:8)! Trotzdem waren die Wunder, die Gott durch Mose, die Propheten und die Apostel bewirkte, wichtig, weil sie die Botschaft und die grundlegende Lehre dieser Männer autorisierten.

Petrus und Johannes sahen die Herrlichkeit Gottes nicht nur in den Wundern Jesu, sondern auch in seinem göttlichen Wesen. Johannes schreibt dazu: "Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater voller Gnade und Wahrheit" (Joh 1:14). Bei der Gnade und Wahrheit Jesu handelt es sich um eine innere Herrlichkeit des Herzens. Diese innere Herrlichkeit dürfen auch wir sehen, wenn wir uns mit dem Wort Gottes beschäftigen und dadurch den Liebescharakter unseres Herrn Jesus kennenlernen.

Bevor Jesus den schmählichsten Tod starb, betete er in Joh 17:1: "Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche, ...". Was hat die Kreuzigung Jesu mit Herrlichkeit zu tun? Ist sie nicht das absolute Gegenteil von Herrlichkeit und Ehre? Am Kreuz von Golgatha strahlte die Liebe Gottes zu uns Menschen auf, wie sonst nirgends! Besonders da, wo Jesus am Kreuz betete: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun" (Lk 23:34)! Seine Liebe, seine Gnade und sein Erbarmen beinhalten letztendlich die allergrößte Herrlichkeit, die es gibt. Das ist aber eine innere Herrlichkeit! Die äußere und sichtbare Herrlichkeit werden wir dann sehen, wenn Jesus wiederkommt, und diese Wiederkunft ist nicht mehr fern!

Dienstag, 9. Juli 2024

Gott sei uns gnädig und segne uns.

Psalm 67,2

Jesus nahm die Kinder in die Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie.

Markus 10,16

Unter dem Segen Gottes

Als ich etwa 10 Jahre alt war, wurden wir von einem besonderen Bibellehrer und Evangelisten besucht. Als ich abends schon im Bett lag, kam meine Mutter zu mir und sagte: "Komm ins Wohnzimmer, Adolf Heller möchte dich noch einmal sehen!" Als ich im Pyjama vor ihm stand und in seine gütigen und liebenden Augen sah, legte er einfach seine Hand auf meinen Kopf und sagte in etwa sinngemäß: "Ich segne dich im Namen Jesu Christi! Sei reich gesegnet!" Damals verstand ich überhaupt nicht, was das bedeutete, aber ich war tief berührt und spürte intuitiv, dass dies ein besonderer Moment war, und ich habe ihn nie mehr vergessen.

Paulus schrieb in Röm 12:14: "Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht." Das Segnen gehört mit zu unserem Auftrag als Christen. Aber was genau ist damit gemeint? Das griechische Wort "eulogeo" setzt sich aus zwei Wörtern zusammen: aus "eu" (gut, wohl) und "logos" (Wort). Eulogeo heißt eigentlich "Gutes-sagen" und bedeutet so viel wie, gute und wohlwollende Worte über jemanden aussprechen.

Trotzdem stellt sich die Frage, welche Bedeutung das Segnen hat. Segnen ist in etwa das Gegenteil von Fluchen. Wenn ich jemanden verfluche, dann wünsche ich ihm eine Strafe, ein Unglück, und ich "beschwöre" ihn mit schlechten Worten. Je mehr ich einen Menschen mit bösen Worten "belege", desto katastrophaler wirkt sich das auf seine Seele aus.

Beim Segnen geschieht das genaue Gegenteil: Wir "legen" gute und wohltuende Worte auf einen Menschen! Aus biblischer Sicht handelt es sich dabei aber nicht einfach nur um gutgemeinte und wohlwollende Worte, sondern um Worte, bei denen wir das "Gute Gottes" über die Menschen aussprechen. Wir sprechen unserem Nächsten das zu, was für ihn - aus der Sicht Gottes - das Beste ist! Das Beste aus Gottes Sicht ist noch viel besser als das, was wir als das Beste sehen!

Wie aus Psalm 67 und auch aus dem aaronitischen Segen von 4Mo 6:24-26 hervorgeht, sind Menschen besonders dann gesegnet, wenn Gott ihnen Gnade und Frieden schenkt! Die Gnade Gottes, die uns erlöst und rechtfertigt (Lk 18:14) sowie der innere Frieden, der unser Herz erfüllt und alles Denken übersteigt (Phil 4:7). Warum segnen wir einander nicht häufiger?

Menschen, die Jesus lieben, sind sogar mit dem größten Segen, den es überhaupt gibt, gesegnet, und darum schreibt Paulus in Eph 1:3: "Gepriesen (w. Gesegnet) sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus! Er hat uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt in Christus!" Dieser Segen kann nicht überboten werden!

Mittwoch, 10. Juli 2024

Auch künftig bin ich derselbe, und niemand ist da, der aus meiner Hand erretten kann. Ich wirke; wer will's wenden?

Jesaja 43,13

Darum rühme sich niemand eines Menschen; denn alles ist euer, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes.

1.Korinther 3,21.23

Der unveränderlich großzügige Gott

Die innerste Motivation Gottes ist unveränderlich! Der HERR im Himmel ist nicht ambivalent, indem er einmal lieb und dann böse ist. In Hebr 13:8 heißt es: "Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit." Johannes schreibt im 4. Kapitel seines ersten Briefes zweimal: "Gott ist Liebe" (V. 8 + 16)! Gott war schon immer die Liebe, er ist auch heute die Liebe in Person und er wird es auch in alle Ewigkeit sein! Die feurige Gottesliebe (Hl 8:6) wirkt sich aber unterschiedlich aus!

Den hochmütigen, selbstgerechten und unbarmherzigen Schriftgelehrten und Pharisäern musste Jesus schmerzvolle Gerichte ankündigen (Mt 23:33). Jeder böse und unbarmherzige Mensch, der die Hoffnung hegt, dass es irgendeine Macht im Universum gibt, die ihn vor Gottes heiligem Zorn schützen könnte, wird einmal erkennen müssen, dass es niemanden gibt, der ihn aus der Hand Gottes retten kann. Auch lesen wir in Hebr 10:31: "Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!" Ja, die Liebe verbrennt alles, was nicht Liebe ist, weil eine Ewigkeit nur dann Sinn macht, wenn alle mit Liebe erfüllt sind! Darum schreibt Paulus in 1Kor 15:28 auch, dass Gott einmal alles in allem sein wird.

Gegenüber den Demütigen und denen, die ein zerbrochenes Herz haben, begegnet Gott in seiner Liebe voller Gnade und Barmherzigkeit, so wie dem verlorenen Sohn, der ins Vaterhaus zurückgekehrt ist (Lk 15:11ff). Wer dem himmlischen Vater seine Sünden bekennt und ihm sein Leben anvertraut, wird mit der wohltuenden Liebe des Vaters überschüttet, und der Vater schenkt ihm in seiner Liebe alles! Darum schreibt Paulus in Röm 8:32: "Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?" und in 1Kor 3:22 präzisiert der Apostel, was das "alles" unter anderem beinhaltet. Es sind dies: "Paulus, Apollos, Kephas (Petrus), die Welt (griech. kosmos), Leben, Tod, Gegenwärtiges und Zukünftiges!" Er schließt diese Aufzählung ab, indem er weiter schreibt: "Alles ist euer, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes."

Donnerstag, 11. Juli 2024

An dem Ort, da zu ihnen gesagt ist: »Ihr seid nicht mein Volk«, wird zu ihnen gesagt werden: »Kinder des lebendigen Gottes!«

Hosea 2,1

So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.

Galater 4,7

Aus der Knechtschaft in die Sohnesstellung

Gott gab seinen Propheten manchmal fast unzumutbare Aufgaben. Hosea bekam von Gott den Auftrag, eine hurerische Frau namens Gomer zu heiraten (Hos 1:2). Mit ihr zeugte er die Kinder Jesreel (Gott sät), Lo-Ruhama (ohne Erbarmen) und Lo-Ammi (nicht mein Volk). Das war alles andere als ein leichter Auftrag, und es ist ziemlich sicher, dass Gomer keine treue Ehefrau wurde. Die ersten Verse aus Kapitel 3 legen nahe, dass Gomer Hosea verließ und einen anderen Geliebten hatte. Möglicherweise geriet sie dadurch in die Gewalt eines Sklavenhändlers oder Zuhälters, sodass Hosea sie für fünfzehn Silberstücke und fünfzehn Scheffel Gerste freikaufen musste (Hos 3:2).

Mit dieser Darstellung, die für Hosea ziemlich schmerzhaft war, wollte Gott seinem Volk unter anderem zeigen, wie er sich fühlt. Die fortlaufende Untreue des Volkes Israel – indem es ständig anderen Göttern nachlief – bereitete Gott viel Schmerz. Die drei Kinder Hoseas weisen auf die kommende Bestrafung des Nordreichs Israel hin: Gott wird die Israeliten unter die Völker zerstreuen (säen). Dies geschieht ohne Erbarmen, und dadurch verlieren die zehn Stämme des Nordreichs auch ihre Identität als "Volk Gottes". - Nebenbei bemerkt: Durch einen ehebrecherischen und treulosen Lebensstil verliert man auch seine von Gott geschenkte Identität! - Unter die Nationen zerstreut, kamen diese zehn Stämme in die Knechtschaft und assimilierten sich mehrheitlich, sodass sie nicht mehr identifiziert werden konnten. Dadurch haben sie ihre Identität und ihren Status als "mein Volk" verloren. Unter diesen Nationen mussten sie anderen Göttern dienen, wie es Mose schon prophezeite (5Mo 28:64). Somit waren sie physisch, psychisch und geistlich versklavt.

Ist Gott damit am "Ende seines Lateins"? Keineswegs! An dem Ort, wo zu ihnen gesagt ist: »Ihr seid nicht mein Volk«, wird zu ihnen gesagt werden: »Kinder des lebendigen Gottes!« Paulus zitiert diese Stelle in Römer 9:26 und bringt damit zum Ausdruck, dass gerade aus den Nationen – die nicht zum auserwählten Volk gehören – Menschen zu "Söhnen Gottes" berufen werden. Durch eine Neugeburt aus Wasser und Geist (Joh 3:5), die eine vertrauensvolle Liebesbeziehung zum himmlischen Vater ermöglicht, wurden Heiden und somit Götzendiener aus der Sklaverei der Sünde in die Sohnesstellung versetzt, sodass sie jetzt Erben Gottes bzw. Miterben Jesu Christi sein dürfen (Röm 8:17)! Was für ein Wunder!

Freitag, 12. Juli 2024

Es ist nicht eins dahingefallen von allen seinen guten Worten, die der HERR geredet hat durch seinen Knecht Mose.

1.Könige 8,56

Jesus fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war.

Lukas 24,27

Worte Gottes gehen in Erfüllung

In 1. Könige 8 finden wir eines der längsten Gebete in der Bibel. Das Wort „Gebet“ (hebr. tephillah) kommt in diesem Kapitel siebenmal vor, und dann finden wir es in diesem Buch nur noch einmal, wo Gott im 9. Kapitel auf dieses Gebet Bezug nimmt. Für die Israeliten war das damals vermutlich der Höhepunkt in der alttestamentlichen Geschichtsschreibung. In 5. Mose 12:21 sprach Mose von einem Ort, den der HERR erwählen würde, um dort seinen Namen „hinzustellen“ bzw. „dort wohnen zu lassen“. Jahrhunderte später – bei der Tempeleinweihung durch Salomo (1Kö 8) – wurde diese Prophezeiung des Mose Realität. Vermutlich hofften etliche Generationen schon zuvor, dass sie die Erfüllung dieser Prophezeiung erleben dürften, aber bei ihnen war es dann nicht der Fall. Als diesbezüglich nichts geschah, dachte der eine oder andere möglicherweise, dass diese Verheißung lediglich ein „frommer Wunsch“ war und nichts mit der Realität zu tun hat. Doch die „guten Worte“, die der HERR durch Mose verheißen hatte, „fielen nicht dahin“, sondern wurden zum Zeitpunkt dieses Gebets Wirklichkeit.

Mehr als tausend Jahre vor seinem Kommen wurde der Messias bereits angekündigt (5Mo 18:15-18). Viele Generationen warteten auf den Erlöser Israels und die meisten durften es nicht miterleben. Als der Messias Israels dann tatsächlich kam, hatten praktisch alle eine falsche Erwartung. Sie erwarteten einen Messias, der die Feinde zerschlägt, sich auf den Thron Davids setzt und ein Friedensreich aufrichtet, das ebenfalls durch die Propheten verheißen wurde. Kaum einer rechnete damit, dass dieser Messias zuerst kommen würde, um zu leiden und um die Menschheit von ihrer Sündenschuld zu befreien (Jes 53). Erst nach seiner Auferstehung haben die Jünger Jesu begriffen, warum Jesus leiden und sterben musste. Auf dem Weg nach Emmaus wies Jesus auf die alttestamentlichen Aussagen hin, die das Leiden des Messias prophezeiten (Lk 24:27).

Ist es nicht erstaunlich, dass viele Generationen auf die Erfüllung der Prophezeiungen Gottes hofften und dass diese Generation, die das Kommen des Messias miterleben durfte, eine komplett falsche Vorstellung von dem hatte, was dann geschehen sollte? Dies war deshalb so, weil sie die „unangenehmen Prophezeiungen“ über den Messias nicht verstanden und vielleicht auch etwas verdrängt haben.

Heute rechnen ebenfalls viele mit einem baldigen Erscheinen des Messias. Viele Muslime rechnen mit dem Kommen des Mahdi, der die Welt in Gerechtigkeit regieren soll. Die Juden und auch manche christliche Gruppierungen erwarten wie vor 2'000 Jahren, dass der Messias bald kommen und das Friedensreich aufrichten wird. Doch zuerst kommt Jesus nicht auf die Erde, sondern nur in die Wolken, um seine Gemeinde zu sich in den Himmel zu holen. Ich glaube, dass die jetzige Generation dieses Wunder erleben darf und dann gehen die Worte Gottes aus 1. Thessalonicher 4:13-18 in Erfüllung!

Samstag, 13. Juli 2024

Wer ruft die Geschlechter von Anfang her? Ich bin's, der HERR, der Erste, und bei den Letzten noch derselbe.

Jesaja 41,4

Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.

Offenbarung 1,17

Der Erste und der Letzte

Der allmächtige Gott hat nicht nur die Himmel und die Erde ins Dasein gerufen, sondern auch jede Generation, die über diese Erde ging und noch gehen wird. Jede Generation war von Anfang an geplant! Alle Menschen wurden nicht nur von ihren Vorfahren geprägt, sondern erhielten auch die genetischen Erbanlagen der vorangegangenen Generation. Unsere Eltern haben (meist unbewusst) Fehler an uns begangen und deshalb sind wir alle in gewisser Weise "Opfer" geworden. Aber auch wir haben uns an der nachfolgenden Generation oder an unseren Mitmenschen versündigt und so wurden auch wir zu "Tätern". Paulus erklärt das mit unterschiedlichen Worten. Einerseits zeigt er auf, wie die Sünde und der Tod von einem Menschen zu allen Menschen durchdrang (Röm 5:12) und andererseits macht er deutlich, wie alle in den Ungehorsam eingeschlossen wurden (Röm 11:32). Dabei hat Gott aber von Anfang an geplant, dass er sich über alle erbarmen wird (Röm 11:32). Warum? Weil wir nur durch die individuelle Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes die große Liebe Gottes erkennen können!

Jesus Christus ist der Erste und der Letzte, er steht am Anfang und auch am Ende. Er hat uns geschaffen, unseren Weg bestimmt*, und er führt uns auch an ein wunderbares Ende bzw. in die Vollendung, wo Gott alles in allen sein wird (1Kor 15:28)! Am Ende wird er als der große Sieger dastehen! In Jesaja 41:1b heißt es: „Lasst uns miteinander vor Gericht treten!“ und Paulus schreibt in Römer 3:4: „Damit du gerechtfertigt wirst in deinen Worten und überwindest (w. siegst), wenn du gerichtet wirst.“ Jesus hat am Kreuz unser Gericht getragen und den Tod besiegt. Er ist der Sieger von Golgatha! Hier wäre aber auch eine weitere Interpretation denkbar: „Am Ende der Zeiten hat jeder Mensch die Möglichkeit, Gott zu richten. Dabei geht er aber als der große Sieger hervor, weil jeder bekennen muss, dass seine Wege – die er für jeden ausgewählt hat – vollkommen und gerecht waren! Darum wird auch jede Zunge bekennen, dass nur im Herrn Jesus Christus 'Gerechtigkeit und Stärke' ist (Jes 45:24 / Phil 2:11).

Jesus steht am Anfang und am Ende als der Vollkommene da. Er ist der Erste und der Letzte, das Alpha und das Omega (Offb 22:13). Jesus steht an erster und oberster Stelle. Aber er ließ sich auch zum Letzten und Untersten machen, als er am Kreuz starb und seine Seele in den Tod ausschüttete (Jes 53:12). Sowohl in Jesaja 41:4 als auch an vielen anderen Stellen des Alten Testaments finden wir das Wort „ät“ (Aleph, Taw), das im Deutschen nicht übersetzt wurde, weil es u.a. kaum übersetzbar ist. So wie Jesus im Neuen Testament das Alpha und das Omega ist, so dürfte er im Alten Testament das Aleph und das Taw sein (erste und letzte Buchstaben des hebräischen Alphabets). Das Taw hatte 1'000 v. Chr. eine andere Form als heute und wurde als Kreuz geschrieben. Der „Erste“ wurde am Kreuz zum „Letzten“ und „Untersten“ gemacht und hat so auch alle umfasst. Ihm allein gebührt alle Ehre!

*Das hat Hiob in Hiob 29:25 gesagt, der in diesem Kapitel ein wunderbarer Christusdarsteller ist.

Sonntag, 14. Juli 2024

Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.

Psalm 24,1

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.

Epheser 2,19

Wer kann bei Gott wohnen?

Mit jeder neuen Entdeckung über den Mond und unsere Nachbarplaneten wird uns die Einzigartigkeit der Erde deutlicher. Die meisten dieser Himmelskörper sind karge Steinwüsten, auf denen extreme Temperaturen herrschen und keine Pflanzen wachsen. Schon der Fund von Eis oder Wasserspuren begeistert Wissenschaftler, da sie auf Spuren von Leben hoffen. Selbst der Nachweis lebender Mikroorganismen wäre eine wissenschaftliche Sensation. Die Erde und ihre Fülle wirken vom Mond oder vom Mars aus betrachtet wie ein "Paradies". Sowohl im Meer als auch auf dem Land befindet sich eine kaum zählbare Fülle von Pflanzen, Mikroorganismen, Fischen, Landtieren und Vögeln.

"Die Erde ist des HERRN" könnte man auch wie folgt übersetzen: "Zu dem HERRN ist die Erde" oder "Für den HERRN ist die Erde", denn die Präposition "la" (bei "la-jahweh") bedeutet "für" oder "zu". Die Erde und ihre ganze Fülle sind "für Gott", d.h. zu seiner Ehre geschaffen. Sie wurde aber auch "zu Gott" geschaffen, weil sie die Bestimmung hat, zu Gott zu gelangen, denn Paulus schreibt in Römer 11:36: "Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge."

Wir Menschen dürfen außerordentlich dankbar sein, auf der Erde statt auf dem Mars wohnen zu dürfen. Trotz dieser außergewöhnlichen und schönen Fülle ist die Erde durch den Sündenfall verdorben (1Mo 3). Weil die Bewohner dieser Erde vom Egoismus und der "Gier nach mehr" geprägt sind, leben wir in einer Welt der Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit. Richtig Zuhause fühlt man sich aber nur dort, wo die Liebe herrscht und wo wir bedingungslos geliebt werden. Dieses wahre und vollkommene Zuhause gibt es nur beim himmlischen Vater!

Psalm 24 macht deutlich, wer auf dem Berg des HERRN und an seinem heiligen Ort stehen kann. Nur wer reine Hände und ein reines Herz hat und seine Seele nicht zu Falschem erhebt und nicht zum Betrug schwört. Kein Mensch verfügt so vollkommen über diese Prädikate, dass er an diesen heiligen Ort gelangen könnte! Allein der "König der Herrlichkeit" ist würdig, da zu stehen und dort einzuziehen (Ps 24:3-7). Jesus Christus ist dieser König der Herrlichkeit, und jeder, der sich ihm ganz anvertraut, darf zu seiner Gemeinde und dadurch zu seinem Leib gehören (Eph 1:22-23). Darum schreibt Paulus, dass "wir beide" (sowohl Juden als auch Heiden) jetzt Zugang zum Vater haben und somit auch ins Vaterhaus eintreten dürfen (Eph 2:18-19). Deshalb dürfen wir "Mitbürger der Heiligen" und "Gottes Hausgenossen" sein. Da dürfen wir einmal wohnen, und das ist unser wahres und ewiges Zuhause, wo die vollkommene Liebe herrscht.

Montag, 15. Juli 2024

Der HERR Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz.

Psalm 46,8

Als Jesus aus dem Boot stieg, sah er die vielen Menschen, und sie taten ihm leid, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.

Markus 6,34

Gott ist mit uns und unsere hohe Festung

Die Wortkombination "Jahweh Zebaoth" kommt im Alten Testament über 200 Mal vor und wird auch mit "HERR der Heere" übersetzt. JHWH ist das sogenannte "Tetragramm", das wir in der Bibel über 6'800 Mal finden. Dieser Name ist voller Geheimnisse und kann als „der Seiende“ oder „der, der immer ist“ verstanden werden. Auch wird dieser Name mit "der Ewigseiende" oder mit "der Werden-machende" übersetzt. Wenn JHWH im Neuen Testament zitiert wird, ist von "Kyrios" die Rede, was wiederum "HERR" oder "Gebieter" im göttlichen Sinn bedeutet.

Der HERR überdauert die Zeitalter und er hat alles ins Dasein gerufen. Paulus schreibt dazu in Kolosser 1:16: "Denn in ihm (in Christus) ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Gewalten oder Mächte: Alles ist durch ihn und zu ihm hin geschaffen." Das ist der Grund, warum ER auch der "HERR über alle Heere" ist. Unser HERR kommandiert alle Engelheere, und diese sind den irdischen Armeen weit überlegen.

Wenn dieser höchste "HERR" mit uns ist, dann gibt es keine Macht im ganzen Universum, die uns schaden und erfolgreich gegen uns sein könnte (Röm 8:31). Vielleicht fällt es uns schwer, das glauben zu können, wenn man an die weltweit verfolgten Christen oder an andere Schmerzen der "Jesus-Nachfolger" denkt. Aus der Ewigkeitsperspektive bzw. aus der Sicht Gottes schaden uns diese Dinge nicht, weil diese Leiden eine unvorstellbar große Herrlichkeit zur Folge haben. Zudem machen sie uns demütig und barmherzig und bewahren uns vor Überheblichkeit (2Kor 12:7). In Zeiten der Not gibt Gott uns eine innere Kraft, eine unerklärliche Zuversicht, die uns zeigt, wie sehr er mit uns ist. Gerade in der Not erweist er sich als eine "hohe Festung", zu der wir Zuflucht finden (Ps 46:8).

Der vorangehende Vers 7 ist geradezu eine Beschreibung unserer heutigen Zeit: "Es toben die Nationen, die Königreiche wanken; er lässt seine Stimme erschallen: Die Erde zerschmilzt." Praktisch alle Nationen sind in Aufruhr. Die Demokratien sind so tief gespalten wie kaum je zuvor. Alles gerät ins Wanken. Erdbeben und Vulkanausbrüche nehmen zu. Viele Menschen fühlen sich hilflos und ohnmächtig. Sie sind mit Schafen zu vergleichen, die keinen wirklichen Hirten haben. Aber Jesus sieht sie alle, und er hat Mitleid. Er wird als der Gute Hirte, zum göttlich bestimmten Zeitpunkt kommen, und wie ein König unter der Kriegsschar thronen und wie einer, der die Trauernden tröstet (Hi 29:25).

Dienstag, 16. Juli 2024

Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?

Jesaja 40,27

Jesus sprach zu den Jüngern:  O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?

Lukas 24,25-26

Unsere Erfahrungen versus Gottes Wort

Das auserwählte Volk Gottes scheint davon überzeugt zu sein, dass Gott ihren Weg nicht sieht. Die Israeliten dachten tatsächlich, dass Gott auch keine Ahnung von dem hatte, was sie taten, und dass er sich auch nicht dafür interessierte. Wie kamen sie zu dieser Einschätzung und weshalb entstand diese Überzeugung? Der Textzusammenhang gibt keine direkte Antwort auf diese Frage. Aber wir können uns selbst die Frage stellen: "Warum denken wir manchmal, dass Gott uns nicht beachtet und er sich nicht um unser Schicksal kümmert?" Wahrscheinlich gibt es zu dieser Frage unterschiedliche Antworten. Die meisten Antworten dürften jedoch eine Gemeinsamkeit aufweisen: "Unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit scheinen zu beweisen, dass es für Gott keine so große Rolle spielt, was wir denken und wie wir handeln!"

Asaf beschreibt ab Psalm 73:3 einen egoistischen und rücksichtslosen Menschen, der in allem, was er tut, "sehr erfolgreich" ist (V. 12). Er scheint über Jahrzehnte keine Probleme zu haben und so kommt er zu dem trügerischen Schluss: "Meine Art zu leben, hat sich bewährt und Gott hat mich nie bestraft, als ich spottete, lästerte und Böses redete (V. 8). Wahrscheinlich gibt es gar keinen Gott." Asaf selbst machte eine gegenteilige Erfahrung, als er sich fragte, weshalb er jeden Tag geplagt wird (V. 14), obwohl er gottesfürchtig war und sich um ein reines Herz bemühte. Mit anderen Worten: Dem Gottlosen geht es über längere Zeit gut, während es einem Gläubigen, der Gott gefallen wollte, schlecht ergeht. Solche Erfahrungen legen den Schluss nahe: "Gott interessiert sich weder für mein Recht noch für den Weg des Gottlosen!"

Die beiden Jünger, die nach Emmaus wanderten, waren so schockiert darüber, dass derjenige, den sie für den Erlöser Israels hielten, wie der größte Schwerverbrecher verurteilt und umgebracht wurde. Sie hielten Jesus für den Messias, weil sie ihn als den großen Heiler, Wundertäter und Prediger erfahren hatten. Sie mussten miterleben, wie ihr Hoffnungsträger furchtbar hingerichtet wurde und starb. Diese Erfahrung entsprach überhaupt nicht dem, was sie von Gott erwarteten. Wir können verstehen, dass sie immer noch schockiert waren.

Trotzdem wurden sie von Jesus getadelt bzw. kritisiert: "Warum seid ihr so töricht und könnt nicht glauben, was die Propheten geredet haben?" Ihre aktuelle Erfahrung hatte mehr Gewicht als das, was Gott schon lange durch die Propheten voraussagte, nämlich, dass der Christus leiden muss, um die Menschheit von ihrer Schuld zu befreien (Jes 53 / Röm 3:25 / 1Jo 2:2). Manchmal scheinen sich die persönlichen Erfahrungen und das Wort Gottes diametral zu widersprechen! Warum? Damit wir lernen, Gott ganz zu vertrauen, auch dann, wenn alles verloren erscheint. Wer gelernt hat, dem Wort Gottes mehr zu vertrauen als seinen eigenen Erfahrungen, der hat die wahre Realität erkannt und kann sich glücklich schätzen, weil das wahre Leben nur im Vertrauen auf Gott zu finden ist!

Mittwoch, 17. Juli 2024

Das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.

Jeremia 31,33

Die Israeliten sind Kinder Gottes und haben Anteil an seiner Herrlichkeit. Mit ihnen hat Gott mehrfach einen Bund geschlossen. Er hat ihnen das Gesetz gegeben und sie gelehrt, ihn in rechter Weise zu verehren. Und er hat ihnen sein Versprechen gegeben.

Römer 9,4

Der neue Bund

Zwei Verse vor dem heutigen Losungstext sagt der HERR durch Jeremia: "Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund ... als ich sie aus Ägyptenland führte, ..." (Jer 31:31-32). Diese Stelle wird im Neuen Testament* (wörtlich "Geschriebene des Neuen Bundes") mehrfach zitiert. Zum ersten Mal spricht Jesus bei der Einsetzung des Abendmahles vom "Neuen Bund": "Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird" (Lk 22:20b / 1Kor 11:25)! In Hebräer 9:15 lesen wir: "Und darum ist er auch der Mittler des neuen Bundes, auf dass durch seinen Tod, der geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen unter dem ersten Bund, die Berufenen das verheißene ewige Erbe empfangen."

Beim Alten Bund vom Sinai wurde dem Volk Israel das Gesetz auf "steinernen Tafeln" gegeben. Damit machte Gott seinem Volk klar, was es "tun sollte". Viele religiöse Menschen und auch so manche Christen versuchen, die zehn Gebote Gottes aus eigener Kraft einzuhalten, um so eine eigene Gerechtigkeit zu erzeugen. Sie denken, dass sie sich mit dieser eigenen Gerechtigkeit das ewige Leben verdienen könnten. Auch der Pharisäer Saulus suchte, vor seiner Bekehrung, nach dieser 'eigenen Gerechtigkeit' (Phil 3:9). Doch der HERR hat ihm klar gezeigt, dass er nie eine eigene Gerechtigkeit erzeugen kann, die vor Gott gültig wäre. Somit war "das Gesetz auf steinernen Tafeln" nicht in der Lage, uns an das Ziel einer göttlichen Gerechtigkeit zu führen. Es hat uns lediglich vor Augen geführt, dass wir Menschen aus eigener Kraft dazu gar nicht in der Lage sind. Das Gesetz macht deutlich, dass alle Menschen Sünder sind (Röm 3:23) und deshalb nur noch auf die Gnade Gottes hoffen können (Lk 18:13). In Jesus Christus ist diese Gnade Gottes erschienen. Weil das Gesetz uns vor Augen führt, wie gnadenbedürftig wir sind, konnte Paulus in Galater 3:24 auch Folgendes schreiben: "Also ist das Gesetz unser Erzieher auf Christus hin geworden, damit wir aus Glauben gerechtfertigt werden."

Nachdem Jesus den Neuen Bund einsetzte, offenbarte er seine große Liebe zu uns, indem er für uns starb und sein Leben für uns gab, damit wir durch den Glauben mit seiner göttlichen Gerechtigkeit beschenkt werden konnten. Wer diese große Liebe erkennen konnte und wer das Geschenk des Heiligen Geistes empfangen durfte, will von ganzem Herzen die beiden wichtigsten Gebote tun, nämlich, Gott und seinen Nächsten zu lieben. Dann liebt man nicht mehr aus einem Pflichtgefühl, sondern weil man es von ganzem Herzen will! Das dürfte gemeint sein, als Gott verheißen hatte: "Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, ...". Die pflichtgemäße Einhaltung des Gesetzes ist Religiosität, während das "bedingungslose Lieben wollen" eine Auswirkung des Neuen Bundes und des Heiligen Geistes ist!

  • Der Kirchenvater Tertullian (ca. 160-220 n. Chr.) war einer der ersten, der die Begriffe „Altes Testament“ (vetus testamentum) und „Neues Testament“ (novum testamentum) verwendete, um die Sammlung der heiligen Schriften vor und nach Jesus Christus zu unterscheiden.

Donnerstag, 18. Juli 2024

Der HERR spricht:  Er kennt meinen Namen, darum will ich ihn schützen.

Psalm 91,14

Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.

1.Petrus 5,7

Den Namen des HERRN kennen und die Erkenntnis Gottes

Das hebräische Wort, das die Lutherbibel mit "schützen" übersetzt, lautet "sagab" und bedeutet so viel wie "hoch sein", "erhoben sein" oder "überragen". Damit dürfte an dieser Stelle Folgendes gemeint sein: "Jemanden in eine erhöhte Position bringen, mit dem Ziel des Schutzes oder der Rettung durch Absonderung von Gefahren."

Ein passendes Bild dazu ist ein liebender Vater, der sein verängstigtes Kleinkind aufhebt und in seine Arme nimmt. Das Kind wird an das Herz des Vaters emporgehoben und fühlt sich total geschützt. Es fühlt sich aber nur deshalb sicher, weil es seinen liebenden Vater kennt. Bei einem fremden und böse dreinblickenden Mann wäre die Angst noch viel größer.

Je schlechter wir den himmlischen Vater kennen, desto eher neigen wir dazu, in ihm einen "alten Mann" zu sehen, den wir, in seiner Strenge, nie zufriedenstellen können. Wir sehen vielleicht einen Gott, der uns ständig auf unsere Fehler hinweist und irgendwann einmal die Geduld mit uns verliert, weil wir es nicht schaffen, sündlos zu leben! Kein Wunder, dass viele Menschen diesem Gott nicht zu nahe kommen wollen und ihn viel lieber verdrängen. Die Gegenwart dieses heiligen Gottes ist für sie eine beängstigende Vorstellung, die - wie sie denken - noch mehr psychischen Stress auslöst.

Wer aber den Namen, und somit auch die Charaktereigenschaften, des bedingungslos liebenden HERRN kennenlernen durfte, fühlt sich nirgendwo so sicher und geschützt wie in seiner Nähe!

Eines der wichtigsten Gebetsanliegen des Apostels Paulus war, dass die gläubigen Christen mit der "Erkenntnis seines Willens" und somit auch mit der "Erkenntnis Gottes" erfüllt werden (Kol 1:9-10)! Zu dieser Erkenntnis kommt es nur, wenn wir uns mit seinem Wort (mit der Bibel) beschäftigen und wenn wir im betenden Vertrauen auf den Herrn Jesus durch den Alltag gehen. Wer Gott als den liebenden Vater erkannt hat, weiß sich, trotz Nöten, geschützt und geborgen! Wer auf seine "Arme" hochgehoben wurde, ist am sichersten Ort, den es überhaupt gibt.

Trotzdem haften die Sorgen manchmal wie eine Klette an uns, weil wir denken, dass die Sorgen nur dann verschwinden, wenn wir uns selbst darum kümmern. Aber diese Strategie gleicht einem Kampf gegen die Hydra. Wenn wir ihr einen Kopf abgeschlagen haben, wachsen zwei neue Köpfe nach.

Wer seine Sorgen auf Jesus werfen kann, weil er sich in ihm birgt und ihm vertraut, der darf erfahren, wie er für uns sorgt und uns das gibt, was wir wirklich brauchen (aber nicht unbedingt das, was wir uns wünschen). Das bewirkt in uns eine große Gelassenheit und einen Frieden, inmitten einer turbulenten und chaotischen Welt!

Freitag, 19. Juli 2024

Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken wird.

Jesaja 65,17

Der Seher Johannes schreibt:  Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen.

Offenbarung 21,1

Neue Himmel und eine neue Erde

Die Weissagungen des Propheten Jesaja betreffen die unterschiedlichsten Zeiten. Manche Prophezeiungen erfüllten sich schon zu Lebzeiten von Jesaja (z.B. die Tatsache, dass das assyrische Heer vor Jerusalem keinen Pfeil in die Stadt schießen wird und dass Gott Jerusalem vor dieser Übermacht retten wird; Jes 37:33-37). Dann prophezeite Jesaja aber auch das Kommen des Messias, und dieser kam erst etwa 700 Jahre später (z.B. Jes 9:1-6 / Jes 53). Die Weissagung aus Jesaja 65:17 ist eine seiner Prophezeiungen, die in eine ferne Zukunft blicken. Dann werden sich in Jerusalem alle freuen, und es wird kein Weinen und kein Wehgeschrei mehr geben (Jes 65:18-19). Das klingt zu schön, um wahr zu sein! Aber es wird wahr werden, denn der HERR spricht in Offenbarung 21:5: "Siehe, ich mache alles neu. Und er spricht zu mir: Schreibe, denn diese Worte sind gewiss und wahrhaftig."

Ob Offenbarung 21 in eine noch fernere Zukunft blickt als Jesaja 65, ist nicht ganz eindeutig. Manche Theologen sehen hier ein und denselben Zeitabschnitt, und andere behaupten, Offenbarung 21 finde zu einem noch späteren Zeitpunkt statt. Paulus blickt auf jeden Fall noch weiter als Jesaja und Johannes, wenn er schreibt, dass Gott einmal alles in allen sein wird (1Kor 15:28).

Manch einer fragt sich vielleicht, warum Gott nicht von Anfang an diesen Zustand geschaffen hat. Auf diese Frage gibt es mehrere Antworten. Einige wenige möchte ich an dieser Stelle weitergeben:

  1. Der Mensch wurde nicht als Marionette erschaffen. Er hatte die Freiheit, sich für oder gegen Gott zu entscheiden. Gott gab dem ersten Menschen die Möglichkeit, ihm gegenüber misstrauisch und ungehorsam zu sein (1Mo 3).
  2. Ohne einen "Sündenfall" und den daraus resultierenden Tod hätte Jesus sich nicht als "Lamm Gottes" opfern müssen. Nur weil Jesus für uns gestorben ist, konnten wir die tiefe und bedingungslose Liebe Gottes sowie seine große Barmherzigkeit erkennen. Diese Erkenntnis bildet die Grundlage für ein ewiges Reich der Liebe!
  3. Die Leiden der gesamten Schöpfung werden als Geburtswehen bezeichnet, die dazu führen, dass auch die ganze Schöpfung zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes kommen kann (Röm 8:20-22).
  4. Gott verwandelt das Leiden dieser Zeit in eine unvorstellbar große Herrlichkeit. Ohne Leid wäre die künftige Herrlichkeit nie so groß, wie sie einmal sein wird. Ein schwaches Bild für diese Tatsache wäre z.B. folgende Situation: Ein Paraplegiker kann nach 30 Jahren Gelähmtheit plötzlich wieder gehen. Für ihn ist jeder Spaziergang ein viel größerer Genuss als für jemanden, der immer laufen konnte.

Wenn Gott einmal alle Tränen abgetrocknet hat (Offb 21:4), dann wird man nicht mehr an die vergangene schwere Zeit denken. Wie schön wird das sein, und wie sehr wünschte ich, es wäre schon so weit!

Samstag, 20. Juli 2024

Du musst innewerden und erfahren, was es für Jammer und Herzeleid bringt, den HERRN, deinen Gott, zu verlassen und mich nicht zu fürchten.

Jeremia 2,19

Als der jüngere Sohn alles verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er fing an zu darben und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten.

Lukas 15,14-15

Den HERRN verlassen und Nichtigem nachlaufen

Den HERRN kann ich nur dann verlassen, wenn ich vorher bei ihm war und ihn gekannt habe. Wer ihn nicht kennt und nie bewusst bei ihm war, kann ihn nicht verlassen, weil er nie bei ihm war. Gott spricht an dieser Stelle die Juden in Jerusalem und Umgebung an, die den HERRN sehr wohl kennengelernt haben, sich aber von ihm abwandten. Auch der jüngere Sohn kannte seinen Vater und wollte ihn verlassen (Lk 15:11-13). Das Resultat seiner Entscheidung war, dass er bei den Schweinen landete und große Not litt.

In Jeremia 2,5b-6a sagt Gott zu seinem Volk: "Was haben doch eure Väter Unrechtes an mir gefunden, dass sie von mir wichen und hingen den nichtigen Götzen an und wurden so zunichte und dachten niemals: Wo ist der HERR ...?" Im hebräischen Grundtext steht für "nichtige Götzen" das Wort "hebel", das auch mit "Hauch", "Dunst" oder "Nichtiges" übersetzt und deshalb mit einer "wertlosen Eitelkeit" verglichen werden kann.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich als Kind das erste Mal eine Kirmes besuchte (in der Schweiz sagt man dazu "Chilbi"). Das war für mich eine absolut faszinierende Welt. Hier leuchtete, glitzerte und funkelte alles. Es gab Zuckerwatte und allerlei bunte Süßigkeiten. Die Leute waren fröhlich und hatten scheinbar "Spaß ohne Ende". Das war viel faszinierender als ein Spaziergang mit den Eltern durch den Wald (heute ist es für mich genau umgekehrt)!

In der Pinocchio-Geschichte gibt es auch so eine Szene, wo die kleine Holzpuppe von allem, was sie auf der Kirmes sieht, völlig fasziniert ist und denkt: "Hier habe ich das große Glück gefunden!" Für manche Leute haben die Spielcasinos in Las Vegas eine ähnliche Anziehungskraft. Zuerst genießen sie den Spaß, die "Freude", die Shows mit ihrem "Glitter and Glamour" und womöglich auch den freien Sex. Vielleicht gewinnen sie zu Beginn viel Geld am Spielautomaten und lernen das berauschend schöne Gefühl der Drogen kennen. Aber am Ende landen sie in der Sucht und im absoluten Elend. So manch einer erinnert sich sehnsüchtig an die schöne Zeit auf dem elterlichen Bauernhof, der damals so langweilig erschien!

Obwohl der jüngere Sohn seinen Vater kannte, erkannte er ihn noch nicht nach seinem inneren Wesen. Als er sich entschied, nach Hause zu gehen und sich als Lohnarbeiter anzubieten, wusste er noch nicht, wie sein Vater reagieren würde (Lk 15:17-18). Er rechnete mit einer möglichen Ablehnung seiner Bitte oder bestenfalls mit einer Einstellung als Tagelöhner, aber wohl kaum ohne eine harte Zurechtweisung. Seine Einschätzung macht deutlich, dass er zwar wusste, wer sein Vater ist, aber dass er ihn noch nicht wirklich erkannt hatte. Der jüngere Sohn hatte kaum eine Ahnung, wie groß und wie schön die Liebe und Barmherzigkeit seines Vaters ist.

Wie Pinocchio über seinen Erschaffer und wie der jüngere Sohn über seinen Vater, so denkt auch unsere "christliche Gesellschaft", den Gott der Bibel zu kennen, indem sie sagt: "Bei dem himmlischen Vater ist es eng, öde und langweilig!" Dabei hat sie nicht erkannt, wie beglückend seine Liebe und Gnade ist und wie herrlich der innere Frieden ist, den nur der "Gott des Friedens" schenken kann (Phil 4:7-9).

Sonntag, 21. Juli 2024

Siehe auf den Bergen die Füße eines guten Boten, der da Frieden verkündigt!

Nahum 2,1

Christus kam und verkündete Frieden: Frieden für euch in der Ferne und Frieden für die in der Nähe.

Epheser 2,17

Die Botschaft des Friedens

Wenn ich in einer Gemeinde predige, fahre ich fast immer mit dem Auto dorthin. In biblischen Zeiten war ein Verkündiger der Guten Botschaft meist zu Fuß unterwegs. Die Apostel und Propheten gingen oft von Stadt zu Stadt und predigten die Botschaft, die Gott ihnen auftrug. Diese langen Wanderungen waren oft mit Strapazen verbunden, und die Füße mussten da einiges aushalten. Da war es gut möglich, dass diejenigen, die dem Boten zuhörten, auch seine etwas geschundenen Füße sahen. Dadurch wurden die Füße des Friedensboten zu einem stillen Zeugen der aufopfernden Liebe des Verkündigers.

Was war die gute Botschaft in Nahum 2? Die zehn Stämme des Nordreichs Israel wurden von den Assyrern zuerst bedrängt, dann gefangen genommen und zu guter Letzt in "alle Welt" zerstreut (2Kö 17). Das Südreich Juda hat das alles miterlebt und wurde ebenfalls bedroht. Lachisch wurde 701 v. Chr. von den Assyrern unter Sanherib erobert (2Kö 18), und so schwelte eine latente Angst vor diesem mächtigen und grausamen Volk. Doch dann kam durch die Verkündigung des Propheten Nahum die Verheißung: "Der brutale Feind wird nicht mehr über dich kommen, denn er wird ganz ausgerottet werden (Nah 2:1)!" Die Hauptstadt Ninive fiel dann tatsächlich durch eine Koalition von babylonischen, medischen und skythischen Streitkräften im Jahr 612 v. Chr.!

Wenn das Neue Testament von Frieden spricht, dann meint es nicht in erster Linie die Abwesenheit von Krieg, sondern eine innere Ruhe und Gelassenheit, ein Leben in Harmonie mit sich selbst und anderen. Es ist auch ein Zustand der Ganzheit und Vollständigkeit und eine Situation, in der alles so ist, wie es sein sollte. Ohne Frieden mit Gott gibt es keinen bleibenden inneren Frieden. Frieden mit Gott gibt es nur durch die Vergebung und Versöhnung Gottes (Kol 1:20).

Der Tod herrscht durch die Sünde, und er ist ein noch viel grausamerer Herrscher als die damaligen Assyrer. Ohne das Sterben und die Auferstehung Jesu wären wir alle immer noch in der Gefangenschaft des Todes. Doch weil Jesus den Tod besiegt und uns von der Sünde befreit hat, dürfen wir durch Glauben Zugang zu Gott haben (Röm 5:1-2). Wer das im Vertrauen annimmt, darf im Frieden mit Gott leben, ganz egal, ob er zum auserwählten Volk oder zu den Heiden gehört. Das ist eine Freudenbotschaft, die uns einen inneren Frieden vermittelt, der es uns auch ermöglicht, in der Vergebung und Versöhnung mit anderen Menschen zu leben.

Montag, 22. Juli 2024

Wenn sie auch wider dich streiten, werden sie dir dennoch nichts anhaben können; denn ich bin bei dir, spricht der HERR, dass ich dich errette.

Jeremia 1,19

Jesus betet für seine Jünger:  Ich bitte für sie. Nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, die du mir gegeben hast, denn sie sind dein.

Johannes 17,9

Die rettende Liebe Gottes

Das erste Kapitel des Propheten Jeremia schildert uns seine Berufung durch Gott. Jeremia war noch ein junger Mann, und er traute sich selbst die Aufgabe, "ein Prophet für die Nationen zu sein", nicht zu (V. 5-6). Vielleicht spielte seine Angst oder eine mangelnde Motivation auch eine gewisse Rolle, aber in erster Linie fühlte er sich zu jung und zu wenig redebegabt, um diesen Auftrag auszuführen. Jeremias Reaktion auf Gottes Auftrag erinnert auch an Mose, Gideon und Jesaja (2Mo 4:10 / Ri 6:15 / Jes 6:5). Das zeigt uns, dass es nicht entscheidend ist, ob wir uns genug "reif", "begabt" und "stark" fühlen, sondern dass wir den Auftrag Gottes an uns annehmen.

Tatsächlich war der Auftrag Gottes an Jeremia alles andere als einfach. Immer wieder musste er sein Volk kritisieren und ihnen das sagen, was sie nicht hören wollten. Jeremia erlebte viel Widerstand und Verfolgung. Er wurde bedroht, vor Gericht gestellt, in Fesseln gelegt, öffentlich gedemütigt und in eine Zisterne geworfen (Jer 20:1-2 / Jer 38:6). Seine Lebensbiographie war – menschlich gesehen – alles andere als "berauschend". Aber auch das war nicht entscheidend, sondern die Tatsache, dass Gott mit ihm war und dass der allmächtige HERR ihn rettete. Wer den HERRN an seiner Seite hat, darf sich in Sicherheit wissen, auch dann, wenn die Lebensumstände manchmal notvoll sind.

Das Wunderbare an unserem Gott ist die Tatsache, dass er sich auf Rettungen und Unmöglichkeiten spezialisiert hat. Seine größte Rettungsaktion war, als er seinen Sohn in diese Welt sandte, um die Menschheit von Sünde und Tod zu befreien. Die hebräische Bezeichnung von Jesus lautet "Jehoshua" oder "Joshua" und heißt übersetzt: "Der HERR rettet!"

Kurz vor seinem Tod betet Jesus das sogenannte "hohepriesterliche Gebet" aus Johannes 17. Dieses Gebet Jesu ist in jeder Hinsicht einmalig! Es offenbart uns eine vollkommene Liebes- und Vertrauensbeziehung zwischen zwei vollkommenen Personen. Es ist absolut erstaunlich zu sehen, wie sehr sich Jesus von seinem himmlischen Vater geliebt wusste, obwohl er kurz davor stand, den schmerzvollsten Auftrag seines Vaters auszuführen, indem er auf grausame Weise sterben musste und wollte. Das übersteigt jegliche menschliche Vorstellungskraft.

In diesem Gebet verwendet sich Jesus auch in berührender Weise für seine Jünger! Er bat um Bewahrung vor dem Bösen (Joh 17:15), dass sie durch das Wort Gottes geheiligt würden (Joh 17:17) und in Vers 22 sagt er das "unglaubliche Wort": "Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, dass sie eins seien, wie wir eins sind!" Christen, die auch Glieder des Leibes Jesu sein dürfen, sind infolge des Todes und der Auferstehung Jesu mit der Herrlichkeit Jesu beschenkt! Was für ein unfassbares Wunder der Liebe Gottes!

Dienstag, 23. Juli 2024

HERR, ich habe Freude an deinen Zeugnissen; sie sind meine Ratgeber.

Psalm 119,24

Jesus spricht:  Denkt ja nicht, ich bin gekommen, um das Gesetz und die Propheten außer Kraft zu setzen. Ich bin nicht gekommen, um sie außer Kraft zu setzen, sondern um sie zu erfüllen.

Matthäus 5,17

Die Zeugnisse Gottes sind die besten Ratgeber

Ein König, der gute Ratgeber hat und die Weisheit besitzt, deren Ratschläge richtig zu gewichten, verfügt über optimale Voraussetzungen, um gut regieren zu können (vgl. dazu Spr 11:14). Dazu braucht es natürlich auch die Demut, sich etwas sagen zu lassen. Weiterhin sollte er ein klares Ziel vor Augen haben, das aus der Motivation der Liebe entstanden ist. Dabei ist die Liebe zu Gott und zu den Menschen gleichermaßen wichtig.

Auch wenn wir keine so große Verantwortung haben wie ein Regent, ist es doch überaus wertvoll, wenn auch wir "einfachen Bürger" dieses Ideal vor Augen haben.

Je größer die Gottesfurcht, die Weisheit und die Erfahrung eines Ratgebers sind, desto besser taugt er als guter Ratgeber! Wer einen Ratgeber mit Ewigkeitserfahrung an seiner Seite weiß, hat den Besten gefunden! Nur der Gott der Bibel verfügt über Ewigkeitserfahrung. Er hat uns seinen Beistand und somit seinen Heiligen Geist gesandt, der uns leitet (Joh 14:16-17 / Joh 16:13). Der Heilige Geist kann uns dann am besten führen, wenn wir die Zeugnisse Gottes beachten. Diese wiederum finden wir nur in der Bibel und somit im Wort Gottes.

Das Gesetz und die Propheten offenbaren uns die Zielvorgabe Gottes. Sie zeigen uns, was Gott will. Je genauer wir sie studieren und je mehr wir versuchen, diese umzusetzen, desto mehr wird uns auch bewusst, wie absolut unfähig wir sind, das Gesetz Gottes aus eigener Kraft zu erfüllen (Gal 2:16 / Röm 3:20)! Nur einer konnte das ganze Gesetz erfüllen: Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!

Einige streng religiöse Menschen versuchen, durch die Einhaltung des Gesetzes sich selbst zu erlösen oder streben danach, eine eigene Gerechtigkeit aufzubauen, mit der sie sich dann "den Himmel verdienen" können. Sie hoffen, dass sie irgendwann einmal den Gerechtigkeitsstatus erreichen, mit dem Gott dann zufrieden ist. Aber das ist in etwa das Gleiche, wie wenn man sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen wollte. Es gibt nur einen Weg: Nur dann, wenn wir aus einer vertrauensvollen Liebesbeziehung zum himmlischen Vater leben und daran glauben, dass Jesus Christus alles für uns getan hat, gelangen wir ans Ziel (Eph 2:8-9)! Wer sich in Jesus Christus birgt, gehört zu dem, der das ganze Gesetz erfüllt hat! Das Gesetz hat in unserem Leben eine wichtige Erziehungsfunktion (Gal 3:24), aber es erlöst uns nicht und es führt uns auch nicht ans Ziel! Das tut nur der Gute Hirte, unser Herr Jesus Christus!

Mittwoch, 24. Juli 2024

Der HERR hat mich gesandt, zu trösten alle Trauernden.

Jesaja 61,1.2

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.

2.Korinther 1,3-4

Der Gott allen Trostes

Heute Morgen um 3:45 Uhr betete ich gerade über diesem wunderbaren Text. Mein Handy klingelte, und mir wurde mitgeteilt, dass sich ein schlimmer Unfall ereignet hatte, bei dem es auch zu Verletzungen kam. Wie schwer die Verletzungen sind und ob daraus bleibende Schäden entstehen, lässt sich für mich zum jetzigen Zeitpunkt kaum sagen.

Was für eine eigenartige Situation! Wäre ich nicht wach und mein Handy nicht eingeschaltet gewesen, hätten wir nicht zusammen beten können. Noch ist mir nicht klar, warum der Vater der Barmherzigkeit das alles so gefügt und zugelassen hat. Die Wege Gottes sind manchmal unfassbar, und die Frage nach dem "Warum" können wir meist nicht beantworten. Wir müssen es auch nicht! Die Bibel ist voll von Schicksalsschlägen, in denen die Betroffenen meistens keine Antwort auf das "Warum" erhielten, vor allem dann nicht, wenn sie sich mitten in der Not befanden. Ich denke da z.B. an Hiob oder auch an Joseph, der von seinen Brüdern als Sklave nach Ägypten verkauft wurde (Hi 1+2 / 1Mo 37:28). Erst im Nachhinein wurde vielfach klar, warum etwas geschah. Darum sagte der HERR schon durch Jeremia: "Am Ende der Tage werdet ihr das voll verstehen" (Jer 23:20b).

Heute darf der Glaubende aber wissen, "wozu" etwas geschieht! Er kann erkennen, in welche Richtung es geht und dass der Herr Jesus Christus einmal kommen wird, um alle Trauernden zu trösten (Offb 21:4). Er darf durch die Verheißungen Gottes auch wissen, dass der Gott allen Trostes das gegenwärtige Leiden in eine so große Herrlichkeit verwandeln wird, wie wir es uns heute noch gar nicht vorstellen können (Röm 8:18 / 2Kor 4:17). Wer auf Gott vertraut, weiß auch, dass diejenigen, die mit Tränen säen, mit Jubel ernten werden (Ps 126:5).

Aus dem ersten Kapitel des zweiten Korintherbriefes geht deutlich hervor, wie schwer der Apostel Paulus litt. Seine Not war so groß, dass er am Leben verzweifelte (2Kor 1:8). Der Apostel Paulus war ein treuer, hingebungsvoller und liebender Diener Gottes! Wie konnte es sein, dass Gott ihm so viel Schweres zugemutet hat und warum konnte er Gott trotz allem noch loben (V. 3)? Dazu möchte ich Folgendes sagen:

Paulus liebte seinen HERRN von ganzem Herzen, unabhängig davon, ob der HERR ihm das gab, was er sich wünschte oder nicht. Er liebte den Geber mehr als seine guten Gaben! Die Liebe rechnet nicht! Sie fragt nicht: Was gibst du mir, wenn ich dich liebe? Hier gibt es bei uns Christen noch "viel Luft nach oben"!

Der erfahrene Trost Gottes war für Paulus so wunderbar und ergreifend, dass er diese Erfahrung nicht mehr missen wollte! Wer vom Vater der Barmherzigkeit getröstet wurde, der ist auch befähigt, andere wirklich trösten zu können. Er darf zu einem Werkzeug der Liebe Gottes werden, und das ist eine ganz große Ehre!

Zum Schluss möchte ich die Leser dieser Zeilen bitten, für die eingangs erwähnte Person zu beten und sie zu segnen! Auch wenn ihr den Namen nicht kennt, Gott weiß, wen ihr meint! Vielen Dank dafür!

Donnerstag, 25. Juli 2024

Gott sprach: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.

1.Mose 9,13

Der jetzige Himmel aber und die jetzige Erde sind durch dasselbe Wort bewahrt worden.

2.Petrus 3,7

Gottes Bund mit der Erde

Der Regenbogen war das Zeichen des Bundes* von Gott mit allen lebendigen Seelen (1Mo 9:12). Im Alten Testament wurde ein Bund "geschnitten" (hebräisch "karat berit"). Das Schneiden eines Bundes beinhaltete oft ein Opfer, bei dem Tiere zerschnitten und geopfert wurden. Es symbolisierte die Ernsthaftigkeit und Unauflöslichkeit dieses Bundes. Das vergossene Blut war ein Zeichen der Bindung und des Lebens, das die Vertragspartner teilten. Dadurch war das Schneiden eines Bundes auch ein tiefes Zeichen der Beziehung und Verpflichtung zwischen Gott und den Menschen.

Warum erschuf Gott den Regenbogen als Zeichen seines Bundes mit den Menschen? Der Regenbogen stellt eine Verbindung zwischen dem Himmel und der Erde dar. Er ist eine Art Bindeglied zwischen der Sonne und dem Betrachter. Würde das menschliche Auge ununterbrochen in die Sonne schauen, würde es massiv beschädigt. Ebenso kann kein Mensch mit seinen natürlichen Augen das herrliche Angesicht Gottes sehen, ohne dabei sterben zu müssen (2Mo 33:20).

Wie entsteht ein Regenbogen**? Das Licht der Sonne trifft auf die Regentropfen und wird dann so gebrochen, dass daraus die sieben Spektralfarben entstehen:

Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo, Violett (von außen nach innen).

Das hat eine symbolische Bedeutung: Weil wir Menschen das wahre Licht Gottes nicht sehen können, ohne dabei sterben zu müssen, kam der Sohn Gottes als das Licht der Welt zu uns, um sich für uns brechen zu lassen, damit wir das buntfarbige und herrliche Licht der Liebe Gottes erkennen können. Der Regentropfen bzw. das Wasser symbolisiert das Wort Gottes. Erst durch das Wort Gottes können wir das Licht der Liebe Gottes sehen. Das Licht der Welt hat sich aus Liebe zu uns am Kreuz von Golgatha brechen lassen, und allein das Wort Gottes lässt uns diese Wunder der Gnade Gottes erkennen.

Wir sehen also, dass beim "Schneiden eines Bundes" oft ein Opfer dargebracht wurde. Als Gott einen Bund mit den Menschen machte, war ihm sehr wohl bewusst, dass dies für ihn auch ein Opfer erforderte: Er opferte seinen Sohn als das unschuldige Lamm (Joh 1:29), und sein Sohn - das wahre Licht der Welt - ließ sich am Kreuz von Golgatha für uns brechen, damit wir die buntfarbige Liebe Gottes erkennen können (vgl. dazu auch Eph 3:10).

  • Das hebräische Wort für Bund lautet "berit" und kommt von "barah" (essen) und "bara" (schaffen). Vielleicht ist damit auch Folgendes gemeint: Man schneidet Fleisch, Gemüse, Früchte und Brot, um damit ein Gemeinschaftsmahl zu schaffen.
    • Nebenbei bemerkt: Der Regenbogen als Symbol wird in verschiedenen Kontexten verwendet, darunter auch in der LGBTQ+-Gemeinschaft und der Klimabewegung. Aus einer theologischen Perspektive betrachtet, ist der Regenbogen jedoch ein von Gott gegebenes Zeichen des Bundes mit der gesamten Schöpfung.

Freitag, 26. Juli 2024

Siehe, wenn Gott zerbricht, so hilft kein Bauen; wenn er jemand einschließt, kann niemand aufmachen.

Hiob 12,14

Jesus sprach zu ihm: Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Markus 9,23-24

Kann ich Gott widerstehen und was glaube ich?

Blaise Pascal, der berühmte französische Mathematiker, Physiker und Philosoph, sagte einmal: "Gott hat genügend Licht gegeben, um gesehen zu werden, und genügend Dunkelheit, um nicht gesehen zu werden."

Wer Gott sehen darf, weiß, dass Gott der absolut Souveräne ist, der wollen kann, was er will, und der auch alles tun kann, was er will (Jes 46:10). Wer Gott erkennen durfte, der weiß auch, dass er gar nichts gegen ihn tun kann und dass dem Allmächtigen gar nichts unmöglich ist (Mt 19:26).

Wer Gott nicht sieht, weil er sich in der Dunkelheit befindet, glaubt entweder, dass es keinen Gott gibt, dass dieser sich gar nicht für ihn interessiert, oder dass man ihn mit Schlauheit austricksen könnte. Manchmal sind sogar wir Christen so töricht zu glauben, wir könnten Gott "ein Schnippchen schlagen", indem wir durch ganz bestimmte Vorsichtsmaßnahmen das Kreuz umgehen könnten, das er uns auferlegen will (Mk 8:34).

In Psalm 127:1b lesen wir: "Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst die daran bauen; wenn der Herr nicht die Stadt bewacht, so wacht der Wächter umsonst." Das Vertrauen auf Gott ist weitaus besser als eine Alarmanlage ums Haus. Wenn Gott mein Haus beschützt, hat kein Einbrecher auch nur die geringste Chance, in mein Haus einzudringen. Wenn aber ein Dieb mir etwas wegnehmen darf, dann lässt Gott das zu, weil mein Herz vielleicht zu stark daran hängt und ich dadurch gebunden bin. Wenn sich mein Herz an materielle Dinge klammert, ist es gebunden und zu stark blockiert, um sich vom Heiligen Geist führen zu lassen.

Markus 9:14-29 berichtet uns von einem dämonisch besessenen Sohn. Seit Jahren oder Jahrzehnten musste sein Vater miterleben, wie sein Sohn von einer finsteren Macht geplagt wurde und durch sie gebunden war. In dieser langen Zeit verfestigte sich immer mehr die Gewissheit, dass sich die Situation wohl kaum mehr verändern würde. Das war zutiefst frustrierend, und die Hoffnung auf Heilung sank vielleicht sogar gegen Null.

Dann kamen aber die Jünger Jesu in den Ort. Durch sie wurden vermutlich einige geheilt, und im Vater des Besessenen keimte wieder eine kleine Hoffnung auf Erlösung. Aber Fehlanzeige! Auch die Jünger konnten nichts tun! Einmal mehr musste er "seine Hoffnung beerdigen".

Aber dann kam Jesus, und das war seine letzte Hoffnung! Der Vater sagte zu Jesus: "Aber wenn du etwas kannst, so habe Erbarmen mit uns und hilf uns!" (Mk 9:22b). Jesus aber sprach zu ihm: "Wenn du das kannst? Dem Glaubenden ist alles möglich." Mit anderen Worten: "Ich weiß, dass du bis zum heutigen Tag die Erfahrung gemacht hast, dass dir niemand helfen kann und dass du durch deine Erfahrung kaum mehr zu hoffen wagst, dass es irgendjemanden gibt, der dir helfen kann! Aber Gott kann immer helfen, und wenn du ihm das zutraust, dann wird alles möglich sein!" Der Vater merkte sofort, dass sein Unglaube und sein Zweifel das Problem war, aber nach dieser "jahrzehntelangen Erfahrung" fühlte er sich unfähig, seinen Unglauben abzuschütteln. Trotzdem glaubte er, dass Jesus ihn von seinem Unglauben befreien konnte! Glauben wir auch, dass Jesus uns von unserem Unglauben oder Kleinglauben befreien kann? Bitten wir ihn doch darum!

Samstag, 27. Juli 2024

Der HERR wird den Armen nicht für immer vergessen; die Hoffnung der Elenden wird nicht verloren sein ewiglich.

Psalm 9,19

Jesus spricht:  Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer.

Lukas 6,20

Der HERR und die Armen

Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, sieht unzählig viel Not und Leid. Bei manchen Lebensbiographien hat man den starken Eindruck, dass einige auf der Schattenseite des Lebens stehen. Die einen scheinen schön, gesund und erfolgreich zu sein, während andere regelrecht vom Pech verfolgt werden. Jesus beschreibt zwei solche Lebensbiographien in Lukas 16,19ff:

"Es war aber ein reicher Mann, und er kleidete sich in Purpur und feiner Leinwand und lebte alle Tage fröhlich und in Prunk. Ein Armer aber, mit Namen Lazarus, lag an dessen Tor, voller Geschwüre, und er begehrte, sich mit den Abfällen vom Tisch des Reichen zu sättigen; aber auch die Hunde kamen und leckten seine Geschwüre."

Der Kontext legt den Schluss nahe, dass sich bei beiden Männern die Umstände bis zu ihrem Tod nicht verändert haben. Vergleicht man die beiden Biographien miteinander, muss man sagen, dass Lazarus zeit seines Lebens total benachteiligt war und somit auf der Schattenseite des Lebens stand. Man ist geneigt zu fragen: "Warum hat Gott dem Lazarus nicht mehr geholfen? Warum ließ der HERR zu, dass der egoistische und reiche Mann, der sich überhaupt nicht um Lazarus kümmerte, so unbeschwert und genussvoll leben konnte?" Bei diesem Vergleich werden die meisten vermutlich feststellen: "Das, was hier geschah, ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit!" Jeder normale Mensch, der wählen könnte, würde sich für das Schicksal des reichen Mannes entscheiden. Gäbe es kein Leben nach dem Tod, wäre dies auch logisch.

Wir, als Weltenbürger, preisen die schönen, gesunden und erfolgreichen Menschen glückselig! Jesus macht genau das Gegenteil! Er preist die Armen, die Hungernden, die Weinenden (Lk 6:21), die Gehassten, die Geschmähten und diejenigen, die verleumdet werden, als glückselig (Lk 6:22)! In Matthäus 5 spricht er auch von den "Armen im Geist" und von solchen, die nach Gerechtigkeit hungern. Es sind diejenigen, die in ihrem Leben zu wenig Gerechtigkeit erfahren haben. Wie kommt Jesus dazu, solche Aussagen zu machen? War das nur ein billiger Trost, der die Elenden etwas ermutigen sollte? Nein, absolut nicht!

Weil Jesus alles aus der Ewigkeitsperspektive beurteilte, konnte er solche kraftvollen und wahrhaftigen Verheißungen aussprechen. Der HERR hatte den armen Lazarus nicht vergessen, obwohl sich sein Schicksal bis zu seinem Tod nicht veränderte. Der reiche Mann kam nach seinem Tod an einen Ort der Qual, während Lazarus von den Engeln in den "Schoß Abrahams" getragen wurde, wo er Trost erfuhr. Würden wir uns mit diesem Wissen immer noch für das Schicksal des reichen Mannes entscheiden? Ich denke nicht!

Gemäß der Bergpredigt Jesu in Matthäus 5 und Lukas 6 sind die Benachteiligten in dieser Welt die Bevorzugten Gottes, weil ihnen das Reich Gottes gehört (Lk 6:20), weil sie getröstet und gesättigt werden (Mt 5:4 / Lk 6:21), weil sie einen großen Lohn im Himmel erhalten (Lk 6:23) und weil sie Gott schauen werden (Mt 5:8). Wenn das keine wunderbare Zukunftsaussicht ist, was dann?

  • Nebenbei bemerkt: Der reiche Mann kam nicht an den Ort der Qual, weil er reich war (Abraham war auch reich), sondern weil er sich nicht um Lazarus kümmerte. In seinem egoistischen und genussreichen Leben war ihm das Schicksal der Armen völlig gleichgültig! Dieses rücksichtslose Verhalten hatte dann schwere Konsequenzen.

Sonntag, 28. Juli 2024

Der HERR ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; was können mir Menschen tun?

Psalm 118,6

Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?

Römer 8,35

Weil Gott mit uns ist, kann uns nichts von seiner Liebe trennen.

Die Feststellung und die anschließende Frage des Psalmisten zeigen uns sein starkes Vertrauen auf den HERRN. In Römer 8:35 offenbart uns Paulus seine große Gewissheit, dass uns keine beängstigende Situation und auch kein notvoller Zustand von der Liebe Christi trennen kann. Diese Aussagen machten die Autoren nicht nur aufgrund ihres theologischen Wissens, sondern auch wegen ihrer persönlichen Erfahrungen. Sowohl der Psalmist als auch Paulus wurden von Menschen bedrängt und erlebten viel Not. Trotzdem wussten sie, dass der HERR mit ihnen ist. Obwohl Paulus unter Angst, Hunger und Blöße litt, fühlte er sich dennoch mit der Liebe Christi verbunden. Wie war das möglich?

Normalerweise fühlen sich Menschen von einem Gott nicht geliebt, der sie unter schwierigen Umständen leiden lässt. Oft empfinden sie, dass Gott eher gegen sie ist als für sie. Wie kamen der Psalmist und Paulus zu ihrer Überzeugung? Dazu möchte ich noch den Textzusammenhang von Psalm 118 aus der "Guten Nachricht" zitieren:

"5 Als ich von allen Seiten bedrängt war, schrie ich zum HERRN um Hilfe. Er erhörte mich und machte mich frei (o. schuf mir weiten Raum).

6 Der HERR steht mir bei; nun fürchte ich nichts mehr. Was könnte ein Mensch mir schon tun?

7 Der HERR steht mir bei, er selbst greift ein; darum werde ich mit eigenen Augen sehen, wie meine Feinde unterliegen.

8 Mit dem HERRN rechnen ist besser, als sich auf Menschen zu verlassen (o. sich im HERRN zu bergen ist besser als sich bei Menschen abzusichern)."

Auf einen unsichtbaren Gott zu vertrauen, kann man nur, wenn man ihn zuvor kennengelernt hat und erfahren durfte, wie er einem beigestanden ist. Um zu wissen, wer Gott ist, muss man von ihm gehört und sein Wort gelesen haben. Darum braucht es Verkündiger des Wortes Gottes und ein tägliches Lesen der Bibel. Erst wenn ich Gott kennengelernt habe, kann ich ihn, der die Liebe in Person ist, auch anrufen. Wer den HERRN in seiner Not anruft (Ps 50:15), darf auf irgendeine Art und Weise seine Hilfe erfahren. Vielleicht anders und später als gedacht, aber er trägt jeden Beter durch und schenkt ihm die Gewissheit seiner unendlichen Liebe. Selbst Menschen, die uns mit einem Schwert bedrohen, können uns nicht von der Liebe Gottes trennen! Würden sie uns töten, kämen wir direkt in die himmlische Heimat, wo wir die Liebe Gottes noch viel intensiver erfahren dürfen. Weil Gott für uns ist, können Menschen uns nur das antun, was Gott zulässt, und dies wird letztendlich zu unserem Besten sein (Röm 8:28). Jede Glaubenserfahrung mit Gott stärkt auch unser Vertrauen auf ihn!

Montag, 29. Juli 2024

Der HERR, unser Gott, neige unser Herz zu ihm, dass wir wandeln in allen seinen Wegen.

1.Könige 8,58

Niemand kann sagen: Jesus ist der Herr, außer durch den Heiligen Geist.

1.Korinther 12,3

Welcher HERR hat dein Herz?

Die Bibel versteht unter "Herz" nicht in erster Linie unsere "Pumpmaschine", sondern vielmehr unsere Willenszentrale und die innersten Motive. Dort entscheidet sich maßgeblich, was wir wollen. Unsere innersten Motive und somit unser Herz entscheiden normalerweise darüber, worauf wir zusteuern und welchen Fokus wir in unserem Leben haben. Nicht zuletzt deshalb schreibt Salomo auch in Sprüche 4:23: "Mehr als alles, was man sonst bewahrt, behüte dein Herz! Denn in ihm entspringt die Quelle des Lebens." Die "Gute Nachricht" benutzt dazu etwas andere Worte und übersetzt: "Mehr als auf alles andere achte auf deine Gedanken, denn sie entscheiden über dein Leben."

Jedes Herz, ganz egal, ob religiös, atheistisch oder gläubig, hat sich bewusst oder unbewusst einem oder mehreren Herren unterworfen. Jedes menschliche Herz dient irgendeinem "Gott". Bei vielen Menschen ist das eigene ICH ihr Gott. Andere haben irgendein Idol zu ihrem Gott gemacht oder dienen einem Götzen bzw. einer Geistesmacht, von der sie sich am meisten Glück und Erfolg erhoffen (vgl. dazu Röm 1:21-23). Das habgierige und geldliebende Herz zum Beispiel dient einem Götzen namens Mammon (Eph 5:5 ****/ Mt 6:24). Darum sollte sich jeder Mensch die Frage stellen: "Welchem Herrn diene ich eigentlich, und was ist die Zielsetzung meines Lebens?"

Wenn nicht mein Schöpfer und mein Erlöser mein Gott ist, dann dient mein Herz einem anderen "Herrn", der mir zwar viel verspricht, mich aber weder erlösen und retten, noch an das gewünschte Ziel führen kann.

Salomo hat erkannt, dass unser Herz normalerweise zuerst in jene Richtung geneigt ist, in der es sich am meisten Glück und Erfüllung erhofft. Anfänglich ist der Mensch bzw. das Herz auf sich selbst fokussiert und dadurch hat es eine Richtung eingeschlagen, die in einer "Sackgasse" endet. Deshalb muss unser Gott und Schöpfer unser Herz zu ihm neigen, damit wir vom ICH zum DU gelangen. Solange wir noch unserem ICH dienen, leben wir außerhalb der Liebe, und ohne Liebe erreichen wir weder das wahre Leben noch das göttliche Ziel! Nur durch die Liebe zu Gott, die auf der Liebe Gottes zu uns basiert, können wir in das Reich der Himmel und somit in die Ewigkeit gelangen!

Wer Jesus Christus von ganzem Herzen als seinen HERRN und Gebieter (griech. kyrios) bezeichnet, hat den Heiligen Geist bekommen und durch ihn darf er ein Kind Gottes sein. Durch diesen Geist ist auch die Liebe Gottes in sein Herz ausgegossen (Röm 5:5)! Es gibt kein größeres Geschenk! Hast du es angenommen?

Dienstag, 30. Juli 2024

Ich will in der Wüste Wasser und in der Einöde Ströme geben, zu tränken mein Volk, meine Auserwählten.

Jesaja 43,20

Jesus sprach zu der Frau:  Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.

Johannes 4,14

Das Wasser des Lebens

Eine unbekannte und trockene Wüste zu durchqueren ist ein beängstigendes Unterfangen. In der Hitze und Trockenheit wird man schnell durstig, und wenn es an Wasser fehlt, dehydriert der Körper sehr rasch. Solche prekären Situationen erlebte das Volk Israel, als es aus Ägypten auszog und die Wüste Sinai durchquerte. Damals waren es vermutlich weit über zwei Millionen Menschen, und eigentlich war es unmöglich, ein so großes Volk mit dem nötigen Wasser zu versorgen. Es war eine ebenso unmögliche Aufgabe wie das Teilen des Meeres, sodass das Volk „trockenen Fußes“ hindurchziehen konnte (vgl. dazu 2Mo 14). Doch all dies tat der allmächtige Gott, weil ihm alle Dinge möglich sind (Mt 19:26). Für den Schöpfer von Himmel und Erde gibt es keine Unmöglichkeiten. Tatsächlich ist er ein Gott, der sich auf Unmöglichkeiten spezialisiert hat!

Zweimal berichtet uns die Tora, wie Mose einen Felsen schlug, aus dem dann Wasser hervorsprudelte (2Mo 17:1-7 / 4Mo 20:1-13). Auch heute gibt es Berichte von Menschen, die in der Wüste auf wundersame Weise zu Wasser kamen.

Doch es gibt nicht nur das natürliche, lebenswichtige Wasser für unseren Körper, sondern auch ein unsichtbares Wasser, das für unseren Geist und unsere Seele bestimmt ist. Dieses Wasser bot Jesus der Samariterin in Johannes 4 an. Es ist ein Wasser, das den seelischen Durst dauerhaft stillt. Es ist die einzige Quelle, die für immer bestehen bleibt und bis in die Ewigkeit fließt.

In Matthäus 5:6 spricht Jesus von einem Durst nach Gerechtigkeit, einem tiefen Verlangen nach wahrer Gerechtigkeit, die nur Gott bieten kann. Dieser Durst nimmt heute stetig zu, weil auch die Ungerechtigkeit auf dem Vormarsch ist. Diesen Durst kann nur Jesus stillen. Er ist die Antwort auf unsere innersten Sehnsüchte und Nöte, da er die Quelle lebendigen Wassers ist.

In Johannes 4 wird ein anderer Durst sichtbar. Die Samariterin, mit der Jesus sprach, hatte fünf Männer, und der Mann, mit dem sie aktuell zusammen war, war nicht ihr Mann (Joh 4:18). Dies zeigt, wie sehr sie sich nach wahrer Liebe und Erfüllung sehnte. Ihre Geschichte spiegelt die Suche nach wahrer Liebe wider, die oft an den falschen Orten gesucht wird. Jesus erkannte diese Sehnsucht in ihr und bot ihr die wahre Liebe und Erfüllung an, die nur durch ihn, den Sohn Gottes, erfahren werden kann.

Diese Begegnung offenbart, dass Jesus allein in der Lage ist, die tiefste Sehnsucht unseres Herzens zu stillen, weil er die Liebe des himmlischen Vaters verkörpert. Die Begegnung mit Jesus brachte der Samariterin nicht nur Erkenntnis, sondern auch eine lebensverändernde Erfahrung der göttlichen Liebe, die alles übersteigt, was die Welt bieten kann.

Die Worte Gottes zeigen uns die göttliche Liebe, die jede Sehnsucht des Herzens stillen kann. Deshalb ist das Wasser des Lebens eng mit dem Wort Gottes verbunden. Wer an die Worte Gottes glaubt und in einer lebendigen Vertrauensbeziehung zu Jesus Christus lebt, hat eine Quelle lebendigen Wassers in sich, sodass aus seinem Inneren „Ströme lebendigen Wassers“ fließen werden (Joh 7:38).

Mittwoch, 31. Juli 2024

Ihr werdet erfahren, dass ich der HERR bin, wenn ich so an euch handle zur Ehre meines Namens und nicht nach euren bösen Wegen und verderblichen Taten.

Hesekiel 20,44

Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

Römer 5,8

Um seines Namens willen

In Hesekiel 20 finden wir vier Mal den Ausdruck "um meines Namens willen" (V. 9; 14; 22 und 44). Vor den ersten drei Malen beschreibt der HERR durch den Propheten Hesekiel, wie sich das Volk Israel im Laufe seiner Geschichte verhielt. Sie waren widerspenstig und beachteten die wertvollen Anweisungen ihres Gottes nicht, dabei könnte der Mensch, der sie tut, durch sie leben (V. 13b). Es waren wertvolle, lebendige Aussprüche, die ein segensreiches Leben zur Folge gehabt hätten. Das treulose Verhalten Israels "reizte Gott", sodass er einen großen Grimm sowie Zorn verspürte.

Das Verhalten der Israeliten lässt sich mit folgender Situation vergleichen: Ein Kind gerät in große Not. Sein Vater sieht es und rettet das Kind mit größter Anstrengung aus seiner großen Not. Der Vater umarmt sein Kind und tröstet es mit großer Liebe. Es beruhigt sich und ist überglücklich. Der Vater erklärt seinem Kind, dass es infolge seines fehlerhaften Verhaltens in diese üble Situation geriet. Selbstverständlich gibt der Vater auch Anweisungen, die dem Kind helfen, künftig nicht mehr in eine ähnliche Situation zu geraten. Aber das Kind ignoriert sämtliche Warnungen des Vaters und macht immer wieder denselben Fehler, sodass der Vater das Kind jedes Mal nur mit Mühe retten kann.

Man kann verstehen, dass der Vater mit jedem Mal zorniger wird. Weder gutes Zureden noch seine verhängten Strafen führen zu einer Besserung. Je länger, je mehr wird es zu einem "echten Sorgenkind", das den Vater in pure Verzweiflung bringt! Er muss zuschauen, wie sein Kind immer mehr ins Verderben läuft, und er fühlt sich ohnmächtig! Wäre es nicht sein Kind, würde sich der Vater vielleicht sagen: "Es ist selbst schuld, wenn es nicht auf mich hören will und in sein eigenes Unglück rennt! Was geht das mich an?" Aber bei seinem eigenen Kind ist das praktisch unmöglich! Warum? Weil der Vater sein Kind liebt!

Weil Gott sein Volk noch mehr liebt als ein menschlicher Vater sein eigenes Kind, kann und will er sein Volk nicht vernichten, obwohl es das verdient hätte. Der allmächtige Gott hat den Namen, dass er barmherzig, gnädig und von großer Güte ist (2Mo 34:6-7). Infolge seines Namens und aufgrund seiner unauslöschlichen Liebe sandte er seinen Sohn, damit dieser für sein Volk und für alle Menschen sterben sollte. Sein Tod verhinderte, dass sowohl sein Volk als auch wir in einen ewigen Tod bzw. in ewige Gottesferne gelangen würden.

Weder die Widerspenstigkeit des Volkes Israel noch unser Ungehorsam konnten die Liebe Gottes auslöschen! Das durfte bereits Salomo erahnen, als er sinngemäß schrieb, dass "mächtige Wasser" nicht in der Lage sind, das Feuer der Liebe zu löschen (Hl 8:6-7)!


Hier geht es zur Übersichtstabelle