Von Gnade getragen zum Ziel der Liebe
Von Daniel Muhl
Samstag, 15. November 2025
Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang.
Psalm 90,14
Das Ziel der Unterweisung ist Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungeheucheltem Glauben.
1.Timotheus 1,5
Psalm 90 ist vermutlich der älteste der 150 Psalmen und der einzige von Mose. Er war der erste große Führer Israels und der Vermittler des Gesetzes, das Paulus als geistlich, heilig, gerecht und gut bezeichnet (Röm 7:12 / Röm 7:14). Das Gesetz war und ist eine wichtige Grundlage für das Volk, das eine gut funktionierende Ordnung braucht. Kein Staat auf dieser Welt kommt ohne Gesetzgebung aus.
Das Gesetz vom Sinai gibt uns durch die beiden wichtigsten Gebote das Ziel vor: „Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst" (Mt 22:37-39 / 5Mo 6:5 / 3Mo 19:18). Der hebräische Begriff „torah", meist mit „Weisung" übersetzt, könnte wörtlich auch mit „Zielgebung" wiedergegeben werden.
In Psalm 90 beschreibt Mose den Kontrast zwischen menschlicher Vergänglichkeit und göttlicher Beständigkeit (Ps 90:1-6). Ihm war klar, dass wir Menschen vollständig auf die Gnade und Güte Gottes angewiesen sind (hebr. chesed). Denn das Gesetz lehrt uns vor allem eines: Wir können es aus eigener Kraft niemals einhalten (Röm 3:20 / Gal 2:16). Ohne die Gnade Gottes ist das göttliche Ziel für uns unerreichbar! Das Gesetz gibt uns zwar das Ziel vor, aber es ist nicht das Mittel, das uns dorthin bringt. Das vermag allein die Gnade Gottes – und die ist uns in Jesus Christus erschienen (Tit 2:11). Sie führt und trägt uns zum Ziel.
Der heutige Losungsvers kann auch wie folgt übersetzt werden:
„Sättige uns am Morgen mit deiner Güte, so werden wir jubeln und uns freuen in allen unseren Tagen."
Es ist ermutigend und motivierend, den Tag mit der Gnade Gottes zu beginnen. Jeden Morgen ist es ein Geschenk, aufzustehen und uns mit Brot zu stärken (Klgl 3:22-23). Vor allem brauchen wir Gottes Gnade, um am Morgen vor Gott still zu werden, sein Wort zu lesen und zu beten – damit wir auf ihn fokussiert sein können (Ps 5:4 / Ps 63:2). So können wir unseren Alltag gelassener und segensreicher durchlaufen.
Der Psalmvers ist aber auch ein Bild dafür, dass wir unseren Lebensweg nur dann mit Freude gehen können, wenn wir zu Beginn unseres Glaubenslebens mit Gottes Gnade gesättigt wurden und wissen: „Allein die Gnade Gottes bringt mich ans Ziel" (Eph 2:8-9).
Der Lehrtext zeigt uns, was das Ziel der Unterweisung ist. Es geht ausschließlich um geistliche Eigenschaften und eine Herzenshaltung. Entscheidend sind nicht äußere Handlungen oder religiöse Rituale, sondern eine geistgeprägte Herzenseinstellung mit drei Aspekten:
- Liebe aus reinem Herzen. Das bedeutet Liebe ohne berechnende Hintergedanken – also nicht: „Ich bin nur deshalb freundlich und hilfsbereit, weil ich mir einen Vorteil erhoffe" (1Petr 1:22 / 1Kor 13:5).
- Gutes Gewissen. Ein schlechtes Gewissen offenbart meist ein unlauteres Motiv. Es zeigt, dass etwas nicht stimmt (Apg 24:16 / 1Tim 1:19). Es kann ein Hinweis darauf sein, dass unser Reden oder Handeln nicht aus Liebe und Wertschätzung geschieht.
- Ungeheuchelter Glaube. Wer nur vorgibt, auf Gott zu vertrauen, aber letztendlich mehr auf sich selbst vertraut, hat noch keinen echten Glauben (2Tim 1:5 / Jak 3:17). Ungeheuchelter Glaube ist ein von Herzen kommendes Vertrauen auf Gott allein!
Lasst uns dieses von Gott gegebene Ziel im Auge behalten und ihm nachjagen – im Wissen, dass wir es nur durch die Gnade Gottes erreichen werden (Phil 3:12-14 / 1Kor 15:10).
