Der Galaterbrief - Kapitel 1

Aus Bibelwissen

Abschrift: Der Galaterbrief I - II (2012)
aus der Reihe "Christi unausspürbarer Reichtum"
von Gerhard Groß (+ 2022)

Mit freundlicher Erlaubnis von Gerhard Groß, Balingen
Der Galaterbrief ist als Schrift noch erhältlich

siehe weitere Abschriften
Inhaltsverzeichnis

Der Galterbrief - Kapitel 1

(Band I)
Verfasser, Empfänger und Gruß
Abkehr der Galater vom reinen Evangelium
Unabhängigkeit des Paulus von den anderen Aposteln 11-24

Vorwort:
Zuerst geht unser tiefer Dank nach oben, denn von dort kam die Kraft, das auch dieser erste Band des Galaterbriefes über

Der Galaterbrief hat ein Thema zum Inhalt, von dem der Großteil der Christenheit keine Ahnung hat. Es schmerzt, die hier so zu sagen! Überhaupt schmerzt es nicht nur, sonder es ist zudem bedauerlich, wie ahnungslos und unwissend die Gläubigen sind, und hier vor allem, wie wenig sie die Zusammenhänge der. Schrift interessieren. Aber vielleicht darf diese Schrift doch etwas mithelfen, darauf hinzuweisen, dass die Gläubigen der Körpergemeinde Christi Jesu keine Gesetzeswerke bringen müssen, sondern vollständig in der Gnade getragen werden!

Wir möchten uns an dieser Stelle entschuldigen, wenn hin und wieder ein Fehler in unseren Schriften aufgetaucht ist und noch auftaucht. Aber mein (des Verfassers) Mitarbeiterstab ist von sechs auf "eine" geschrumpft, und die ist meine liebe Gattin Cläre! Treu macht sie trotz ihrer heftigen chronischen Schmerzen die vollständige Lektorenarbeit - ich möchte ihr hier an dieser Stelle auch einmal von Herzen danken!

Über die Zeit, in welcher wir uns befinden, muss wohl nicht mehr viel gesagt werden; dem Leuten müssen eigentlich längst die Augen aufgegangen sein, dass die Verwaltung der Gnade ziemlich abgelaufen ist!" So lasst uns gemeinsam in Liebe unseren Herrn erwarten, Sein Kommen ist mehr als nahe geworden!

In großer Dankbarkeit
Gerhard Groß mit Cläre

Zum Brief an die Galater

Bevor wir mit den einzelnen Versen beginnen, möchten wir einen ganz kurzen Überblick über diesen Brief geben:

Wir kennen die römische Provinz "Galatien" noch aus der Apostelgeschichte. Pauli erste Missionsreise ging ja vom syrischen Antiochien aus über Zypern an die heute türkische Küste nach Perge, dann Antiochien (in Pisidien), sowie die Städte Ikonium, Lystra und Derbe - alles Orte im südlichen Galatien. Wenn Paulus an die Galater schrieb, einte er diese Orte! Wir finden die entsprechenden Berichte in Apg 13 und Apg 14. Wir haben auf dieser ersten Reise miterlebt, wie Paulus zusammen mit Barnabas die ersten herausgerufenen Gemeinden der Körpergemeinde Christi Jesu ins Leben gerufen hatte und dies unter größtem Widerstand und Verfolgung der dortigen Juden.

Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass auch Petrus, wenn auch viel später, an die Galater geschrieben hat (siehe 1Petr 1:1), wobei hier die "ausgewanderten jüdischen Galater" gemeint waren, die sich der Pfingstgemeinde in Jerusalem angeschlossen hatten. Es gab also in Galatien

a) die gesetzlichen Juden, die Jesus als ihren Messias ablehnten, und
b) eine kleine Schar ausgewanderter Herausgerufener der Pfingstgemeinde, an die Petrus schrieb.

Zu diesen zwei Gruppierungen entstand durch Paulus eine dritte Gruppe, es waren Gläubige aus den Nationen, die zur Körpergemeinde Christi Jesus berufen wurden. Wir müssen uns jetzt in diese damalige Situation hineinversetzen: Die Glieder dieser ganzen jungen Körpergemeinde hatten nichts in der Hand als die mündliche Botschaft des Paulus! Und diese Botschaft hatte die Rechtfertigung durch Glauben, also "die Freiheit vom Gesetz" zum Inhalt. Der ganze Brief an die Galater könnte somit auch als Überschrift tragen: "Frei vom Gesetz!"

Diese jungen Gemeinden waren aber, als Paulus weiterzog, den jüdischen Einflüssen ausgesetzt, und wir dürfen davon ausgehen, dass diese Einflüsse seht massiv waren!!! Paulus hörte von den Beeinflussungen durch die gesetzestreuen Juden, er hörte vom Abfall der Galater, und so entstand dieser "Brief an die Galater".ÖDas Datum, das heißt der Zeitpunkt der Niederschrift ist nicht genau zu bestimmen, aber sicher wurde er vor dem Römerbrief und zumindest vor dem zweiten Korintherbrief geschrieben, es könnte sogar generell der erste Brief des Apostels Paulus gewesen sein.! Da sich der. Römerbrief intensiv mit diesem Thema auseinandersetzt, könnte der Galaterbrief wie eine Skizze für das vollendet Bild des Römerbriefes gesehen werden.

Schwerste Beeinflussung der jungen galatischen Gemeinden durch Juden, nur Anfangskenntnisse über das paulinische Evangelium der Gnade ... das war der Stand der Galater, an die unser Brief gerichtet ist! Unter diesem Gesichtspunkt gehen wir an die Arbeit und betrachten den ersten Vers.

Verfasser, Empfänger und Gruß

Gal 1:1

"Paulus, Apostel (nicht von Menschen beauftragt, noch durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott den Vater, der Ihn aus den Toten auferweckt hat)"

Wie es damals üblich war, stellt sich der Briefschreiber erst einmal vor, und diese Vorstellung galt natürlich zuerst den Galatern, dann aber auch uns. Schon in diesem ersten Vers sind Aussagen enthalten, die einem großen Teil der heutigen Gläubigen gar nicht bekannt sind (leider!) Die Ursache ist eigentlich "tragisch" zu nennen, es ist das unmündige Herauspicken einzelner angenehmer Verse, anstatt das Lesen des Wortes Gottes im Zusammenhang!

Lasst uns im Hinblick auf das Obige diesen ersten Tag mit einer Frage. und einer sehr ernsten Warnung beginnen. Warum lesen so viele Gläubige nur in ihrem Losungsbuch bzw. einem Bücherzettel, wo für jeden Tag ein schöner Vers aus der Bibel herausgesucht wurde? Ist es nicht merkwürdig, dass kaum jemand seine Bibel im Zusammenhang liest? Fällt es nicht auf, dass nur ganz wenige Gläubige Kenntnis über den Heilsplan Gottes und die zeitlichen Abläufe haben? Und fast völlige Unkenntnis herrscht über den Ratschluss Seine (Gottes) Willen, wie er in Eph 1:9 ff enthüllt wird!

Es gibt im All nur eine Macht, die ein Interesse hat, die Gläubigen auf dem Stand eines Kindleins festzuhalten: "Satan"! Und der Stand eines Kindleins ist der: "... denn die Sünden sind euch um Seines Namens willen erlassen" (1Jo 2:12). Er ist des Widerwirkers größte List, die Gläubigen jeden mit einem schönen Bibelvers zu befriedigen - sie werden damit vom Lesen im Zusammenhang und damit vom Wachsen in der Erkenntnis abgehalten ! Satan kann keinem berufenen Gläubigen seine Rettung in der Gnade rauben, aber er kann als Engel des Lichts (siehe 2Kor 11:14) die Gläubigen auf dem Stand der Unmündigkeit festhalten und sie jeden Tag mit einem angenehmen Bibelvers abspeisen - nur: Auf solche Art Bibellese kann Gott nie erkannt werden, wie es die zu "Vätern" Gereiften in 1Jo 2:13 taten. Setzen wir uns dafür massiv ein, "im Zusammenhang" zu lesen, das ist unseres heutige ganz dringliche Botschaft und Aufgabe.

Wenn wir heute den Großteil der Gläubigen fragen, wie sie Paulus einstufen, was sie über ihn wissen, hören wir im besten Fall, dass er eben auch ein Apostel gewesen sei! Im Vergleich mit den zwölf Aposteln in Jerusalem wird Paulus dann zumeist hinten angestellt, ,weil ja die Zwölf direkt von Jesus berufen wurden und lange Zeit mit Ihm zusammen waren; Paulus hingegen hatte Jesus auf Erden nie persönlich gesehen! Damit ist klar: Pauli Briefe sind nicht soooo (!) wichtig wie die Botschaft des Matthäus, Markus, Lukas, Johannes oder des Petrus. Dies, liebe Geschwister ist der Glaubensstand der meisten Gläubigen - Satan als Engel des Lichts hat einen listigen Sieg errungen, er konnte erfolgreich das Evangelium unserer überhimmlischen Berufung verdunkeln!

Wir merken vielleicht schon hier, liebe Geschwister, wohin wir in diesem Brief an die Galater abzielen, wo die ganz große Gefahr liegt, und wer unser Gegner ist! Wer nur einzelne Verse aus diesem Brief herausholt, wird niemals erkennen, welchen Auftrag der Apostel Paulus erhalten hat, er wird auf dem unterstem Glaubenssstand gehalten (= deine Sünden sind dir vergeben!), er wird nie den unausforschlichen Reichtum des Christus erkennen, von welchem Eph 3:8-9 berichtet. Wir wiederholen hier unseren Aufruf von gestern: Es ist unsere vordringliche Aufgabe, unsere Glaubensgeschwister zum "Lesen im Zusammenhang" anzuregen und ihnen den Sonderauftrag des Apostels Paulus nahe zu bringen!

Das Erste, was Paulus den Galater sehr eindringlich schrieb, ist die Tatsache, dass er sich sehr deutlich von den anderen Aposteln in Jerusalem, an ihrer Spitze "Petrus" abheben wollte. Er war zwar ein "Apostel", aber keiner der Zwölf in Jerusalem! Paulus möchte somit von Anfang an, dass die berufenen Gläubigen aus allen Nationen seine Berufung und Vollmacht richtig erkennen und verstehen.

Wenn Paulus in unserem ersten Vers hervorhebt, dass er nicht von Menschen noch durch einen anderen Menschen beauftragt warm, so ist dies keine Abwertung der anderen Apostel in Jerusalem, sondern er möchte damit sagen, dass er seinen Auftrag weder in Jerusalem geholt, noch diesen von den Zwölfen bekommen hatte.

Dies ist schon einmal eine ganz wichtige Feststellung, die eigentlich jeden Lesenden zum Nachdenken anregen muss! Warum betont Paulus dies hier? Wäre es denn falsch gewesen, von Petrus belehrt und beauftragt worden zu sein? Und überhaupt: Petrus wurde doch auch vom Herrn beauftragt! Wo liegt also der Unterschied? Damit stehen wir, liebe Geschwister, von Beginn an mitten drin in dem Konflikt, mit dem sich der ganze Brief auseinandersetzt! Warum Paulus? Warum nicht Petrus?

Die Betonung des Apostels Paulus, seinen Auftrag nicht von Menschen, noch durch einen Menschen erhalten zu haben, kann nur bedeuten, dass sich Paulus nicht mit den Zwölfen, Petrus an der Spitze, identifiziert! Aus dieser Tatsache ergibt sich der weitere Schluss, dass Pauli Auftrag auch mit dem Inhalt der Botschaft des Petrus nicht übereinstimmt! Sonst wäre ja die Feststellung in unserem Leitvers sinnlos! Allein aus unserem ersten Leitvers in diesem Brief können wir erkennen, dass Paulus etwas anderes erhalten hat, als die zwölf Apostel in Jerusalem!

Gehen wir noch einen Schritt weiter: Die Zwölf erhielten ihren Auftrag vom Herrn, als Er noch auf der Erde war, Sein Auftrag an Seine Jünger betrifft die Erde (Mt 28:19-20). Paulus bekam seinen Auftrag vom erhöhten Herrn aus den Himmeln, der Inhalt seines Auftrags (seines Evangeliums) betrifft die Himmel (Eph 1:10).

Wir verweilen noch etwas bei diesem ersten Vers, weil es notwendig ist, dass wir eine gesunde Grundlage zum rechten Verständnis dieses Briefes haben. Wir wiesen gestern auf Eph 1:10 hin und dies deshalb, weil hier die beiden Aufgabengebiete benannt sind:

  1. Die Himmel, und
  2. die Erde!

Das große Ziel Gottes ist es, Seine vollständige wunderbare Schöpfung an Sein Herz zu ziehen, bzw. alles in allen zu sein, wie es 1Kor 15:28 aussagt - und dies ohne Verlust! Nun gibt es ja, wie wir alle wissen, Geschöpfe auf der Erde, die Menschheit, und Geschöpfe in den überhimmlischen Räumen, die zumeist als "Engelwelt" bezeichnet wird. Was viele nicht wissen, ist die Tatsache, dass auch diese überhimmlischen Geschöpfe zu Jesus geführt werden müssen, das heißt, sie müssen "in Christus aufgehauptet werden" - damit sind wir wieder bei Eph 1:10. Gerade in diesem Vers werden wir belehrt, dass diese Aufhauptung auf zwei Ebenen geschieht: "... das in den Himmeln und das auf der Erde"! Damit steht die klare Aussage Gottes vor uns, dass es zwei Aufgabenbereiche gibt, die ja in sich schon sehr unterschiedlich sind. Und jetzt kommt das Wichtige: Für jedes der zwei Aufgabengebiete beruft Gott ein Werkzeug: Das auserwählte Volk Gottes, Israel, ist für die Erde, die Glieder der Körpergemeinde Jesu Christi sind für die Himmel zuständig! Dies ist die ganz einfache Auslegung von Eph 1:10: "... um in Christus das All aufzuhaupten: beides, das in den Himmel und das auf der Erde."

Halten wir aber auch fest: Es ist der gleiche Herr und Auftraggeber und es geht um ein gleiches Ziel! Wer ein Haus baut, braucht unterschiedliche Handwerker, die sehr unterschiedliche Ausbildungen haben; ein Maurer kann wohl kaum einen Zimmermann ersetzen! Und doch gibt es nur einen Bauherrn und ein Ziel: Die Fertigstellung des Hauses. Dieses Bild müssen wir stets vor Augen haben, wenn wir Paulus richtig verstehen wollen!

Berufen und beauftragt wurde Paulus, wie wir schon gesehen haben, nicht von Jesus, als dieser noch auf Erden verweilte, sondern vom auferweckten und erhöhten Herrn, und dies vor den Toren von Damaskus, wo ihm Ananias seinen Auftrag grob umriss (Apg 9:15-16).

Auffallend in unserem Leitvers ist, dass zuerst Jesus Christus als Auftraggeber genannt ist, und dann Gott an zweiter Stelle - das ist nicht unbedeutend. In Joh 14:6 sagt Jesus: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch Mich." Deutlicher kann es nicht ausgedrückt werden: Wer zu Gott, dem Vater kommen möchte, muss zuerst zum Sohn Gottes finden, der am Kreuz auf Golgatha die Sünden jedes Einzelnen trug und damit erst den Weg zum Vater freigemacht hat!

Wenn Menschen behaupten, sie seien gläubig, weil sie an Gott glauben, aber von Jesus nichts wissen wollen, dann belügen sich diese Menschen selbst, sie sind ein Opfers Satans (Satan glaubt schließlich auch an Gott)! Nur über das Kreuz Jesu kann sich ein Mensch dem Vater nähern! Er, Jesus, ist der (einzige) Weg!

Die Machtverhältnisse (wenn wir hier überhaupt von "Macht" reden wollen) sind trotzdem klar: Nur "Einer" hatte die Macht, den am Kreuz gestorbenen Jesus aus den Toten aufzuerwecken: Gott, der Vater! Und alle Macht, die der Sohn hat, bekam Er vom Vater! Da Gott unsichtbar ist, hat Er Sich für uns in Seinem Sohn sichtbar gemacht - Er, Jesus, ist das Abbild des unsichtbaren Gottes (Kol 1:15). Damit steht Gott als Vater im Hintergrund, Er hat, wie Kol 1:16 ff weiter zeigt ungeheure Macht auf Seinen Sohn übertragen, und doch wird am Ende, wenn das All unserem Herrn untergeordnet ist, auch der Sohn Sich dem Vater Selbst unterordnen (1Kor 15:28), um das Endziel zu erreichen: ".... damit Gott alles in allen sei".

Gal 1:2

"... und alle Brüder, die bei mir sind, an die herausgerufenen Gemeinden Galatiens."

Wir wissen zwar, welche Brüder mit Paulus waren, als er auf seiner ersten Missionsreise die galatischen Städte durchzog, aber wir erfahren nicht die Namen der Brüder, die bei ihm waren, als er diesen Brief schrieb. Doch dürfen wir annehmen, dass diese Brüder mit Paulus eines Sinnes und Geistes waren, und die Sorgen um die Galater mittrugen. Wenn Paulus im Eingang seines Briefes diese Brüder zumindest anführt, weist er die Galater darauf hin, dass er kein "Einzelgänger" war. Seine jüdischen Gegner hatten ja seine Abwesenheit ausgenutzt, um seine Lehre zu widerlegen und glauben, leichtes Spiel mit den Galatern zu haben.

Diese Galater gehörten den "herausgerufenen Gemeinden Galatiens" an und bestanden wohl zum größten Teil aus Gläubigen "aus den Nationen" (also nicht aus Juden). Es ist wichtig, dass wir dies erkennen, denn die Geschichte des Paulus als "Apostel der Nationen" ist im Grunde die Geschichte der Beiseitestellung Israels, bzw. des Geheimnisses der Verstockung Israels, wie es Röm 11:25 ff beschreibt. Hätte Paulus seinen Auftrag von den Zwölfen oder von Petrus erhalten, hätte es kein Evangelium der Gnade für die Nationen gegeben, keine überhimmlische Berufung, also keine Körpergemeinde Christi Jesu! Die einzige Hoffnung und Erwartung wäre dann das irdische Königreich gewesen! Vergessen wir dies nie, liebe Geschwister!

Zum ersten Mal im Galaterbrief erscheint das bekannte Wort "Ekklesia", was beinhaltet, dass eine Gemeinde, bestehend aus Einzelnen, aus der übrigen Masse herausgerufen wurde. Schon allein dieses Wort zeigt, dass nicht der Einzelne sich selber berufen kann, sondern der Ruf von außen kam! Das bedeutet: Kein Glied am Körper Christi Jesu kann sich selber berufen, es ist einzig und allein Gott der Vater, der jedes einzelne Körperglied in Christus Jesus auserwählt und vorherbestimmt hat, und dies nach dem Wohlgefallen Seines Willens... (lies Eph 1:3 ff).

Wer unsere Auserwählung und Vorherbestimmung erkannt hat und diese vertritt, stößt immer wieder auf heftige Gegenwehr anderer Gläubigen. Das Gegenargument lautet: Dann brauchen wir ja nichts mehr tun, als die Hände in den Schoß legen und warten, bis wir gerufen werden! Untermauert wird dies mit dem einen Vers aus 5Mo 4:29, der dann so zitiert wird: Wir müssen Gott selber mit ganzem Herzen suchen, dann wird Er Sich auch von uns finden lassen! "Wir" müssen also etwas tun! Dass dieser Vers in einem ganz bestimmten Zusammenhang steht, interessiert solche Gläubige nicht!

Wir wollen das Obige nicht weiter vertiefen, weil wir nur zu gut wissen, dass sich kein Mensch ohne das Eingreifen Gottes aus der Macht der Finsternis befreien kann! So sagte Jesus in Joh 6:29 ganz deutlich: "Dies ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den derselbe ausgesandt hat!" Und parallel dazu lesen wir in Joh 6:44: "Niemand kann zu Mir kommen, wenn der Vater, der Mich gesandt hat, ihn nicht zieht!" Dies sagte Jesus zu Seinen Jüngern! Vertieft gilt dies uns, wir haben dies gestern zum Schluss schon in Eph 1:3 ff angeführt. Die herausgerufene Körpergemeinde Christi Jesu ist schon vor dem Niederwurf der Welt auserwählt worden, und das heißt: Jeden Einzelnen von uns sah Gott schon vor der Erschaffung des Adam! Und in Eph 1:4b begründet Gott dies so: "...damit wir Heilige und Makellose vor Seinem Angesicht seien"! In Eph 1:5 lesen wir dann weiter: "In Liebe hat Er uns für Sich zum Sohnesstand durch Christus Jesus vorherbestimmt" - und in der Fortsetzung folgt wieder die Begründung: "... nach dem Wohlgefallen Seines Willens, zum Lobpreis der Herrlichkeit Seiner Gnade, die uns in dem Geliebten begnadet."

Lasst es uns heute so richtig bewusst werden, dass es allein Gott war, der uns vorherbestimmt hatte und zu Seiner Zeit aus der Masse herausrief, und dies in herrlichster Weise, "zum Lobpreis der Herrlichkeit Seiner Gnade"!

Gal 1:3

"Gnade sei euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus,"

Wir haben den gestrigen Tag mit den Wort "Gnade" abgeschlossen, und wir beginnen heute mit diesem herrlichen Wort "ÖGnade sei euch!" Es ist ein Gruß, der in allen Briefen des Paulus enthalten und zum Kennzeichen des Apostels geworden ist.

"Gnade" hat in Gottes Wort eine mehrfache Bedeutung, es kommt also auch hier immer auf dem Zusammenhang an! Als Beispiel dient uns "unsere Rettung in der Gnade" (Eph 2:8) - dies ist eine Tatsache, welche wir uns nicht wünschen brauchen, weil wir sie alle bereits besitzen! Auch Petrus schreibt von "Gnade" (1Petr 1:2b), ebenso Johannes 2Jo 1:3) und viele andere Aussagen an die Beschneidung (an Israel). Doch wenn Paulus von "Gnade" schreibt, hat dies einen anderen Stellenwert wie bei den Zwölfen; bei Paulus ist die Gnade der Hauptinhalt seines Evangeliums, ja sie ist das Kennzeichen der gegenwärtigen Verwaltung (lies Eph 3:1-3).

Wenn Paulus den Galatern "Gnade sei euch..." wünscht, so heißt dies, dass das Gesetz abgetan ist und die Gnade herrschen soll! Wir merken hier den Unterschied: Unsere Rettung in der Gnade braucht nicht gewünscht werden, weil wir sie längst besitzen; doch dass die Gnade das Gesetz abgelöst hat, ist etwas, was die Galater er lernen müssen (allerdings auch ein Großteil der heute Gläubigen).

"Gnade sei euch" will besagen, dass die Herausgerufenen der Körpergemeinde Christi Jesu aus Glauben gerechtfertigt sind, und dies ohne Gesetzeswerke, wie es Röm 3:28 und Röm 5:1-2 beschreibt. Und dies ist der springende Punkt bei den Galatern: Gesetzestreue Juden halten den Galatern vor, dass der Mensch aus Werken gerechtfertigt wird un dnicht aus Glauben allein (Jak 2:24) - Paulus lehrt das Gegenteil! "Gnade sei euch..." gewinnt damit eine ganz andere Dimension!

Wir wollen bei dem Grußwort in unserem Leitvers ganz speziell auf die Galater eingehen, und wir haben gestern bereits rauskristallisiert, worum es in diesem Brief generell geht. So wunderbar wir von der rettenden Gnade im Epheserbrief lesen dürfen, wollen wir nicht außer acht lasse, dass dieser Brief erst im Gefängnis in Rom geschrieben wurde und hier bei den Galatern noch nicht existierte. Es ging bei den Galartern um die ersten Anfänge, nämlich "Gerechtfertigt aus Glauben, dürfen wir mit Gott Frieden haben durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir auch im Glauben den Zugang in diese Gnade erhalten haben, in der wir stehen ... Jesus Christus!" Wir haben in den letzten Tagen schon Joh 14:6 zitiert, wo Jesus sagt: "Ich bin der Weg ..."; diese Worte treffen auch bei unserem Leitvers zu. Er ist der "Zugang" in diese Gnade, Sein Blut ist unsere Freilösung, und "frei sein" bedeutet: Gott ist mit uns versöhnt, es steht nichts mehr zwischen Gott und uns! Schauen wir noch in Eph 1:7, wo dies dokuzmentiert ist; hier lesen wir vom "Reichtum Seiner Gnade, die Er in uns überfließen lässt". Wir haben also freien Zugang zu einem Schatz, den wir weder ermessen noch ausschöpfen können - ist uns das so richtig tief bewusst?

"Gnade" ist Versöhnung von Gott her - die Folge davon ist tiefster Fried in. uns. Wir alle wissen, wie schwankend und trügerisch menschlicher Friede ist, doch das obige Wissen, dass wir alle aus Glauben gerechtfertigt sind, bringt uns dahin, dass wir gemäß Röm 5:1 "mit Gott Frieden haben" - und dies wiederum "durch unseren Herrn Jesus Christus"! Und dieser Friede, der in unsere Herzen einziehen darf, ist, wie Phil 4:7 sagt, "allem Denksinn überlegen".

"Gnade sei euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus..." - wie inhaltsreich und herrlich sind schon diese ersten Grußworte des Apostels Paulus!

Gal 1:4

"... der Sich Selbst für unsere Sünden hingegeben hat, damit Er uns aus dem gegenwärtigen bösen Äon herausnehmen, nach dem Willen unseres Gottes und Vaters."

Was heute für die Gläubigen selbstverständlich ist, war für die jungen Gemeinden in Galatien noch ganz neu: Jesus, der Sohn Gottes, starb für unsere Sünden! Natürlich hatte sie Paulus, wie wir in der Apostelgeschichte sahen, schon persönlich belehrt, und doch war gerader diese Hingabe Jesu etwas Ungeheurliches, was mit dem normalen Verstand nicht fassbar war, deshalb stellt Paulus sie an den Anfang dieses Briefes. Er ruft damit den Galatern zu: Behaltet es ständig in euren Herzen, was Jesus für euch tat!

Wir wissen aus dem Brief des Petrus (1Petr 1:20), dass der Sohn Gottes schon vor (!) dem Niederwurf der Welt als Opferlamm bereitstand, das bedeutet, bevor der erste Mensch Adam erschaffen wurde, bestand der vollständige Plan Gottes, wie Er mit der entstehenden Menschheit verfahren wird. Das Ziel Gottes ist, "Gemeinschaft" mit seinen Geschöpfen zu haben, die Er liebt und die auch Ihn aus ganzem Herzen lieben. Wir erfassen dieses Sehnen Gottes noch besser, wenn wir uns vergegenwärtigen, was 1Jo 4:8 uns sagt: "... denn Gott ist Liebe"! Und diese Liebe Gottes umfasst die Weiten des Alls!

Nun hat Gott zwar den Menschen in seinem Bild erschaffen (1Mo 1:27), was aber die Grundlage Seines Wesens beinhaltet, nämlich "Liebe", aber dieser "Keimling Liebe" musste erst Erfahrungen machen, musste sich zuerst durch dunklen Boden des Erdreichs (oder aus dem Dunkel einer engen Schale) hindurch an das Licht der Sonne kämpfen, wo der Keimling sich dann endlich entfalten kann. Denken wir hierüber einmal nach, liebe Geschwister! Wir erkennen dann, dass Gott zwei Pfeiler brauchte:

  1. Das Werkzeug des Dunkels (Satan) und
  2. das Opferlamm des Lichts (unseren Herrn Jesus)!

Es entspricht dem Ratschluss Seines Willens, dass Gott mit diesen beiden Hilfen Sein hehres Ziel erreicht: "... damit Gott alles in allen sei" (1Kor 15:28).

Wir setzen das gestern begonnene Thema fort, wo wir weit ausgeholt haben; aber nur so verstehen wir, warum und wozu Jesus sterben musste! Wir Menschen wissen aus Erfahrung, dass schon unsere kleine zwischenmenschliche Liebe dort viel anhaltender ist, wo etwas Erlebtes vorausging. Um wieviel mehr trifft dies auf unsere Beziehung zu Gott zu! Wir Menschen müssen erfahren und erleben, wie wir nach einem harten Kampf aus der Dunkelheit in das Licht des Kreuzes Jesu vordringen, wo uns das Licht der Liebe umstrahlt, uns zu herrlichem Wachstum fördert, hin zu der Liebe des Vaters, welche gemäß Röm 5:5 bereits in unseren Herzen ausgegossen ist durch den uns gegebenen heiligen Geist.

Was selbst uns Gläubigen viel Not bereitet, ist die Tatsache des Kampfes, der Gott uns (und allen Menschen) verordnet hat. Es bedeutet ganz einfach ausgedrückt: Ohne Kampf kein Licht. So konnte schon Johanne schreiben, dass der Kampf, das Überwinden des Bösen ein Glaubenswachstum ist, nämlich heraus aus dem Stand eines Kindleins hin zum Jüngling im Glauben (1Jo 2:12-14). Paulus gab uns in Eph 6:10 ff eine komplette Waffenrüstung in die Hand, weil es Gottes Wille ist, dass wir von den Mächten der Finsternis angegriffen werden. "Kampf" hat immer "Überwindung" zum Ziel, dass wir zu "Vätern im. Glauben" heranreifen, die den erkannt haben, der wie 1Jo 2:13 sagt, "von Anfang an ist". Und so wie wir, die Körperglieder Christi Jesu, heute schon durch die Dunkelheit hindurch das Licht der Liebe Gottes in dem Namen "Jesus" erkennen konnten, so werden einmal alle Menschen in dem herrlichsten aller Namen "Jesus" ihren Retter erkennen können und alle werden begreifen, was am Kreuz auf Golgatha geschah: Gott hat in der Dahingabe Seines Sohnes "Seine Liebe" offenbar gemacht!

Die Notwendigkeit, dass Sich Jesus Christus für unsere Sünden hingegeben hat, resultiert daraus, dass in dieser "Dahingabe" Gottes Liebe sichtbar wird! Hier liegt der tiefe Sinn von Sünde und Rettung, deshalb erschuf Gott auch das Licht und das Finstere, das Gute und das Böse, wie Jes 45:7 bezeugt. Und dieses Zeugnis in Vers 7 endet mit den Worten: "Ich, Ieue Alueim, machte all dieses." Diese klare Aussage macht die Legende von einem gefallenen Engelfürsten zunichte; kein Geschöpf könnte sich jemals erfolgreich gegen Gott erheben bzw. gegen den Willen Gottes handeln!

Nun richten sich die Worte unseres Leitverses aber an die Galater, wir kommen also wieder zurück zu unserem Thema: Mit dem Hinweis, dass Jesus Christus Sich für ihre (der Galater) Sünden hingegeben hat, öffnet Paulus ihren Blick für die Rettung am Kreuz, welcher nichts mehr hinzuzufügen ist, am wenigsten armselige Gotteswerke!

Nun nennt Paulus aber zwei Gründe für die Dahingabe, zum einen wegen unserer Sünden, und zum anderen, um uns aus dem gegenwärtigen bösen Äon herauszunehmen! Ersteres haben wir geklärt, kommen wir zum Zweiten:

Paulus bezeichnet die Zeit, in der wir heute leben, den "gegenwärtigen bösen Äon". Wir wollen uns. nicht lange mit jener unseligen Übersetzung befassen, die aus einem Äon eine "Ewigkeit" macht, nur soviel möchten wir hierzu sagen: Satans Angriffe richten sich darauf, uns in völliger Unmündigkeit festzuhalten! Dazu gehört, dass er uns Gottes Liebe verdunkelt. Die gelang ihm, indem er aus einem zeitlich begrenzten Äonen "die Ewigkeit" werden ließ. Wer nicht zu Lebzeiten an Gott Glaubt, soll ewig verloren sein - was für eine infame Lüge! Gott ist Liebe, und was Gottes Liebe beinhaltet, lesen wir in 1Kor 13:4-7. Jesus sagt in Mt 5:44: "Liebet eure Feinde..." sollte Gott das Gegenteil tun und Seine Feinde hassen und ewig bestrafen?

"Äonen" sind in Gottes Heilsplan Zeitabschnitte mit einem jeweiligen Anfang und einem Ende, sie sind uns quasi als "Kalender Gottes" gegeben, um die Zeit zu erkennen und zu erfassen. Es ist mehr als erstaunlich, dass der größte Teil der Gläubigen hiervon kaum oder gar keine Ahnung hat! So gibt es eine Zeit vor den Äonen (1Kor 2:7), wo Gott bereits unsere Herrlichkeit vorherbestimmt hat. Es folge der erste Äon der Urschöpfung, die damalige Welt (2Petr 3:6), dann der zweite (Ehemalige) Äon, der mit der Sintflut endete, und ihm folgte der dritte gegenwärtige und böse Äon, in welchem wir heute leben. Aus diesem Äon sind die Galater und wir alle herausgenommen - was erklärt werden muss!

Zuerst sei erklärt, was Paulus mit "böse" meint: Er (der gegenwärtige Äon) ist böse, weil Satan gemäß 2Kor 4:4 der Gott dieses Äons ist und die Gedanken der Ungläubigen blendet. Der gegenwärtige Äon steht also unter der Herrschaft Satans.

Wenn Paulus schreibt, dass wir alle aus diesem Äon herausgenommen sind, so ist das nicht buchstäblich zu verstehen, noch leben wirja alle auf dieer Erde! Die Lösung der Frage kann sich nur auf das geistliche Gebiet erstrecken, und Paulus erklärt dies den Galatern noch ausführlich in diesem Brief. Greifen wir heute aus Gal 2:20a voraus, wo unter anderem die Antwort zu finden ist: "Zusammen mit Christus bin ich gekreuzigt; ich lebe aber, doch nicht mehr ich, sondern in mir lebt Christus." Hier wird deutlich, wie unsere Herausnahme aus diesem gegenwärtigen bösen Äon zu verstehen ist.

Zum Schluss lesen wir noch dass dies alles nach dem willen unseres Gottes und Vater geschieht, was uns wiederum zu jener Generalaussage in Eph 1:11 führt "Gott, der alles nach dem Ratschluss Seines Willens bewirkt..."! Es gibt im All nur Einen, der alle Fäden in der Hand hält, und wir dürfen Ihn "Vater" nennen!

Gal 1:5

"Ihm sei die Verherrlichung für die Äonen der Äonen! Amen!"

Überall in in Pauli Briefen stoßen wir auf eine Fülle von Hinweisen und Aufforderungen, welche die Herrlichkeit Gottes betreffen; heute lesen wir: "Ihm sei die Verherrlichung..."! Lasst uns heute einmal vertieft dieser Verherrlichung Gottes nachgehen:

Paulus fordert zu dieser Verherrlichung ja im Anschluss an Vers 4 auf, und die Mitte von Vers 4 ist "die Dahingabe Jesu Christi" für uns. Der Tod Jesu Christi ist aber mehr, er ist die Mitte von Gottes gesamtem Heilsplan, er ist die Mitte das Alls!" Und da sich Gottes Liebe in der Dahingabe Seines Sohnes offenbart, ist dies auch für uns Gottes sichtbare Herrlichkeit! Wie könnten wir Gott als unseren Vater besser verstehen als in Seinem Sohn!

In Röm 11:36 finden wir eine wunderbare Aussage, die ähnlich unserem Leitvers endet: "Denn aus Ihm und durch Ihn und zu Ihm hin ist das All! Ihm sei die Verherrlichung für die Äonen! Amen!" Richten wir unser Auge auf die Worte: "... zu Ihm hin ist das All". Diese Aussage beinhaltet, dass das ganze All wie ein Kreis einen Ausgangs- und einen Endpunkt hat: "Gott!" Alles kommt zu Ihm zurück, weil es "zu Ihm hin" erschaffen ist. Und jedes Geschöpf, welches Seine Liebe erkannt und im Herzen aufgenommen hat, verherrlicht Gott! Es ist also die Botschaft vom Kreuz. die jedes Geschöpf rettet und das Kreuz ist die Offenbarung der Herrlichkeit Gottes.

Im Verlauf der Äonen vollzieht sich die Rettung aller; die Ersten dürfen wir, die Glieder am Körper Christi Jesu sein; es folgen im vierten und fünften Äon im irdischen Königreich die Herausgerufenen aus Israel, dann jene vor dem großen weißen Thron, die in der Rolle des Lebens stehen, und am Ende in der Vervollständigung wird jedes Geschöpf in dem Namen "Jesus" seine Knie beugen, und dies gemäß Phil 2:9-11 wiederum (oder gerade) zur Verherrlichung Gottes, des Vaters!

Wir haben gestern versucht, die Mitte der Verherrlichung Gottes herauszustellen und zu erkennen. Nun ist es aber mit dem bloßen Erkennen, also mit der Erkenntnis, so eine Sache! In 1Kor 13:2 lesen wir die schweren Worte: "Und wenn ich ... alle Erkenntnis hätte ... aber keine Liebe hätte, so wäre ich nichts"! Im Bezug auf das Götzenopfer lesen wir in 1Kor 8:2: "Doch bloße Erkenntnis macht aufgeblasen, die Liebe aber erbaut". Wir möchten damit sagen, dass es Gott nicht genügt, wenn wir große Erkenntnis haben, wenn wir sogar die Dimensionen der Aussagen im Epheserbrief verstandesmäßig begreifen können - Gott möchte mehr, Er möchte unser Herz! Was wir mit unserem Denksinn in Gottes Wort erfassen, soll, ja muss unsere Herzen erfüllen, muss uns überwältigen, und muss uns Jenen "widerlieben" lassen, der alles für uns getan hat, um uns an Sein Herz zu ziehen!

Alles, was Gott je getan hat, soll in unseren Herzen einen Widerhall finden, und dieser Widerhall heißt "Liebe"! Wie könnten wir Gott je verherrlichen, wenn nicht durch unsere Liebe? Wie könnten wir Ihm "Verherrlichung" geben, wenn nicht durch unsere Freude, dass wir in dem Namen "Jesus" Gerettete sind?

In Eph 3:17 beugt Paulus auch für uns seine Knie und betet unter anderem dafür, dass "Christus durch den Glauben völlig in unseren Herzen wohne" - und dies bewirkt (auch wieder unter anderem), dass wir gemäß Eph 3:19 die alle Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus erkennen, "damit ihr zur gesamten Vervollständigung Gottes vervollständigt werdet". Ob wir auf Erden jemals erfahren können, was diese Worte beinhalten? Herausgenommen aus diesem gegenwärtigen bösen Äon, in der überströmenden Gnade Gerettete, und dann auch noch der Vervollständigung Gottes dienen .... das ist die höchste Verherrlichung, die wir dem Vater bringen können.

Abweichung der Galater vom Evangelium der Gnade

Gal 1:6

"Ich staune, dass ihr euch so schnell umstellt, hinweg von dem Evangelium, das euch in Christi Gnade berufen hat zu einem andersartigen Evangelium,"

Normalerweise folgen in den Briefen des Paulus nach dem Grußwort die Danksagung und die positiven Eigenschaften der jeweiligen Gemeinde, siehe Röm 1:8; 1Kor 1:4 usw.! Diese Worte fehlen im Galaterbrief gänzlich; dafür erleben wir Paulis Erstaunen darüber, dass sich die Gemeinden der Galater sehr schnell umstellen ließen und zwar von einem Evangelium zu einem andesrartigen Evangelium! Wir möchten hier als Erstes feststellen, dass Paulus von "zwei" Evangelien spricht, wobei "Evangelium" ja überlicherweise eine "Frohbotschaft" ist, im Grund eine "Botschaft von Gott"! So gesehen klagt Paulus an, dass sich die Galater von einer Botschaft Gottes umstellen ließen, hin zu einer andersartigen Botschaft Gottes! Die ganz einfache und logische Konsequenz hieraus ist: Paulus spricht (und wir wiederholen dies hier bewusst) von zwei sich unterscheidenden Frohbotschaft (Evangelien) Gottes.

Wir haben gemeinsam zuletzt die Apostelgeschichte durchgearbeitete und miterlebt, wie Gott neben der pfingstlichen Königreichsgemeinde unter der Führung des Petrus,, den Saulus (später Paulus) berufen hat und diesem den Auftrag gab, die Körpergemeinde Jesu Christi ins Leben zu rufen. Waren die Glieder der Königreichsgemeinde alle "Eiferer für das Gesetz" (siehe Apg 21:20b), was bedeutet, dass dies nicht allen durch Glauben, sondern aus Werken vor Gott gerechtfertigt waren und sind (Jak 2:24), so sind die Glieder am Körper Christi Jesus ohne Werke, allein durch Glauben gerechtfertigt (Röm 3:28).

Wir stellen damit gleich zu Beginn des Galaterbriefes die Aussagen des Petrus und Jakobus denen des Paulus gegenüber, diese beiden total gegensätzlichen Aussagen werden uns im ganzen Galaterbrief begleiten, ja sie sind das Hauptthema!

Als Erstes umschreibt Paulus sein Evangelium: "... das euch in Christi Gnade berufen hat". Schauen wir uns zuerst einmal dieses Evangelium an, wobei wir es nur skizzenhaft darstellen, weil wir immer wieder darauf zu sprechen kommen.

"Gnade" (charis) bedeutet ja wörtlich "etwas. das Freude verursacht" Gott möchte also mit dem "Evangelium der Gnade" in uns Freude verursachen. Und "Freude" kommt in uns auf, wenn wir glauben können, dass Jesus Christus für uns am Kreuz gestorben ist - das Kreuz wird zum Mittelpunkt der Freude! Wir können dies auch anders formulieren:

Die Freude verursachende Gnade erfordert unseren Glauben an die Botschaft vom Kreuz (der Glaube ist ja das Werkzeug, mit dem wir die Gnade erst begreifen können), und dieser Glaube kommt nicht aus uns, sondern ist, wie alles ein Geschenk Gottes an uns. Damit isst eigentlich klar: Niemand kann aus sich heraus den notwendigen Glauben aufbringen, vielmehr ist er (der Glaube) ein Zeichen unserer Auserwählung und Berufung!

Gott, der Vater, ruft uns in. Christi Gnade, und diese Gnade ruft uns. zu: Im Kreuz bist du frei!

Adam hat durch seinen Ungehorsam die Sünde und den Tod in diese Welt gebracht, die auf alle Geschlechter nach Adam übergingen. Aber die Gnadengabe der Vergebung durch das Kreuz hebt dieses Urteil über die Menschheit nicht nur auf, sondern "fließt über"! Erfreuen wir uns heute an Röm 5:15: "Jedoch ist es mit der Gnadengabe nicht so wie mit der Kränkung. Denn wenn durch die Kränkung des einen die vielen starben, wieviel mehr fließt die Gnade Gottes und das Geschenk in Gnaden (das von dem einen Menschen Jesus Christus ist) in die vielen Versöhnten über!

Heben wir heute noch einmal den herausragenden Punkt des paulinschen Evangeliums der Gnade heraus, der zugleich auch das Unterscheidungsmerkmal jenes andersartigen Evangeliums ist, auf welches wir noch zu sprechen kommen:

"Umsonst gerechtfertigt in Seiner Gnade durch die Freillösung, die in Christus Jesus ist" (Röm 3:24a). Und in Röm 3:27 lesen wir weiter: "... wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen! Durch was für ein Gesetz? Das der Werke? Nein! Sondern durch das Gesetz des Glaubens! Denn wir rechnen damit, dass der Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird, ohne Gesetzeswerke." Wobei wir hier erneut betonen, dass auch "der Glaube" ein Geschenk Gottes ist!

"In Christi Gnade berufen" heißt, dass uns alles von oben zufließt, dass nichts von unserer Seite aus zugefügt werden kann und zugefügt werden darf! Ein Geschenk muss man annehmen - es kann nicht in geringster Weise von uns bezahlt werden!

Wenn wir das Obige so richtig tief im Herzen erfasst haben, können wir auch im Herzen voller Freude den Vers in Röm 5:1 beten: "Gerechtfertigt nun aus Glauben, dürfen wir mit Gott Frieden haben durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir auch im Glauben den Zugang in diese Gnade erhalten haben, in der wir stehen, so dass wir uns in Erwartung der Herrlichkeit Gottes rühmen mögen."

Kann man sich in obiger Weise freuen, wenn etwas von einem gefordert wird? Dieses andersartige Evangelium, welches die Galater verwirrte, forderte Werke (Jak 2:24)! Und wo vom Menschen noch etwas gefordert wird, kann es nie "Gewissheit" geben, also auch keinen tiefen Frieden. und keine beständige Freude!

Gal 1:7

"... das aber nicht ein anderes (echtes) ist, wenn da nicht etliche wären, die euch beunruhigen und das Evangelium des Christus verkehren wollen."

Unsere "Konkordante Wiedergabe" des Neuen Testamentes gibt bei diesem Vers einen Hinweis auf Apg 15:1, wo wir ganz praktisch miterleben, was Paulus meint:

In Apg 14 durch zog Paulus zusammen mit Barnabas die galatischen Orte Ikonium, Lystra und Derbe wo er freimütig das Wort Seiner Gnade bezeugte (Apg 14:3). Dann kamen sie nach Pamphylien, Perge und Attila zurück zu ihrem Ausgangspunkt Antiochien, wo sie über den Erfolg ihrer Reise unter den Nationen berichteten (Apg 14:27). In Apg 15:1 folgt dann der für uns wichtige Hinweis: Juden kamen von Judäa und belehrten die Brüder, dass es ohne Beschneidung keine Rettung gäbe!

Beachten wir hier: Es handelt sich in Antiochien um eine "Pfingst- bzw. Königreichsgemeinde", und diese war durchaus bereit, dem Bericht des Paulus Glauben zu schenken, dass die Nationen gläubigen "allein durch Glauben gerechtfertigt sind (Apg 13:38-390)! Nun kamen messianisch-gläubige Juden aus Judäa nach Antiochien, um den vermeintlichen Irrtum des Paulus richtig zu stellen.: Für einen gläubigen Juden war es unvorstellbar, ohne Beschneidung gerettet zu werden. Wir sehen im verlauf von Apg 15, wie sich die Meinungen spalteten. Dieser Vorfall ereignete sich innerhalb einer Pfingstgemeinde, wo man sich ja noch gütlich einigte, die Sache in Jerusalem entscheiden zu lassen! Um wieviel mehr musste sich solche Art von Beeinflussung in den reiner Körpergemeinden. Christi Jesu auswirken.

Das mosaische Gesetz der Beschneidung musste auch von den Nationen eingefordert werden - das war der. Grund für die Beeinflussung der Galater! Und das Evangelium der herausgerufenen Königreichsgemeinde hatte dieses Gesetz zum Fundament. Ein andersartiges Evangelium - und doch nicht ein anderes!

Wir haben heute absichtlich das Wort "echtes" in Klammer gesetzt, weil es nicht in den Urtexten vorkommt, also nur eine nicht ganz glückliche menschliche Einfügung darstellt. Wir müssen erkennen, dass das Evangelium des Königreichs jenem Evangelium der Gnade gegenübersteht, dass also beide Evangelien "Wohlbotschaften Gottes" sind, dass ihre Andersartigkeit in den zwei Empfängergruppen besteht!

Wir wissen nur zu gut um das Problem für viele Gläubige, dass es "zwei" Evangelien geben soll! Das kann doch nicht sein!!! Wir versuchen heute, dieses scheinbare Problem zu vereinfachen: Stellen wir uns einen Hausbau vor! Da sind doch ganz verschiedene Handwerker an der Arbeit. und jeder Handwerken hat seine ganze spezielle Ausbildung. Der Zimmerman, der für das Dachgebälk zuständig ist, könne wohl kaum die Maurerarbeiten fachgerecht übernehmen, weil er dafür nicht ausgebildet wurde. Umgekehrt wäre es genauso! Stört es uns hier, wenn wir von verschiedenen Ausbildungen sprechen?

Obiges Bild passt zu unserem Thema: Im Bauplan Gottes gibt es auch verschiedene Arbeitsbereiche, wo jedes Mal eine spezielle Ausbildung erforderlich ist, den Schlüsselvers hierzu finden wir in Eph 1:10. Das Ziel Gottes ist die Aufhauptung des Alls in Christus, und es gibt zwei Ebenen:

  1. "....das in den Himmeln" und
  2. "....das auf der Erde"!

Für "die Himmel" ist die Körpergemeinde Christi berufen, für "die Erde" das Volk Israel! Und jedes dieser zwei Werkzeuge Gottes hat seine ganz spezielle Zubereitung - es gibt daher ein Evangelium an Israel, welches das irdische Königreich beinhaltet und zum Ziel hat, alle Nationen auf der Erde zu Jüngern zu machen (Mt 28:19), und es gibt ein Evangelium an die Körpergemeinde, welche zum Ziel hat, die Bewohner in den Himmeln zu dem Namen "Jesus" zu führen!

Für viele von uns mag unsere Darstellung langweilig werden, weil sie längst bekannt ist, aber in gleichem Maß sind unter uns Gläubige, die einfach nicht sehen wollen, dass diese "zwei" Evangelien bestehen, und daher selbst innerhalb der Körpergemeinde Unruhe verbreiten. Wir müssen daher noch etwas fortfahren:

Schauen wir uns noch einmal die Verse 6 und 7 an: Paulus spricht von seinem (ihm vom erhöhten Herrn enthüllten) Evangelium, das in Christi Gnade beruft. Diesem Evangelium stellt er ein andersartiges (Evangelium) gegenüber, das aber nicht andersartig ist! Warum nicht andersartig? Weil es denselben Herrn und dasselbe Ziel hat - nur auf zwei unterschiedlichen Ebenen!

Gehen wir noch einmal zurück zu dem gestrigen Bild eines Hausbaus: Würde ein Zimmermann die Ausbildung eines Maurers als "falsch" bezeichnen, nur weil sie nicht seiner eigenen Ausbildung gleicht? Natürlich ist die Lehre des Zimmermanns anders als die des Maurers - aber im Hinblick auf das Ziel ist sie doch nicht anders; sie ist nur notwendig, um den Bau zu vollenden!

In Gottes Heilsplan sind zwei Ebenen (Himmel und Erde) genannt, die sehr unterschiedliche Geschöpfe haben. Ein Mensch auf der Erde muss anders bearbeitet werden, als ein Geschöpf in den Himmeln. Der Mensch braucht von Adam her das Gesetz, um zu wissen, was er tun müsste (und des doch nicht vollbringt). Israel muss also den Nationen im kommenden Königreich das Gesetz überbringen, das Evangelium des Königreichs hat somit das Gesetz zur Grundlage! wir hingegen, die wir der überhimmlischen Welt dienen sollen, brauchen kein Gesetz, hier geht es darum, diesen überhimmlischen Geschöpfen an uns zu zeigen, was überströmende Gnade an uns bewirkt hat! Deshalb ist unser Lehrmaterial "die Gnade" welche speziell Paulus enthüllt wurde (lies Eph 3:8 ff).

Wir stehen wieder am Anfang: Gesetz oder Gnade! Allerdings haben wir einen Fortschritt gemacht, wir können es jetzt so formulieren: Das Gesetz hat seine Berechtigung, wie auch die Gnade - nur muss es von den zwei entsprechenden Werkzeugen Gottes a) Israel und b) den Nationen richtig gehandhabt werden. Und "richtig gehandhabt" heißt, uns von dem Evangelium zubereiten zu lassen, welches unserer zukünftigen Aufgabe entspricht!

Die Abneigung vieler Gläubigen gegenüber der Tatsache, dass es "zwei" Evangelien gibt, beruht auf völliger Unkenntnis!!! Wer seine überhimmlische Berufung nicht erkannt hat, wer gar nicht weiß, wo er später einmal hinkommt (es gibt die pauschale Hoffnung: "ich komme in den Himmel", oder man betet das Vaterunser: "Dein Reich komme", und weiß gar nicht, welches Reich kommen soll), kann zwangsläufig auch nichts mit "zwei" Evangelien , die zwei Ausbildungsbereiche beschreiben, anfangen!

Hierzu gehört auch die Mahnung in 2Tim 2:15, das Wort der Wahrheit richtig zu schneiden, was nichts anderes heißt, als das richtige zukünftige Aufgabengebiet zu erkennen und sich den dafür zuständigen Lehrstoff anzueignen. Wir wollen in Gottes Wort unterscheiden, was gehört <) uns und was gehört b) Israel! Wer dies nicht tut (oder tun will) wird einmal sehr beschämt werden, weil er das Wort der Wahrheit nicht richtig geschnitten hat! Diese "Beschämung" wird sich vor der Preisrichterbühne des Christus zutragen, wo jeder das wiederbekommt, was er durch den Körper verübte (2Kor 5:10), wozu wir schon sagten, immer nur einzelne Verse herauspickt, ohne im Zusammenhang zu lesen, wird nie erkennen, wo seine wahre Berufung liegt, aber noch schlimmer: Er wird kein brauchbares Werkzeit (Gefäß), um die überströmende Gnade zur Schau zu stellen!!!

Gal 1:8

"Aber wenn auch wir oder ein Bote aus dem Himmel euch etwas Andersartiges neben dem verkündigt, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: er sei in den Bann getan!"

Die Galater hatten das Evangelium der Gnade durch den Mund des Apostels Paulus gehört und geglaubt, was auf das Wirken des Geistes Gottes zurückzuführen war. Dazu wurden sie, wie es Eph 1:13 beschreibt, mit dem Geist der Verheißung versiegelt - ihre Rettung in der Gnade war vollkommen gesichert und konnte von niemand mehr genommen werden, auch nicht vom Widerwirker! Und doch war etwas bei den Galatern geschehen!

Die Rettung in der Gnade war unwiderrufbar, es ist unsere "Stellung in Christus" Doch etwas anderes ist anfechtbar: Der Wandel! Es liegt in Gottes Ratschluss, dass Er Seine Auserwählten zwar beruft und ihnen den Glauben schenkt, aber dass der Wandel beeinflussbar ist. Es ist eine sichtbare Tatsachen, dass jahrzehntelang Gläubige immer noch "Kindlein im Glauben" sind, wo sie doch längst "Väter im Glauben" sein sollten! Ihr Wandel wurde beeinflusst, oder direkt gesagt: Satan hat sie im Wandel "unten" gehalten, hat ein Wachstum verhindert!

Gemäß unserem Leitvers war und ist es möglich, dass selbst "Boten aus dem Himmel" uns etwas verkündigen können, und der mächtigste und wohl entscheidende Bote ist Satan selbst. In 2Kor 11:14 wird er als "Bote des Lichts" bezeichnet, und als solcher war und ist er in der Lage, uns durch fromme Einflüsterungen von dem, wie wir wandeln sollten, abzuhalten oder uns auf einen anderen Weg zu führen. Dieser "andere Weg" wäre, wenn wir auf das Irdische sinnen, anstatt nach dem zu trachten, was droben ist (siehe Kol 3:1-4).

Paulus wusste nur zu gut um die Machtbefugnisse Satans und um dessen Einflüsterungen, deshalb die klaren Worte, die auch heute gelten: Lasst euch auch von keinem Boten aus dem Himmel von diesem wunderbaren Evangelium der Gnade umstellen!

Wir sprachen gestern nur von "dem Boten aus dem Himmel", doch Paulus spricht am Anfang unseres Leitverses erst einmal von "wir", und meint damit sich und seine Mitarbeiter. Könnte der Apostel samt seinen Begleitern diesem Evangelium der Gnade untreu werden? Könnte er seine eigenen Worte umdrehen oder abändern?

Wir sind uns ganz sicher, dass Paulus und seine Mitarbeiter Treue und Zuverlässigkeit nie in Zweifel stellte! Wir können ihn nur so verstehen, dass er gerade mit dieser völlig unrealen Vorstellung (indem er sich und seine Mitarbeiter in den Kreis der Verfälscher einbezieht) seinen Worten vermehrt "Nachdruck" verleihen möchte. Paulus bringt also zum Ausdruck, dass hinter dem von ihm verkündigten Evangelium an die Nationen der Herr steht!

Wer auch immer etwas Andersartiges neben dem Evangelium der Gnade verkündigt, "sei in den Bann getan" (anathema). Luther übersetzt dieses Worte: "... der sei verflucht!" Wir verstehen darunter speziell hier an dieser Stelle, das jemand "unter göttliches Gericht gestellt wird", was etwas anderes als "verflucht" oder "verdammt" ist! So wie die bösen Werke von Gläubigen einst vor der Preisrichtbühne des Christus verbrennen werden (siehe 1Kor 3:13-15), so wird auch der Anstifter dieser bösen Werke, Satan, durch das Gericht in den Feuersee geworfen (Offb 20:10). Und unter das göttliche Gericht werden auch einmal jene Juden gestellt, welche die Galater zu Werken verführen wollten und offensichtlich verführt haben!

Lasst uns gerade bei dieser Sachlage vertieft der Worte Pauli an Timotheus bewusst werden: "Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und mit du betraut wurdest" (2Tim 3:14).

"... er sei in den Bann getan!"

Das "Anathema" (das griechische Wort für "in den Bann getan") kommt in Gottes Wort öfters vor, auch bei Paulus, und hat jedes Mal seine eigene im Zusammenhang stehende Bedeutung. Wir beschränken uns aber speziell auf dieses Vorkommen im Galaterbrief, und wollen es heute noch etwas ausweiten. Nämlich auf uns!

Vers 8 beginnt ja: "Aber wenn auch wir ...".



Paulus verteidigt sein Amt als Apostel 11-24