Das dritte Babel im Land Sinear
Autor: August Fuhr (1891-1963)
aus privater Abschrift
mit freundl. Genehmigung von Joh. Ullmann
siehe weitere interessante Abschriften
Das dritte Babel im Land Sinear
Einleitung
Die Frage ob ein drittes Babel wieder gebaut wird ist immer wieder kontrovers diskutiert worden, das die Prophetie des Alten Testamentes die Zerstörung des 2. Babels nach Nebukadnezar, nachdem das 70-jährige Gefangenschaftsgericht an Juda vollzogen ist, als „endgültig“ beschreibt. (z. B.: lese man Jes 13; Jes 14; Jes 47; Jes 48; Jer 50; Jer 51 einmal ganz)
- Jes 47:11: Aber es kommt ein Unglück über dich, das du nicht wegzaubern kannst; und ein Verderben wird über dich herfallen, welches du nicht zu sühnen vermagst; und plötzlich wird eine Verwüstung über dich kommen, die du nicht ahnst. -
Oder auch:
- Jes 13:19-22: Und Babel, die Zierde der Königreiche, der Stolz des Hochmuts der Chaldäer, wird gleich sein der Umkehrung Sodoms und Gomorras durch Gott. Es wird in Ewigkeit nicht bewohnt werden, und keine Niederlassung mehr sein von Geschlecht zu Geschlecht; und der Araber wird dort nicht zelten, und Hirten werden dort nicht lagern lassen. --- vergl. Jer 50:35-40.’'
Wir werden noch sehen, ob die Stellen Jes 13; Jes 14; Jes 47; Jes 48; Jer 50; Jer 51 in dieser Form als vollendete Geschichte gesehen werden können oder nicht.
Nun ist in der Offenbarung Jesu Christi wieder von Babel die Rede. Wenn man die dortigen Aussagen, speziell Offb 17 und Offb 18 liest, findet man -
- einerseits ein gewisses dämonisches Machtsystem vor: Offb 13:5-8; Offb 14:8; Offb 17:5.15-17
- andererseits aber Aussagen die unmissverständlich eine reale Stadt, einen Regierungssitz beschreiben: Offb 16:12; Offb 17:18; Offb 18:4.10.16.18.19.21-24
Die Offenbarung hat wegen ihrer oft symbolisch klingenden Ausdrucksweise immer wieder Ausleger dazu angeregt, sich bei der eigenen Symboldeutung und Übertragung der Ereignisse, Gegebenheiten, wissenschaftliche Errungenschaften der jeweiligen Zeitepoche zu verlieren. Despotische Herrscher, ,oder etwa die römische Kirche wurden mit dem Antichristen oder dessen Herrschaftssystem gleichgesetzt. Zweifellos ist der Geist des Anstatt-Christus nach 1Jo 4:3 schon zur Zeit der Apostel in dem Kosmos wirksam gewesen und findet in der vergangenen Völker- und Kirchengeschichte zum Verwechseln ähnliche Parallelen. Der Geist und die Kraft des Anstatt-Christus ist aber Satan selbst. Nach Offb 3:4 gibt der Drache, in Offb 12 auf die Erde geworfen, dem Tier die Vollmacht. In Offb 12:9 finden wir fast all die Namen, die den Satan in der Schrift bezeichnen auf eine Stelle gedrängt, damit ist einsichtig, wie 1Jo 4:3 zu verstehen ist!
Der Mensch der Sünde aber, wie Paulus in in 2Thes 2:3 nennt, wird erst am „Tag des Herrn“ geoffenbart, dem schon in der Prophetie des Alten Testaments so genannten Gerichtstag Gottes, also am Ende dieses böses Äons.
Abgrenzung
Abgrenzend sei bemerkt, dass das Folgende nicht als erschöpfende Auslegung zu betrachten ist, sondern als eine Hilfe, ein Schlüssel, um in die großen Zusammenhänge einzudringen, um das zu erfassen, was der Herr für unsere Zeit daraus erhellen und zeigen möchte.
Bevor wir näher auf Babel eingehen, noch ein paar Gedanken zu dem Thema:
Schriftgemäße Betrachtungsweise
Damit wir die Offenbarung richtig zuordnen und das verstehen können, was Gott davon heute für die Leser bezeugen will, müssen wir uns von der leider oft „zeichendeuterischen“ Vorgehensweise gänzlich verabschieden und auf dem nüchternen Boden der Schrift bleiben, d. h. vor allem bezüglich der verwenden und dort, wo wir keine solchen finden, schlicht warten, bis die Aussagen eintreffen, denn jene Generation, die das erleben wird, wird keine Deutungsschwierigkeiten mehr haben, darauf können wir uns verlassen. Sonst wäre die Offenbarung Gottes schlicht unzulänglich, und das kann ja wohl nicht sein!
Die Offenbarung ist kein Buch mit „sieben Siegeln“, das bezeugt Johannes in:
- Offb 22:10: Und er spricht zu mir: Versiegle nicht die Worte der Weissagung dieses Buches, die Zeit ist nahe.’'
Ganz im Gegensatz zu dem, was Daniel seinerzeit bezüglich seiner Weissagung gesagt bekam: Dan 12:4. Was natürlich nicht heißt, dass man zu jeder Zeit alles in diesem Buch erklären kann. Aber, nach dem Beginn dieses großen Buches:
- Offb 1:3: Glückselig, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe!’'
hat offenbar jede Generation an Christus glaubender Menschen einen besonderen Segen, wenn der einzelne dieses Buch liest und hört, also das Gelesene gehorsam glaubend in sein Herz aufnimmt, so wie die Dinge dastehen. Haben wir die Aussagen dieses Buches gegenwärtig, dann können wir beurteilen, welche Stunde es in der Heilsgeschichte geschlagen hat. Dann geht das ohne hinderlicher Zeichendeuterei, denn jene verdunkelt die Aussagen Gottes und führt in die Irre.
Hilfe aus anderen Schriften des NT
Eine weitere Hilfe geben uns Zitate aus der übrigen Prophetie Gottes, die wir teilweise wörtlich oder sinngemäß in diesem Buch wiedergegeben finden.
Nehmen wir, um den Zusammenhang zu verstehen als Beispiel Hebr 2:13, wo zu lesen ist:
Lesen wir daraufhin das Original der zweiten Hälfte des Verses, so steht da:
- Jes 8:18: Siehe, ich und die Kinder, die Jehova mir gegeben hat, wir sind zu Zeichen und zu Wundern (o. Vorbildern) in Israel, vor Jehova der Heerscharen, der da wohnt auf dem Berge Zion.’'
Nach Jes 8:1 folgt aber, dass hier von Jesaja und seiner eigenen Familie die Rede ist. Die Namen seiner Kinder hatten mit der Prophetie über Israel zu tun (Jes 8:3). Der Hebräerbriefschreiber bezieht die Aussage aber ganz klar auf Christus. Das ist im Originaltext so nicht ohne weiteres ersichtlich. Ähnliches begegnet uns in der Offenbarung auch, wie wir noch sehen werden*.
- vgl. Hebr 1:5 mit 1Chr 17:13, dort ist von Salomo die Rede, offenbar aber nach Hebr 1:5 auch von Christus“
Es gibt etliche Aussagen und Erklärungen von Zusammenhängen im Alten Testament, die wir nur aus den im Neuen Testament zusätzlich gegebenen verstehen können. Man lese als Anschauungsobjekte hierzu die Rede des Stephanus Apg 7 oder Apg 11.
Adressaten und zeitliche Einordnung des Buches
Dazu gibt es im ersten Kapitel ganz klare Hinweise, die wir zur grundsätzlichen Einordnung, was die Adressaten betrifft, sowie auch zeitlichen Einordnung notwendig brauchen.
- Offb 1:1: Offenbarung Jesu Christi:
belehrt und, dass der Inhalt des Buches mit der Sichtbarwerdung Christi im Kosmos zu tun hat, was auch im folgenden von Kapitel zu Kapiteln in Erscheinung tritt.
Er ist der Handelnde, der Auslösende, er bricht die sieben Siegel, in welchen bis hin zu den sieben Schalen, alle Gerichte enthalten sind.
Er tritt stufenweise die Herrschaft an: Offb 12: im Himmel; Offb 19 dann auf Erden; Offb 20 sichtbar anwesend und ausgehend von Jerusalem fortschreitend über alle Nationen. Alle folgenden Äonen sind ihm herrschaftsmäßig unterstellt (Offb 22:5), bis dann alle Herrschaft abgetan wird nach 1Kor 15:22-28, nachdem der Letzte das Wasser des Lebens umsonst genommen haben wird - Offb 22:17.
- Offb 1:1: durch seinen Engel sendend:
Das ist Art und Weise göttlicher Belehrung seines Volkes wie es zur Zeit der Propheten des ersten Bundes geschah.
Die Gemeinde Gottes, des Leibes des Christus, erhält keine Belehrung über den Mittlerdienst von Engeln vgl. Gal 1:8-10.
- Offb 1:6: und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater.
Israel ist nach 2Mo 19:1-6 zu einem Volk von Priestern berufen. Israel ist das Königtum über alle Nationen verheißen. Ps 447:7-9; Ps 72:11; Jes 60:3-5.9-12; Jer 3:11-21; Jer 16:19-21; Jer 33:7-9; Sach 14:16-21. Die Völker werden sich selbst unterwerfen: Sach 8:18-23.
- Offb 1:7: siehe er kommt in Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die die ihn durchstochen haben und es werden wehklagen alle Stämme des Landes.
Hier geht es nach Sach 14:4; Mt 23:39; Offb 1:11 klar um die sichtbare Wiederkunft Christi zu seinem Volk Israel in großer Macht und Herrlichkeit. Ferner werden wehklagen alle Stämme des Landes (Israel) nach Sach 12:10-14. Aus denselben Stämmen stammen auch die 144 000 aus Offb 17 und 14.
Das möge zunächst genügen, um die Adressaten, nämlich Israel und speziell die dann lebende glaubende Herausgerufene aus Israel zu erkennen.
Ferner hat sich der Herr an die durch den Geist in Apg 15 genannte Aufgabenteilung zwischen der Sendung an die Nationen und der an die Stämme Israels gehalten. Warum sollte das jetzt plötzlich mit diesem Buch anders sein? Dass hier die sog. Sendschreiben an „Gemeinden“ gehen, ergibt keinen Widerspruch, denn Gemeinden oder besser Ekklesias = Herausgerufene gibt es viele; u. a. auch die des Leibes des Christus.
Speziell zur zeitlichen Einordnung des Buches der Offenbarung ist die Schlüsselaussage in
- Offb 1:10.11: Ich wurde an des Herrn Tag im Geiste, und ich hörte hinter mir eine laute Stimme wie die einer Posaune, welche sprach: Was siehst du, schreibe in ein Buch und sende es den sieben Versammlungen: nach Ephesus, nach Smyrna und nach Pergamus und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizäa.
Johannes „wurde“ am Tag des Herrn im Geist, d.h. er war zeitlich dorthin versetzt. Dass „der Tag des Herrn“, oder auch „Tag Jehovas“ ein seit den Propheten Israels von Gott selbst eingeführter Begriff des Gerichts am Ende dieses Äons ist, wollen wir jetzt nicht nachtweisen, sonder hier als bekannt voraussetzen.
Was Johannes nun hörte und sah, also unmissverständlich die Geschehnisse z. Zt. des Tages des Gerichts, soll Johannes den sieben genannten Gemeinden schreiben. Zum Verständnis mag noch weiter helfen, dass Paulus 1Tim 1:15 seinem Mitarbeiter Timotheus bekennt, dass alle die in Asien sind (also bereits zu seinen Lebzeiten) sich von ihm abgewandt haben. D. h. aber nicht, dass die etwa gottlos geworden wären und den Glauben über Bord geworfen hätten, sondern sie haben sich von der Botschaft an den Leib des Christus abgewandt.
In Offb 4:1 heißt es nun zweimal: „nach diesem“, was dem Geschehen nach zeitlich nachgeordnet ist, was er vorher über die sieben Gemeinden „sah“, D. h. schlicht, d,ass offenbar gegen Ende des Äons diese Gemeinden wieder in Erscheinung treten werden, wenn das auch zunächst für unsere Ohren unverständlich oder unlogisch klingen mag.
Er recht ist nun alles Folgende in dem Buch der „Offenbarung Jesu Christi“ (Offb 1:1) zeitlich im Bereich des Tages des Herr und danach eingeordnet.
Es möchte vielleicht jemand fragen: Wenn nun die Sendschreiben gar nicht direkt an die geschichtlichen Gemeinden in damaliger Provinz Asien direkt geschrieben wären, was hätte sie dann für jene an Nutzen? Nun, darauf gibt es eine einfache Antwort. Das Neue Testament enthält, wie das alte, eine gewaltige Menge an unerfüllter Prophetie. Diesbezüglich könnte man die gleiche Frage stellen. Gott hat diejenigen, die ihm gehorsam waren zu aller Zeit in Zurückliegendes, Gegenwärtiges und Zukünftiges, eben seinen Heilsplan, eingeweiht, damit sie lernen, seine Gedanken nachzudenken.
Ganz praktisch gesehen kann man zu allenZeiten die erste Liebe verlassen und lau werden, der Zeit nach längst Lehrer sein und wiederum Milch , statt feste Speise benötigen, was die Offenbarung Jesu Christi ohne Zweifel ist.
Diese Grundprinzipien beachtend gehen wir nun zum Kern unserer Betrachtungen.
Das dritte Babel
Der vordere Orient, Brennpunkt des Endgeschehens
Die Hauptfragee ist ja, ob ein drittes Babel, eine Stadt, als Gegenpol zu Jerusalem gebaut werden wird, oder nicht. Dass der vordere Orient Schauplatz der Auseinandersetzungen am Ende dieses Äons bis zur sichtbaren Gegenwart des Christus in Jerusalem sein wird, ist ziemlich unbestritten. Schon in Offb 9:14 ist von vier Engeln der Winde die Rede, die am Euphrat gebunden liegen. Es sind ohne jeden Zweifel dieselben, die uns in Offb 7 genannt werden. Sie werden so lange gebunden, bis die 144 000 aus Israel versiegelt sind.
In Offb 9:14 ereignet sich dann das Gericht der 6. Posaune und führt zur Auslöschung von 1/3 der Menschheit (siehe auch: Dan 7:2ff.)
In Offb 16:12, dem 6. Schalengericht, gießt der Engel eine Schale in den großen Strom Euphrat, damit jener austrockne, um Königen den Weg zu bereiten, die von Sonnenaufgang her kommen, also Ostasien. Was sie veranlasst das zu tun, ist Offb 16:14 ersichtlich - Verführung durch speziell ausgesandte Geister, einen sichtbaren Grund dafür gibt es offensichtlich nicht. Man beachte hierzu Jes 13:1-16, wo dazu Aussagen gemacht werden und nach Jes 13:6 sich dies am „Tag Jahwes“ abspielen wird.
ES wäre nun nicht im geringsten nachvollziehbar, wenn etwa der Euphrat irgendwo anders in der Welt zu suchen wäre, vergeistigt oder in den Himmel verlegt werden müsste, um die Zusammenhänge zu deuten. Wir lassen daher diese Angaben direkt als geographische stehen. Wir werden das später noch genauer sehen.
Eine weitere Frage taucht möglicherweise auf:
Ist das endzeitliche Jerusalem das dritte Babel?
Diese Frage ist relativ einfach mit nein zu beantworten. Warum? Nach Offb 18 wird Babel gänzlich zerstört (verbrannt z.B. Offb 18:8.9) und unbewohnbar gemacht (Offb 18:21-24). Wenn nachher, so wie Jes 2; Mi 4 bezeugt, die Herrschaft Gottes von Jerusalem ausgeht, dann wäre das über Babel verhängte Gericht ein Widerspruch in sich selbst, dann wäre ja Jerusalem kurz davor unbewohnbar gemacht worden.
Nach Sach 14 versammelt aber Gott alle Nationen nach Jerusalem zum Kriege. In diesem Zusammenhang kommt Jesus auf den Ölberg zurück, von wo aus er nach Apg 1 durch die Himmel gefahren war. Das ist der letzte Krieg gegen Israel am Ende dieses Äons. Er wird u. a. in Offb 16:14-16 angekündigt und in Offb 19:11 dann durchgeführt.
Jerusalem dagegen, wohin Christus ja sichtbar (Sach 14:4) kommen wird, ist Gerichtsort für die Völker und Ausgangspunkt des messianischen Reiches. Alle Stämme des Landes werden Christus dorthin kommen sehen (Offb 1:7; Mt 23:39; u.v.a).
Schließlich finden wir in Offb 18:4.5 die Aussage, auf die wir ebenfalls nochmals zurückkommen werden, dass „sein Volk“ und das können niemand anderes als Israeliten sein, aus der Stadt hinaus gehen soll, um nicht teilhaftig der Sünden und damit es Gerichts von Babel zu werden. Das möge zu diesem Punkt genügen.
Das dritte Babel in der Ebene Sinear
(im heutigen Irak)
Die Fragestellung, ob etwa andere Städte in dieser Welt das dritte, endzeitliche Babel verkörpern (Rom, New York, etc.) erledigt sich innerhalb dieses Punktes von selbst und wird daher nicht separat behandelt.
Im Folgenden werden wir nun einige Aussagen über Babel in der Offenbarung mit solchen aus den weiter oben schon genannten Kapiteln aus Jesaja und Jeremia machen. Auf diese Weise gibt die Schrift dann selbst die Antwort auf unsere Kernfrage.
Babel berauscht die ganze Erde, alle Nationen
Das Ende Babels, und damit das Ende dieses Äons, nennt schon Offb 14:8. Es isst dort u. a. von dem „Wein der Wut der Hurerei“ Babels die Rede, mit der sie „alle Nationen getränkt hat“, inhaltlich das gleiche steht auch in Offb 17:4; Offb 18:3. In Jer 51:7 finden wir dazu Folgendes:
- Jer 51:7: Babel war ein goldener Becher in der Hand Jehovas, der die ganze Erde berauschte, von seinem Weine haben die Nationen getrunken, darum sind die Nationen rasend geworden.’'
Also wird am Ende wieder sein, was bereits auf das zweite Babel Gültigkeit hatte. Jer 50 bekommt damit einen Blickwinkel, der offenbar über das zweite Babel hinausgeht.
Babel sitzt an vielen Wassern
Offb 17 zeigt eine Frau, eine Hure (Offb 17:5), die auf den vielen Wassern sitzt, die ein rotes Tier reitet mit 7 Köpfen und 10 Hörnern. Es ist ohne Zweifel das schon aus Offb 13 bekannte Tier. Die Hure aber reitet das Tier. Wir lesen jetzt dazu:
- Jer 51:13.14. Die du an vielen Wassern wohnst, reich an Schätzen bist, dein Ende ist gekommen, das Maß deines Raubes. Jehova der Heerscharen hat bei sich selbst geschworen: Habe ich dich auch mit Menschen gefüllt wie mit Heuschrecken, so wird man doch Triumphgeschrei (o. den Kriegsruf) über dich anstimmen!’'
Offb 17:18 erklärt, dass die Hure die große Stadt sei, die das Königtum über die Könige der Erde hat. Offensichtlich werden die 7 und 10 Könige, durch Köpfe und Hörner des Tieres dargestellt, zunächst von der Hure = Babel beherrscht. Natürlich ist in dieser Stadt das „babylonische“ - Herrschaftssystem des Endes lokalisiert. Das kommt besonders in Offb 17:16 zum Ausdruck. Sowohl das Tier, als auch die 10 Könige (vgl. Dan 2:44-46) hassen die Hure, machen sie öde und nackt und verbrennen sie schließlich mit Feuer. (In diesem Zusammenhang lese man u. a. Jes 10:20ff.)
Die Könige und das Tier über also Gericht nach Gottes Gedanken (siehe Jer 51:29) Offb 17:17 an der Hure. D. h. aber, dass dahinter auch Menschen stehen müssen, die das babylonische Herrschaftssystem verkörpern. In der ganzen Schrift ist das von seinem Gott abgefallene Israel als Hure gekennzeichnet. Der Götzendienst ist Hurerei. Weiter würden den Rahmen unserer Betrachtung jetzt sprengen (siehe Betrachtung: „Israel als Jungfrau, Ehefrau, Ehebrecherin, Hure Neuvermählte des Christus“ weiter unten).
Was also klar zum Ausdruck kommt ist, dass es sich bei der Hure und Babel um beides handelt:
- a) ein widergöttliches Herrschaftssystem, das alle Könige der Erde beherrscht, und
- b) eine Stadt, in der es sich etabliert.
Wir gehen jetzt zu Offb 18
Babels plötzlicher Fall, in einer Stunde
Offb 18:2 spricht vom Fall Babylons, bereits Offb 14:8; Offb 17:16 genannt. Nach Offb 18:8 kommt das Gericht an einem Tag. Offb 18:10.17.19 st das Zerstörungsgericht in einer Stunde vollzogen. Das kann vom zweiten Babel nicht gesagt werden. Wohl wurde es von Alexander dem Großen eingenommen als er die Perser 334 besiegte. Von einem plötzlichen Untergang kann keine Rede sein. Er versuchte Babel wieder aufzubauen. Sein früher Tod vereitelte das jedoch.
In Offb 18:7 lesen wir:
- Offb 18:7: Denn sie spricht in ihrem Herzen: Ich sitze als Königin, und Witwe bin ich nicht, und Traurigkeit werde ich nicht sehen.
Wir vergleichen das mit:
- Jes 47:7-9: Und du sprachst: In Ewigkeit werde ich Herrin sein!, so dass du dir dieses nicht zu Herzen nahmst, das Ende davon nicht bedachtest. Un nun höre dieses, du Üppige, die in Sicherheit wohnt, und in ihrem Herzen spricht: Ich bin’s und gar keine sonst! Ich werde nicht als Witwe sitzen, noch Kinderlosigkeit kennen. Dieses beides wird über dich kommen in einem Augenblick, an einem Tage: Kinderlosigkeit und Witwentum; in vollstem Maße werden sie über dich kommen, trotz der Menge deiner Zaubereien, trotz der gewaltigen Zahl deiner Bannsprüche.
Die beiden Stellen verbinden, oder synchronisieren, die Aussagen in der Offenbarung direkt mit denen in Jes 47. Daraus folgt:
- Die Aussagen in Jes 47 beziehen sich damit nicht nur auf das zweite Babel, sondern reichen offensichtlich bis an Ende dieses Äons zum dritten Babel.’'
Das ist eine Vorgehensweise Gottes, die wir auch bezüglich Aussagen über Israel und seine Zukunft haben (z.B. Jes 61:1.2 und das teilweise Zitat Jesu in der Synagoge seiner Vaterstadt in Lk 4:14-21). In den folgenden Versen (Jes 47:11-15) schildert Gott, dass plötzlich eine Verwüstung kommt (Jes 47:11), und dass ein Feuer beim Gericht beteiligt ist (Jes 47:14)
Jes 47:15 schließlich beschreibt die Reaktion der Betroffenen wie sie uns in Offb 18:11.23 geschildert ist (vgl. dazu Jer 50:45.46).
Vom Feuergericht über Babel redet auch Jes 13. Wir nehmen eine Kostprobe:
- Jes 13:19.20: Und Babel, die Zierde der Königreiche, der Stolz des Hochmuts der Chaldäer, wird gleich sein der Umkehrung Sodoms und Gomorras durch Gott. Es wird in Ewigkeit nicht bewohnt werden, und keine Niederlassung mehr sein von Geschlecht zu Geschlecht; und der Araber wird dort nicht zelten, und HIrten werden dort nicht lagern lassen.’'
Babel erfährt also nach diesen Versen ein Gericht, das Sodom und Gomorra vergleichbar ist. Das war ein Feuergericht. Offb 18:8.9 beschreiben genau das. Wir dürfen uns durch Jes 13:17.18 nicht durcheinanderbringen lassen, denn dort beschreibt Gott die Zerstörung des zweiten und dritten Babel in einem Kapitel!
In Jes 13:9 steht sogar, dass Gott die Erde zur Wüste machen wird! Das ist in der Offenbarung m 6. Siegel (Offb 6:12-17) bei den Posaunengerichten Offb 8:7-13; und den Schalengerichten Offb 16:.1-11 ohne Schwierigkeit nachvollziehbar.
Hören wir an dieser Stelle noch mehr aus Jer 50. Nach Jer 50:1 betrifft die Weissagung zunächst das 2. Babel und das Land der Chaldäer, also was heute ungefähr dem Gebiet Iraks entspricht.
- Jer 50:32: Dann wird die Stolze [Eigentl. du (der Stolz), oder du (der) Übermut] straucheln und fallen, und niemand wird sie aufrichten; und ich werde ein Feuer anzünden in ihren Städten, dass es alle ihre Umgebung verzehre.
- Jer 50:39-42: Darum werden Wüstentiere mit wilden Hunden darin wohnen und Strauße darin wohnen; und es soll in Ewigkeit nicht mehr bewohnt werden, und keine Niederlassung sein von Geschlecht zu Geschlecht. (40) Gleich der Umkehrung Sodoms und Gomorras und ihrer Nachbarn durch Gott, spricht Jehova, wird niemand daselbst wohnen und kein Menschenkind darin weilen. (41) Siehe, es kommt ein Volk von Norden her, und eine große Nation und viele Könige machen sie auf von dem äußersten Ende der Erde. (42) Bogen und Wurfspieß führen sie, sie sind grausam und ohne Erbarmen; ihre Stimme braust wie das Meer, und auf Rossen reiten sie: gerüstet wider dich, Tochter Babel, wie ein Mann zum Kriege. (Vergl. Offb 6:3)’'
Schlussfolgerung:
- Damit redet auch Jer 50 nicht nur von Alexander dem Großen, der allerdings keineswegs vom „Ende der Erde“ herkam, der u. a. Gericht am 2. Babel vor unserer Zeitrechnung übte, sondern auch von dem dritten Babel am Ende dieses gegenwärtigen Äons.
