Gottes Vorsatz im Sohn
nach dem gleichnamigen Buch von Andrew Jukes:
Der zweite Tod und die Wiederbringung aller Dinge
i. Die Wiederbringung aller Dinge
- Teil 1. Gottes Vorsatz im Sohn
- Teil 2. Der Vorsatz der Äonen
- Teil 2. Durch Tod und Gericht zum Leben
Die Wiederbringung aller Dinge
II. Das Zeugnis der Schrift
1. Gottes Vorsatz im Sohn
a) Rettung durch den Erstgeborenen
Zuerst die Absicht Gottes, durch die Erstlingsfrüchte oder den Erstgeborenen zu erretten und zu segnen. Sie ist in der Tat der Inhalt des Evangeliums und kommt, gleich allen Geheimnissen Gottes, schrittweise zustande. In der ersten Verheißung von dem Samen des Weibes ist sie zwar enthalten, aber kaum zu erkennen (1Mo 3:15), dagegen tritt sie deutlich hervor in dem Bund mit Abraham: "Durch deinen Samen sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden" (1Mo 22:18), denn der Same, durch welchen alle Völker auf Erden gesegnet werden, muss unterschieden sein und früher gesegnet werden, als die Nationen, für welche er nach Gottes Vorsatz zu seiner Zeit ein Segen wird. Dieser Vorsatz wird dann eingehender in dem Gesetz der Erstlingsfrüchte und des Erstgeborenen offenbart (Röm 11:16), obgleich hier der Schleier des Vor- und Schattenbildes den meisten das Angesicht Mose verbirgt. Doch ist in Christo der Vorsatz für immer entschleiert, und das Geheimnis durch den Erstgeborenen andere zu erretten, durch den Heiligen Geist vollkommen offenbart. Christus ist der verheißene Same (Gal 3:16), der Erstgeborene (Kol 1:18), und in Ihm und durch Ihn soll auf die später Geborenen Segen ohne Ende herabkommen.
Nun ist aber Christus, wie Paulus zeigt, erstgeboren im doppelten Sinn. Er ist erstgeboren von oben, der erste aus dem Leben, denn Er ist der eingeborene Sohn Gottes, geboren vom Vater "vor allen Kreaturen. Denn durch Ihn ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Obrigkeiten; es ist alles durch Ihn und zu Ihm geschaffen. Und Er ist vor allen, und es besteht alles in Ihm" (Kol 1:15-17). Aber Er ist mehr als dies, denn Er ist auch "der Erstgeborene aus den Toten, der erste aus dem Tode, ""auf dass Er in allen Dingen den Vorrang habe" (Kol 1:18), und in dieser Eigenschaft als Erstgeborener aus den Toten ist Er das Haupt der Gemeinde und der Erstlingsfrüchte der Kreatur. Alle Dinge sind wahrlich von Gott, aber es ist auch nicht weniger wahr, dass alle Dinge durch den Menschen sind, wie geschrieben steht: "Wie durch einen Menschen der Tod kam so kommt durch einen Menschen die Auferstehung der Toten" (1Kor 15:21). Darum wird der Tod, wie er durch einen Erstgeborenen in die Welt gekommen ist, durch einen anderen Erstgeborenen für immer überwunden werden.
Hierin ist zu erkennen, dass ebenso wie die Sünde, auch das Heilmittel für die Sünde durch einen Menschen kommt. So gibt es nicht nur Errettung für den Menschen sondern auch durch den Menschen, denn der e i n e Sohn ist auch des Menschen Sohn, der durch Geburt im Fleisch unser Los auf sich genommen hat, damit Er durch eine zweite Geburt aus dem Grab auch der Erstgeborene von den Toten würde, und kraft dieser Beziehung erfüllt Er für uns alles das, was in dem Wort Erlöser enthalten ist. Das Gesetz des Mose ist hier sehr lehrreich, denn so gewiss es wahr ist, dass der Buchstabe dieses Gesetzes nur durch das Evangelium in seiner Breite und Tiefe nur durch die Darstellungen des Gesetzes ausgedrückt werden kann, deren jede ein seliges Geheimnis birgt.
Was lehrt uns denn das Gesetz über diesen Erstgeborenen von den Toten? Denn wohl gemerkt, es ist stets der Erstgeborene aus dem Grab, von welchem das Gesetz spricht - darum des Weibes, nicht des Mannes Erstgeborener, "der Knabe, welcher als erster den Mutterschoß durchbricht" (2Mo 13:12 - 2Mo 34:19 - 4Mo 3:12.13); derselbe konnte zwar, brauchte aber nicht des Vaters Erstgeborener zu sein. Denn das Gesetz, welches nur für Sünder gegeben war (1Tim 1:9), brauchte nicht von dem Erstgeborenen zu reden, der aus Gott kam, sondern nur von jenem, welchen Er erweckte aus dem Grab, dem unfruchtbaren Mutterleib dieser unserer gefallenen und unreinen Natur. Nach dem Gesetz hatte der Erstgeborene das Recht, dessen er zwar verlustig gehen konnte, Priester und König zu sein, das heißt für seine jüngeren Brüder einzutreten und sie zu beherrschen (2Mo 13:2 - 2Mo 24:5 - 4Mo 3:12.13 - 4Mo 16:1 - 1Chr 5:1.2); ihm oblag die Pflicht Goel zu sein oder Erlöser, einen Bruder, der verarmt war und sich einem Fremden verkauft hatte, zu lösen, sein Blut zu rächen, dem Toten Samen zu erwecken und sein Erbteil zu lösen, wenn es zu irgendeiner Zeit verloren gegangen oder veräußert worden war (3Mo 25:47.48 - 5Mo 19:4-12 - 1Mo 38:8 - 5Mo 25:5-10 - Rt 4:6-10 - 3Mo 19:25:25 - Rt 2:20). Damit er diese Pflichten erfüllen konnte, gab ihm Gott ein zweifaches Erbteil (5Mo 21:17). Brauche ich noch zu erklären, wie Christus diese Einzelheiten erfüllt hat, wie er als Erstgeborener aus dem Grab, aus dem unfruchtbaren Mutterleib, welcher schreit: "Bring her, bring her!" (Spr 30:15.16), der Erstgeborene ist, durch welchen der Segen zu uns kommt? In diesem Sinn, das bezweifelt kein Christ, ist es Gottes Vorsatz, durch den Erstgeborenen aus den Toten die später Geborenen zu erretten und zu segnen.
c) Verheißung für "Abrahams Same"
Doch die Wahrheit geht noch weiter, denn außer dem Herrn gibt es noch andere, die beides, "Erstgeborene" und "Abrahams Same" sind und die deshalb in ihrem Maße an derselben Ehre mit und unter Christus teilhaben und in denen als "Miterben Christi" die Verheißung sich erfüllen muss, dass in ihnen "alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden sollen" (1Mo 22:18). Diese herrliche Wahrheit, das wirkliche Wesen des Evangeliums, verkündet der Welt Errettung durch den verheißenen Samen Abrahams und wird doch bei vielen von Abrahams Samen so wenig erkannt, dass nicht wenige aus den Kindern der Verheißung reden und handeln, als ob es für Christus uns Seinen Leib nur auf die eigene Rettung ankäme anstatt darüber zu frohlocken, dass sie auch das fest bestimmte Mittel sind, um andere zu erretten. Selbst von den Auserwählten sehen nur wenige, dass sie zum Erstgeburtsrecht erwählt sind, dass sie nicht allein gesegnet, sondern auch ein Segen werden sollen; als Erstlinge mit Christo sollen sie Seine Herrlichkeit als Könige und Priester mit Ihm teilen, nicht nur ihre jüngeren, später geborenen Brüder leiten und für sie eintreten, sondern auch ihr Blut rächen, den Taten Samen erwecken und in und durch Christus, ihr Leben und Haupt, ihr verloren gegangenes Erbteil erlösen. Gott sei Dank, dass Er der Erwählten doppeltes Teil kennt und ihnen bewahrt, auch wenn sie selber es nicht kennen, dass Er zu Seiner Zeit trotz ihrer Blindheit Seinen Vorsatz in ihnen und durch sie erfüllen wird. Aber zweifellos sind die Erben dafür zu tadeln, dass sei die Absicht ihres Vaters nicht kennen und in Folge dessen so unvollkommen Seine Gnadenabsichten für alle Seine gefallenen Kreaturen bezeugen.
d) Zweierlei Erstlingsfrüchte
Das gesamte alte Gesetz erstrahlt von Licht auf diesem Punkt, nicht nur in seinen Anordnungen und Vorschriften bezüglich der Erstgeborenen und deren doppeltem Anteil, sondern auch in den Einzelheiten bei der Darbringung der Erstlingsfrüchte, worin dasselbe Geheimnis von einer anderen Seite dargestellt und beleuchtet wird. Der natürliche Same ist ein Vorbild auf den Samen der Gnade, und die Erstlingsfrüchte des einen sind nur das Schattenbild des anderen, jenes "Samens des Königreichs", welcher zuerst für den Himmel reif ist, reif gemacht durch die wahre Sonne (Ps 84:12), das wahre Licht (Joh 8:12) und die wahre Luft (Joh 3:8), von denen Sonne, Licht und Luft der gegenwärtigen Natur in all ihrem wunderbaren Wirken doch nur die stummen, aber ständigen Zeugen sind. Hier ist das Vorbild sehr ausgeprägt und klar, denn das Gesetz, welches die Erstlingsfrüchte beanspruchte, spricht von zweierlei Erstlingsfrüchten (3Mo 23:10.17). Die ersten, die Garbe oder Hand voll ungesäuerten Ähren, die zuerst aus der dunklen, kalten Erde hervorkommen und am kürzesten unter ihrer Dunkelheit begraben waren reifen am schnellsten heran zu einem Opfer für Gottes Altar; sie wurden an dem ersten großen Fest des Jahres, dem Fest der ungesäuerten Brote, dem Passahfest, dargebracht (3Mo 23:10.11 - Lk 22:1).
Die anderen, die auch Erstlingsfrüchte genannt werden, wurden fünfzig Tage später zu Pfingsten, in Gestalt von gesäuerten Broten geopfert (3Mo 23:17). Beide werden im Gesetz ausdrücklich Erstlingsfrüchte genannt, obwohl sie durch ihren Namen verschieden sind; die Ähren zu Passah heißen "Raschit", die gesäuerten Brote zu Pfingsten "Bikurim" (Raschit oder "Anfang", die Bezeichnung, welche im Gesetz die Passah-Erstlingsfrüchte erhielten ist dasselbe Wort, das Paulus in der bereits zitierten Stelle, Kol 1:18 für Christus benutzt: "Er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde, Er, welcher ist der "Anfang" und der Erstgeborene von den Toten"; dazu stimmt genau das Evangelium, wenn es sagt, "der Erstling Christus (1Kor 15:15.23) und wir "Erstlinge Seiner Kreaturen" (Jak 1:18 - Offb 14:4); Christus der Erstgeborene" (Kol 1:18), und wir die "Gemeinde der Erstgeborenen" (Hebr 12:23), welche Worte unsäglichen Segens in sich bergen; denn wenn "der Anbruch heilig ist, so ist auch der Teig heilig" (Röm 11:16); das Opfer der Erstlingsfrüchte hat Gott angenommen und dadurch die ganze zukünftige Ernte geheiligt und geweiht.
