Das Verhalten Daniels

Aus Bibelwissen

Die Tafelkost des Königs

Was ist unter diesen Leckerbissen eigentlich zu verstehen? Es sind dies kleine köstliche Häppchen, die mannigfaltigen Genuß garantieren. Im Gaumen eine wahre Freude, doch im Bezug auf den gesundheitlichen Wert eher schlecht. Ich aß einmal ganz bewusst eine Frucht. Als ich diese Frucht genoss, wurde mir plötzlich klar: Sie ist perfekt! Nicht zu süß, nicht zu massig, nicht zu schwer, sie ist saftig, aromatisch und jedenfalls gesund. Sie übertrifft von den Eigenschaften her eine Patisserie eines Bäckers bei weitem und doch hat das "Dessertstück" des Bäckers eine viel größere Anziehungskraft als die Frucht.

Im geistigen Bereich verhält es sich genau gleich: Das Ungesunde hat eine viel größere Anziehungskraft auf Leib und Seele, als das Gesunde. Worte des Ohrenbläsers sind wie Leckerbissen (die man gierig verschlingt); sie dringen tief hinab in die Kammern des Leibes (Spr 26:22). An anderer Stelle lesen wir: Ein Ohrenbläser entzweit Vertraute (Spr 16:28). Die Frucht der Erkenntnis des Guten und Bösen war schön anzusehen, sie war eine Lust für die Augen(1Mo 3:6). Bei allen Dingen, die uns seelisch oder leiblich anziehen, sollten wir immer sehr vorsichtig und misstrauisch sein.

Das Vorgehen Daniels

Daniel erkennt den Unterschied zu dem, was er gelernt wurde. Daniel denkt nach, unterscheidet und setzt die richtigen Prioritäten. Daniel nimmt sich im Herzen etwas vor (w. "legte auf sein Herz"): Er möchte entgegen der Anweisungen des Königs eine andere Verpflegung. Seine erste Handlung zeigt schon ein grosses Risiko. Man stelle sich vor: "Nach dem Verschlepptwerden hat Daniel die Möglichkeit sehr angenehm zu leben und diese Chance setzt er aufs Spiel. Er riskiert, alles zu verlieren. Diese Tatsache war ihm auch sicherlich bewusst. Wenn er das machen wollte, was er sich im Herzen vornahm, dann konnte er dies nur im Glauben und im Vertrauen auf Gott. Was war nun die Abfolge seiner Handlungsweise:

  1. Daniel sieht ein Problem.
  2. Er möchte etwas anderes tun, als das was vorgeschrieben wurde.

Er erkennt Risiko und trotzdem sieht er das es nicht richtig wäre 

 Daniel macht "Flucht nach vorne" und betet vielleicht folgendes: "Mein Gott, Du siehst dass ich mich mit dieser Speise unrein machen würde und dass ich diese Speise nicht zu mir nehmen möchte. Aber wenn ich mich weigere, riskiere ich mein Leben. Doch mein Leben ist in Deinen Händen. Wenn Du möchtest, dass ich mich von dieser Speise enthalte, dann kannst Du mir auch Gnade schenken, wenn ich mich an den Hofbeamten wende. Ich bin in Deinen Händen und vertraue auf Deine Stärke." Daniel macht sich nicht ein guter Vorsatz und strengt sich an diesen Vorsatz in die Tat umzusetzen, sondern er weiss von Anfang an: "Ich möchte zwar etwas, aber damit es gelingen kann, muss mir mein Gott Gnade schenken, sonst bin ich verloren." Sein Vorsatz hat die Grundlage des Vertrauens und der völligen Hingabe. Er hat sich so stark in die Hände Gottes fallen lassen, dass Gott gar nicht mehr anders konnte, als ihm Gnade zu schenken. Gott gab Gnade (Huld) und Erbarmen vor dem Angesicht des Obersten der Kämmerer. Vorsätze können nur dann gelingen, wenn Gott Gnade, Huld und Erbarmen schenkt. Huld (ChäSäD) = Geheimnis des Lebens, labendes Mittel des Erbarmens. Weil Gott dem Daniel vom Geheimnis des Lebens gab, führte sein Vorsatz nicht zum Tode, sondern zum Leben. Das labende Mittel des Erbarmens erbaut. Fromme und gute Vorsätze nützen nichts, wenn wir uns von Gott nicht alles schenken lassen. Das Erbarmen, das Leben und die Erbauung müssen wir uns schenken lassen. Überhaupt sollten wir erkennen, dass wir uns alles schenken lassen dürfen. Wir sollten ständig nach oben "Empfangsausgerichtet" sein. Werden wir so demütig, dass wir uns ausnahmslos alles schenken lassen, auch die Dinge, die wir bis jetzt alle so scheinbar gut selber bewerkstelligen konnten! Der "Fürst der Kämmerer" erkannte sofort das Risiko das er vor dem König einging. "Seinen eigenen Kopf riskieren wegen ein paar ausländischen Jungs. Nein! Das wäre ja die grösste Dummheit die ich machen könnte." An der Aussage des Beamten können wir sehr gut erkennen, welche Brisants der Vorsatz Daniels hatte. Aus menschlicher Sicht wahr es beinahe unmöglich, dass dieser "Fürst der Kämmerer" auf das Anliegen Daniels einging. Es ging völlig gegen die Vernunft: Warum ein solches Risiko eingehen? Der König hat ja die Speise verordnet und wenn diese schlecht ist, was geht mich das an? Ich gehe lieber auf Nummer "Sicher" und mach das was der König angeordnet hat. Wir sehen, damit das Anliegen Daniels eine Chance hatte brauchte es unbedingt die Gnade des allmächtigen Gottes. Der Oberste der Kämmerer sagte also: "Das ist viel zu gefährlich, hier riskiere ich meinen Kopf."

Nun richtet Daniel seine nächste Frage an den Aufseher (w. Bestallten). Übersetzer oder Diener des Obersten der Kämmerer. Es ist nicht ganz klar, ob der Oberste diese Frage mitbekam. Wenn der Aufseher nur Übersetzer war, dann wusste der Oberste der Kämmerer um die Absicht und verordnete den Versuch von 10 Tagen an. Es wäre aber auch möglich, dass der Aufseher hier ein riskanter Versuch ohne das Wissen seines "Chefs" wagte. In diesem Fall hätte der Aufseher auch sein Kopf gewagt. Die Aussage: "Gnade und Erbarmen vor dem Obersten der Kämmerer" würde dann heissen, dass für Daniel und seine Freunde das Gelingen durch den Aufseher kam, der dem Obersten der Kämmerer unterstellt war. Mit der Frage Daniels, die an den Aufseher gerichtet war; "Versuche es doch 10 Tage... ?" kam der Aufseher zum Schluss: "Wenn's nicht wirkt, kann ich dann den Menuplan immer noch ändern und der König wird wahrscheinlich nichts merken." Doch diese tolerante Herzenseinstellung musste Gott zuvor bewirken, sonst hätten die 4 jungen Männer vmtl. keine Chance gehabt. Jetzt wusste Daniel: "Die Sache liegt jetzt ganz in Gottes Händen. Wenn ER nicht dafür sorgt, dass wir in 10 Tagen nicht wesentlich besser aussehen als die anderen, dann können wir nichts mehr unternehmen, um uns rein zu halten. "Lieber HERR, von jetzt an ist es ganz DEINE Angelegenheit." Was Elberfelder mit Gemüse übersetzt, heisst im Grundtext "Samen". Die Bedeutung des Samens in der Schrift: