2Mo 3:14: Unterschied zwischen den Versionen
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== | == Versanalyse & Erläuterungen == | ||
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=== Grundtext & Satzbau === | |||
* Hebräischer Text: '''אֶהְיֶה אֲשֶׁר אֶהְיֶה''' (ʾehyeh ʾăšer ʾehyeh) | |||
* Verb '''אֶהְיֶה''' (hayah, H1961): Qal-Imperfekt, 1. Pers. Sg. – „ich bin", „ich werde sein" | |||
* Konstruktion: Relativsatz mit '''אֲשֶׁר''' – wörtlich: „Ich werde sein, der ich sein werde" | |||
=== | * Gottesname '''יהוה''' (JHWH) leitet sich etymologisch von derselben Wurzel '''היה''' ab | ||
* Die Aussage ist bewusst offen gehalten – keine abschließende Definition Gottes, sondern Selbstoffenbarung in Freiheit | |||
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=== | === Aussageabsicht === | ||
=== | * Gott antwortet auf die Frage des Mose nach seinem Namen ([[2Mo_3.#2Mo_3:13|2Mo 3:13]]) | ||
== | * Der Name ist keine Beschreibung, sondern eine '''Seinsaussage''': Gott definiert sich selbst durch sein Sein | ||
* Der Imperfekt im Hebräischen betont '''Kontinuität und Dynamik''': Gott ist nicht statisch, sondern handelnd gegenwärtig | |||
* Die dreifache Verwendung von '''אֶהְיֶה''' im Vers betont die Unmittelbarkeit und Absolutheit des göttlichen Wesens | |||
* Gott autorisiert Mose durch seinen Namen – der Name trägt Vollmacht | |||
=== Hintergrund === | |||
* ''Historischer Kontext:'' Israel in ägyptischer Sklaverei; Mose bekommt den Auftrag zur Befreiung ([[2Mo_3.#2Mo_3:7|2Mo 3:7–10]]) | |||
* ''Theologischer Kontext:'' Erstmalige explizite Selbstvorstellung Gottes mit dem Eigennamen – ein Schlüsselmoment der Offenbarungsgeschichte | |||
* ''Namensoffenbarung:'' Der vollständige Gottesname '''יהוה''' (JHWH) wird in Vers 15 eingeführt; hier in V.14 die erläuternde Umschreibung | |||
* ''Septuaginta (LXX):'' Übersetzt mit '''ἐγώ εἰμι ὁ ὤν''' – „Ich bin der Seiende" – philosophisch-ontologisch geprägte Interpretation | |||
* ''Lutherbibel:'' „Ich werde sein, der ich sein werde" – betont die Zukunftsdimension | |||
* ''Elberfelder:'' „Ich bin, der ich bin" – stärker auf die Gegenwartsaussage fokussiert | |||
=== Neutestamentlicher Bezug === | |||
* Jesus nimmt die '''„Ich bin"-Formel''' (ἐγώ εἰμι) bewusst auf ([[Joh_8.#Joh_8:58|Joh 8:58]]; [[Joh_6.#Joh_6:35|Joh 6:35]]; [[Joh_10.#Joh_10:11|Joh 10:11]]) | |||
* In '''Joh 8:58''' sagt Jesus: „Bevor Abraham war, bin ich" – direkter Rückbezug auf 2Mo 3:14 | |||
* [[Offb_1.#Offb_1:8|Offb 1:8]]: „der ist und der war und der kommt" – trinitarische Entfaltung des göttlichen Namens | |||
=== Praktische Anwendung === | |||
* Gott ist nicht abstrakt, sondern '''persönlich und selbst-offenbarend''' – er tritt in Beziehung | |||
* Der Name trägt '''Verlässlichkeit''': Gott ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit ([[Hebr_13.#Hebr_13:8|Hebr 13:8]]) | |||
* Mose darf mit einem '''Namen''' vor Israel treten – Vollmacht kommt aus dem Auftrag Gottes, nicht aus eigener Stärke | |||
* Für Gläubige: Gebet und Dienst geschehen '''im Namen''' des „ICH BIN" – nicht in eigener Kraft | |||
== Parallelstellen == | |||
* ([[2Mo_3.#2Mo_3:13|2Mo 3:13–15]]) – Kontext der Namensoffenbarung; JHWH stellt sich Mose vor | |||
* ([[2Mo_6.#2Mo_6:2|2Mo 6:2–3]]) – Erneute Offenbarung des Gottesnamens JHWH gegenüber Mose | |||
* ([[Ps_135.#Ps_135:13|Ps 135:13]]) – „Dein Name, JHWH, bleibt ewig" | |||
* ([[Jes_43.#Jes_43:10|Jes 43:10–13]]) – „Ich bin es" – Gottes Selbstaussage im Deuterojesaja | |||
* ([[Jes_48.#Jes_48:12|Jes 48:12]]) – „Ich bin der Erste und Ich bin der Letzte" | |||
* ([[Joh_8.#Joh_8:58|Joh 8:58]]) – „Bevor Abraham war, bin ich" – Jesu Rückgriff auf den Gottesnamen | |||
* ([[Joh_6.#Joh_6:35|Joh 6:35]]) – „Ich bin das Brot des Lebens" – erste der sieben Ich-bin-Aussagen | |||
* ([[Offb_1.#Offb_1:4|Offb 1:4]]) – „der ist und der war und der kommt" | |||
* ([[Offb_1.#Offb_1:8|Offb 1:8]]) – „Ich bin das Alpha und das Omega" | |||
* ([[Apg_7.#Apg_7:32|Apg 7:32]]) – Stephanus zitiert die Erscheinung am Dornbusch | |||
* ([[Hebr_13.#Hebr_13:8|Hebr 13:8]]) – „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit" | |||
* ([[Röm_9.#Röm_9:14|Röm 9:14–15]]) – Paulus über Gottes souveräne Gnade im Kontext von Exodus | |||
Version vom 7. April 2026, 16:52 Uhr
Grundtexte
MAS 2Mo 3:14 וַיֹּאמֶר אֱלֹהִים אֶל־מֹשֶׁה אֶֽהְיֶה אֲשֶׁר אֶֽהְיֶה וַיֹּאמֶר כֹּה תֹאמַר לִבְנֵי יִשְׂרָאֵל אֶֽהְיֶה שְׁלָחַנִי אֲלֵיכֶֽם׃
Übersetzungen
SEP 2Mo 3:14 καὶ εἶπεν ὁ θεὸς πρὸς Μωυσῆν ἐγώ εἰμι ὁ ὤν καὶ εἶπεν οὕτως ἐρεῖς τοῖς υἱοῖς Ισραηλ ὁ ὢν ἀπέσταλκέν με πρὸς ὑμᾶς
ELB 2Mo 3:14 Da sprach Gott zu Mose: Ich bin, der ich bin. Dann sprach er: So sollst du zu den Söhnen Israel sagen: Der «Ich bin» hat mich zu euch gesandt.
ELO 2Mo 3:14 Da sprach Gott zu Mose: Ich bin, der ich bin. Und er sprach: Also sollst du zu den Kindern Israel sagen: "Ich bin" hat mich zu euch gesandt.
LUO 2Mo 3:14 Gott +0430 sprach +0559 (+08799) zu +0413 Mose +04872: ICH WERDE SEIN +01961 (+08799), DER +0834 ICH SEIN WERDE +01961 (+08799). Und sprach +0559 (+08799): Also +03541 sollst du den Kindern +01121 Israel +03478 sagen +0559 (+08799): ICH WERDE SEIN +01961 (+08799) hat mich zu +0413 euch gesandt +07971 (+08804).
SCH 2Mo 3:14 Gott sprach zu Mose: «Ich bin, der ich bin!» Und er sprach: Also sollst du zu den Kindern Israel sagen: «Ich bin», der hat mich zu euch gesandt.
KAT 2Mo 3:14 Da sprach Elohim zu Mose: Ich werde für sie da sein, so wie Ich jetzt für sie da bin. und er fügte hinzu: So sollst du zu den Söhnen Israels sagen: der „Ich-bin-da“ hat mich zu euch geschickt.
PFL 2Mo 3:14 Und es sprach Elohim zu Mose: Ich bin und werde sein, Der Ich bin und sein werde; und er sprach: So wirst du sagen den Söhnen Israels: Der Ich bin und werde sein hat mich gesandt zu euch (Offb 1:3 - Offb 1:8).
TUR 2Mo 3:14 Da sprach Gott zu Mosche: “Ich bin, der ich sein mag.” Und er sprach: „So sollst du sprechen zu den Kinder Jisrael: ‚Ich bin‘ hat mich zu euch gesandt.“
Vers davor: 2Mo 3:13 --- Vers danach: 2Mo 3:15
Zur Kapitelebene 2Mo 3
Zum Kontext: 2Mo 3.
Informationen
📕 Ich bin, der ich bin (D. Muhl)
Interlinear-Übersetzung
| Grundtext | Transliteration | Übersetzung | Strong |
|---|---|---|---|
| אֶהְיֶה | ʾehyeh | Ich bin / Ich werde sein | H1961 |
| אֲשֶׁר | ʾăšer | der / was | H834 |
| אֶהְיֶה | ʾehyeh | Ich bin / Ich werde sein | H1961 |
| וַיֹּאמֶר | wayyōʾmer | und er sprach | H559 |
| כֹּה | kōh | so | H3541 |
| תֹאמַר | tōʾmar | sollst du sagen | H559 |
| לִבְנֵי | liḇnê | zu den Söhnen / Kindern | H1121 |
| יִשְׂרָאֵל | Yiśrāʾēl | Israels | H3478 |
| אֶהְיֶה | ʾehyeh | »ICH BIN« | H1961 |
| שְׁלָחַנִי | šəlāḥanî | hat mich gesandt | H7971 |
| אֲלֵיכֶם | ʾălêḵem | zu euch | H413 |
Versanalyse & Erläuterungen
Grundtext & Satzbau
- Hebräischer Text: אֶהְיֶה אֲשֶׁר אֶהְיֶה (ʾehyeh ʾăšer ʾehyeh)
- Verb אֶהְיֶה (hayah, H1961): Qal-Imperfekt, 1. Pers. Sg. – „ich bin", „ich werde sein"
- Konstruktion: Relativsatz mit אֲשֶׁר – wörtlich: „Ich werde sein, der ich sein werde"
- Gottesname יהוה (JHWH) leitet sich etymologisch von derselben Wurzel היה ab
- Die Aussage ist bewusst offen gehalten – keine abschließende Definition Gottes, sondern Selbstoffenbarung in Freiheit
Aussageabsicht
- Gott antwortet auf die Frage des Mose nach seinem Namen (2Mo 3:13)
- Der Name ist keine Beschreibung, sondern eine Seinsaussage: Gott definiert sich selbst durch sein Sein
- Der Imperfekt im Hebräischen betont Kontinuität und Dynamik: Gott ist nicht statisch, sondern handelnd gegenwärtig
- Die dreifache Verwendung von אֶהְיֶה im Vers betont die Unmittelbarkeit und Absolutheit des göttlichen Wesens
- Gott autorisiert Mose durch seinen Namen – der Name trägt Vollmacht
Hintergrund
- Historischer Kontext: Israel in ägyptischer Sklaverei; Mose bekommt den Auftrag zur Befreiung (2Mo 3:7–10)
- Theologischer Kontext: Erstmalige explizite Selbstvorstellung Gottes mit dem Eigennamen – ein Schlüsselmoment der Offenbarungsgeschichte
- Namensoffenbarung: Der vollständige Gottesname יהוה (JHWH) wird in Vers 15 eingeführt; hier in V.14 die erläuternde Umschreibung
- Septuaginta (LXX): Übersetzt mit ἐγώ εἰμι ὁ ὤν – „Ich bin der Seiende" – philosophisch-ontologisch geprägte Interpretation
- Lutherbibel: „Ich werde sein, der ich sein werde" – betont die Zukunftsdimension
- Elberfelder: „Ich bin, der ich bin" – stärker auf die Gegenwartsaussage fokussiert
Neutestamentlicher Bezug
- Jesus nimmt die „Ich bin"-Formel (ἐγώ εἰμι) bewusst auf (Joh 8:58; Joh 6:35; Joh 10:11)
- In Joh 8:58 sagt Jesus: „Bevor Abraham war, bin ich" – direkter Rückbezug auf 2Mo 3:14
- Offb 1:8: „der ist und der war und der kommt" – trinitarische Entfaltung des göttlichen Namens
Praktische Anwendung
- Gott ist nicht abstrakt, sondern persönlich und selbst-offenbarend – er tritt in Beziehung
- Der Name trägt Verlässlichkeit: Gott ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit (Hebr 13:8)
- Mose darf mit einem Namen vor Israel treten – Vollmacht kommt aus dem Auftrag Gottes, nicht aus eigener Stärke
- Für Gläubige: Gebet und Dienst geschehen im Namen des „ICH BIN" – nicht in eigener Kraft
Parallelstellen
- (2Mo 3:13–15) – Kontext der Namensoffenbarung; JHWH stellt sich Mose vor
- (2Mo 6:2–3) – Erneute Offenbarung des Gottesnamens JHWH gegenüber Mose
- (Ps 135:13) – „Dein Name, JHWH, bleibt ewig"
- (Jes 43:10–13) – „Ich bin es" – Gottes Selbstaussage im Deuterojesaja
- (Jes 48:12) – „Ich bin der Erste und Ich bin der Letzte"
- (Joh 8:58) – „Bevor Abraham war, bin ich" – Jesu Rückgriff auf den Gottesnamen
- (Joh 6:35) – „Ich bin das Brot des Lebens" – erste der sieben Ich-bin-Aussagen
- (Offb 1:4) – „der ist und der war und der kommt"
- (Offb 1:8) – „Ich bin das Alpha und das Omega"
- (Apg 7:32) – Stephanus zitiert die Erscheinung am Dornbusch
- (Hebr 13:8) – „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit"
- (Röm 9:14–15) – Paulus über Gottes souveräne Gnade im Kontext von Exodus
