1. Mose - Kapitel 29: Unterschied zwischen den Versionen

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===1Mo 29:15-18===
===1Mo 29:15-18===
:'''''"Und es sagt Laban zu Jakob: 'Wenn du auch mein Bruder (Neffe) bist, solltest du mir umsonst dienen? Sage mir, was dein Lohn sein soll.' Und Laban hatte zwei Töchter. Der Name der älteren war Lea, und der Name der jüngeren war Rahel. Und die Augen Leas waren Zart, aber Rahel ist schön von Gestalt und schön anzusehen. Und Jakob liebt Rahel. Und er sagt: 'Ich will dir dienen sieben Jahre um Rahel, deine jüngere Tochter.'"'''''
:'''''"Und es sagt Laban zu Jakob: 'Wenn du auch mein Bruder (Neffe) bist, solltest du mir umsonst dienen? Sage mir, was dein Lohn sein soll.' Und Laban hatte zwei Töchter. Der Name der älteren war Lea, und der Name der jüngeren war Rahel. Und die Augen Leas waren Zart, aber Rahel ist schön von Gestalt und schön anzusehen. Und Jakob liebt Rahel. Und er sagt: 'Ich will dir dienen sieben Jahre um Rahel, deine jüngere Tochter.'"'''''
Auf dem Weg des Zerbruchs, von dem wir gestern im Blick auf Jakob schrieben, gibt Gott Seinem Auserwählten etwas mit, was ihm die Kraft verleiht, den Weg auch zu gehen: "Liebe", wenn auch menschliche Liebe! Zwei Töchter Labans standen Jakob zur Verfügung, Lea mit den z arten Augen, was darauf schließen lässt, dass sie einen stillen und sanften Charakter hatte, Rahel hingen war schön von Gestalt und schön anzusehen, sie war also außerordentlich hübsch! Dass Jakob Rahel liebte, ist vordergründig also auf ihre Schönheit gegründet, hintergründig jedoch hatte Gott längst bestimmt, welche Frau Jakobs Liebe erringen würde, und das war eben Rahel. Ob sich Rahel auch schon dem Jakob zugetan fühlte oder ihn liebte, erfahren wir nicht, wir lesen nur, dass die Liebe erst einmal einseitig auf Jakobs  Seite aufflammte. Jakob machte sich also Gedanken, wie er um Rahel werben könnte, denn eine einseitige Liebesbeziehung ist weder Glück bringend noch befriedigend!
An dieser Stelle müssen wir jetzt doich einen Moment stehenbleiben, und im Geist versuchen, ob wir hier an etwas erinnert werden, nämlich an Gottes Liebe, die auch erst einmal einseitig war?<br/><br/>
Ganz am Anfang dieser Schriftreihe des 1. Buches Mose machten wir uns schon Gedanken, was wohl war, als das All noch "in Gott" war, und Gott, der ja Liebe ist, mit Seiner Liebe noch allein war! Und es war uns klar, dass Liebe allein Gott nicht genügen konnte, weswegen Er "im Anfang" begann, den Sohn Seiner Liebe zu z eugen. Das Nächste war dann der Schöpfungsakt des Alls, welches Er dem Sohn übergab und das dann gemäß Hebr 1:3 dieses All durch Sein machtvolles Wort trägt.
So gewaltig diese Vorgänge auch sind, geht es uns hier darum, dass Gott Sich ein gegenüber schaffte, dem er Seine Liebe zeigen und erweisen konnte, und - von dem Sein Herz ersehnt, wiedergeliebt zu werden, und dies ohne Zwang!
Und jetzt zu Jakob: Würde oder könnte er im stadium der Brautwerbung Rahels Liebe mit Zwang bekommen? Ein klares "Nein"! Also bestand seine Werbung um Rahel darin, eine Antwort auf sein Werben zu erhalten, er sehnte sich danach, dass sein Gefühl der Liebe erwidert wird. Er gibt also Rahel die Möglichkeit, zu einer eigenen Überzeugung zu gelangen, Jakob kennen zulernen und ... letztlich auch lieben zu lernen!<br/><br/>
Wir sprechen von der Liebe, und wechseln dabei zwischen Gott und Jakob hin und her, denn Jakobs Weg ist nicht von. ungefähr! "Liebe" ist ja in ihrem Wesen auf gegwnseitiges Verstehen ausgelegt, auf die Freiheit zu lieben und auf die Freiheit, dem anderen alles. zu geben, einschließlich sich selbst. Dieses feine Bild sahen wir bereits bei Rebekka, als Elieser im Auftrag Isaaks um sie warb. Elieser war sich am Anfang seiner Sache so sicher, dass er Rebekka sofort im Triumph nach Hause mitnehmen wollte, aber Rebekkas Eltern erkannten, dass bei dieser schnwllen Handlungsweise die Grundlage einer Heirat fehlte - die freiwillige Liebe! Und so kam Rebekkas Familie erst einmal zusammen und beschloss, das junge Mädchen solle selbst Stellung zu Isaaks Werbung nehmen. Erst als Rebekka öffentlich bekannte, dass sie gerne bereit sei, zu Isaak zu gehen, war die Familie einverstanden.
Ein gegenteiliges Beispiel wird in [[2Sam 13]] vor unsere Augen gestellt, "Amnon und Tamara", wo Amnon rasend in Tamara verliebt war, aber nicht die Geduld aufbrachte, ihre Liebe durch zarte Werbung zu erbringen, aus Lieb e wurde Begierde und dann Missbrauch, was alles zerstörte.<br/><br/>
Zwei grundlegende Punkte haben wir durch unsere bisherige Ausführung dargelegt: "Liebe" ist ihrem Wesen nach einmal auf gegenseitiges Verstehen angelegt, und zum anderen auf die Freiheit, dem anderen die ganze und ausschließlich Liebe zu schenken. Schauen wir jetzt auf Gott:
Im Verstehen (um auf den obigen ersten Punkt zu kommen) zweier Menschen ist dieses Verstehen <u>von beiden Seiten</u> her wichtig, bei Gott je doch muss nur der Mensch verstehen, nämlich Ihn, den Schöpfer von allem. Gott Selbst versteht Seine Schöpfung, ist diese doch ein teil von Ihm Selbst (siehe Röm 11:36). Alles aus Gott heraus geschaffene sollten wir uns danach ausstrecken, Gott in der Weise zu erkennen, dass wir Ihn von ganzem Herzen lieben können. Und Gott hat hierfür in liebender Vorsorge alle Voraussetzungen geschaffen, damit wir Ihn so erkennen und verstehen, wie Er von uns erkannt werden will, nämlich als uns unendlich liebender Vater!
Und als solchermaßen "liebender Vater" machte Er gemäß [[Hebr 1:3]] die Äonen, riesige Zeitläufe, um und mit unendlicher Geduld zu zeigen, wozu Seine Liebe zu uns fähig ist!<br/><br/>
Wir müssen noch auf den gestern zu Anfang angeführten zweiten Punkt zu sprechen kommen, "die Freiheit", weil erzwungene Liebe, wie wir bei Amnon und Tamara sahen, kein glückliches Ende findet. Und da Gott von seinen Geschöpfen keine erzwungene Liebe möchte, hat Er die Freiheit der Entscheidung in Seine Geschöpfe hineingelegt, wobei wir hier vorsorglich anmerken wollen, dass wir hier von keinem freien Willen des Menschen sprechen, den allein <u>nur Gott</u> hat! Aber - es entspricht Seinem Willen, dass die Liebesantwort auf sein Liebeswerben in völliger Freiheit getroffen wird, ohne Zwang.
Aus diesem Grund hat Gott einen Heilsplan aufgestellt, an dessen Anfang Christus, der Sohn Seiner Liebe steht, in dessen Mitte das Kreuz aufgerichtet wurde, und an dessen Ende wieder der Sohn steht, in dessen Namen "Jesus" sich freiwillig gemäß [[Phil 2:9]]-11 jedes Knie beuge und jede Zunge huldige, "Herr ist Jesus Christus, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters."
So wird das Kreuz auf Golgatha das sichtbare Zeichen der Liebe Gottes, "denn so liebt Gott die Welt, dass Er Seinen einzig gezeugten Sohn gibt, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht umkomme, sondern äonisches Leben habe ([[Joh 3:16]]).<br/><br/>
Wir könnten. jetzt unser angefangenes Thema noch lange mit großer Freude und Leidenschaft fortsetzen, doch wir sind ja bei Jakob und seiner Liebe zu Rahel, die uns einen kleinen Abglanz davon gibt, wozu der Mensch fähig ist, Liebe zu gewinnen, wobei Jakob nur Menschliches tut, nämlich viele Jahre zu dienen, Gott hingegen das kaum Fassbare tut, den Sohn Seiner Liebe für uns hinzugeben, um uns erkennen zu lassen, einmal, was Gottesferne durch Sünde bedeutet, und zum anderen, was das Opfer Jesu Christi bedeutet, um Gottes Liebe aufleuchten zu lassen.
Aus Liebe ist Jakob erst einmal bereit, dem Laben sieben Jahre um Rahel. zu dienen - aus Liebe war Gott bereit, uns alles zugeben, was Er geben konnte; hierzu lesen wir die köstlichen Worte Jesu in [[Joh 17:26]]:
"Ich habe ihnen Deinen Namen bekanntgemacht und werde ihn bekanntmachen, damit die Liebe, mit der Du Mich liebst, in ihnen sei und Ich in ihnen."
Am Ende, von dem [[1Kor 15:27]]-28 berichtet, wird Gottes Liebe alles einhüllen und auch Seine Liebe gestillt sein!<br/><br/>
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Jakobs Dienst und Heirat 15<br/><br/>
Jakobs Dienst und Heirat 15<br/><br/>
Die Söhne der Lea 32<br/><br/>
Die Söhne der Lea 32<br/><br/>

Version vom 30. März 2024, 22:03 Uhr

Abschrift: 1. Buch Mose (Band I -X) (2017/21)
aus der Reihe "Christi unausspürbarer Reichtum"
von Gerhard Groß (+ 2022)

Mit freundlicher Erlaubnis von Gerhard Groß, Balingen
Die Bände I-VIII sind als Schrift noch erhältlich

siehe weitere Abschriften
Inhaltsverzeichnis

In Bearbeitung

1. Buch Mose - Kapitel 29

Jakob kommt zu Laban
Jakobs Dienst und Heirat
Die Söhne der Lea

Jakob kommt zu Laban

1Mo 29:1-3

"Und es erhebt Jakob seine Füße und geht zum Lande der Söhne des Ostens, zu Laban, dem Sohne Bethuels, des Syrers, dem Bruder der Rebekka, der Mutter Jakobs und Esaus. Und er sieht auf, und siehe. ein Brunnen auf dem Felde. Und siehe, dort hatten sich drei Herden Kleinvieh bei ihm gelagerte; denn von jenem Brunnen tränken sie die Herden. Und der Stein auf dem Loch des Brunnens ist groß. Und dort versammeln sich all Herden. Und sie wälzen den Stein von dem Loch des Brunnens und tränken das Kleinvieh. Und sie wälzen den Stein zurück auf das Loch des Brunnens zu seinem Ort."

Wir haben gestern schon zu unserem neuen Kapitel übergeleitet, jetzt sehen wir also Jakob auf seinem Fluchtweg, der gleichzeitig ein Weg der Brautwerbung ist, nur dass, nicht wie bei seinem Vater Isaak , ein separater Brautwerber auftritt, sondern der Bräutigam persönlich.

Als Erstes wird uns das Ziel Jakobs genannt, Laban. Und Laban war ein Sohn des Bethuel, der wiederum einer der Söhne Nachors (und Milka) war. Nachor hatte noch zwei Brüder, nämlich Haran, der den Lot zeugte und früh verstarb, und Abraham, damals noch Abram. Alle drei Brüder hatten Tharah zum Vater, und Sem zum Urvater. Wie sehen also die gleiche Abstammung Labans von Sem, nur bei Tharah ging die Linie der Verheißung über Abram weiter. Soweit die Stammbäume.

Als Erstes lässt Gott den Jakob einen Brunnen auf dem Feld stehen, und dieser Brunnen enthält lebenserhaltendes Wasser oder "Wasser des Lebens" - Jakob sieht also, noch verhüllt, denjenigen, der von Sich sagt: "Ich gebe das Wasser des Lebens!"

"Und es erhebt Jakob seine Füße ..... Und sie wälzen den Stein zurück auf das Loch des Brunnens zu seinem Ort."

Wir haben unseren doch sehr langen Leitvers gekürzt wiedergegeben, um mehr Raum für unsere Gedanken zu. haben.

Es werden um den Brunnen in unseren Leitversen auffällig viele Worte gemacht, was wir zum Anlass nehmen, mehr darüber nachzudenken; dies führt uns im Sinne unseres gestrigen Schlusssatzes zu Joh 4:5-15, wo Jesus einen Dialog mit einer Samariterin führt. Die Kernaussage in Joh 4:14 ist, dass Er das lebendige Wasser gibt.

Und nun zu Jakob: Er sieht am Ziel seiner Reise als Erstes den Brunnen, der das Wasser des Lebens bedeutet, doch ein schwerer Stein verdeckt den Zugang zum Wasser und muss mühsam abgewälzt werden. Die symbolisiert den Weg Jakobs, der nicht so einfach an dieses Leben spendende Wasser heranführt, sondern erst mit größter Mühe freigemacht werden muss (was der Stein symbolisiert), und das bedeutet: Jakob muss erst viele Jahre dem Laban dienen, bevor er am Ziel ist. Anders ausgedrückt: Jakob muss noch schwer in die göttliche Schule genommen werden, bevor er, wie nach ihm Hiob in Hi 42:2 sagen kann: "Ich erkennen, dass Du alles vermagst, und nichts, das Du Dir vorgenommen, ist dir zu schwer."

Wenn wir jetzt auf uns schauen, stellen wir fest, dass auch bei uns immer wieder Steine auf dem Weg liegen, die es gilt wegzuräumen, ja wegzuwälzen; es sind die mehr oder weniger großen Steine der Anfechtungen, die uns aber mehr und mehr aufs Wort merken lassen, aber ... nicht so riesig sind, dass wir sie nicht tragen könnten, wie es uns 1Kor 10:13 verspricht!

1Mo 29:4-6

"Und es sagt Jakob zu ihnen: 'Meine Brüder, woher seid ihr?' Und sie sagen: 'Von Charan sind wir!' Und er sagt zu ihnen: 'Kennt ihr Laban, den Sohn Nachors?' Und sie sagen: 'Wir kennen ihn!'* und er sagt zu ihnen ' geht es ihm wohl?' Und sie sagen;: 'Wohl geht es. Und siehe Rahel, seine Tochter, kommt mit dem Kleinvieh.'"

Unser Leitvers führt uns weit zurück in die Kapitel 1Mo 11:10ff bis 1Mo 12, wo wir die Berufung Abrahams und seinen Auszug aus Ur miterleben durften, wobei dieser Auszug in unserem bekannten "Charan" stockte, weil Tharah, der Vater Abrahams, nicht weiterziehen wollte. Mit diesem Stehenbleiben von Tharah in Charan waren auch die zwei Söhne Tharahs, nämlich Abram und Nachor mit ihren Familien betroffen, wobei wir in 1Mo 11:8 lasen, dass Haran noch vor seinem Vater Tharah in Ur verstarb und nur noch sein Sohn Lot in Charan verweilte. Soweit für uns der geschichtliche Hintergrund. Aber was waren das nun für Menschen?

In jedem Fall gingen sie erst einmal ein Stück mit dem Auserwählten Abram und ihrem Vater Tharah mit bis Charan - es waren allesamt "Nichtauserwählte", die aber trotzdem gottesfürchtig waren, ohne zum lebendigen Glauben zu kommen. "Nachor" hatte inzwischen mehrere Söhne, darunter Bethuel, der wiederum der Vater von Rebekka und Laban war. Und auch Laban hatte eine Familie mit mehreren Töchtern, eine davon war "Rahel", und hier schließt sich unser Rundgang, der uns kurz zurück in die Geschichte der Nachkommen von Tharah führt - Jakob stößt während eines Zwiegesprächs mit den Hirten Labans auf Rahel, die Jakob von Anbeginn an liebte.

1Mo 29:7-8

"Und es sagt Jakob zu ihnen: 'Siehe, noch ist der Tag groß. Es ist nicht die Zeit, das Vieh zu versammeln. Tränket das Kleinvieh und geht und weidet es!' Und sie sagen: 'Wir können nicht, bis alle die Herden versammelt sind und sie den Stein wälzen von dem Loch des Brunnens. Sodann tränken wir das Kleinvieh.'"

Ebenso wie zuvor bei Eliesers Brautwerbung um Rebekka im Auftrag Isaaks wird auch hier bei Jakob klar und deutlich Gottes Führung erkennbar:

Offensichtlich vor der üblichen Zeit (der Tag war ja noch groß - also früh), tränkten die Hirten Labans drei Herden Kleinvieh. Jakob sprach dieses vorzeitige Tränken an und wollte sie wieder auf die Weide schicken - wobei hier angemerkt werden darf: Was ging denn dies den Jakob an? Er kommt in fremdes Gebiet, trifft erst einmal auf fremde Hirten. und will diese gleich besser wissend belehren, wie sie zu handeln hätten!

Die Hirten Labans verhalten sich auffallend geduldig dem sie belehrenden Mann gegenüber und verweisen darauf, dass noch eine Herde fehlt, die auch getränkt werden muss, und die von .... "Rahel" gehütet wird. Und genau in jenem Moment wo sie alle noch reden, taucht Rahel mit ihrem Kleinvieh auf!

Wenn wir dieses ganze Geschehen langsam auf uns einwirken lassen, erkennen wir auch, wie wunderbar Gottes Wege sind, selbst in kleinsten Einzelheiten, bis ins Detail - und man kann eigentlich nur staunen! Haben wir diese Wege ins Detail nicht auch schon auf unseren Wegen erleben und erkennen dürfen?

1Mo 29:9-10

"Als er noch mit ihnen spricht, kommt Rahel, die Tochter Labans, mit dem Kleinvieh ihres Vaters, denn Hirtin ist sie bei ihres Vaters Kleinvieh. Und es geschieht, als Jakob sieht Rahel, die Tochter Labans, des Bruders seiner Mutter, und das Kleinvieh Labans, des Bruders seiner Mutter, dass Jakob herankommt und wälzt den stein von dem Loch des Brunnens; und er tränkt das Kleinvieh Labans, des Bruders seiner Mutter."

Als Jakob noch mit ihnen spricht, vermutlich sind es die Hirten der drei Herden, taucht Rahel auf, und es scheint, als ob Gott hier für einen kurzen Moment ein helles Licht der Liebe aufleuchten lässt, denn Rahel wird ja nach langen Jahren der Unfruchtbarkeit Joseph zur Welt bringen, der zwar nicht die Verheißungslinie fortsetzt, aber den reichsten und längsten Segen seines Vaters erhielt. Aber soweit sind wir noch nicht.

Es fällt beim Lesen unseres Leitverses auf, dass wiederholt "Laban der Bruder seiner Mutter" (dreimal) erwähnt wird, einmal hätte ja auch gereicht! Hat diese nachdrückliche Erwähnung dieser Wortverbindung seine Bedeutung? Und in der Tat rückt jetzt ja Laban in unser Blickfeld, und da ist es nicht von ungefähr, dass er der Bruder seiner (Rebekkas) Mutter ist - und was haben wir zuletzt bei Rebekka festgestellt? Sie war ja die Drahtzieherin all der List und Tücke und des Betrugs, den Jakob an seinem Bruder Esau und an seinem Vater verübt hat! Und wie die Schwester, so auch der Bruder - dies will uns die Wortverbindung "... der Bruder seiner Schwester" sagen. Wir werden also bei Laban das gleiche Ränkespiel wie bei seiner. Schwester Rebekka miterleben, nur gilt es diesmal Jakob!

1Mo 29:11-12

"Und Jakob küsst Rahel und erhebt seine Stimme und weint. Und Jakob tut Rahel kund, dass er ihres Vaters Bruder (im Sinne von " Verwandter" hier "Neffe") sei und dass er sei Rebekkas Sohn. Und sie läuft und erzählt ihrem Vater diese Dinge."

Das Treffen an dem Brunnen von Jakob und Rahel ähnelt stark jenem in 1Mo 24:15, als Elieser, der Brautwerber Isaaks, auch an einem Brunnen auf Rebekka stieß; wir sehen auch hierin die wunderbare führung Gottes, der alles so arrangiert, wie es Seinem Willen entspricht.

Und Sein Wille war auch, dass Jakob, als er Rebekka mit ihrer Herde Kleinvieh kommen sah, sofort selber den stein vom Loch des Brunnens wälzte (siehe Vers 10), was ja eigentlich die übrigen Hirten hätten tun sollen. Es musste Jakob sein, der den Weg zum Leben spendenden Wasser freimachte. Und so dürfen wir schon hier an dieser frühen stelle erkennen, dass gerade Joseph, der Sohn Rahels, in. ganz besonderer Art und Weise den vorschattet, der das wahre Wasser des Lebens gibt, "Jesus"!

Unser Leitvers beschreibt nun etwas bewegendes: Jakob küsst Rahel und weint! Mit diesen zwei Handlungen bricht in Jakob endlich etwas Positives hervor, denn wir können in seinem ungewöhnlichen Verhalten (wer küsst schon eine fremde Frau) nur den Ausdruck seiner großen Dankbarkeit Gott gegenüber erkennen! "Dankbarkeit" für die Führung bis Charan und Dankbarkeit, dass er beim Anblick Rahels in seinem Herzen spürte:; Dies ist meine Frau! Und Rahel? Sie tut das, was eine gehorsame Tochter in jener Zeit tat: Sie läuft zu ihrem Vater und berichtet ihm alles, wissend, dass ihr Vater auch über eine Heirat das entscheidende Wort hat.

1Mo 29:13-14

"Und es geschieht, als Laban hört den Bericht über Jakob, seiner Schwester Sohn, dass auch er läuft, ihm zu begegnen. Und er umarmt ihn und küsst ihn und bringt ihn in sein Haus. Und er erzählt Laban alle diese Dinge. Und es sagt zu ihm Laben: 'Ja, mein Gebein und mein Fleisch bist du.' Und er wohnt bei ihm einen Monat von Tagen."

Laban ahnte, was den Sohn seiner Schwester Rebekka zu ihm trieb, schließlich machte er vor langen Jahren die ähnliche Erfahrung, als Elieser um die Hand seiner Schwester Rebekka bat. Damals lief Laban dem Elieser entgegen und er sah ... goldene Reifen und Spangen an den Händen seiner Schwester (1Mo 24:29-30). Es war damals nicht nur die Verwandtschaft, die ihn beeindruckte, sondern auch das Gold.

Jetzt steht erneute ein Mann aus seiner Verwandtschaft vor ihm, den er erst einmal herzlich aufnimmt und sich die ganzen Begebenheiten im Haus seiner Schwester Rebekka erzählen ließ. Ob Jakob dabei ehrlich war und alles so erzählte, wie es sich zugetragen hat, bleibt hier zwar offen, doch Jako9b muss damit gerechnet haben, dass andere die ganze Wahrheit über List, Lüge und Betrug im Hause Isaak weitergetragen haben oder dies noch tun. Laban dürfte also schon einen guten Überblick über alle Dinge erhalten haben, wobei er dann feststellt: "Mein Gebein und mein Fleisch bis du" .. und dies mit dem Hintergedanken, Jakob auch zu betrügen!

Laban war ganz offensichtlich ein Mann von schlechtem Charakter, den Gott jetzt benutzt, um Jakobs Selbstbewusstsein, sein List und Tücke über Jahre hinweg langsam zu zertrümmern, es begann ein Weg des Zerbruchs für Jakob.

1Mo 29:15-18

"Und es sagt Laban zu Jakob: 'Wenn du auch mein Bruder (Neffe) bist, solltest du mir umsonst dienen? Sage mir, was dein Lohn sein soll.' Und Laban hatte zwei Töchter. Der Name der älteren war Lea, und der Name der jüngeren war Rahel. Und die Augen Leas waren Zart, aber Rahel ist schön von Gestalt und schön anzusehen. Und Jakob liebt Rahel. Und er sagt: 'Ich will dir dienen sieben Jahre um Rahel, deine jüngere Tochter.'"

Auf dem Weg des Zerbruchs, von dem wir gestern im Blick auf Jakob schrieben, gibt Gott Seinem Auserwählten etwas mit, was ihm die Kraft verleiht, den Weg auch zu gehen: "Liebe", wenn auch menschliche Liebe! Zwei Töchter Labans standen Jakob zur Verfügung, Lea mit den z arten Augen, was darauf schließen lässt, dass sie einen stillen und sanften Charakter hatte, Rahel hingen war schön von Gestalt und schön anzusehen, sie war also außerordentlich hübsch! Dass Jakob Rahel liebte, ist vordergründig also auf ihre Schönheit gegründet, hintergründig jedoch hatte Gott längst bestimmt, welche Frau Jakobs Liebe erringen würde, und das war eben Rahel. Ob sich Rahel auch schon dem Jakob zugetan fühlte oder ihn liebte, erfahren wir nicht, wir lesen nur, dass die Liebe erst einmal einseitig auf Jakobs Seite aufflammte. Jakob machte sich also Gedanken, wie er um Rahel werben könnte, denn eine einseitige Liebesbeziehung ist weder Glück bringend noch befriedigend!

An dieser Stelle müssen wir jetzt doich einen Moment stehenbleiben, und im Geist versuchen, ob wir hier an etwas erinnert werden, nämlich an Gottes Liebe, die auch erst einmal einseitig war?

Ganz am Anfang dieser Schriftreihe des 1. Buches Mose machten wir uns schon Gedanken, was wohl war, als das All noch "in Gott" war, und Gott, der ja Liebe ist, mit Seiner Liebe noch allein war! Und es war uns klar, dass Liebe allein Gott nicht genügen konnte, weswegen Er "im Anfang" begann, den Sohn Seiner Liebe zu z eugen. Das Nächste war dann der Schöpfungsakt des Alls, welches Er dem Sohn übergab und das dann gemäß Hebr 1:3 dieses All durch Sein machtvolles Wort trägt.

So gewaltig diese Vorgänge auch sind, geht es uns hier darum, dass Gott Sich ein gegenüber schaffte, dem er Seine Liebe zeigen und erweisen konnte, und - von dem Sein Herz ersehnt, wiedergeliebt zu werden, und dies ohne Zwang!

Und jetzt zu Jakob: Würde oder könnte er im stadium der Brautwerbung Rahels Liebe mit Zwang bekommen? Ein klares "Nein"! Also bestand seine Werbung um Rahel darin, eine Antwort auf sein Werben zu erhalten, er sehnte sich danach, dass sein Gefühl der Liebe erwidert wird. Er gibt also Rahel die Möglichkeit, zu einer eigenen Überzeugung zu gelangen, Jakob kennen zulernen und ... letztlich auch lieben zu lernen!

Wir sprechen von der Liebe, und wechseln dabei zwischen Gott und Jakob hin und her, denn Jakobs Weg ist nicht von. ungefähr! "Liebe" ist ja in ihrem Wesen auf gegwnseitiges Verstehen ausgelegt, auf die Freiheit zu lieben und auf die Freiheit, dem anderen alles. zu geben, einschließlich sich selbst. Dieses feine Bild sahen wir bereits bei Rebekka, als Elieser im Auftrag Isaaks um sie warb. Elieser war sich am Anfang seiner Sache so sicher, dass er Rebekka sofort im Triumph nach Hause mitnehmen wollte, aber Rebekkas Eltern erkannten, dass bei dieser schnwllen Handlungsweise die Grundlage einer Heirat fehlte - die freiwillige Liebe! Und so kam Rebekkas Familie erst einmal zusammen und beschloss, das junge Mädchen solle selbst Stellung zu Isaaks Werbung nehmen. Erst als Rebekka öffentlich bekannte, dass sie gerne bereit sei, zu Isaak zu gehen, war die Familie einverstanden.

Ein gegenteiliges Beispiel wird in 2Sam 13 vor unsere Augen gestellt, "Amnon und Tamara", wo Amnon rasend in Tamara verliebt war, aber nicht die Geduld aufbrachte, ihre Liebe durch zarte Werbung zu erbringen, aus Lieb e wurde Begierde und dann Missbrauch, was alles zerstörte.

Zwei grundlegende Punkte haben wir durch unsere bisherige Ausführung dargelegt: "Liebe" ist ihrem Wesen nach einmal auf gegenseitiges Verstehen angelegt, und zum anderen auf die Freiheit, dem anderen die ganze und ausschließlich Liebe zu schenken. Schauen wir jetzt auf Gott:

Im Verstehen (um auf den obigen ersten Punkt zu kommen) zweier Menschen ist dieses Verstehen von beiden Seiten her wichtig, bei Gott je doch muss nur der Mensch verstehen, nämlich Ihn, den Schöpfer von allem. Gott Selbst versteht Seine Schöpfung, ist diese doch ein teil von Ihm Selbst (siehe Röm 11:36). Alles aus Gott heraus geschaffene sollten wir uns danach ausstrecken, Gott in der Weise zu erkennen, dass wir Ihn von ganzem Herzen lieben können. Und Gott hat hierfür in liebender Vorsorge alle Voraussetzungen geschaffen, damit wir Ihn so erkennen und verstehen, wie Er von uns erkannt werden will, nämlich als uns unendlich liebender Vater!

Und als solchermaßen "liebender Vater" machte Er gemäß Hebr 1:3 die Äonen, riesige Zeitläufe, um und mit unendlicher Geduld zu zeigen, wozu Seine Liebe zu uns fähig ist!

Wir müssen noch auf den gestern zu Anfang angeführten zweiten Punkt zu sprechen kommen, "die Freiheit", weil erzwungene Liebe, wie wir bei Amnon und Tamara sahen, kein glückliches Ende findet. Und da Gott von seinen Geschöpfen keine erzwungene Liebe möchte, hat Er die Freiheit der Entscheidung in Seine Geschöpfe hineingelegt, wobei wir hier vorsorglich anmerken wollen, dass wir hier von keinem freien Willen des Menschen sprechen, den allein nur Gott hat! Aber - es entspricht Seinem Willen, dass die Liebesantwort auf sein Liebeswerben in völliger Freiheit getroffen wird, ohne Zwang.

Aus diesem Grund hat Gott einen Heilsplan aufgestellt, an dessen Anfang Christus, der Sohn Seiner Liebe steht, in dessen Mitte das Kreuz aufgerichtet wurde, und an dessen Ende wieder der Sohn steht, in dessen Namen "Jesus" sich freiwillig gemäß Phil 2:9-11 jedes Knie beuge und jede Zunge huldige, "Herr ist Jesus Christus, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters."

So wird das Kreuz auf Golgatha das sichtbare Zeichen der Liebe Gottes, "denn so liebt Gott die Welt, dass Er Seinen einzig gezeugten Sohn gibt, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht umkomme, sondern äonisches Leben habe (Joh 3:16).

Wir könnten. jetzt unser angefangenes Thema noch lange mit großer Freude und Leidenschaft fortsetzen, doch wir sind ja bei Jakob und seiner Liebe zu Rahel, die uns einen kleinen Abglanz davon gibt, wozu der Mensch fähig ist, Liebe zu gewinnen, wobei Jakob nur Menschliches tut, nämlich viele Jahre zu dienen, Gott hingegen das kaum Fassbare tut, den Sohn Seiner Liebe für uns hinzugeben, um uns erkennen zu lassen, einmal, was Gottesferne durch Sünde bedeutet, und zum anderen, was das Opfer Jesu Christi bedeutet, um Gottes Liebe aufleuchten zu lassen.

Aus Liebe ist Jakob erst einmal bereit, dem Laben sieben Jahre um Rahel. zu dienen - aus Liebe war Gott bereit, uns alles zugeben, was Er geben konnte; hierzu lesen wir die köstlichen Worte Jesu in Joh 17:26:

"Ich habe ihnen Deinen Namen bekanntgemacht und werde ihn bekanntmachen, damit die Liebe, mit der Du Mich liebst, in ihnen sei und Ich in ihnen."

Am Ende, von dem 1Kor 15:27-28 berichtet, wird Gottes Liebe alles einhüllen und auch Seine Liebe gestillt sein!






Jakobs Dienst und Heirat 15

Die Söhne der Lea 32