Die Zeugung des Sohnes Gottes: Unterschied zwischen den Versionen
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Wir erinnern nur an Ps 2, in dem Gott bereits von Seinem Sohne redet, Ihn Seinen Gesalbten nennt, ,Seine zukünftige Herrschaft über die Erde weissagt und die Könige auffordert, sich Ihm zu unterwerfen. Und Agur, der Mitverfasser der Sprüche, konnte durch den Geist bezeugen: „Was ist Sein (des Schöpfers) Name, und was der Name Seines Sohnes, wenn du es weißt“ (Spr 30:4). <br/><br/> | Wir erinnern nur an Ps 2, in dem Gott bereits von Seinem Sohne redet, Ihn Seinen Gesalbten nennt, ,Seine zukünftige Herrschaft über die Erde weissagt und die Könige auffordert, sich Ihm zu unterwerfen. Und Agur, der Mitverfasser der Sprüche, konnte durch den Geist bezeugen: „Was ist Sein (des Schöpfers) Name, und was der Name Seines Sohnes, wenn du es weißt“ (Spr 30:4). <br/><br/> | ||
==='''Jesus | ==='''Jesus ist aus Gott'''=== | ||
Das sind Gottes Worte | Das sind Gottes Worte, die offen und unverhüllt das vormenschliche Dasein Christi als Sohn bezeugen. Auch Jesus weist in Seinen Erdentagen auf diese Wahrheit hin. In Seiner Verteidigungsrede an die Juden, als diese in schändlicher Weise von Seiner Geburt von Maria redeten, entgegnete Er ihnen: „Aus Gott ging Ich aus!“ Und als Er sich anschickte dieser Erde wieder zu verlassen, bezeugte Er erneut, dass Er von Gott oder vom Vater ausgegangen sei (Joh 16:27-28; Joh 17:8). | ||
Seine buchstäbliche Geburt in Bethlehem, durch die Er in unsere Gleichgestalt einging, um die Aussöhnung von Himmel und Erde vollbringen zu können, hat Ihn uns erst so nahe gebracht, dass die Schrift Ihn von da an sogar als unsern Bruder bezeichnet! Wir sollten aber nie Sein vorweltliches Hervorgehen aus Gott übersehen; denn es ist der eigentliche Urquell unserer Errettung und Seligkeit. Für Christus war es der Grund Seiner Gottessohnschaft, weil dadurch die eigentliche Sohneseinsetzung stattfand. Nicht ein hochstehendes himmlisches Geschöpf hat Gott gesandt, das dann als Sohn bezeichnet wurde, sonder den Einen, der bereits Sohn war. | |||
Wir können sicher sein, dass Paulus, wenn er Gott den Vater unseres Herrn Jesu Christi nannte, immer Sein vormenschliches Hervorgehen aus Gott damit verband. Somit müssen in unserem Bekenntnis Seiner Gottessohnschaft bewusst und erkenntnismäßig beide Ereignisse inbegriffen sein. | |||
Ein Gottessohn ohne Anfang wie Gott stimmt demnach nicht mit der Schrift überein; denn dies würde das Vater- und Sohnesverhältnis völlig auflösen und zerstören. Wenn Christus Sein Dasein aus der anfangslosen Unendlichkeit herleiten könnte, wie Sein Vater, so wäre Er nicht Sohn, sondern wie Gott selbst, und es wären überhaupt keine Unterschiede festzustellen zwischen Gott und Ihm. Wir hätten dann faktisch zwei Götter, und das würde einen radikalen Umsturz der bestehenden Gottesordnung bedeuten: Gott würde Seiner Würde, ,alleiniger Gott zu sein, beraubt, und Christus Seiner Sohnschaft entkleidet. Für die Schöpfung müsste dies unausdenkbar schlechte Folgen haben. Wenn wir aber das Zeugnis der Schrift annehmen, wird uns stets die Vater- und Sohnesherrlichkeit aufleuchten und entgegen strahlen. | |||
Gott hat Seinen Sohn nicht zum Selbstzweck ins Dasein gerufen, sondern damit Er sein Offenbarer werde. Das will besagen, dass alle Gottesenthüllung nur in Ihm und durch Ihn, den Sohn, vermittelt wird. Dieser hohe Beruf findet sich gleich in Seinem, Ihm vom Vater gegebenen Titel angedeutet: „Der Erstgeborene einer jeden Schöpfung!“ Wie eine hellstrahlende Sonne erleuchtet dieser Christusname jene Urperiode mit einer solchen Klarheit, dass schon Sinn und Sein der Schöpfung deutlich erkannt werden kann, längst bevor Gott sie erschuf. Und schon brechen aus diesem Namen die ersten Strahlen der Liebe des Schöpfers zu dieser Schöpfung hervor. | |||
Die früheste, gar kostbare Offenbarung, die uns Christus als der Erstgeborene und damit als Sohn Gottes übermittelt, ist der Vatername Gottes, denn wer einen Sohn besitzt ist Vater. Hier wohl noch beschränkt auf den Sohn; aber doch können schon die Züge der Liebe Gottes zu den auf Ihn Folgenden erkannt werden. <br/><br/> | |||
====<big> Das All ist aus Gott</big>==== | |||
Denn dass solche kommen würden, liegt gleichfalls in dem Namen „Erstgeborener“ mit eingeschlossen, sonst hätte ja diese Bezeichnung keinen Sinn. Ferner sind in ihr wichtige Wahrheiten über die Entstehung des Alls mit inbegriffen. Auf den, der die höchste Würde erhielt folgen alle anderen, geringeren Ranges; aber alle haben den gleichen Ursprung: Gott. Diese Schöpfungen gehen nach einer bestimmten Reihenfolge vor sich, und allen voran, als Erster, steht der Sohn. | |||
Mit Ihm hat das gewaltige „das All aus Gott“ seinen Anfang genommen. Damals hat Gott von allem, das sich in Ihm befand, das Ihm Liebste und Wertvollste ins Dasein gerufen, Seinen geliebten Sohn, während alles anderen noch in Ihm verblieb. Es will fast scheinen, dass in dieser Gottestat die Bezeichnung Christi als „der Auserwählte“ wurzelt; denn indem Ihn Gott aus allen heraus zuerst ins Leben rief, kommt dies einer Auserwählung gleich. | |||
Durch Seinen, in seiner Art einzigen, vorweltlichen Anfang ist Christus für jede nachfolgende Schöpfung Ursache und Ursprung, Weg- und Bahnbereiter geworden. Dieser wichtige göttliche Heilsvorsatz wird in der Schrift mit den kurzen Worten ausgedrückt, Er sei „der Ursprung der Schöpfung Gottes“ (Offb 3:14). Und Kol 1:18: „... Welcher isst der Anfang ...“ Somit ist Er der Urheber (wörtlich: Oberster-Einführer) aller Schöpfungen. | |||
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Version vom 29. Juli 2022, 16:02 Uhr
Aus der Reihe: Christi unausspürbarer Reichtum
Die ersten Gottes- und Christusoffenbarungen in der Vorschöpfungsperiode des Alls
von M. Jaegle und Mitarbeitern (1983)
Abschrift mit freundlicher Genehmigung von Gerhard Groß, Balingen
Dort als Schrift noch erhältlich.
Siehe weitere Abschriften:
Inhaltsverzeichnis
Die ersten Gottes- und Christusoffenbarungen in der Vorschöpfungsperiode des Alls
2. Die Zeugung des Sohnes Gottes
Wie wir aus dem Vorhergehenden erkennen durften, war Gottes Herz schon von einem fertigen Plan erfüllt, als die Schöpfung noch eingeschlossen war in Ihn. Das Ziel und der dahin führende Weg lagen ihm klar vor Augen; alles war aufs Beste vor- und zubereitet.
So dürfen wir nun Zeugen davon sein, wie sich unser großer Gott ans Schaffen macht. Sollten darum, unsere Herzen nicht mit brennendem Interesse für Seine wunderbaren Erstlingswerke erfüllt sein und mit der Frage: „Wie und mit was mag Er wohl beginnen?“
Es wäre verfrüht, Gott nun sofort bei der Erschaffung des Alls sehen zu wollen. Derselben gehen hochbedeutende Taten voraus, die noch vorbereitenden Charakter haben. Jede ist eine neue Gewähr für die Erreichung des von Gott gesetzten Zieles. Gleich mit der ersten Schöpfungstat legt Er das eigentliche Fundament, auf welchem Er weiter aufbaut, welches nie wanken und mit dem Er nie eine Enttäuschung erleben wird. Diese Tat ist die Zeugung Seines Sohnes C h r i s t u s J e s u s.
Hier haben wir wieder eine der Wahrheiten, die stark unter Verdunkelung gelitten haben, und zwar durch die dogmatische Formel, Christus sei von Ewigkeit her. Es sei zugestanden, dass darin wohl ein Bestreben liegt, Ihm die größtmöglichsten Ehren zukommen zu lassen. Wenn dies aber zu einer Korrektur an Gottes Wort ausartet, so wird ungewollt das Gegenteil erreicht, und das trifft in diesem Falle zu. Wie wir noch sehen werden, ist es ein unbedachtes Verdunkeln Seiner Sohneswürde, ja ein verschleiertes Leugnen der Gottessohnschaft Christi, das Seiner wahren Stellung an die Wurzel greift.
Der Erstgeborene der Schöpfung
Das Zeugnis Gottes über Seinen Sohn lautet wesentlich anders; denn Kol 1, in dem Brief, der die tiefsten und herrlichsten Offenbarungen von Christus enthält, wird Er genannt (Kol 1:15).
- “Der E r s t g e b o r e n e einer jeden S c h ö p f u n g“
Und Offb 3:14 nennt Er Sich selber:
- “Den A n f a n g (oder U r s p r u n g) der S c h ö p f u n g G o t t e s“.
Zahlreich und mannigfaltig sind die uns von Gott geschenkten Offenbarungen über Seinen Sohn. Ja, wir können Sein Wort überhaupt als die Enthüllung Jesu Christi ansprechen; denn ihr Hauptinhalt ist von Anfang bis Ende Christus.
Was hier nun von Gottes Sohn ausgesagt wird, gehört zu den Christusenthüllung, die am weitesten in die Vergangenheit zurück reichen. Gott selbst spricht von Ihm als dem „Erstgeborenen“ und als einer „Schöpfung“. Wohl würde es kein Gläubiger wagen, von sich aus also über den Sohn Gottes zu reden. Aber nun ist es Gott selber, der die Zeugung und damit einen Anfang Seines Sohnes lehrt. Und Er macht in Seinem Wort jedem diese Wahrheit zugänglich und regt damit dazu an, weiter darüber nachzusinnen.
An dieser Stelle mag es angebracht sein, noch ein besonderes Wort über den biblischen Sinn der Ausdrücke Erstgeborener, Zeugung, Geburt und Schöpfung zu sagen. Der Titel „Erstgeborener“ bezeichnet im Orient vor allem die hohe Stellung, die dem ältesten Sohne zukam. Wenn ein Mann keinen, der nur einen unwürdigen Sohn besaß, konnte er einen Knaben adoptieren und ihn als seinen Erben den Erstgeborenen nennen. Aus diesem Grunde ist anzunehmen, dass die Stelle Kol 1:15 sich in erster Linie auf Christi einzigartigen Rang bezieht, der Ihn hoch über jede andere Schöpfung Gottes erhebt. Sie lehrt aber schwerlich einen Anfang Christi durch den gleichen Vorgang, den wir in unseren modernen Sprachen als eine Geburt bezeichnen. Gott hat das ganze All aus Sich ins Dasein gerufen, und es hat Ihm gefallen, dies eine Erschaffung zu nennen. Christus bildet hier keine Ausnahme, wie aus allen Stellen hervorgeht, die Seinen und unseren Ursprung aus der gleichen Quelle bezeugen (Hebr 2:11; Joh 20:17) und Ihn als einen Schöpfung bezeichnen. Es ist wichtig, die hervorzuheben, weil die christlichen Kirchen sich seit jeher mit der Frage beschäftigen und sich darüber gestritten haben ob der vormenschliche Christus vom Vater gezeugt und geboren oder geschaffen wurde. Und weil außerdem Menschen nur zu sehr dazu neigen, irdische Vorgänge zur Erklärung dieser Gottestat heranzuziehen.
Viel Verwirrung ist auch dadurch entstanden, dass man nicht zwischen buchstäblichen und bildlichem Gebrauch biblischer Bezeichnungen unterscheiden konnte. Wenn in der Schrift von einer Wiedergeburt, vom Geboren-Werden aus Wasser und Geist (Joh 3:3-8) gesprochen wird, so ist das nicht buchstäblich aufzufassen, wie es Nikodemus irrtümlich meinte. Wenn Johannes sagt (1Jo 5:18-19), wir seien aus Gott geboren oder gezeugt, im Gegensatz zur ganzen übrigen Welt, so ist das keine Widerspruch zu der Wahrheit, das All sei aus Gott; denn hier ist von bildlicher Zeugung zu einem neuen, geistlichen Leben die Rede. So wurde auch Christus nur einmal buchstäblich zum Menschen gezeugt und geboren von Seiner Mutter Maria. Sein Hervorgehen aus Gott vor jeder anderen Schöpfung wird ebenfalls nur in bildlicher Sprache eine Zeugung oder Geburt genannt. Wieder und wieder wird Er bei Johannes als der „Einzig-Gezeugtee“ bezeichnet. Buchstäblich war Er dies im Stande Seiner Erniedrigung. Es war diese einzigartige Zeugung von Gott, die Ihn von allen andern Menschen unterschied. Wenn wir aber von Seinem ersten Anfang reden, ist es besser, Sein Hervorgehen aus Gott, in der Sprache der Inspiration, eine Schöpfung zu nennen.
Eine weitere Bestätigung dafür, das „Erstgeborener“ nicht wörtlich zu nehmen ist, finden wir einige Verse weiter. Kol 1:18 wird Christus genannt: „Der Erstgeborene aus den Toten“. Nun war Seine Auferstehung keine buchstäbliche Geburt, sondern ein Hervorgehen zu einem neuen Leben, das deshalb in einigen Punkten einer Geburt ähnelt und darum bildlich mit einer solchen verglichen werden kann. Da außerdem die Grundbedeutung des Wortes „gebären“ im Griechischen „hervorbringen“ ist, reden beide Bezeichnung Christi als dem Erstgeborenen von Seinem Hervorgebracht-Werden, das erste Mal aus Gott zu Seinem Lebensanfang, das zweite Mal aus den Toten, zu einem neuen Anfang. Möge sich unsere Gedankenwelt hier einer strengen Zucht unterziehen und sich strikte daran halten, dass vor dem „wie“ dieser Gottestat eine Verhüllung steht und nicht eine Enthüllung.
Diese Warnung kann noch eindringlicher gemacht werden durch den Hinweis darauf, dass Zeugen und Erzeugen von Lebewesen, so wie wir es kennen, von Gott eingeführt wurde, nachdem schon Sünde und Tod in die Menschen eingedrungen waren, und dies daher unserem Zustand der Sterblichkeit angepasst werden musste. Diese Einrichtung, wenn sie auch göttlich ist, und deshalb Gottes schöpferische Kraft in gewaltigem Maße zum Ausdruck u bringen vermag, muss trotzdem auf tiefstehender Stufe gesehen werden. Sie ähnelt ja in vielem derjenigen in der Tierwelt. Das Gesetz der Sünde und des Todes hat ihr eben seinen Stempel aufgeprägt. Sie ist deshalb nur vorübergehend und wird einmal abgetan werden (Lk 20:35-36).
Gottes erste Schöpfung
Wenn jedoch Gott aus Sich Leben hervorbringt, so hat eine solche Schöpfungstat nichts gemein mit dem Vorgang im menschlichen Leben. Er hat da Möglichkeiten, von denen wir keine Ahnung haben und die wir auch nicht begreifen noch verstehen könnten. Deshalb muss die Erschaffung des Sohnes Gottes, als Gottes erste Schöpfung, in einer so hohen Region des vollkommenen Lebens erfolgt sein, dass unser Glaube nicht ausreicht, dahin zu folgen, und menschliche Geburten viel zu dunkel sind, um auch nur im Geringsten diese göttliche Erschaffung widerzuspiegeln. In der Vorschöpfungsperiode haben ja noch andre Lebenserzeugungen von Gott stattgefunden, aber alles sind in einer höheren, edleren und geheiligteren Art erfolgt als die menschlichen, da ja in jener Sphäre weder Sünde noch Tod herrschten.
Wenn nun dieser unserer Auslegung das Bestreben zugrunde liegt, dem Glauben soviel wie nur möglich aus jener Urzeit zu bieten, worüber klare Gottesworte vorhanden sind, so will sie doch grundsätzlich alles vermeiden, was solche, die weiter forschen, auf das Gebiet der Spekulationen führen könnte. Gott that uns ja wirklich viel über die Vorschöpfungsperiode geoffenbart, aber im Verhältnis zu allen darin liegenden und sich darin abwickelnden Vorgängen ist es doch nur ein ganz bescheidener Teil. Wir wollen uns deshalb von dem zurückhalten, was sich Gott vorbehalten hat, uns im zukünftigen Leben noch zu offenbaren.
Wir haben es auch garnicht nötig, diese Einzäunungen zu überschreiten; denn auf diesem eingeschränkten Wege werden wir zu einer Fülle tiefster und reichster Gotteserkenntnis geführt.
Nachdem uns nun Gottes Wort selbst Anleitung zum Gehen auf dem betretenen Wege gegeben hat, können wir darüber beruhigt sein, dass diesen Gottesgedanken über Seinen Sohn nachzuspüren, für Ihn niemals erniedrigend sein kann. IM Gegenteil, wir werden Ihn, den Sohn Gottes, gerade auf diesem Wege im lichtesten Glanz Seiner Sohneswürden und im hellsten Schein Seiner größten und hehrsten Sohnesehren erschauen.
So tief nun dieser Ausspruch im Kolosserbrief auch gehen mag, so bedeutet er keineswegs etwas vollständig Neues. Schon die hebräischen Schriften bezeugen Christi vorweltliches Dasein und Seinen Anfang aus Gott.
Wir erinnern nur an Ps 2, in dem Gott bereits von Seinem Sohne redet, Ihn Seinen Gesalbten nennt, ,Seine zukünftige Herrschaft über die Erde weissagt und die Könige auffordert, sich Ihm zu unterwerfen. Und Agur, der Mitverfasser der Sprüche, konnte durch den Geist bezeugen: „Was ist Sein (des Schöpfers) Name, und was der Name Seines Sohnes, wenn du es weißt“ (Spr 30:4).
Jesus ist aus Gott
Das sind Gottes Worte, die offen und unverhüllt das vormenschliche Dasein Christi als Sohn bezeugen. Auch Jesus weist in Seinen Erdentagen auf diese Wahrheit hin. In Seiner Verteidigungsrede an die Juden, als diese in schändlicher Weise von Seiner Geburt von Maria redeten, entgegnete Er ihnen: „Aus Gott ging Ich aus!“ Und als Er sich anschickte dieser Erde wieder zu verlassen, bezeugte Er erneut, dass Er von Gott oder vom Vater ausgegangen sei (Joh 16:27-28; Joh 17:8).
Seine buchstäbliche Geburt in Bethlehem, durch die Er in unsere Gleichgestalt einging, um die Aussöhnung von Himmel und Erde vollbringen zu können, hat Ihn uns erst so nahe gebracht, dass die Schrift Ihn von da an sogar als unsern Bruder bezeichnet! Wir sollten aber nie Sein vorweltliches Hervorgehen aus Gott übersehen; denn es ist der eigentliche Urquell unserer Errettung und Seligkeit. Für Christus war es der Grund Seiner Gottessohnschaft, weil dadurch die eigentliche Sohneseinsetzung stattfand. Nicht ein hochstehendes himmlisches Geschöpf hat Gott gesandt, das dann als Sohn bezeichnet wurde, sonder den Einen, der bereits Sohn war.
Wir können sicher sein, dass Paulus, wenn er Gott den Vater unseres Herrn Jesu Christi nannte, immer Sein vormenschliches Hervorgehen aus Gott damit verband. Somit müssen in unserem Bekenntnis Seiner Gottessohnschaft bewusst und erkenntnismäßig beide Ereignisse inbegriffen sein.
Ein Gottessohn ohne Anfang wie Gott stimmt demnach nicht mit der Schrift überein; denn dies würde das Vater- und Sohnesverhältnis völlig auflösen und zerstören. Wenn Christus Sein Dasein aus der anfangslosen Unendlichkeit herleiten könnte, wie Sein Vater, so wäre Er nicht Sohn, sondern wie Gott selbst, und es wären überhaupt keine Unterschiede festzustellen zwischen Gott und Ihm. Wir hätten dann faktisch zwei Götter, und das würde einen radikalen Umsturz der bestehenden Gottesordnung bedeuten: Gott würde Seiner Würde, ,alleiniger Gott zu sein, beraubt, und Christus Seiner Sohnschaft entkleidet. Für die Schöpfung müsste dies unausdenkbar schlechte Folgen haben. Wenn wir aber das Zeugnis der Schrift annehmen, wird uns stets die Vater- und Sohnesherrlichkeit aufleuchten und entgegen strahlen.
Gott hat Seinen Sohn nicht zum Selbstzweck ins Dasein gerufen, sondern damit Er sein Offenbarer werde. Das will besagen, dass alle Gottesenthüllung nur in Ihm und durch Ihn, den Sohn, vermittelt wird. Dieser hohe Beruf findet sich gleich in Seinem, Ihm vom Vater gegebenen Titel angedeutet: „Der Erstgeborene einer jeden Schöpfung!“ Wie eine hellstrahlende Sonne erleuchtet dieser Christusname jene Urperiode mit einer solchen Klarheit, dass schon Sinn und Sein der Schöpfung deutlich erkannt werden kann, längst bevor Gott sie erschuf. Und schon brechen aus diesem Namen die ersten Strahlen der Liebe des Schöpfers zu dieser Schöpfung hervor.
Die früheste, gar kostbare Offenbarung, die uns Christus als der Erstgeborene und damit als Sohn Gottes übermittelt, ist der Vatername Gottes, denn wer einen Sohn besitzt ist Vater. Hier wohl noch beschränkt auf den Sohn; aber doch können schon die Züge der Liebe Gottes zu den auf Ihn Folgenden erkannt werden.
Das All ist aus Gott
Denn dass solche kommen würden, liegt gleichfalls in dem Namen „Erstgeborener“ mit eingeschlossen, sonst hätte ja diese Bezeichnung keinen Sinn. Ferner sind in ihr wichtige Wahrheiten über die Entstehung des Alls mit inbegriffen. Auf den, der die höchste Würde erhielt folgen alle anderen, geringeren Ranges; aber alle haben den gleichen Ursprung: Gott. Diese Schöpfungen gehen nach einer bestimmten Reihenfolge vor sich, und allen voran, als Erster, steht der Sohn.
Mit Ihm hat das gewaltige „das All aus Gott“ seinen Anfang genommen. Damals hat Gott von allem, das sich in Ihm befand, das Ihm Liebste und Wertvollste ins Dasein gerufen, Seinen geliebten Sohn, während alles anderen noch in Ihm verblieb. Es will fast scheinen, dass in dieser Gottestat die Bezeichnung Christi als „der Auserwählte“ wurzelt; denn indem Ihn Gott aus allen heraus zuerst ins Leben rief, kommt dies einer Auserwählung gleich.
Durch Seinen, in seiner Art einzigen, vorweltlichen Anfang ist Christus für jede nachfolgende Schöpfung Ursache und Ursprung, Weg- und Bahnbereiter geworden. Dieser wichtige göttliche Heilsvorsatz wird in der Schrift mit den kurzen Worten ausgedrückt, Er sei „der Ursprung der Schöpfung Gottes“ (Offb 3:14). Und Kol 1:18: „... Welcher isst der Anfang ...“ Somit ist Er der Urheber (wörtlich: Oberster-Einführer) aller Schöpfungen.
